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Retrospektive

Zum Tot-Lachen: Warum ich die "Final Destination"-Reihe so mag

Klappe zu, Affe tot! "Final Destination" hat einen recht hohen Body Count.
Klappe zu, Affe tot! "Final Destination" hat einen recht hohen Body Count. Bild: © picture alliance / United Archiv 2020

Die "Final Destination"-Reihe wird in diesem Jahr unglaubliche 20 Jahre alt. Zeit, zurückzublicken – auf eine einzigartige Horrorserie, auf Gastauftritte vom "Candyman" persönlich und auf die wohl originellsten Tode der Filmgeschichte.

Da wir alle momentan wegen der Corona-Krise unter softem Hausarrest stehen, habe ich die Zeit als unfreiwilliger Einsiedlerkrebs genutzt und die gesamte "Final Destination"-Reihe ge-rewatcht. Hatte ich schon länger vor und das war ja wohl die perfekte Gelegenheit. "Final Destination" ist fast eine Anomalie im Horror-Genre: eine Filmreihe, die ihre einzige (zugegebenermaßen sehr originelle) Idee bislang satte fünfmal durchgekaut hat, aber trotz gewisser Qualitätsschwankungen nie wirklich schlecht wurde. Muss man auch erst mal schaffen.

Heute blicken wir zurück auf die Anfänge von "Final Destination", küren den besten (und den schlechtesten) Film der Reihe und blicken in die Zukunft – denn der Tod ist noch lange nicht fertig mit uns ...

Die Anfänge: Keinen Bock auf "Akte X"

Drehbuchautor Jeffrey Reddick las Anfang der 1990er-Jahre von einer Frau in den USA, die einem Flugzeugabsturz gerade noch so entronnen war – ihre Tochter hatte ein "schlechtes Gefühl" und überzeugte sie, einen anderen Flug zu nehmen. Und tatsächlich: Das Flugzeug, das die Frau ursprünglich nehmen wollte, stürzte ab. Doch der Tod lässt sich nicht überlisten und jagt die Frau – aus dieser Idee machte Reddick 1994 ein Skript für die Serie "Akte X" mit dem Titel "Flight 180", der Nummer des verunglückten Flugs. Doch es sollte alles ganz anders kommen.

Statt einer Folge "Akte X" wurde aus der Geschichte nämlich ein vollwertiger Kinofilm für die Verleihfirma New Line Cinema. Natürlich erfuhr das Drehbuch noch einige Änderungen und bekam einen neuen, knackigeren Titel. Das Resultat hieß "Final Destination" und kam 2000 in die Kinos. Das Einspielergebnis an den amerikanischen Kinokassen war mit rund 53 Millionen Dollar nicht sensationell, aber durchaus respektabel. "Final Destination" avancierte schnell zum Sleeper-Hit.

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Und so guckten die Kritiker, als "Final Destination" ein Erfolg wurde. Bild: © picture alliance / United Archiv 2020

Die Grundidee war immer noch dieselbe wie im nie umgesetzten "Akte X"-Skript: Ein paar Überlebende eines Flugzeugabsturzes werden vom Tod persönlich um die Ecke gebracht, einer nach dem anderen und mit haarsträubend skurrilen Mordmethoden. Die wurden dann auch schnell das Markenzeichen der Reihe – hier konnten auch banalste Alltagsgegenstände zu Todesfallen werden.

Für viele – mich eingeschlossen – sind die "Final Destination"-Filme ein guilty pleasure. Sie sind nicht zwangsläufig gut, geschweige denn großartig. Aber die Balance zwischen Schrecken und grotesker, oftmals makabrer Komik wurde selten so sicher gehalten wie hier. Die Filme sind brutal, aber auf eine völlig überzogene, hemmungslos kindische Art, sodass die expliziten Tode nie wirklich verstören.

Im Gegenteil: Das morbide Mitraten, wie die nächste Figur wohl ihr Leben verliert, wenn die Kamera mal wieder langsam auf vermeintlich harmlose Alltagsgegenstände zoomt, macht den großen Reiz der "Final Destination"-Reihe aus. Man hält die Luft an, man fängt unwillkürlich an zu grinsen – und nach dem Kill, wenn ein weiterer Protagonist in einem ultrakomplexen "Unfall" sein Leben verloren hat, gibt man sich johlend High Fives und macht noch ein Bier auf.

