Meinung

TURN ON-Rückblick: Unsere Film-und Serienhighlights 2016

Schöne neue Entertainmentwelt: Die Streaming-Bibliotheken waren 2016 pickepackevoll mit Highlights.
Schöne neue Entertainmentwelt: Die Streaming-Bibliotheken waren 2016 pickepackevoll mit Highlights. (©Pexels 2016)

Kinder, was war das wieder für ein Film- und Serienjahr?! Superhelden stritten und vertrugen sich, fantastische Monster waren auf der Flucht, Androiden liefen im Vergnügungspark Amok. Um das Ganze mal zu filtern, haben sieben Mitglieder unserer TURN ON-Redaktion ihre Favoriten des ablaufenden Jahres zusammengetragen. 

1. Von arroganten Superärzten und fesselnden Familiendramen

Christin Ehlers

Filmhighlight 2016: "Dr. Strange"

Erst einmal vorweg: Eigentlich bin ich gar nicht so ein großer Superhelden-Fan. Zwar kenne ich die Marvel-Filme, vom großen Hype wurde ich aber nicht ergriffen. "Doctor Strange" hat mich dann aber doch gereizt und ich habe mich in das Spektakel gewagt. Und was soll ich sagen: Für mich war es einer der besten Filme des Jahres – nicht zuletzt wegen der Performance von Benedict Cumberbatch.

Serienhighlights 2016: "Stranger Things", "Making a Murderer", "Gilmore Girls", "The Walking Dead"

Auch serientechnisch hatte 2016 einiges zu bieten: eigentlich sogar so viel, dass ich mich gar nicht so recht entscheiden kann, was mein absolutes Highlight war. Zu den klaren Favoriten zählen für mich die Fantasyhorrorserie "Stranger Things", die Doku "Making a Murderer" und natürlich die neuen "Gilmore Girls"-Folgen – auch wenn Letztere nicht zu 100 Prozent überzeugen konnte und die berühmten "letzten vier Worte" ziemlich vorhersehbar waren. Die Vorfreude und der Nostalgiefaktor ließen darüber dann aber doch hinwegsehen. Über den Serienauftakt der siebten "The Walking Dead"-Staffel brauchen wir gar nicht erst zu sprechen ... der steckt mir noch immer in den Knochen.

2. Zu viele Serien, zu wenig Zeit

Gregor Rumpf

Serienhighlight 2016:  "The Night Of – Die Wahrheit einer Nacht"

TV-Serien haben in Sachen Qualität Kinofilme längst abgelöst – das weiß inzwischen jeder. 2016 gab es jedoch so viele gute Shows im Fernsehen, dass ich mit dem Anschauen gar nicht mehr hinterher kam und sich die nicht geguckten Folgen in meiner Serien-App stapelten. Die neueste Folge von "The Walking Dead"? Oder doch lieber die letzten drei Episoden von "Shameless" nachholen? Bei "Narcos" ist ja auch schon wieder eine komplette Staffel da!

Zwischen den üblichen Highlights wie "Game of Thrones" oder "House of Cards" ist mir eine Serie im Rückblick aber besonders nachdrücklich im Gedächtnis geblieben: "The Night Of – Die Wahrheit einer Nacht". Auf den ersten Blick ist die düstere HBO-Show eigentlich ein recht normaler Krimi. Sie entfaltet vor allem aufgrund der großartigen Performances von John Turturro und Riz Ahmed ("Rogue One") und der bedrückenden Story schnell eine unglaubliche Sogwirkung ... die acht Folgen der Mini-Serie waren innerhalb von zwei Wochen weggesuchtet.

3. Viele Filme, wenig Highlights

Elmar Loof

Filmhighlights 2016: "Zoomania" & "The Nice Guys"

Allein für Sneakpreviews war ich dieses Jahr 29-mal im Kino. Davon waren aber gerade mal zwei Filme nennenswert: "Zoomania", ein klasse produzierter Animationsfilm mit einer schönen Message, und "The Nice Guys", eine gelungene Cop-Komödie mit Russell Crowe und Ryan Gosling als permanent betrunkene Polizisten. Die Filme, die ich "regulär" im Kino gesehen hatte, waren 2016 eher eine Enttäuschung: "Suicide Squad"? Viele flache Charaktere mit einer noch flacheren Geschichte. "Arrival"? Ging als Nicht-Sci-Fi-Fan total an mir vorüber. "Doctor Strange"? Guter Film, aber auch kein absolutes Highlight.

