Meinung

Der coolste Superheld? Für mich ist das Ash aus "Armee der Finsternis"

Ash überwindet seine Schwächen und wird zum Helden.
Ash überwindet seine Schwächen und wird zum Helden. (©Universal Pictures 2018)

In "Armee der Finsternis" kämpft der Haushaltswarenverkäufer Ash Williams im Mittelalter gegen Dämonen. Der irrsinnige Slapstick-Fantasy-Film erreichte auch dank des Hauptcharakters Kultstatus. Im Gegensatz zu vielen Comic-Superhelden ist Ash nämlich ein fehlerhafter Mensch, der sich immer wieder selbst überwinden muss – und der gerade deshalb inspiriert.

Ist Ash ein Horror-, Fantasy- oder gar Slapstick-Held?

"Armee der Finsternis" von Regisseur Sam Raimi ("Spider-Man") und mit Bruce Campbell in der Hauptrolle kam 1992 als dritter Teil der "Tanz der Teufel"-Serie ins Kino. Der erste Teil aus dem Jahr 1981 sowie dessen Remake von 2013 sind eher dem Horror-Genre zuzuordnen; "Tanz der Teufel 2" (1987) und insbesondere "Armee der Finsternis" mischen dem blanken Horror mehr Comedy- und Slapstick-Elemente unter.

Von 2015 bis 2018 produzierte das Team um Sam Raimi und Bruce Campbell die Serie "Ash vs Evil Dead". Diese versuchte, Splatter-Horror mit Slapstick und sexuellen Anspielungen zu verbinden. Die besten Ableger der "Tanz der Teufel"-Reihe sind meiner Meinung nach das 2013er Remake und der Slapstick-Fantasy-Ableger "Armee der Finsternis". In Letzterem hat Bruce Campbell als Ash Williams seinen größten und aus gutem Grund beliebtesten Auftritt: Er spielt einen Helden, der sich immer wieder selbst überzeugen muss, nicht aufzugeben – und der zugleich selbst die Buddy-Rolle des tollpatschigen Begleiters übernimmt.

Vom Gefangenen zum Retter

Zu Beginn von "Armee der Finsternis" gerät Ash in einen magischen Strudel, der ihn ins britische Mittelalter zurückschickt – mitsamt Auto, Schrotflinte und Kettensäge. Dort nehmen ihn die Ritter von König Artus gefangen, da sie ihn für einen feindlichen Kämpfer aus der Armee von Henry dem Roten halten. Ash leugnet das und versucht sich aus der misslichen Lage herauszureden. Eine Frau namens Sheila, dessen Mann Henrys Rittern zum Opfer gefallen ist, wirft Ash jedoch einen Stein an den Kopf und er stürzt in eine Dämonengrube.

Anfangs ist Ash ein Gefangener von König Artus. (© 2018 Universal Pictures)

Dank seiner Kettensäge, die ihm der Hofgelehrte hinab wirft, kann Ash den Dämonen unerwartet bezwingen. Er klettert aus der Grube  und nutzt sogleich sein neu erworbenes Ansehen, um mit seiner Schrotflinte anzugeben, die ihm der Hofgelehrte überreichte ("This is my Boomstick!").

Der Gelehrte erkennt Ash sogar als den "Prophezeiten" und so wird er dann auch von den Bewohnern des Hofs von König Artus behandelt. So bringt es Ash in kürzester Zeit vom Gefangenen, der feige um sein Leben bangt, zum mutigen Volkshelden.

Wie einst Luke Skywalker: Ash entkommt als Einziger der Dämonengrube. (© 2018 Universal Pictures)

Der Hofgelehrte schickt Ash nun auf eine "Quest", ein magisches Buch zu holen – das aus den Vorgängern bekannte "Necronomicon". Damit lässt sich angeblich das Böse aus dem Land vertreiben. Leider dient es auch zur Beschwörung des Bösen.

Kommunikationsprobleme: Leider hört "der Prophezeite"  dem Gelehrten nicht richtig zu. (© 2018 Universal Pictures)

Auf seiner Reise zum sagenhaften Buch ergreift das Böse Besitz von Ash. Das bleibt aber nicht lange so. Er teilt sich in zwei Wesen auf – sein herkömmliches Selbst und den Anführer der Armee der Untoten. Leider haben es beide auf Sheila abgesehen.

