Meinung

Warum ich "Solo: A Star Wars Story" jetzt mit anderen Augen sehe

Ab dem 27. September gibt es "Solo: A Star Wars Story" fürs Heimkino zu kaufen.
Ab dem 27. September gibt es "Solo: A Star Wars Story" fürs Heimkino zu kaufen. (©Jonathan Olley/Lucasfilm Ltd. 2018)

Kürzlich habe ich "Solo: A Star Wars Story" zum ersten Mal gesehen – auf Blu-ray. Ein bestimmter Aspekt der Heimversion hat den Spin-off-Film für mich dabei stark aufgewertet. Ich spreche nicht von der Bild- oder Tonqualität, sondern von der Bonus-Disc mit den Bonusmaterialien.

Wie es sich für eine Blu-ray zu einem Spektakel wie "Solo: A Star Wars Story" gehört, bringt das Bonusmaterial eine ganze Reihe an Hintergrundinformationen zur Entstehung der Spezialeffekte mit. Die für mich größte Überraschung dabei: Das Team um Regisseur Ron Howard arbeitete viel weniger mit Computereffekten, als man zunächst erwartet hätte.

Der Droide L3-37 als reine Computeranimation? Von wegen! Die Flucht vom Planeten Corellia vor Greenscreen? Fehlanzeige! Oder der Sprung in den Hyperraum nur dank Nachbearbeitung? Auf keinen Fall!

Handgemacht statt programmiert

Inzwischen kennt man es aus den großen Blockbustern: Die meisten Szenen werden vor Green- oder Bluescreens gedreht und die fantastischen Welten erst später am Computer hinzugefügt. Bei "Solo: A Star Wars Story" waren hingegen echte Puristen am Werk, wie das Bonusmaterial deutlich macht. Sie legten großen Wert darauf, an echten Schauplätzen zu drehen und alles so authentisch wie möglich zu halten.

Federführend war bei diesem Bestreben Kameramann Bradford Young, der aktuell einen echten Lauf hat. Bereits 2016 beeindruckte Young mit seinen epochalen Bildern in Denis Villeneuves Sci-Fi-Drama "Arrival", für das er zu Recht eine Oscar-Nominierung erhielt.

Erstes Überraschungsmoment: Die Verfolgungsjagd auf Corellia

Beim Gucken des Films war ich sicher, dass Qi'ra (Emilia Clarke) und Han Solo (Alden Ehrenreich) während der Actionsequenz auf dem Industrieplaneten Corellia in einem Pappgefährt sitzen, an dem ein bisschen gerüttelt wird. Die Umgebung würde dann nachträglich per CGI hinzukommen. Doch Fehlanzeige. Wie die Boni zeigen, fanden die Macher tatsächlich einen Drehort, der dem industriellen Look von Corellia entsprach und der genug Platz für eine rasante Verfolgungsjagd bot.

Die Produktionsdesigner haben ganze Arbeit geleistet und aus den skurrilsten Dingen motorisierte Gefährte gebaut, die wirklich Dampf unter der Haube haben. Natürlich kommt die Szenerie nicht gänzlich ohne CGI aus, gerade wenn es um Totalen oder Panoramen geht. Dass es die Verfolgungsjagd als solche allerdings wirklich gegeben hat, erstaunte mich wirklich.

Das Bonusmaterial im Überblick

  • Regisseur & Darsteller am runden Tisch
  • Kasdan & Kasdan
  • Redesign des Millennium Falken
  • Flucht von Corellia
  • Der Zugüberfall
  • Team Chewie
  • Wie man Droide wird: L3-37
  • Gauner, Droiden, Kreaturen und Kartenspiele: Willkommen in Fort Ypso
  • In den Mahlstrom: Der Kossal-Flug
  • 8 zusätzliche Szenen

L3-37 und Rio werden zum Leben erweckt

Phoebe Waller-Bridge spricht nicht nur L3-37. (© 2018 Lucasfilm Ltd.)

Ähnlich erging es mir auch bei den vermeintlich komplett animierten Charakteren L3-37 und Rio. Bei Ersterem, einem durch und durch emanzipierten Droiden, war ich der festen Überzeugung, dass Schauspielerin Phoebe Waller-Bridge der Blechkiste nur ihre Stimme leiht. Dass sie wirklich ein Kostüm trug und nur die Kabel und Verdrahtungen am Computer hinzugefügt wurden, war ein weiterer Überraschungsmoment. So sind die geschmeidigen und vor allem femininen Bewegungen von L3-37 tatsächlich die der gebürtigen Britin.

Rio wird teilweise von einer Artistin gespielt.
Rio wird teilweise von einer Artistin gespielt. (© 2018 YouTube/Star Wars)

Und sogar Rio Durant, der vierarmige ardennianische Pilot, ist nicht komplett animiert. Gerade, wenn er sich durch sein Raumschiff schwingt, handelt es sich um eine "reale" Person. Eine Artistin ist für bestimmte Szenen in ein originalgetreues Kostüm geschlüpft, damit die "Showeinlagen" so authentisch wie möglich wirken.

Potzblitz! Die Sache mit dem Hyperraum

Gut, den Millennium Falken tatsächlich in den Hyperraum zu schicken, wäre vermutlich etwas zu aufwendig gewesen. Da musste eine Alternative her, die zeigt, wie sich Landos Raumschiff in Überlichtgeschwindigkeit durch die Galaxis bewegt. Und auch hier bediente man sich nicht bei einem Greenscreen und ließ Aldren Ehrenreich, Donald Glover und Co. nur so tun, als könnten sie sehen, was vor ihnen passiert.

Der Hyperraum wirkt ziemlich echt, oder? (© 2018 Lucasfilm)

Im Gegenteil: Die Crew errichtete eine gigantisch große, leicht gebogene Leinwand, auf der extrem hochauflösend der Hyperraum dargestellt wurde. Das, was wir also im Film sehen, haben die Schauspieler genauso erlebt.

Wenn Specials einen Film wirklich aufwerten

Nachdem ich "Solo: A Star Wars Story" gesehen und für gut befunden habe (das ist aber ein anderes Thema), habe ich wieder gemerkt, wie sehr die Specials einer Blu-ray den Film aufwerten können. Klar, oft beinhalten Heimversionen nur einen spärlichen Trailer, der nicht viel Mehrwert bietet.

In diesem Fall muss ich aber sagen, dass es sich absolut gelohnt hat, in der Bonus-Disc mit den Extras zu stöbern. Und damit meine ich gar nicht nur die oben erläuterten Specials zur visuellen Machart des Spin-offs. Auch der Einblick ins Redesign des Millennium Falken sowie die Zusammenarbeit von Jonathan und Lawrence Kasdan, den Drehbuchautoren, die zugleich Vater und Sohn sind, waren spannend.

Eins ist klar: In Zukunft werde ich mir das Bonusmaterial von Blockbustern wie "Solo" etwas genauer anschauen.

Heimkino-Release
"Solo: A Star Wars Story" steht ab dem 27. September 2018 in den Fachmarkt-Regalen. Dann liegt es an Dir, ob Du Dich für die DVD, Blu-ray, Blu-ray 3D oder 4K UHD Blu-ray entscheidest. Oder aber, ob Du zur Limited Steelbook Edition greifst.

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