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Warum Marvel-Soundtracks so selten denkwürdig sind

Die Frage: Wie klingt das Marvel-Universum? Die häufigste Antwort: ratlose Blicke.
Die Frage: Wie klingt das Marvel-Universum? Die häufigste Antwort: ratlose Blicke. (©Facebook/Marvel Deutschland 2015)

Die Soundtracks zu "Star Wars" oder "James Bond" kennt wohl jeder Filmfan. In den Blockbustern aus dem Marvel-Universum fehlen solch einprägsame Musiken jedoch. Warum ist das so? Ein YouTuber gibt Antworten.

Tony Zhou vom YouTube-Kanal "Every Frame a Painting", der sich vor allem mit der Analyse von Filmen beschäftigt, hat in Vancouver eine Umfrage mit Passanten gemacht und festgestellt: An die Filmmusik von Marvel-Filmen scheint sich niemand zu erinnern – während Melodien aus "Star Wars", "Harry Potter" und "James Bond" den meisten Befragten locker über die Lippen gehen. Das Video stellt die berechtigte Frage: Warum? Schließlich sind die Comicverfilmungen ein Milliardengeschäft – als allumfassendes Franchise schickt sich das "Marvel Cinematic Universe" sogar an, das erfolgreichste aller Zeiten zu werden.

Marvel geht beim Soundtrack auf Nummer sicher

Auf die Passantenbefragung folgt in Zhous Videoessay "The Marvel Symphonic Universe" eine spannende Analyse von Kompositionstechniken und -trends im modernen Blockbuster, die alle in dieselbe Richtung deuten: Große Studios wie Marvel wollen beim Soundtrack keinerlei Risiko eingehen. Das führt unter anderem dazu, dass Musik beinahe exakt aus ähnlichen Szenen anderer Filme kopiert oder ständig von Dialogen und Geräuschen überlagert wird. Weil sich Regisseure dank der Möglichkeiten moderner Technik selbst beim Schnitt von Szenen an bestehenden Soundtracks orientieren, bleibt die Kreativität auf der Strecke. Emotionale Ansprache des Publikums? Aktuell leider Fehlanzeige.

Ein Plädoyer für kreativen Soundtrack-Einsatz

Wie es besser gehen könnte, führt Tony Zhou gleich selbst vor: Szenen aus "Thor" und "Captain America: The Winter Soldier" wirken ganz anders, wenn ihr Soundtrack als bedeutungstragendes Element und nicht nur als musikalische Kulisse eingesetzt wird – oder einfach nur für sich allein stehen darf, ohne überlagernde Monologe aus dem Off.

Einen Kenner von Marvel-Musik haben die YouTuber unter den Passanten dann übrigens doch noch gefunden: Der "Spider-Man"-Song, den der Mann in voller Länge zum Besten gibt, wurde allerdings bereits 1967 komponiert.

 

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