Darum kann Ash inspirieren

Ash hat für einen Helden einige zweifelhafte Charaktereigenschaften – er ist ein vergesslicher Tollpatsch, ein Angeber, ein Aufreißer und häufig ein Feigling. Er kann sich zum Beispiel die Zauberformel "Klaatu Verata Nektu" nicht merken, die er aussprechen muss, bevor er das Necronomicon an sich nimmt. Stattdessen sagt er die ersten zwei Wörter und die erste Silbe des Letzten und räuspert sich dann, als würde das Böse nicht merken, dass er die letzte Silbe ausgelassen hat.

Leider hat Ash die letzte Silbe des Zauberspruchs vergessen. (© 2018 Universal Pictures)

Wie zu erwarten funktioniert der Trick nicht und das Böse wird nun vollends entfesselt. Nachdem Ash dem Gelehrten das Buch gebracht hat, bittet er darum, möglichst schnell nach Hause zurückgeschickt zu werden – obwohl die Ritter und Handwerker in Artus' Hof nun dem Bösen ausgeliefert sind. Ash gibt auch noch damit an, dass er aus der Zukunft kommt und den "primitiven Blechköpfen" und "Primaten" des Mittelalters überlegen sei.

Dank seiner Vergesslichkeit beschwört Ash die Armee der Untoten. (© 2018 Universal Pictures)

Doch als seine Flamme Sheila von seinem bösen Alter Ego entführt wird, überwindet Ash seine Feigheit und Arroganz. Er führt die verbliebenen Ritter mit beispielhaftem Heldenmut im Kampf gegen die namensgebende Armee der Finsternis an. Dafür bringt er ihnen naturwissenschaftliches Wissen bei, mischt mit dem Gelehrten Schießpulver zusammen und baut mit dem Schmied sein Auto zu einer Kampfmaschine um.

Ash ist nicht perfekt wie Superman und Wonder Woman– zum Glück

Seine Fehler machen Ash zu einem interessanteren und facettenreicheren Helden als viele moderne Superhelden wie Superman. Supermans einzige Schwäche ist ein außerirdisches Gestein, Kryptonit, aber er hat einen praktisch einwandfreien Charakter. Er versucht, seinen beiden Rollen als guter Amerikaner aus Kansas und als guter Superheld vom Planeten Krypton gerecht zu werden. Beides sind rein positive Rollen.

Zu perfekt? Superman ringt zwar mit seiner Rolle auf Erden, aber kaum mit Charakterdefiziten. (© 2017 Warner Bros. Entertainment)

Ähnliches gilt für Wonder Woman. In den Comics hat sie zwar einige körperliche Schwächen, kann durch Waffen verletzt werden oder ihre Kräfte verlieren, wenn ihr ein Mann die Hände zusammenbindet (jedenfalls in den frühen Comics – ja, wirklich). Doch davon ist in den aktuellen Filmen mit Gal Gadot nichts mehr zu sehen. Nur ihr naiver Glaube, dass jeder Mensch im Grunde gut ist, erweist sich als verhängnisvoll. Wie Ash-Darsteller Bruce Campbell selbst gegenüber der L.A. Times (via Screenrush) sagte "Mein einziges Problem mit Superhelden besteht darin, dass sie zu perfekt sind."

Und das sind die Helden unserer Zeit: Übermenschliche Wesen, die so perfekt sind, dass man als Normalsterblicher kaum auf die Idee kommt, sie nachzuahmen. Erinnerungen an die "perfekte" Inszenierung vieler Menschen in den sozialen Medien werden wach. Ash Williams hingegen hat Fehler und Probleme ohne Ende. Doch trotz aller persönlichen Schwächen beweist er immer wieder Heldenmut und stellt sich auch den größten Gefahren.

Ash muss sich immer wieder aufraffen, um das Richtige zu tun. (© 2018 Universal Pictures)

Das ist ein Vorbild, das vielen Menschen wohl näher liegt als Supermans unbeflecktes Heldendasein, das kaum echte innere Konflikte kennt. Was Ash zum für mich coolsten Helden macht, ist die Selbstüberwindung, die er täglich meistert und die ihn über seine Schwächen hinauswachsen lässt.

