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Wa?! "Der Tatortreiniger" verabschiedet sich mit Filzgleiter-Tourette

Der Tatortreiniger
Der Tatortreiniger
Christin Ehlers Würde ein "König der Löwen"-Remake mit Benedict Cumberbatch notfalls aus eigener Tasche zahlen.

Auf diesen Tag hätten Fans vom "Tatortreiniger" sicher liebend gern verzichtet. Doch nun ist es so weit: Schotty hat seine Koffer gepackt und wird künftig nicht mehr hinter Leichen herputzen. Zum Abschied bekamen die Fans noch vier finale Episoden spendiert. Aber war das nötig?

In insgesamt 31 Folgen hat Schotty die unterschiedlichsten Tatorte gesäubert – und dabei die unterschiedlichsten Charaktere kennengelernt. Damit ist nun aber Schluss, denn Autorin Ingrid Lausund alias Mizzy Meyer möchte keine weiteren Schotty-Geschichten mehr erzählen. "Das hat nichts zu tun mit Quoten, Gagen, Gehältern – das ist davon unabhängig", erklärte Lausund.

Geschichten hätte es durchaus noch weitere gegeben, doch es wurde von Mal zu Mal schwieriger. "In den letzten vier Folgen ist uns das noch mal gelungen. Aber es ist gut, jetzt aufzuhören, wo wir noch alle traurig darüber sind."

Wa?! Staffel 7 mit Höhen und Tiefen

Und an diesem Punkt möchte ich Mizzy Meyer gerne widersprechen. Keine Frage, "Der Tatortreiniger" ist eine großartige Serie und ich habe jede einzelne Folge regelrecht verschlungen. Mit den finalen vier Folgen habe ich mich allerdings schwergetan – zumindest mit zwei davon. Denn während ich "Currywurst" und "Rebellen", die ersten beiden Episoden von Staffel 7, sehr gefeiert habe, fand ich "Der Kopf" und "Einunddreißig" ziemlich enttäuschend.

Der Tatortreiniger
In "Der Kopf" spielt Schotty mit dem Sensenmann ein Fußballspiel.

"Der Kopf" war mir persönlich viel zu philosophisch und keine typische Schotty-Folge. Natürlich war es gut, dass sich mit einem so sensiblen Thema wie der Patientenverfügung auseinandergesetzt wurde. Aber dieses künstlerische Abdriften in eine Parallelwelt und Fußballduelle mit dem Tod waren für mich dann doch zu viel des Guten.

Ende gut, aber nicht alles gut

Ähnlich enttäuschend war auch "Einunddreißig". Ich hatte eigentlich erwartet, dass sich "Der Tatortreiniger" mit einem großen Knall verabschiedet, einer denkwürdigen finalen Episode. Doch am Ende war es mehr eine Folge, in die noch mal alles hineingestopft wurde. Auf der einen Seite war es natürlich sehr unterhaltsam, dass es ein Wiedersehen mit alten Bekannten gab (ich sage nur Pfirsichmelba). Sogar Olli Dittrich hatte seinen Bademantelauftritt. Eine klare Retourkutsche für Schottys Auftritt in "Dittsche" vor einigen Jahren.

Der Tatortreiniger
Im Finale wird Schottys Tod geplant.

Aber Merles Lobrede auf Schotty am Ende – sorry, aber das war nix. Natürlich hat alles irgendwo gut gepasst: Es ist das große Ende und eine so kultige Figur wie Schotty kann nicht einfach seine Sachen packen und gehen. Aber auch hier wäre wieder einmal weniger mehr gewesen.

"Ist das Kunst oder kann das weg?"

Der Tatortreiniger
Für eine Currywurst hat Schotty immer Zeit.

Umso mehr sind mir die ersten beiden Episoden von Staffel 7 im Gedächtnis geblieben. In "Currywurst" läuft Schotty (und damit Autorin Ingrid Lausund) wieder zu Höchstform auf. Vor allem aufgrund meines kunstwissenschaftlichen Hintergrunds fand ich die Diskussion zwischen dem Tatortreiniger und der Atelier-Inhaberin unglaublich treffend und auf den Punkt gebracht. Denn mal ehrlich:  Die Fragen, die Schotty stellt, haben wir uns doch alle schon einmal gestellt, oder? Oder zumindest gedacht ...

"Filzgleiter sind auch nur komprimierte Schafe mit Gummizusatz"

Didi (Olli Schulz, l.) und Schotty (Bjarne Mädel, r.) diskutieren die Wissenschaft hinter Filzgleitern. fullscreen
Didi (Olli Schulz, l.) und Schotty (Bjarne Mädel, r.) diskutieren die Wissenschaft hinter Filzgleitern.
Auch Fido (links) mischt sich ins Gespräch mit ein. fullscreen
Auch Fido (links) mischt sich ins Gespräch mit ein.
Didi (Olli Schulz, l.) und Schotty (Bjarne Mädel, r.) diskutieren die Wissenschaft hinter Filzgleitern.
Auch Fido (links) mischt sich ins Gespräch mit ein.

Sich geschlagene 30 Minuten fast ausschließlich über die Sinnhaftigkeit und die Unterschiede von Filzgleitern zu unterhalten – auch das ist etwas, das es nur beim "Tatortreiniger" geben kann. Denn während Schotty so vor sich hin putzt, bekommt er Besuch von seinen Freunden Didi (Olli Schulz) und Frido (Jan Georg Schütte). Und dann nimmt die Unterhaltung ihren Lauf ... Es fallen Umschreibungen wie "kleine Möbelhelden" oder philosophisch angehauchte Sätze à la "Das Leben hinterlässt Kratzer auf der Seele, Stühle hinterlassen Kratzer auf dem Boden."

Wa?! Das ist jetzt echt das Ende?

Das war's dann mit dem "Tatortreiniger". Und zwar für immer. Einerseits finde ich das sehr bedauerlich, immerhin zählt die kurzweilige Serie mit Bjarne Mädel für mich zu einem der besten Formate, die Deutschland zu bieten hat. Irgendwie kauft man dem Hamburger seine Rolle in jeder Sekunde ab. Mit Ernie aus "Stromberg" hatte das schon lange nichts mehr zu tun. Mädel hat eine neue Figur komplett zu seiner eigenen gemacht und es hat in jeder Sekunde Spaß gemacht, ihm dabei zuzusehen.

Der Tatortreiniger
Ja, Schotty. Das war's.

Somit hätte ich gerne mehr von Schottys Arbeitsalltag in und um Hamburg gesehen. Ich finde die Entscheidung von Autorin Lausund aber nachvollziehbar und auch gut. Denn wie heißt es so schön? Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Was passiert, wenn man eine Marke zu sehr ausschlachtet und in die Länge zieht, ist aktuell bestens am "Star Wars"-Franchise oder den zahlreichen Marvel-Filmen zu sehen ...

Christin Ehlers Würde ein "König der Löwen"-Remake mit Benedict Cumberbatch notfalls aus eigener Tasche zahlen.
Das sagt Christin:
Genieß Deinen Ruhestand, Schotty ... So lange hoffe ich einfach auf ein kleines Comeback in ein paar Jahren.
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