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Disneys Live-Action-Remakes sind unnötig – trotzdem will ich sie sehen

Zeichentrick- oder Live-Action-Version? Die Entscheidung fällt mir nicht leicht ...
Zeichentrick- oder Live-Action-Version? Die Entscheidung fällt mir nicht leicht ... (©TURN ON 2018)
Christin Ehlers Würde ein "König der Löwen"-Remake mit Benedict Cumberbatch notfalls aus eigener Tasche zahlen.

"Die Schöne und das Biest", "Dumbo", "Der König der Löwen": Live-Action-Verfilmungen von Disney-Klassikern stehen seit einiger Zeit hoch im Kurs. Dank moderner Technik werden aus niedlichen Zeichentrickhelden realistische Animationsfiguren. Doch brauchen wir das? Ich bin großer Fan der Klassiker, mag aber auch die neuen Adaptionen – und befinde mich damit in einem inneren Zwiespalt.

"Alice im Wunderland" und Co.: Wie alles begann

Es war einmal ... im Jahr 2010, als Disney mit "Alice im Wunderland" den ersten Zeichentrick-Klassiker im neuen Gewand auf die Leinwand brachte. Regisseur Tim Burton, selbst ein Zeitgenosse des Disney-Booms der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre, schickte Mia Wasikowska in der Rolle der abenteuerlustigen Alice in eine kunterbunte, uns nur allzu bekannte Fantasiewelt. Doch etwas war anders: Statt liebevoll gezeichneter Pflanzen, Schlösser, Grinsekatzen und Hutmachern war in der Realfilm-Version alles eine Mischung aus echten Darstellern und aufwendigen CGI-Effekten.

Alice im Wunderland Mia Wasikowska fullscreen
Begründer eines Trends: Mia Wasikowska in der Titelrolle in "Alice im Wunderland" (2010). (©Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved. 2018)

Für Disney erwies sich das Remake als goldrichtige Entscheidung. Vielleicht auch, weil sie mit Johnny Depp als verrücktem Hutmacher ein prominentes Zugpferd an Bord hatten. In jedem Fall spielte die Adaption von Tim Burton bei einem Budget von 200 Millionen US-Dollar weltweit über eine Milliarde US-Dollar (!) ein. Nebenbei gab es noch zwei Oscars für das Realfilm-Remake. "Alice im Wunderland" steht damit auf Platz 33 der erfolgreichsten Filme überhaupt.

Was einmal gut geht, klappt – so oder so ähnlich – noch ein zweites oder drittes Mal. Mit "Maleficent" enterte Angelina Jolie 2014 als dunkle Fee der "Dornröschen"-Geschichte die Kinos – und spielte immerhin noch 758,5 Millionen US-Dollar ein. "Cinderella" (2015) hinkte diesem Erfolg mit 543 Millionen US-Dollar etwas hinterher.

Ich will das nicht – oder doch? Skepsis trifft auf Neugierde

Die Einspielergebnisse der ersten Disney-Realverfilmungen zeigten mehr als deutlich, dass der neue Live-Action-Ansatz bei den Zuschauern sehr gut ankam. Ich allerdings war von Anfang an etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite liebe ich fast alle der alten Zeichentrickfilme von Disney. Selbst heute noch, mit Ü30, hole ich den einen oder anderen Klassiker aus dem Regal (ja, ich habe alle Disney-Filme als Heimkino-Version) und schmeiße ihn in den Player. Einmal wieder Kind sein und sich vollends dem Nostalgie-Feeling hingeben. Das ist zumindest das, was Disney-Filme heute in mir hervorrufen.

Es ist also eine Mischung aus Skepsis und Neugierde, die die Live-Action-Remakes in mir wecken. "Alice im Wunderland", "Maleficent" und "Cinderella" speicherte ich für mich eher in der Kategorie "ganz nett" ab.

All das änderte sich aber im Jahr 2017 mit dem Release eines ganz bestimmten Remakes: "Die Schöne und das Biest". Dieser Film hat mich damals, als er 1991 in die Kinos kam, in seinen Bann gezogen. Umso gespannter war ich auf das Remake mit Emma Watson und Dan Stevens. Noch bevor der erste Trailer erschien, fragte ich mich, was ich sehen will. Eine 1:1-Adaption oder doch eher ein Remake, das teilweise einen neuen Weg einschlägt?

