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Kinos in der Krise: Wie sehen künftig Kinobesuche aus?

Mann im Kino
Sieht so unser Kinobesuch von morgen aus? Bild: © pavel_shishkin - stock.adobe.com 2020

Kommt es bald zum deutschlandweiten Kinosterben? Infolge der Coronakrise sind alle Kinos hierzulande (noch) geschlossen. Es gibt derzeit keine Einnahmen, die Fixkosten jedoch bleiben. Vor allem für kleine Kinos könnte die Pandemie den Ruin bedeuten. Eine Bestandsaufnahme – und ein vorsichtiger Blick in die Zukunft.

Ich muss gestehen, dass ich vor der Corona-Pandemie schon länger nicht mehr privat im Kino war. Der Spaß daran ist mir immer öfter genommen worden, was nicht zuletzt an den anderen Zuschauern lag. Ich kann den Artikel meines Kollegen Wolf also in jedem Punkt unterschreiben. Doch jetzt fehlt es mir ein bisschen. Vor Corona war es meine Entscheidung, ob ich ins Kino gehe oder nicht. Jetzt habe ich keine Wahl mehr: Ich muss Zuhause bleiben.

UPDATE: Erste Kinos öffnen wieder
Unverhofft kommt oft: In einigen Bundesländern werden noch im Mai die Kinos wieder öffnen. In Berlin ist es am 10. Mai so weit, in Sachsen und Schleswig-Holstein gibt's ab dem 18. Mai erste Vorstellungen, in NRW ab dem 30. Mai – allerdings unter Auflagen. Weitere Bundesländer dürften bald folgen.

Den Kinos droht die Pleite

Doch die Corona-Pandemie fordert ihren Tribut: Die Kinos stolpern derzeit ungebremst in eine Krise hinein. Branchenkenner gehen sogar davon aus, dass kleinere Kinos COVID-19 gänzlich zum Opfer fallen werden, wie unter anderem der CinemaxX-Gründer und jetzt Astor-Chef Hans-Joachim Flebbe im Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung sagt. 17 Millionen Euro verlieren die Kinobetreiber laut Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) jede Woche. Denn die Kinosäle sind zwar geschlossen, die Fixkosten, die sich pro Kino auf monatlich rund 30.000 Euro belaufen, müssen jedoch weiter gezahlt werden.

Der HDF hat außerdem errechnet, dass wenn die Kinos drei Monate lang komplett geschlossen bleiben, Kosten von 186 Millionen Euro entstehen – die im restlichen Jahr nicht wieder reingeholt werden können. Zum einen, weil die Besucher dafür pro Woche zwei- bis dreimal ins Kino gehen müssten (was unrealistisch ist). Zum anderen, weil es gar keine Filme gibt, die auf der Leinwand gezeigt werden könnten. Große Blockbuster wie zum Beispiel "James Bond: Keine Zeit zu sterben" wurden ins kommende Jahr geschoben. Aktuell hält Disney noch an einem Kinostart von "Mulan" im Juli fest, ob der jedoch eingehalten werden kann, ist fraglich. Andere Filme erscheinen direkt online als Video-on-Demand, wie zum Beispiel "Trolls 2 – Trolls World Tour".

Comeback des Autokinos und der Hype um Drive-In-Konzerte

Unterdessen erlebt das gute alte Autokino seinen zweiten Frühling. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie haben laut Deutsche Welle in Deutschland 30 neue Autokinos ihre Tore geöffnet. Zwar werden dort keine aktuellen Blockbuster gezeigt, das Programm entspricht mehr den alljährlichen Open-Air-Kinos, die Filmhighlights aus dem vergangenen Jahr oder Klassiker zeigen. Doch beim Publikum kommt es an: Viele Autokinos bieten zwei Vorstellungen am Tag an mit jeweils bis zu 250 Autos – und jeder Film ist ausverkauft.

Ohne Regeln geht es allerdings auch hier nicht: Die Autos müssen einen Mindestabstand von zwei Metern einhalten, die Fenster bleiben geschlossen und außer für einen schnellen Toilettengang darf das Auto nicht verlassen werden.