Darum ist Ash kein "Antiheld" wie Deadpool

Ash ist dabei nicht mit einem Antihelden zu verwechseln. Der etwas nebulöse Begriff beschreibt eine moderne Figur, die sich nicht durch heroische Qualitäten auszeichnet und die trotzdem Großartiges erreicht – etwa durch bloßen Zufall. Sie verwirklicht große Ziele, wie die Welt zu retten, ohne solche Ziele überhaupt durch ihre Handlungen verfolgt zu haben.

Die "Per Anhalter durch die Galaxis"-Romane von Douglas Adams erzählen zum Beispiel die Geschichten von Antihelden, deren Erfolge vom Zufall bestimmt werden. Auch die Comicfigur Deadpool ist eher ein Antiheld, da dem Ex-Söldner gerade seine Schwächen zum Sieg verhelfen, beispielsweise seine Liebe zur Gewalt. So nahm Wade Wilson alias Deadpool regelmäßig in seiner Stammkneipe Sister Maragret's an Kneipenschlägereien teil und an Wetten, wer der nächste tote Söldner sein würde.

Das sind eher nicht die Tätigkeiten eines klassischen Helden – und auch die ständigen Beleidigungen würde man aus dem Mund von Helden wie Superman wohl nicht hören.

Der gewaltaffine und zynische Deadpool ist eher ein Anti-Held als ein Held. (© 2017 20th Century Fox Home Entertainment)

Ash hingegen besiegt das Böse nicht durch Zufall oder gar durch seine Schwächen. Er erreicht auch nicht einfach Ziele, ohne sich vorher Ziele gesetzt zu haben. Nein, er möchte bewusst die Dämonen besiegen und seine Freundin Sheila retten. Er setzt seine Intelligenz und sein Wissen ein, um überlegene Waffen zu bauen, und er inspiriert Artus und seine Ritter, indem er seine eigene Furcht überwindet.

Fazit: Ein Held aus eigenem Willen

Ash muss immer wieder seinen ganzen Mut zusammennehmen. (© 2018 Universal Pictures)

Ash ist nicht von Anfang an ein lupenreiner Held wie Superman. Er ist ein egozentrischer Angeber, Aufreißer und Angsthase. Er ist auch kein Antiheld, den der Zufall oder gar seine Schwächen zum Erfolg verhelfen. Er ist ein Mensch, der manchmal seinen Schwächen erliegt und der die falschen Entscheidungen trifft. Doch er rafft sich immer wieder auf und wächst über sich selbst hinaus. Und so wird Ash zu einem wahren Helden – und zu einer Inspiration.

Wenn wir uns an perfekten Superhelden zu orientieren versuchen, besteht die Gefahr, dass wir uns selbst überschätzen und einen blinden Fleck für unsere Mängel entwickeln. So glauben wir allzu bereitwillig, dass die Fehler stets bei anderen liegen. Umgekehrt kann es sein, dass wir angesichts so einwandfreier Helden gleich aufgeben und unseren Fehlern erliegen, weil wir es für unmöglich halten, immer moralisch perfekt zu handeln wie sie.

Menschlichere Helden wie Ash hingegen bieten uns die Möglichkeit, uns an ihrem Heldenmut zu orientieren, ohne unsere Schwächen aus den Augen zu verlieren. Sie zeigen, dass wir uns heroische Qualitäten erkämpfen müssen – uns zwar gegen unser schwächeres Selbst. Sie zeigen, dass moralisch richtiges Verhalten eine unablässige Selbstüberwindung bedeutet, das Bezwingen unserer niederen Motive, Triebe und Gewohnheiten. Und dann können auch wir Normalsterblichen wahre Helden sein.

Tipps für Bruce-Campbell-Fans"

  • Das Spiel "Evil Dead: A Fistful of Boomstick" mit coolen Campbell-Sprüchen
  • Die Serie "Jack of All Trades" mit Campbell in einer Ash-ähnlichen Hauptrolle
  • Campbells Auftritt als König der Diebe in den Serien "Hercules" und "Xena"
  • Bruce als Santa Claus in der Folge "Das Geheimnis des Nordpols" (Staffel 1, Folge 4) von "The Quest"

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