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"Das Boot" als Serie: Gelungene Fortsetzung oder billiger Abklatsch?

Alle Mann an Deck – oder doch lieber auf Tauchstation gehen? "Das Boot" meldet sich auf Sky als Serie zurück.
Alle Mann an Deck – oder doch lieber auf Tauchstation gehen? "Das Boot" meldet sich auf Sky als Serie zurück.

Mit "Das Boot" hat Sky nach "Babylon Berlin" seine zweite deutsche Eigenproduktion auf den Weg geschickt. Doch ist eine Serie, die den gleichen Titel wie einer der besten deutschen Filme trägt, überhaupt würdig, diesen zu übernehmen? Oder sollte sich die Besatzung lieber auf Tauchstation begeben? 

Keine Frage, die Ankündigung, dass "Das Boot" als Serie zurückkehren soll, hat bei mir für viel Skepsis gesorgt. Wolfgang Petersens Meisterwerk von 1981 neu aufgelegt? Danke, ciao!

Doch dann wurden die Informationen etwas konkreter: Die Serie soll auf keinen Fall ein Aufguss des Filmklassikers werden, sondern die Geschichte weitererzählen. Es sollen keinerlei Verbindungen zum Original hergestellt werden. Zudem fiel mit 26 Millionen Euro das Produktionsbudget ziemlich großzügig aus. Doch war es gut investiertes Geld?

Serie und Film teilen nur den Titel

Gleich zu Beginn der ersten Episode dachte ich: "Alles klar, nach Neuausrichtung sieht mir das aber nicht aus". Denn die Szenen, die gezeigt wurden, gab es in nahezu identischer Form schon im Film zu sehen. Den hatte ich mir wohlweislich kurz vorher noch mal angesehen. Doch dann kam alles anders ...

Tom Wlaschiha spielt in "Das Boot" den Kriminalrat Hagen Forster, ... fullscreen
Tom Wlaschiha spielt in "Das Boot" den Kriminalrat Hagen Forster, ...
... der ein Auge auf Simone Strasser geworfen hat. fullscreen
... der ein Auge auf Simone Strasser geworfen hat.
Robert Stadlober hat es sich als Hinrich in der U-Boot-Küche gemütlich gemacht. fullscreen
Robert Stadlober hat es sich als Hinrich in der U-Boot-Küche gemütlich gemacht.
Konkurrenzkampf! Wer setzt sich am Ende durch? fullscreen
Konkurrenzkampf! Wer setzt sich am Ende durch?
Tom Wlaschiha spielt in "Das Boot" den Kriminalrat Hagen Forster, ...
... der ein Auge auf Simone Strasser geworfen hat.
Robert Stadlober hat es sich als Hinrich in der U-Boot-Küche gemütlich gemacht.
Konkurrenzkampf! Wer setzt sich am Ende durch?

Denn nachdem das Intro gezeigt wurde, schlug die "Das Boot"-Serie eine ganz andere Richtung ein. Weg von der beklemmenden Enge, die das Original so spannend und intensiv gemacht haben. Und vor allem weg aus dem Wasser und rauf aufs Festland. Ein Großteil der Handlung spielt nämlich in Frankreich bzw. La Rochelle.

Die Story der Serie

"Das Boot" setzt ziemlich genau ein Jahr nach den Geschehnissen aus dem Film von Wolfgang Petersen ein. Doch in der Serie steht nicht die Crew der U-96 im Fokus, sondern die Besatzung der U-612, die unter der Führung von Kapitänleutnant ("Herr Kaleun") Klaus Hoffmann gleich zu Beginn ausläuft, um sich auf den Weg in fremde Gewässer zu machen.

Parallel dazu geht es aber auch um die junge Simone Strasser, die es von Deutschland nach La Rochelle verschlagen hat, um dort nach dem Tod ihrer Eltern ihren Bruder zu treffen. Lange haben die beiden jedoch nichts voneinander, denn Frank Strasser muss in seiner Funktion als Funkmaat kurzfristig mit der U-612 auslaufen. Kurz bevor er den Hafen verlässt, drückt Frank seiner Schwester etwas in die Hand, mit der Bitte, es nachts zu einem bestimmten Treffpunkt zu bringen.