Serienhighlights 2016: "Stranger Things" & "StartUp"

Serien haben mich da schon wesentlich mehr begeistert. Allen voran natürlich "Stranger Things". Klasse Geschichte, fantastischer Soundtrack und ein tolles Retro-1980er-Jahre-Setting. Knapp dahinter kommt für mich "StartUp", eine Serie über eine Hackerin, die eine digitale Währung erfunden hat und zusammen mit einem Gangboss und einem desillusionierten Banker durchstarten will. Vor allem Martin Freeman ("Fargo") als opportunistischer Cop mit psychopathischen Zügen brilliert in der Serie. Wird Zeit, dass endlich die zweite Season startet!

4. Große Klappe, große Schlachten, großes Potenzial

Meru Klee

Filmhighlight 2016: "Deadpool"

Ich lese seit meiner Jugend Marvel-Comics, daher kann ich den leicht überbordenden Hype noch recht gut genießen. Aber selbst mich haben Blockbuster wie "Captain America: Civil War" in diesem Jahr eher angeödet. Umso erfrischender war für mich Ryan Reynolds' "Deadpool"! Allein die preisgekrönte Marketingkampagne mit dem großmäuligen Antihelden war ein einziger Traum. Und der Film ohne Jugendfreigabe ließ mein Geek-Herz höher schlagen, dabei hatte mich der Kult der Comicvorlage vorher nie wirklich abgeholt. Da ich 'selbstverständlich' Star Wars-Fan bin, war auch "Rogue One: A Star Wars Story" für mich ein Pflicht-Highlight. Meine Erwartungen waren mäßig, insofern stellte mich das Spin-off mehr als zufrieden – schön, wie man einige Fäden der Saga aufgriff und sogar ein wichtiges Plot-Hole stopfen konnte.

Serienhighlights 2016: "Game of Thrones", "Westworld" & "The Walking Dead"

In Sachen Serie muss ich zuerst die Folge "Battle of the Bastards" aus "Game of Thrones" einfach hervorheben. Auch wenn ich die Serie oft als überbewertet empfinde: die Produktion dieser Episode hatte definitiv Kinoniveau. "Westworld" habe ich bisher zwar noch nicht vollständig angesehen, geschweige denn verstanden, allein das Potenzial der Handlung fasziniert mich allerdings. Das Zeug zum "GoT"-Nachfolger auf HBO hat die Show allemal. Schließlich muss ich "The Walking Dead" zumindest erwähnen: Auch wenn die Handlung in Staffel 7 vielleicht etwas nachlässt – schauspielerisch reißen Negan, Rick und Co. meiner Meinung in diesem Jahr alles ab.

5. Ein Jahr in anderen Welten

David Albus

Filmhighlights 2016: "Arrival", "Phantastische Tierwesen ... ", "Deadpool" & "Doctor Strange"

Das Jahr 2016 war für mich vor allem ein Fantasy- und Science-Fiction-Jahr. "Arrival" zog mich im Kino vielleicht am meisten in den Bann – gerade weil hier in einem clever konstruierten und angenehm langsamen Alien-Film mal mehr geredet als geschossen wurde. Über "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" freute sich der Teil meines Fanherzens, der auch alle paar Jahre wieder die "Harry Potter"-Bücher durchsuchtet. Und mit "Doctor Strange" und "Deadpool" fanden sich tatsächlich mal wieder ein paar Superhelden, die über die Laufzeit ihrer Filme hinaus Eindruck hinterließen.

Serienhighlights 2016: "Stranger Things", "Westworld", "Game of Thrones"

Auch was Serien anging, stand dieses Jahr ganz im Zeichen der Parallelwelt: Das Upside Down im Überraschungshit "Stranger Things" und den Wilden (Roboter-)Westen in Jonathan Nolans hinreißend komplex erzählter "Westworld" verließ ich nach dem Ende der Auftaktstaffeln nur äußerst widerwillig – baldige Fortsetzungen dringend erwünscht! Auch Westeros wird mich wohl im nächsten Jahr wiedersehen, nachdem ich bei "Game of Thrones" eigentlich nur eingestiegen war, weil der neue Band von George R. R. Martins großartiger Buchvorlage leider noch auf sich warten lässt. Das beeindruckende "Battle of the Bastards" hat hier ganze Überzeugungsarbeit geleistet. Eines ließ mich aber auch 2016 wieder kalt: Das Gedöns um "The Walking Dead" – Schockwirkung hin oder her.

