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Warum "Parasite" völlig zu Recht den Oscar gewonnen hat

"Holy Shit! 'Parasite' hat echt den Oscar als Bester Film gewonnen!"
"Holy Shit! 'Parasite' hat echt den Oscar als Bester Film gewonnen!"

"Parasite" vom südkoreanischen Regisseur Bong Joon-ho hat in der Nacht von Sonntag auf Montag den Oscar als bester Film des Jahres gewonnen. Damit hat er Filmgeschichte geschrieben. Und: Er hat die Auszeichnung absolut verdient. Ein kurzer Liebesbrief an ein außergewöhnliches Meisterwerk.

Dieser Film schreibt Geschichte

Die Fakten zu "Parasite" und seinem historischen Oscar-Gewinn hast Du mittlerweile bestimmt schon gelesen: Die Thriller-Satire mit schwarzhumorigem Einschlag ist nicht nur der erste Film aus Südkorea, der den Oscar als bester Film einheimst, sondern auch der erste nicht-englischsprachige Film, der das geschafft hat. Und je einen Oscar für das beste Original-Drehbuch und für Bong Joon-ho als bester Regisseur gab's obendrauf.

Damit geht "Parasite" in die Geschichtsbücher ein. Und schlägt viele vermeintlich "größere" Konkurrenten aus der Bahn, wie das Kriegsdrama "1917" von Sam Mendes, Quentin Tarantinos "Once Upon a Time in Hollywood" oder den kontroversesten Oscar-Kandidaten seit Jahren, "Joker" von Todd Phillips. Und auch, wenn ich mich Hals über Kopf in "Joker" verliebt und ihn prompt zum besten Film des Jahres erklärt hatte, freue ich mich extrem für den sensationellen Erfolg von "Parasite". Der ist nämlich absolut gerechtfertigt: Es ist ein Meisterwerk, das auf der Watchlist jedes ernsthaften Filmfans stehen sollte.

Parasite fullscreen
"Pssst, ich muss Dir was gestehen: Ich habe noch nie einen Film von Bong Joon-ho gesehen."

Eine schrecklich parasitäre Familie

Wer den Film noch nicht gesehen hat (und das sind offenbar so einige, denn hier in Deutschland spielte er nur rund dreieinhalb Millionen Euro ein, was okay ist, aber keine Sensation), der sollte am besten mit so wenig Vorwissen wie möglich rangehen. Eine Kurz-Zusammenfassung ist aber trotzdem drin: In "Parasite" geht es um die arme, sozial abgehängte Familie Kim, die sich unter falschen Voraussetzungen Jobs bei den wohlhabenden Parks ergaunert – und sich fast unbemerkt dort einzeckt. Wer ist hier wirklich der Parasit?

Das ist schon eine einigermaßen originelle Idee für einen Film. Regisseur Bong Joon-ho ist aber ein Genie, und so macht er aus einem Film gleich mehrere: "Parasite" ist gleichzeitig eine extrem schwarze Komödie und ein spannender Thriller, eine beißende Satire und eine Anklage gegen soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit in Südkorea. In manchen Szenen ist "Parasite" schadenfroh-überdreht, um dann mit Motiven aus dem Horrorfilm zu spielen. Und jede Sekunde davon ist pure Kino-Kunst.

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So viel Fröhlichkeit auf einem Bild, da sollte man misstrauisch werden: So bleibt das nicht lange.

Wir sehen einem Genie bei der Arbeit zu

Denn Joon-ho kann nicht nur fesselnde Geschichten erzählen, er ist auch ein perfektionistischer Stilist. Jede Einstellung von "Parasite" ist bis auf den Millimeter durchkomponiert, er nutzt die komplette handwerkliche Palette des Filmemachens. Die Bildsprache ist ihm ebenso wichtig wie der richtige Kamerawinkel, um die Machtverhältnisse zwischen den Familien zu verdeutlichen. Das Szenenbild spiegelt die seelische Verfassung seiner Protagonisten und fast unbemerkt verwebt er kleinste Details, Requisiten, Satzfetzen und Bildübergänge zu einem Ganzen, das komplexer ist, als es zunächst scheint.

Das klingt jetzt vielleicht nach verkopftem Arthouse-Kunstgeseier mit null Spaß-Faktor, nach einer furztrockenen Nabelschau elitärer Film-Intellektueller. Nein. "Parasite" ist so spannend wie lustig, ich habe jede einzelne Sekunde der stolzen 132 Minuten genossen. Das ist einer dieser Filme, bei denen man schon nach den ersten paar Sekunden weiß: Hier ist man in Meisterhand. Bong Joon-ho weiß genau, was er will. Sein Film nimmt einen an die Hand und führt einen mit traumwandlerischer Sicherheit, aber fast beiläufig, durch eine Story, der man unrecht tut, wenn man sie einfach nacherzählt.

"Parasite" fließt nicht nur, er fliegt, als würden ihn die Einschränkungen nicht interessieren, die jeder Schnitt, jede Kameraperspektive, jeder gewählte Take nun mal mit sich bringt. "Parasite" ist das Werk eines Filmemachers, der absolutes Vertrauen in seine Fähigkeiten hat und auf dem bisherigen Gipfel seiner Meisterschaft angekommen ist.

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Die Bildsprache ist streng durchkomponiert und steckt voller Symbolik.

Fazit: "Parasite" ist großartig

Okay, ich könnte diesen ganzen Text auch einfach zusammenfassen: Schau Dir "Parasite" an, am besten so schnell wie möglich. Und optimalerweise im Original-Ton mit Untertiteln. In diesem Film muss man vorbehaltlos eintauchen, und dazu gehören nun mal auch die koreanischen Stimmen. Das bisschen Mitlesen sollte Dich wirklich nicht davon abhalten, einen der besten Filme der letzten zehn Jahre zu sehen.

Und wenn Du auf den Geschmack gekommen bist, dann arbeite doch gleich noch die restliche Filmografie von Bong Joon-ho ab: Das eiskalte Crime-Drama "Memories of Murder" von 2003 etwa, den hochenergetischen Monsterfilm "The Host" von 2006, die 2013er Comicverfilmung "Snowpiercer", die bis heute die teuerste koreanische Produktion aller Zeiten ist. Jeder von Joon-hos Filmen ist spitze.

Bong Joon-ho ist einer der besten Regisseure, die derzeit auf der Welt aktiv sind. Schön, dass das mittlerweile auch die Academy gemerkt hat.

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Arm, aber glücklich? Unglücklich? Die Antwort ist nicht ganz so einfach.
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