Zwei Ansätze: "Die Schöne und das Biest" versucht es 1:1 ...

Die Version von "Die Schöne und das Biest", die 2017 dann in die Kinos kam, war eine nahezu identische Adaption des Trickfilm-Klassikers. Regisseur Bill Condon ist bei seiner Version auf Nummer sicher gegangen und hat keine allzu großen Experimente gewagt. Von den meisten der Kameraeinstellungen bis zum Score gleicht das Remake von 2017 dem Zeichentrick-Klassiker von 1991 aufs Haar. Klar, es wurden auch neue Songs extra für den Film produziert – eine mutige Entscheidung. Doch auch die von Dan Stevens gesungene Ballade "Evermore" fügt sich nahtlos ins Gesamtbild ein.

Die Schöne und das Biest fullscreen
Die berühmte Tanzszene darf auch in der Realadaption von "Die Schöne und das Biest" nicht fehlen. (©Disney 2017)

Disney bewies durch den 1:1-Ansatz erneut den richtigen Riecher für einen großen Erfolg: "Die Schöne und das Biest" ist mit Abstand die erfolgreichste Live-Action-Adaption von Disney und rangiert inzwischen in der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten auf Platz 14! 1,26 Milliarden US-Dollar spielte das Disney-Remake ein – und kostete dabei mit 160 Millionen US-Dollar gut 40 Millionen weniger als "Alice im Wunderland" sieben Jahre zuvor.

... und "Das Dschungelbuch" wird düster

Einen anderen Weg schlug "Iron Man"-Regisseur Jon Favreau 2015 mit "The Jungle Book" ein. Er bewegte sich bewusst vom "Dschungelbuch"-Klassiker aus dem Jahr 1967 weg und brachte eine wesentlich düstere Version in die Kinos. Von Gute-Laune-Evergreens à la "Probier's mal mit Gemütlichkeit", "Ich wär gern wie Du" oder "Colonel Hathis Marsch" fehlt in "The Jungle Book" jede Spur. Und aus dem verrückten Orang-Utan King Louie wurde ein gefräßiger Affe kolossalen Ausmaßes.

Ich muss gestehen, dass mir dieser Ansatz trotz anfänglicher Skepsis überraschend gut gefiel. Klar, an der Hauptstory hat sich nicht viel geändert. Es geht immer noch um Findelkind Mogli, der von Wölfen großgezogen wird, den Panther Baghira sowie Bär Balu seine Freunde nennt und von Tiger Shir Khan am liebsten zum Abendbrot verputzt werden will. Doch alles passiert eben sehr ernst, ohne Tanz- oder Gesangseinlagen und mit einem düsteren Realismus. Und der Disney-Frohsinn hat mir tatsächlich nicht gefehlt. Anderen Fans offenbar auch nicht, denn "The Jungle Book" spielte immerhin starke 966,5 Millionen US-Dollar ein.

Erinnere Dich! Ein Blick in die Zukunft

Erfolg scheint auch für die drei anstehenden Live-Action-Remakes von Disney vorgeschrieben zu sein, die 2019 in den Kinos starten sollen: "Dumbo" (4. April), "Aladdin" (23. Mai) und "Der König der Löwen" (18. Juli).

Nur "Dumbo" macht sein eigenes Ding, wie es aussieht – zumindest ein bisschen. Erneut ist das Remake um einiges düsterer als der Zeichentrickfilm von 1941 und man erkennt, dass Regisseur Tim Burton der Klassiker-Adaption seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt hat. Allerdings nicht, ohne auf die ikonischen Szenen zu verzichten: So gibt es die Feder, die Dumbo Mut macht, die traumatische Trennung des kleinen Elefanten von seiner Mama, die kuriose Gesichtsmalerei als Clown – und sogar die psychedelischen rosa Elefanten spielen im Film eine Rolle. Doch auch hier scheinen die Tiere nicht zu sprechen. Eine Wohltat?

"Aladdin" und "Der König der Löwen" scheinen hingegen auf Altbewährtes zu setzen. Zwar gab es zu Ersterem bisher nur einen kurzen Teaser-Trailer, doch die Musik und auch die wenigen gezeigten Szenen erinnern stark an den Zeichentrickfilm von 1992. Doch am Ende werden es Momente wie der Ritt auf dem fliegenden Teppich sein, wenn Aladdin und Jasmin "A Whole New World" singen, die entscheidend dafür sind, ob das Remake ähnliche Emotionen hervorruft wie der Klassiker. Zumindest bei mir.