6. Prequelschlacht trifft auf die Wachowskis

Meliha Dikmen

Filmhighlight 2016: "Ich, Daniel Blake"

Prequel, Sequel, Interquel? Heutzutage ist gefühlt jeder zweite Film im Kino eine Fortsetzung. Auf zwei davon habe ich mich 2016 besonders gefreut: "X-Men: Apocalypse" und "Bridget Jones's Baby". Ein Highlight war jedoch leider keiner von beiden. Dem ersten gingen in der bombastischen Materialschlacht die Emotionen verloren und Bridget Jones fühlte sich an wie aufgewärmter Kaffee – und das hat nichts damit zu tun, dass die Hauptfigur weiser und schlanker geworden ist. Viel besser gefiel da ein kleiner ambitionierter Film aus England: Das Sozialdrama "Ich, Daniel Blake" des Altmeisters Ken Loach. Wie ein erkrankter Tischler in die Mühlen der britischen Bürokratie gerät, macht einen fassungslos. Dennoch lässt der Film, der in Venedig die Goldene Palme gewann, immer auch Raum für zwischenmenschliche Nächstenliebe.

Serienhighlight 2016: "Sense8"

In Sachen Serien war mein Unterhaltungsjahr weitaus vielfältiger. Mein absolutes Highlight war dabei ohne Frage "Sense8", eine Serienkreation der Wachowski-Geschwister ("Matrix"). Die Story rund um acht über den Globus verteilte Menschen, die geistig miteinander verbunden sind und ihre Fähigkeiten miteinander teilen können, hatte für mich einen absoluten Gänsehautfaktor. Übrigens ist mit Max Riemelt auch ein deutscher "Sensate" mit von der Partie. Gefreut habe ich mich außerdem auf die neuen Folgen der „Gilmore Girls“. Auch wenn die Erwartungen nicht ganz erfüllt werden konnten, war das Wiedersehen mit Stars Hollow und seinen Bewohnern schön.

7. Ungewöhnliche Duos aus Deutschland und Japan

Marc Binder

Filmhighlight 2016: "Toni Erdmann"

Mein Film des Jahres 2016 ist zweifellos "Toni Erdmann", Maren Ades genial origineller Mix aus Komödie, Kapitalismuskritik und Vater-Tochter-Drama: Der schrullige Lebenskünstler Winfried (groß: Peter Simonischek) kann nicht mit ansehen, wie seine Tochter Ines (Sandra Hüller) in ihrem einnehmenden Job als Unternehmensberaterin immer mehr entmenschlicht wird. Er greift zu äußerst innovativen Methoden: Verkleidet als Toni Erdmann, "Consultant and Coach", verschafft sich Winfried Zugang zu Ines' kühler Businesswelt in Bukarest und hält ihr und ihrem oberflächlichen Lebensstil so auf höchst unkonventionelle Art den Spiegel vor. Wenigen Filmen habe ich einen Oscar je so gegönnt wie "Toni Erdmann" dieses Jahr.

Serienhighlight 2016: "Hibana: Spark"

Auch bei meiner Lieblingsserie des endenden Jahres steht ein ungewöhnliches Protagonistenduo im Mittelpunkt: "Hibana: Spark" spielt im sehr speziellen Milieu der japanischen Comedykultur. Als treibender Teil eines Komikerduos setzt der talentierte Tokunaga (beeindruckend: Kento Hayashi) alles daran, groß rauszukommen und es ins Fernsehen zu schaffen. Dafür muss er aber immer wieder Kompromisse machen – was seinem großen Komikervorbild und Freund, dem wirklich verrückten Kamiya (Kazuki Namioka), nicht immer schmeckt. "Hibana: Spark", die Adaption eines in Japan enorm populären Romans, ist nicht nur wegen ihrer Herkunft angenehm anders. Thematik, Atmosphäre, Musik, Dialoge, Humor und auch das Pacing haben mich als ermatteten Kulturkonsumenten wieder wachgerüttelt – danke dafür nach Japan!

Den Trailer zu "Hibana: Spark" gibt es leider nur ohne Untertitel, die besondere Stimmung kommt aber gut rüber:

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