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Warum das Finale von "Game of Thrones" kein Happy End haben sollte

Daenerys Targaryen und Jon Snow reiten am Ende von "Game of Thrones" hoffentlich nicht zusammen in den Sonnenuntergang.
Daenerys Targaryen und Jon Snow reiten am Ende von "Game of Thrones" hoffentlich nicht zusammen in den Sonnenuntergang.

Am 14. April startet Staffel 8 von "Game of Thrones" – und nach nur sechs finalen Folgen ist im Mai endgültig Schluss. Ich hoffe natürlich auf ein grandioses Ende der Hit-Serie – nur bitte nicht mit Happy End! Warum, will ich im Folgenden erklären ...

Eine gute Serie wird meiner Meinung nach nicht unbedingt durch ein maues Ende kaputtgemacht (viele "Lost"-Fans mögen mir hier vielleicht widersprechen), aber im Rückblick natürlich etwas geschmälert ... ein Schicksal, das meiner absoluten Lieblingsserie "Game of Thrones" hoffentlich erspart bleibt! Doch wie können die Showrunner David Benioff und Daniel B. Weiss die Fantasy-Saga beenden, ohne die Fans vor den Kopf zu stoßen? Ich habe mir mal ein paar Gedanken gemacht ...

Valar morghulis: Es muss jemand sterben!

Natürlich ist mir vollkommen klar, dass "Game of Thrones" nicht mit einem Sieg der Weißen Wanderer enden wird. Das wäre selbst für die Verhältnisse der nicht gerade heiteren HBO-Serie wohl etwas zu trostlos und dürfte den Verantwortlichen bei HBO auch etwas zu riskant sein.

Ein Finale, in dem aber nicht ein oder zwei wichtige (!) Charaktere sterben, würde mich doch sehr enttäuschen. Schließlich ist "Game of Thrones" auch – oder gerade – durch seine schockierenden Tode (Stichwort "Rote Hochzeit") zu einer solchen Kult-Show geworden. Beim Anschauen der Serie konnte man sich einfach nie sicher sein, dass nicht plötzlich der Lieblingscharakter über den Jordan geht – und zumindest am Anfang wurde dabei nicht einmal vor vermeintlichen Hauptcharakteren haltgemacht (RIP Ned Stark).

In der siebten Staffel wurde dieses Prinzip leider etwas aufgeweicht – an überraschenden Toden ist mir eigentlich nur der von Petyr Baelish in Erinnerung geblieben. In Staffel 8 sollten Benioff und Weiss ein paar mehr Schockmomente wagen, um Fans, die sich inzwischen allzu sicher fühlen, wieder auf den blutigen Boden der Tatsachen zu holen. Warum also nicht Tyrion Lannister (kreisch!) oder gar Daenerys Targaryen (ahhhh!) sterben lassen? Der Buzz in den sozialen Netzwerken am Tag nach der Ausstrahlung wäre "Game of Thrones" jedenfalls sicher!

Bitte keine Hochzeit und Dany auf dem Eisernen Thron!

Falls sich mein Wunsch nach dem Tod eines zentralen Charakters nicht erfüllen sollte, habe ich noch eine zweite, viel inständigere Bitte: kein Happy End! Ich kann mir wahrlich nichts Schlimmeres für "Game of Thrones" vorstellen, als ein Ende, bei dem Daenerys Targaryen und Jon Snow glücklich verheiratet (Inzest ftw!) gemeinsam auf dem Eisernen Thron sitzen, während Cersei Lannister ins Nonnenkloster abgeschoben wurde und die Weißen Wanderer alle in der Hitze von Dorne geschmolzen sind!

Sollten sich die Serienmacher für diesen Weg entscheiden (und ich kann es mir bei bestem Willen nicht vorstellen), hätte "Game of Thrones" für mich einen großen Teil seines Charakters verloren. Natürlich kann man der Serie vorwerfen, dass sie in den letzten Staffeln bereits deutlich mehr Fanservice als früher betrieben hat und dabei auch immer mehr Logiklöcher offenbart hat – man denke nur an Folge 6 von Staffel 7. Ein Happy End würde die Kernaussage allerdings ins komplette Gegenteil verkehren.

In einem Interview mit dem Rolling Stone erklärte Autor George R. R. Martin, Mastermind hinter der Welt von "Game of Thrones", dass er seine Fantasy-Saga bewusst als Gegenpol zu J. R. R. Tolkiens "Herr der Ringe"-Büchern angelegt habe: "'Der Herr der Ringe' hat eine sehr mittelalterliche Philosophie: Wenn der König ein guter Mann ist, blüht auch das Land auf. Wenn wir uns echte Geschichte ansehen, dann ist das nicht so einfach. [...] Im echten Leben haben echte Könige echte Probleme."

Die Quadratur des Kreises: Ein Finale, das alle zufriedenstellt

Nach mittlerweile 67 Folgen (plus sechs noch ausstehenden Episoden von Staffel 8) stehen die Macher von "Game of Thrones" also vor geradezu monumentalen Aufgaben: Zum einen das Finale für eine der beliebtesten Serien aller Zeiten so zu gestalten, dass möglichst alle Fans zufrieden sind und dennoch überrascht werden. Zum anderen einen Abschluss zu finden, der gleichzeitig die Seele der Show am Leben hält. Einige Journalisten wie etwa Rowan Kaiser von Vox.com glauben daher gar, dass das Ende von "Game of Thrones" eigentlich niemanden zufriedenstellen kann.

Meine Hoffnung: "Game of Thrones" bekommt ein mehrdeutiges und vielleicht sogar offenes Finale, ohne zu sehr in Meta-Gefilde wie zuletzt etwa der "Tatortreiniger" abzudriften. Hier könnte Bran Stark (Isaac Hempstead-Wright) ins Spiel kommen – schließlich ranken sich um den Hellseher mit Zeitreise-Fähigkeiten schon lange abgefahrene Theorien.

Game of Thrones Bran fullscreen
Ist Bran Stark der Schlüssel zum Ende von "Game of Thrones"?

Hier sei anzumerken, dass das letzte Buch in Martins Saga "Das Lied von Eis und Feuer" (SCHREIB ENDLICH WEITER GEORGE!) den vielsagenden Titel "Ein Traum vom Frühling" tragen wird. Es ist eben nur ein Traum und nicht die Wirklichkeit. Kann Bran hier also eine Vision von einer besseren Zukunft bieten – quasi ein halbes Happy End? Denn wie sagte Martin bereits 2015 so schön in einer Rede bei seiner Alma Mater Northwestern University (via Vulture): "Wir sehnen uns alle nach einem Happy End. Ich persönlich bin aber vielmehr an bittersüßen Enden interessiert."

Natürlich haben sich Serie und Bücher inzwischen deutlich auseinanderentwickelt – allerdings wissen die Showrunner laut Vanity Fair schon seit Jahren, wie die Buchreihe von Martin enden wird – und ein komplett anderes Finale, als vom Schriftsteller selbst geplant, würde wohl etwas sonderbar wirken. Vielleicht ist also das Finale von "Game of Thrones" der Punkt, an dem Serie und Bücher endlich wieder zueinanderfinden.

Sendehinweis

Am 14. April geht Staffel 8 von "Game of Thrones" beim US-Sender HBO an den Start. Ab dem 15. April dürften die neuen Folgen somit auch in Deutschland auf Sky zu sehen sein.

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