Die Autokinos haben aber einen entscheidenden Vorteil: Wo Platz für so viele Autos ist, kann nicht nur eine Leinwand, sondern auch eine Konzertbühne aufgebaut werden. So fand beispielsweise am 26. April im Autokino von Düsseldorf ein sogenanntes Drive-In-Konzert mit Sido statt. Statt Applaus gab's ein Hupkonzert und Fernlichtgewitter. Aus der Not eine Tugend machen – auch in Zeiten der Coronakrise ist das ein probates Mittel.

Maßnahmen zur Wiedereröffnung: Norwegen als Vorreiter?

Allerdings können die Kinos nicht auf Dauer geschlossen bleiben. Wenn die Betreiber überleben sollen, müssen erste Lichtspielhäuser in naher Zukunft wieder öffnen. Vielleicht kann Norwegen ein Vorreiter werden: Dort begann der Lockdown – und damit die Schließung der Kinos – am 12. März. Am 7. Mai sollen jedoch erste Kinos wieder öffnen. Wie Variety berichtet, lautet der Plan, nur 50 Personen pro Vorstellung in die Säle zu lassen, die einen Mindestabstand von einem Meter einhalten müssen. Sollte sich das Virus in den darauffolgenden Tagen nicht weiter ausbreiten, ziehen die Kinobetreiber sogar in Erwägung die Zahl der Zuschauer ab dem 15. Juni auf 200 zu erhöhen.

Genau so könnte es ja auch in Deutschland laufen. Der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) hat selbst ein Konzept entwickelt und Maßnahmen vorgestellt, wie der Kinobetrieb wieder aufgenommen werden könnte.

  • Säle werden nicht vollbesetzt und nach jeder Vorstellung ordentlich gelüftet
  • Nach dem Film wird nicht nur der Hauptausgang geöffnet, sondern auch die Notausgänge, um die Besucher besser zu verteilen.
  • Kinokarten werden vorerst nur online verkauft.
  • Alternativ kann der Kassenbereich mit Schutzwänden und Markierungen versehen werden – wie im Supermarkt.
  • Auf Popcorn müsste verzichtet werden, alle anderen Getränke und Snacks sind ja verpackt – und dürften verkauft werden.

Viele Kinobetreiber sehen in ihren Sälen zudem einen klaren Vorteil gegenüber den Museen oder anderen Kultur- und Veranstaltungsorten: Ein Mindestabstand kann im Kino ganz strikt eingehalten werden, und das viel einfacher als im Museum – und genau die öffnen gerade wieder in mehr und mehr Bundesländern.

War's das jetzt mit den Kinos?

Die Zeiten für Kinos sind momentan also denkbar schlecht. Das steht für den Kinoexperten und Kurator Lars Henrik Gass fest, wie er im Gespräch mit Deutsche Welle erklärt. Auch er sieht, dass die Krise vor allem die kleinen Kinos trifft, von denen nach der Schließung nicht jedes mehr öffnen wird. "Ich denke, dass diese Krise den Niedergang des kommerziellen Kinos weiter beschleunigen wird", so Gass.

Der HDF fordert daher Stabilitätsfonds für die Kinos, um eine drohende Insolvenz abwenden zu können. Mit Soforthilfen, Krediten und Kurzarbeitergeld konnten laut einer Umfrage vom HDF einige Rechnungen bezahlt werden, allerdings reichen die bei Weitem nicht aus, um die bereits weiter oben erwähnten Kosten von 186 Millionen Euro zu decken. "Wenn es nicht schnell direkte Hilfen für alle Kinos gibt, droht eine Pleitewelle. Daher muss jeder Betreiber kurzfristig weitere umfassende Hilfszusagen erhalten. [...] Umso stärker appellieren wir an ein gemeinschaftliches Handeln aller Beteiligten im Markt und in der Politik und hoffen, dass wir hier in kürzester Zeit im gemeinsamen Schulterschluss zu weiteren Ergebnissen kommen“, erklärt HDF-Vorstand Christine Berg.

Ich für meinen Teil freue mich inzwischen sehr, wenn die Kinos wieder öffnen. Da ich am liebsten in die kleinen Kinos gehe, wäre es eine Schande, wenn es sie nach der Krise nicht mehr geben würde. Heimkino ist schön und gut, aber manchmal muss es eben doch die große Leinwand sein. Meinetwegen zunächst auch mit zwei Meter Abstand zueinander und Mundschutz. In diesem Sinne: Macht die Kinos wieder auf!

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