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Neue Ära eingeläutet? Goldener Löwe geht an Netflix-Film "Roma"

Erster Goldener Löwe für Netflix: Alfonso Cuaróns Drama "Roma" gewann in Venedig als "Bester Film".
Erster Goldener Löwe für Netflix: Alfonso Cuaróns Drama "Roma" gewann in Venedig als "Bester Film". (©picture alliance / Ekaterina Chesnokova / Sputnik / dpa 2018)

Filme des Streaminganbieters Netflix wagen nur selten den Sprung auf die große Leinwand. Umso umstrittener ist die Berücksichtigung dieser Produktionen für große Filmpreise. Beim Filmfestival in Venedig ging das Netflix-Drama "Roma" dennoch an den Start – und kassierte ausgerechnet den Goldenen Löwen in der Königskategorie "Bester Film".

Es ist der erste Goldene Löwe für Netflix – aber nicht der einzige, denn beim diesjährigen Festival in Venedig räumte der Streaminganbieter gleich doppelt ab. Neben "Roma" wurde auch der Netflix-Film der Coen-Brüder, "The Ballad of Buster Scruggs", mit einer Trophäe bedacht. Der Western bekam die Auszeichnung für das beste Drehbuch.

Goldener Löwe als Vorzeichen für die Oscars?

Mit dem Hauptpreis für "Roma" bekommt Netflix endlich die offizielle Anerkennung der Filmindustrie. Der Schwarz-Weiß-Film des mexikanischen Regisseurs und Oscar-Preisträgers Alfonso Cuarón ("Gravity"), der von einer mittelständischen Familie samt Hausmädchen im Mexiko der 1970er-Jahre handelt, ist geradezu für die großen Preise der Filmindustrie prädestiniert – wäre da nicht der Zoff um die Qualifikation aller Netflix-Filme.

Der Streaminganbieter will seine Filme nicht erst ins Kino bringen, sondern direkt online stellen – eine Strategie, die bei vielen Kritikern Unmut hervorruft und die Produktionen bei vielen Filmpreisen aus dem Rennen nimmt. So hat das Filmfestival in Cannes "Roma" bereits abgelehnt. Ähnlich düster sieht es bei den Oscars aus: Die Academy nominiert ausschließlich Filme, die in den US-Kinos liefen. Die Jury von Venedig rund um "Shape of Water"-Regisseur Guillermo del Toro zierte sich da weniger.

Gewinner und Verlierer in Venedig

Neben dem Netflix-Film "Roma" kürte ebendiese Jury Yorgos Lanthimos' "The Favourite" zu den Gewinnern des Abends. Das Drama um die britische Queen Anne wurde mit dem Großen Preis der Jury geehrt. Olivia Colman, die die Queen spielt, wurde zudem als "Beste Hauptdarstellerin" ausgezeichnet. Enttäuschend hingegen war das Abschneiden der deutschen Mitbewerber: Der Filmemacher Florian Henckel von Donnersmarck ging mit seinem Drama "Werk ohne Autor" leer aus.

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