"Narcos: Mexico" holt nicht nur Fans ab, sondern auch Neueinsteiger

Gallardo (Diego Luna) wird in "Narcos: Mexico" zu Pablo Escobar 2.0!
Gallardo (Diego Luna) wird in "Narcos: Mexico" zu Pablo Escobar 2.0! (©Carlos Somonte/Netflix 2018)
Christin Ehlers Würde ein "König der Löwen"-Remake mit Benedict Cumberbatch notfalls aus eigener Tasche zahlen.

Ein neues Drogenkartell treibt sein Unwesen: Nachdem Pablo Escobar in "Narcos" sein Imperium in Kolumbien über zwei Staffeln aufgebaut hat, ist nun Miguel Ángel Félix Gallardo am Zug. In der Spin-off-Serie "Narcos: Mexico" wird ausführlich der Aufstieg von dessen Konkurrenz-Kartell in Mexiko erklärt – und ich als "Narcos"-Neuling habe reingeschnuppert. 

Mit "Narcos: Mexico" hat Netflix seinen neuesten Serien-Ableger am 16. November ins Rennen geschickt. Auch wenn es sich um die inzwischen vierte Staffel der Serie handelt, soll sie nicht nur für eingefleischte "Narcos"-Fans und -Kenner geeignet sein. "Narcos: Mexico" ist vielmehr ein Spin-off zur Hauptserie und möchte damit auch Neueinsteiger (wie ich es einer bin) abholen.

Hallo, ich bin neu hier!

Ja, ich gehöre zu der vermutlichen Minderheit an Netflix-Abonnenten, die die hochgelobte "Narcos"-Serie noch nicht gesehen haben. Dabei finde ich das Thema spannend: Wie konnte der berühmt-berüchtigte Drogenschmuggler Pablo Escobar zu dem werden, der er war? Bei sowas bin ich sofort dabei. Natürlich habe ich in die Serie reingeschaut, doch was soll ich sagen: Sie hat mich nicht so recht in ihren Bann ziehen können. Das lag zu einem großen Teil daran, dass ich durch fehlende Spanisch-Kenntnisse sehr viel mitlesen musste.

Klar, auf der einen Seite finde ich es super, da die Serie dadurch an Authentizität gewinnt. Die Originalstimmen sind zu 95 Prozent immer besser als die Synchro. Auf der anderen Seite macht es das Gucken einer Serie auch anstrengender. Doch ich muss sagen, nachdem ich den ersten Trailer zu "Narcos: Mexico" gesehen hatte, war ich neugierig.

Viva la Mexico!

Statt wie in den ersten drei "Narcos"-Staffeln geht es in "Narcos: Mexico" nicht um den Kokainhandel rund um Pablo Escobar in Kolumbien, sondern um die Marihuana-Herstellung in Mexico. Konkret um den Aufstieg des Guadalajara-Kartells unter der Führung von Miguel Ángel Félix Gallardo (Diego Luna, "Rogue One"). Ihm gegenüber steht DEA-Agent Kiki Camarena (Michael Peña, "Ant-Man"), der alles daran setzt, dem illegalen Drogenhandel einen Riegel vorzuschieben.

"Narcos: Mexico" nimmt sich sehr viel Zeit, den Zuschauer in die Komplexität und Verstrickungen der einzelnen Drogenorganisationen einzuführen. Das wiederum kam mir sehr gelegen, denn mein Wissen darüber zählt jetzt nicht zu meinen Kernkompetenzen. Dadurch wird die erste Hälfte der Staffel vor allem sehr ruhig und unspektakulär – was die Serie aber nicht weniger spannend macht.

Diego Luna und Michael Peña in Top-Form

Diego Luna als Miguel Ángel Félix Gallardo. fullscreen
Diego Luna als Miguel Ángel Félix Gallardo. (©Carlos Somonte / Netflix 2018)
Michael Peña als Kiki Camarena. fullscreen
Michael Peña als Kiki Camarena. (©Carlos Somonte/Netflix 2018)
Diego Luna als Miguel Ángel Félix Gallardo.
Michael Peña als Kiki Camarena.

Vor allem mit Diego Luna und Michael Peña in den Hauptrollen hat sich Netflix einen großen Gefallen getan: Wo die beiden auftauchen, nehmen sie die Szene für sich ein. Diego Luna hat mir im direkten Vergleich sogar besser gefallen, vielleicht aber auch einfach aus dem Grund, dass ich jetzt schon mehrere Filme mit ihm gesehen habe und keine seiner Rollen waren wie die in "Narcos: Mexico".