So ging es mir auch beim Musical: Es hat vieles richtig gemacht, doch der Funke wollte nicht komplett überspringen. Der Teaser-Trailer hat in jedem Fall mein Interesse geweckt, eine Handschrift von Regisseur Guy Ritchie konnte man zunächst aber noch nicht entdecken. Abwarten, was der erste offizielle Trailer zu bieten hat ...

Und nun zu "Der König der Löwen". Dieser Zeichentrickfilm ist mein absoluter Favorit, weshalb ich besonders skeptisch war, als bekannt wurde, dass Jon Favreau ein Live-Action-Remake plant. Ich kannte immerhin "The Jungle Book" und dachte sofort: Nein! Ich will keine neue "König der Löwen"-Version! Niemals nie! Und schon gar keine Adaption, die alles anders macht.

Dann kam der erste Teaser-Trailer – und ich hatte Gänsehaut! Jon Favreau scheint den Zeichentrickfilm von 1994 in einer nahezu identischen Version in die Kinos zu bringen – nur eben in CGI. Das zeigt alleine schon der direkte Vergleich der Filmszenen. Ja, es ist absoluter Fan-Service des Regisseurs, doch ich bin ihm sehr dankbar dafür! Als die Originalstimme von Mufasa, James Earl Jones, aus dem Off zu hören war, stellten sich alle Haare bei mir auf. Sogar der Text war nahezu identisch mit dem Disney-Klassiker – zumindest im Englischen, im Deutschen gibt es dann doch kleine, aber feine Abweichungen.

Brauchen wir wirklich Live-Action-Remakes der Klassiker?

Obwohl mich spätestens der Teaser zum "König der Löwen"-Remake voll gepackt hat, stelle ich mir nach vor die Frage: Ist es wirklich nötig, die Klassiker von früher einem Make-over zu unterziehen und in schönstem CGI erneut in die Kinos zu bringen? Disney-Fans auf der ganzen Welt scheinen dabei genauso unentschlossen zu sein wie ich. Das zeigen allein schon die vielen unterschiedlichen Kommentare unter den Trailern. Eine eindeutige Antwort scheint es also nicht zu geben.

Es wird immer die Verfechter der Zeichentrickfilme geben, die den Remakes keine Chance geben werden. Und es wird diejenigen geben, die sich auf ein neues Abenteuer einlassen wollen und danach immer noch entscheiden können, was ihnen besser gefallen hat – wozu ich mich zählen würde.

Auf der einen Seite liebe ich die Disney-Klassiker und sehe sie mir auch heute noch gerne an. Es ist eben dieses Nostalgie-Gefühl, das viele von uns von Zeit zu Zeit überkommt. Einfach den Alltag ausblenden, es sich auf dem Sofa gemütlich machen und in Erinnerungen schwelgen.

Auf der anderen Seite denke ich mir bei jeder Ankündigung einer neuen Live-Action-Verfilmung: Nicht schon wieder!! Doch sobald das erste Videomaterial erscheint, bin ich neugierig und gespannt, wie das Ergebnis sein wird. Und vor allem "Die Schöne und das Biest" sowie "The Jungle Book" haben mich sehr überrascht – und jeweils auf ihre Weise überzeugt.

Keine Frage, ich werde auch für "Dumbo", "Aladdin" und natürlich "Der König der Löwen" ins Kino gehen und mich von den CGI-Bildern verzaubern lassen. Doch es wird mich auch nicht daran hindern, hin und wieder eine meiner Blu-rays mit den alten Klassikern aus dem Regal zu holen.

Ich kann mich nicht entscheiden ... fullscreen
Ich kann mich nicht entscheiden ... (©TURN ON 2018)
Christin Ehlers Würde ein "König der Löwen"-Remake mit Benedict Cumberbatch notfalls aus eigener Tasche zahlen.
Das sagt Christin:
Zumindest auf das "König der Löwen"-Remake bin ich gespannt wie ein Flitzebogen – und entsprechend pingelig, was die Umsetzung angeht. Welcher Disney-Film ist Dein Favorit und willst Du eine Live-Action-Verfilmung dazu?
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