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"Suicide Squad": Sie sind böse – und das ist gut so!

Die Rolle der Harley Quinn übernimmt in "Suicide Squad" Margot Robbie.
Die Rolle der Harley Quinn übernimmt in "Suicide Squad" Margot Robbie. (©Sam Bentley 2016)

In der Verfilmung des DC-Comics „Suicide Squad“ soll eine Spezialeinheit aus Strafgefangenen die Welt retten. Funktioniert das, ein Blockbuster ganz ohne Good Guys?

Beginnen wir mit blutigen Baseballschlägern, Akrobatik, Intelligenz und Schönheit. Also mit Harley Quinn (Margot Robbie). Für Kenner des Batman-Universums ist sie, ebenso wie einige der anderen Bösewichte aus "Suicide Squad", keine Unbekannte. Die Lieblingswaffe des düster-zerzausten Harlekins ist ein Baseballschläger. Wer ihr in "Suicide Squad" zusieht, begreift nach drei Sekunden, warum sich die Dame selbst als "Cupid of Crime", also etwa als Amor des Verbrechens, bezeichnet. Nur Kollege Killer Croc hat mehr Biss: Halb Mensch, halb Krokodil hat er in seiner Jugend seine Tante aufgefressen, nachdem diese ihn wegen seines Aussehens quälte. Ähnlich tragisch ist die Geschichte des Auftragskillers Deadshot (Will Smith), der als Kind aus Versehen seinen Bruder tötete. Ausgerechnet diese Art von Outcasts, Brutalos und Psychopathen soll als geheime Task Force X für die Regierung die Welt retten! Weit und breit kein Sympathieträger, keine positive Identifikationsfigur, die nach den ungeschriebenen Hollywood-Regeln jeden Blockbuster bevölkern sollte.

Der Fieseste von allen ist der Batman-Gegenspieler Joker: ein Mix aus Psycho und Clown, Massaker und Messias. Seit er von Jack Nicholson und Heath Ledger dargestellt wurde, ist dieser Super-Terrorist einer der faszinierendsten Antihelden der Filmgeschichte – nicht obwohl, sondern weil er grausam, sadistisch und brutal ist. Ganz ohne Grund. Und vieles spricht dafür, dass Jared Leto der
Figur noch mehr Brutalität einhauchen wird. "Oh, ich werde dich nicht töten", sagt er an einer Stelle so nah in die Kamera, als ob er damit den Zuschauer meint. "Ich werde dir nur weh tun. Sehr, sehr wehtun". Und dieser Typ soll jetzt die Bösen zur Strecke bringen. Ein Job, den bisher doch die Good Guys wie Batman oder Superman erledigten.

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Der Joker wird in "Suicide Squad" von Jared Leto gespielt. (©YouTube/Warner Bros. Pictures 2016)

Joker und Co. sind natürlich nicht die ersten Fieslinge im DC-Universum. In den Comics hat allein Batman seit den 30er-Jahren gut 100 Schurken vermöbelt, die meisten davon geisteskranke Kriminelle. Hier gilt wie im Film: Je schillernder der Böse, desto heller leuchtet auch Batman. Seit Regisseur Tim Burton die Filmreihe 1989 zu neuem Leben erweckte, ist Bruce Wayne mehr als zwei Dutzend Mal im Fledermauskostüm auf der Leinwand erschienen. In Erinnerung geblieben sind die Filme aber eher wegen seiner Gegenspieler, wegen Joker, wegen der Tabubrüche von Danny deVito als Oswald Chesterfield Cobblepot oder wegen der erotischen Outfits von Uma Thurman als Poison Ivy.

Bei Batman ahnt der Zuschauer schon vorher, was dieser gleich machen wird: Haltung bewahren, die Bösen besiegen und die Welt retten. Das Großartige an den fiesen Typen ist das Gegenteil, ihre Unberechenbarkeit. Sie haben nichts mehr zu verlieren. Sie sind frei und leben ihre Impulse aus, auch stellvertretend für uns. Das Gute kann ich im Alltag jederzeit üben. Aber was, wenn ich Lust habe, jemandem mal die Hand abzuhacken oder einfach ein wenig bluten zu lassen? Klüger und ungefährlicher ist es, das einen Stellvertreter auf der Leinwand für mich erledigen zu lassen. Ein guter Bösewicht stellt auch die moralische Frage: Wie böse wärst du wirklich, wenn du nichts zu befürchten hättest?

Am Ende müssen die Leinwand-Fieslinge für ihre Taten büßen. Bisher. Das Besondere an "Suicide Squad": Die Antihelden stehen im Mittelpunkt. Und Regisseur David Ayer (u.a. "Fury", "End of Watch") ist die Faszination für ihre Ungebundenheit und Coolness anzumerken. Dabei geht er volles Risiko, einen Haufen Psychos auf die Kinoleinwand zu schicken. Das weiß auch Ayer, wenn er in einem Interview mit dem Filmmagazin "Empire" fragt: "Braucht ein Film wirklich Good Guys?" Die Hardcore-Fans jedenfalls vermissten die guten Jungs nicht. Nach ersten Testvorführungen der Trailer in den USA ließen sich einige sogar Tattoos mit ihren Lieblingsschurken stechen.

Zur Sicherheit packt Ayer immerhin noch einen echten Good Guy in den Film: Batman (Ben Affleck) klemmt sich bei einem Kurzauftritt mit wehendem Umhang an einen purpurfarbenen Lamborghini. Schön und gut, er wird bestimmt auch hier seinen Job tadellos erledigen. Aber niemals ist er so cool wie Harley Quinn. Niemals würde er eine Schaufensterscheibe einschlagen, um eine Tasche zu klauen. Als sie nach dem Grund gefragt wird, antwortet sie: "Wir sind die Bösen, wir tun so was." Sie macht genau das, was vermutlich jeder von uns auch schon mal vor einer Schaufensterscheibe gedacht hat. Am Ende haben wir uns nicht getraut. Quinn erledigt jetzt diesen Job für uns. Und wir lieben es sehr, ihr dabei zuzuschauen.

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