Das erste Mal habe ich ihn in (nicht lachen!) "Dirty Dancing 2 – Heiße Nächte auf Kuba" gesehen. Und auch in den folgenden Filmen, in denen ich ihn gesehen habe, fiel er für mich eher in die Kategorie "unscheinbar". Erst mit "Rogue One: A Star Wars Story" ist er aus dem Schatten des 08/15-Nebendarstellers herausgetreten und ich bin gespannt, wie er sich in seiner "Rogue One"-Serie schlagen wird.

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Miguel Ángel Félix Gallardo (Diego Luna) baut sich in Mexiko sein ganz eigenes Drogenkartell auf. (©Carlos Somonte/Netflix 2018)

"Narcos: Mexico" zeigt bereits, dass Diego Luna eine Serie als Hauptdarsteller tragen kann. Ich war überrascht, wie gut er sich als Kartell-Oberhaupt macht: Auf der einen Seite ist sein Charakter Miguel ein kaltblütiger Businessman, der alles daran setzt, sein Imperium voranzutreiben. Auf der anderen Seite allerdings gibt er den fürsorglichen Familienvater, der seinem Sohnemann eine gigantische Geburtstagsparty mit allem drum und dran schmeißt.

Michael Peña als Kiki Camarena allerdings hält das Niveau von Diego Luna locker. Seine Figur strebt nicht nach Macht, dafür aber nach Gerechtigkeit – und was seine Motivation angeht, steht er seinem großen Feind in nichts nach. Er legt sich so sehr ins Zeug, dass er dadurch sogar immer wieder seine Familie hintanstellt und seine Prioritäten nicht immer weise wählt. Doch er hat ein klares Ziel vor Augen, für das er alles tut: dem Guadalajara-Kartell das Handwerk legen.

Überraschendes Wiedersehen mit "Narcos"-Star

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Mit Gallardo ist nicht zu spaßen – das muss auch Rafa (Tenoch Huerta, links) schnell feststellen. (©Carlos Somonte/Netflix 2018)

Während "Narcos: Mexico" – wie eingangs erwähnt – vor allem für Neueinsteiger bestens geeignet ist, kommen aber auch Fans der Mutterserie voll auf ihre Kosten. "Narcos: Mexico" spielt nicht nur zur gleichen Zeit wie "Narcos", in Folge 5 mischt auch die kolumbianische Legende Pablo Escobar mit. Wagner Moura schlüpft nach zwei Jahren Pause erneut in seine Paraderolle des kolumbianischen Kokainbarons. Und ja, spätestens hier muss ich gestehen, dass Diego Luna als Gallardo mit Wagner Moura als Escobar nicht ganz mithalten kann.

Zugleich wird spätestens hier deutlich: Für den Genuss von "Narcos: Mexico" ist es wirklich nicht so wichtig, was in den bisherigen drei "Narcos"-Staffeln passiert ist. Klar, Pablo Escobar ist auch in Mexico ein großer Name und er macht mit Gallardo einen wichtigen Deal. Man merkt auch, dass er mit seinem kolumbianischen Drogenimperium schon viel weiter ist als Gallardo mit seinem Guadalajara-Kartell – es ist ein bisschen wie der Meister mit seinem Schüler.

Und die Moral von der Geschicht' ...

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Das Guadalajara-Kartell mischt Mexiko gehörig auf. (©Carlos Somonte/Netflix 2018)

"Narcos: Mexico" erfindet das Drogenkartell-Serien-Rad nicht neu – ich als Neuling kann mich dem Sog, den die Serie entwickelt, jedoch nicht entziehen. Auch wenn mich das Lesen der Untertitel nach wie vor anstrengt, zügelt es zugleich meine inzwischen verselbstständigte Gewohnheit, Serien in kürzester Zeit "wegzusuchten". In diesem Fall ist meist nach nur einer Episode erst mal Schluss. Die Serie einfach "nebenbei" laufen zu lassen, funktioniert in diesem Fall nicht.

Mit Diego Luna und Michael Peña besitzt die Spin-off-Serie zudem zwei sehr starke Hauptdarsteller, die "Narcos: Mexico" zu einem kurzweiligen, aber authentischen Erlebnis machen. Und ich werde nach diesem Einstieg nun doch endlich mit der Mutterserie "Narcos" weitermachen ... 

TURN ON-Wertung: 4/5

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