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"Just smile!": Was die Figur des Jokers so faszinierend macht

Joaquin Phoenix Joker
The one and only: Der Joker ist ein Comicfiesling wie kein anderer. Nicht nur wegen des Make-ups.

Er gilt als der Comicbösewicht schlechthin, wurde immer wieder neu für Serien, Kinofilme und Computerspiele aus dem "Batman"-Universum adaptiert. Die Rede ist natürlich vom Joker, der im Film mit Joaquin Phoenix eine One-Man-Show abliefert. Kein "Batsy", der ihm die Show stiehlt – eine Seltenheit für einen Schurken! Was genau den Killerclown so besonders macht? Wir haben uns eine der komplexesten und undurchsichtigsten Figuren der Popkultur genau angesehen.

Ohne den Joker gibt es keinen Batman – davon ist der Schurke in diversen Adaptionen fest überzeugt. Ganz falsch liegt er damit nicht, seinen ersten Auftritt hatte der Harlekin des Hasses bereits 1940 in "Batman 1", nur ein Jahr nach dem Debüt des Helden in der "Detective Comics"-Reihe. Und von Beginn an war der Joker ein Rätsel, das nicht einmal der Riddler lösen kann.

Zum Verrücktwerden: Das Mysterium Joker

Anders als andere Comicfiguren trat Batmans Erzfeind ohne jede Vorgeschichte in Erscheinung. Wie aus dem Nichts präsentierte Comiczeichner Jerry Robinson gemeinsam mit den Batman-Erfindern Bob Kane und Bill Finger seine wichtigste Schöpfung: einen verrückten Antagonisten mit grünen Haaren, bleicher Haut und unheimlichem Dauergrinsen. Als Inspiration diente Robinson die entstellte Hauptfigur Gwynplaine aus dem Horror-Stummfilm "Der Mann, der lacht" von 1928.

In den Comics mussten die Leser mehr als zehn Jahre lang ohne eine Erklärung für das Aussehen des Jokers auskommen. Erst 1951 erschien eine Storyline, die eine mögliche Erklärung für das Erscheinungsbild lieferte – ein Sturz in einen Bottich voller Chemikalien. Die Betonung liegt allerdings auf "mögliche". Denn wenn beim Joker eines sicher ist, dann: Nichts ist sicher! Es gibt nicht die eine Erklärung für seine Gestalt. Im Comicband "Batman: Forever Evil Special 1" von 2014 beispielsweise ist es plötzlich die Tante des jungen Jokers, die mit Bleiche für die typische Joker-Blässe sorgt.

Diese Origin-Story, nach der der Joker einst ein misshandeltes Kind war, unterscheidet sich wiederum stark von Alan Moores Kult-Comic "Batman: The Killing Joke" von 1988. Darin ist der Joker ein erfolgloser Comedian, der seine schwangere Frau auf tragische Weise verliert. Gezwungenermaßen hilft er Gangstern beim Einbruch in eine Chemiefabrik – und stürzt auf der Flucht vor Batman in giftigen Abwässer. Der Haken: Die rührselige Geschichte entspringt im Comic dem kranken Geist des Jokers selbst – nicht unbedingt die zuverlässigste Quelle.

In den meisten Comics hat der Joker nicht einmal einen bürgerlichen Namen. Batman ist Bruce Wayne. Der Pinguin heißt eigentlich Oswald Cobblepot, der Riddler in Wahrheit Edward Nygma. Aber wer ist der Joker: Jack Napier, John Doe, Arthur Fleck? Das weiß vermutlich nicht einmal der Joker selbst.

Diese vielen blinden Flecken in der Biografie tragen aber auch entscheidend zum Mythos Joker bei. Schließlich bedeutet eine fehlende Vorgeschichte die absolute Freiheit, den Charakter immer wieder neu zu interpretieren. Der Joker kann wirklich jeder sein!

In Todd Phillips "Joker"-Verfilmung heißt es dazu passend: "We are all clowns", übersetzt: "Wir sind alle Clowns". Eine beängstigende und unbequeme Prämisse. In jedem von uns steckt ein Teil des Jokers, wir alle sind nur "einen schlechten Tag" entfernt vom Harlekin des Hasses. Oder um es mit den Worten von Heath Ledgers Joker aus "The Dark Knight" zu sagen: "Wahnsinn ist wie Schwerkraft: Man braucht nichts weiter als einen kleinen Schubs."

Interview mit Cesar Romero
Der erste Live-Action-Joker, Cesar Romero, äußerte sich 1966 in einem Interview zum schrägen Aussehen seines Charakters. Über die Erklärungen Romeros konnte die Reporterin allerdings nur lachen. Den Clip findest Du hier (Romero ab Minute 03:38)!