Der dritte Handlungsstrang dreht sich um Kriminalrat Hagen Forster ("Game of Thrones"-Star Tom Wlaschiha), für den Simone als Übersetzerin arbeitet. Für sie beginnt eine brenzliche Gratwanderung, denn durch ihren Bruder wird sie in die aufkeimende Résistance verwickelt – und wäre damit für Forster buchstäblich auf der Abschussliste, sollte er es je erfahren.

Starke Frauenfiguren

Interessant ist, dass "Das Boot" von der rein männlichen Besetzung, die es noch im Film gab, in der Serie komplett abweicht. Natürlich ist auch hier die Besatzung des U-Boots männlich – das lässt sich angesichts der damaligen Rollenverteilung auch schwer umkehren. Doch die Handlungen an Land gehen fast ausschließlich aufs Konto starker Frauenfiguren. Simone, die allein nach La Rochelle kommt, geht ein hohes Risiko ein, indem sie der Résistance beiwohnt und zugleich Kriminalrat Forster zur Seite steht.

Vicky Krieps als Simone Strasser auf gefährlicher Mission. fullscreen
Vicky Krieps als Simone Strasser auf gefährlicher Mission.
Lizzy Caplan als Carla Monroe, die Anführerin einer Résistance-Zelle. fullscreen
Lizzy Caplan als Carla Monroe, die Anführerin einer Résistance-Zelle.
Vicky Krieps als Simone Strasser auf gefährlicher Mission.
Lizzy Caplan als Carla Monroe, die Anführerin einer Résistance-Zelle.

Apropos Résistance: Die wird nicht etwa von einer Männergruppe angeführt, sondern von einer skrupellosen Frau, die für ihr Ziel bereit ist, zahlreiche und unschuldige Opfer zu bringen. Alles dient einem höheren Ziel: dem Untergang der Deutschen und dem daraus resultierenden Kriegsende.

Klaus Doldinger lässt grüßen

Dass die Serie einen anderen Ansatz als der Film verfolgt, wird schon direkt im Vorspann klar: An erster Stelle der Besetzung wird Vicky Krieps genannt, die Simone Strasser verkörpert. Allein damit distanziert sich "Das Boot" auf Anhieb davon, einfach nur ein Aufguss des Filmklassikers zu sein.

Auf eines können Regisseur Andreas Prochaska und sein Team dann aber doch nicht verzichten: das markante und unverkennbare musikalische Thema von Klaus Doldinger. Spätestens wenn diese Klänge ertönen, schießen einem die Bilder des Films durch den Kopf.

Einschalten oder wegschalten?

Natürlich stellt sich nun die Frage: Lohnt es sich, "Das Boot" als Serie anzusehen? Die Antwort lautet: absolut! Andreas Prochaska ist es gelungen, die Geschichte von Wolfgang Petersen weiterzuführen, ohne das Original zu verschandeln oder wie ein billiger Abklatsch zu wirken. Ja, beide Formate teilen vielleicht den gleichen Titel, inhaltlich gehen sie aber ihre ganz eigenen Wege.

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Auch die Serie hat spannende Momente – doch ans Original reichen sie nicht heran.

Das Serienformat erreicht in den Szenen im U-Boot leider nicht die Intensität und das Gefühl der Beklemmung, wie der Film es tut. Wenn die roten Lampen anspringen, der Alarm ertönt und anschließend die Besatzung mit enormer Anspannung den Tiefenmesser beobachtet und bei jedem Knacken und Knartschen mit Schrecken auf die Nieten achtet, regte sich bei mir leider gar nichts. Beim Gucken des Films hätte ich beinahe ins Kissen gebissen, so angespannt saß ich vor dem Fernseher.

Doch wie bereits erwähnt, ist es in meinen Augen auch seitens der Serie gar nicht ihr Anspruch, die gleichen Emotionen hervorzurufen. Dafür entwickelt die Story – vor allem in den ersten Folgen – eine gewisse Sogwirkung, sodass ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Wird das Doppelleben von Simone Strasser auffliegen? Kommt Kriminalrat Forster hinter ihre Verwicklungen in die Résistance?

Das sagt Christin:
Klare Empfehlung für alle, die Gefallen an deutschen Serien gefunden haben. Nach "Dark", "4 Blocks" und "Babylon Berlin" eine weitere starke Produktion aus der Heimat. Weiter so!
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