Der blanke Wahnsinn: Der Charakter des Jokers

Zur ungebrochenen Faszination des Jokers trägt auch die ständige Veränderung bei, die der Charakter mit den Jahren erfahren hat. Einst ein Erpresser und gnadenloser Mörder, entwickelte sich der Joker in den 1950er- und 1960er-Jahren zum harmlosen, bunten Spaßvogel. In den 70er-Jahren wandelte sich Gothams Killerclown zum brutalen Psychopathen, und spätestens mit Christopher Nolans "The Dark Knight" schwang eine terroristische Note mit.

Der erste Live-Action-Joker: Cesar Romero spielte den DC-Schurken von 1966 bis 1968 in der "Batman"-Serie.
Batman Jack Nicholson fullscreen
Jack Nicholson mimte Jack Napier alias der Joker 1989 in Tim Burtons "Batman".
In der "Batman"-Zeichentrickserie der 1990er-Jahre durfte der Joker natürlich nicht fehlen.
Der verstorbene Schauspieler Heath Ledger bekam für seinen Joker in "The Dark Knight" (2008) posthum einen Oscar.
Das Entwicklerstudio Telltale erweckte den Joker in verschiedenen Games zum Leben. fullscreen
Das Entwicklerstudio Telltale erweckte den Joker in verschiedenen Games zum Leben.
Jared Letos Version des Jokers in "Suicide Squad" (2016) ist äußerst umstritten. fullscreen
Jared Letos Version des Jokers in "Suicide Squad" (2016) ist äußerst umstritten.
Der Neue in der Harlekin-Runde: Joaquin Phoenix wird für "Joker" (2019) als Oscar-Kandidat gehandelt.
Cesar Romero als Joker in der Batman-Serie der 60er-Jahre
Batman Jack Nicholson
In der "Batman"-Zeichentrickserie der 1990er-Jahre durfte der Joker natürlich nicht fehlen.
Der verstorbene Schauspieler Heath Ledger bekam für seinen Joker in "The Dark Knight" (2008) posthum einen Oscar.
Das Entwicklerstudio Telltale erweckte den Joker in verschiedenen Games zum Leben.
Jared Letos Version des Jokers in "Suicide Squad" (2016) ist äußerst umstritten.
Der Joker (Joaquin Phoenix) steht in einem hölzernen Aufzug.

Solch ein Wandel ist für eine Comicfigur nicht ungewöhnlich, auch Batman mutierte vom strategischen Meisterdetektiv über den Mann mit High-Tech-Gadgets zum muskelbepackten Actionhelden – und wieder zurück. Was den Joker von seinem maskierten Gegenspieler und anderen Figuren unterscheidet, ist die völlige Unberechenbarkeit, die seinen Charakter auszeichnet.

Die meisten Helden und Schurken verfügen über klare Motive und Muster, die ihr Handeln bestimmen. Batman will Gerechtigkeit. Der Pinguin strebt nach Macht und Anerkennung. Catwoman hat es zumeist auf Geld abgesehen. Poison Yvi verteidigt die Pflanzenwelt mit allen Mitteln. Und der Riddler neigt zwanghaft zu Rätseln.

Der Joker hingegen stiftet willkürlich Chaos. Er ist ein Anarchist, seine Taten folgen keiner Logik, keinem Muster. Einerseits ist der Joker kein Verrückter: Er ist intelligent, berechnend und ein Meister der Manipulation. Andererseits lässt sich sein Handeln mit Logik nicht nachzuvollziehen. Alfreds Worte aus "The Dark Knight" bringen es auf den Punkt:

"Einige Menschen wollen die Welt einfach nur brennen sehen."
Alfred Pennyworth

Der große Schwachpunkt des Jokers? Sein Ego. Der Verbrecherclown ist ein Showman, muss im Rampenlicht stehen. Seine Taten sollen möglichst große Spektakel sein, dazu bedient sich der Joker auch gern der Medien. Eine Lachnummer will der Mann mit dem Dauergrinsen dagegen keinesfalls sein – ein Wesenszug, der ihn bei aller Unberechenbarkeit wieder menschlich erscheinen lässt. Wenn das nicht ein guter Witz ist.

Der Inbegriff des Bösen ist auch nur ein Mensch – irgendwie

Eine albtraumhafte, verzerrte Gestalt mit mysteriöser, nie geklärter Herkunft, ein unberechenbarer Psychopat mit sadistischen Zügen – und trotz allem dennoch ein Mensch: Diese Mixtur löst Neugierde und Furcht aus, macht den Joker zugleich so einzigartig und faszinierend. Todd Phillips "Joker"-Verfilmung greift die vielen Facetten auf und hält uns auf unbequeme Weise den Spiegel vor: Wir sind alle Clowns. Zumindest ein bisschen.

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