Gehen wir alle fünf "Final Destination"-Teile noch mal im Schnelldurchgang durch.

"Final Destination"

Die Anfangsszene mit dem grauenvollen Flugzeugunglück ist legendär und für Flugangst-Opfer wie mich bis heute nur schwer zu ertragen. Der erste Eintrag der Reihe legte 2000 völlig zu Recht den Grundstein für eine Erfolgsstory im Kino: Die überkandidelte Kreischigkeit späterer Teile fehlt hier dankenswerterweise. Das morbide Katz-und-Maus-Spiel mit dem Sensenmann entspinnt sich angenehm zurückgenommen und vergleichsweise geerdet.

Auch die Chemie zwischen den Protagonisten stimmt (unter anderem Ali Larter aus den "Resident Evil"-Filmen und "American Pie"-Star Seann William Scott). Als Sahnehäubchen hat Tony Todd alias der "Candyman" einen Auftritt als sinisterer Leichenwäscher. Ein rundum gelungener Start für das Franchise, den man sich auch heute noch ohne Scham angucken kann.

Bester Kill: Der Tod der Lehrerin Valerie Lewton (der Name ist übrigens ein schöner Insider-Gag für filmaffine Horrorfans) zeigt zum ersten Mal so richtig, was die Reihe noch berühmt machen wird: Herrlich versponnene "Unfälle", die eher einer morbiden Versuchsanordnung gleichen als den Kills eines typischen Slasher-Films.

"Final Destination 2"

Drei Jahre nach Teil 1 schossen die Macher die Fortsetzung hinterher. Andere Teenies, dieselbe Idee: Diesmal ist es eine verheerende Massenkarambolage, die unsere Helden überleben. Also ersinnt der Tod wieder sadistisch-skurrile Mordmethoden, um sein Killkonto auszugleichen.

Gegenüber Teil 1 sind die Figuren blasser, gerade A.J. Cook als "final girl" fehlt das gewisse Quäntchen Charisma und Gravitas. Dafür freuen sich Fans über ein Wiedersehen mit Ali Larter aus Teil 1, die die Geschehnisse des Erstlings noch immer nicht verarbeitet hat. Insgesamt wirkt Teil 2 nicht mehr so innovativ und frisch wie sein Vorgänger, punktet aber immer noch mit einfallsreichen Killszenen. Und natürlich hat auch Tony Todd als geheimnisvoller Leichenbestatter Bludworth wieder einen einprägsamen Auftritt.

Bester Kill: Der Feuerleiter-ins-Auge-Tod des neureichen Kotzbrockens Evan, der uns geschickt immer wieder auf falsche Fährten lockt. Die Szene treibt nicht nur gekonnt den Puls in die Höhe, sondern zeigt auch, wie gefährlich ein achtlos weggeworfener Teller Spaghetti sein kann.

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"Final Destination 3"

Teil 3 erschien 2006 und hat das erste Mal einen richtigen Hollywoodstar in der Hauptrolle: Mary Elizabeth Winstead ("Birds of Prey") spielt Wendy Christensen, die mit ihrer Clique gerade noch so dem Tod auf einer entgleisten Achterbahn entgeht. Doch der Tod holt sich einen nach dem anderen, bla bla bla, Du weißt schon. Es ist "Final Destination".

Zwar reißt die immer solide Winstead eklatante Schwächen im Skript wieder raus, dafür machen sich endgültig deutliche Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Die Formel wurde spätestens mit dem dritten Teil schal und wirklich frische Ideen gibt's hier auch nicht. Außerdem sind die Figuren oberflächlicher als je zuvor – schön zu sehen an dem völlig klischeehaften Gothic-Pärchen, deren Namen ich schon wieder vergessen habe. "Final Destination 3" ist gerade noch so okay, mehr aber nicht.

Bester Kill: Zumindest eine wirklich gute Sequenz hat uns Teil 3 aber doch beschert: die feurigen Tode der beiden Highschool-Schicksen Ashley und Ashlyn im Sonnenstudio. Den Gag riecht man drei Meilen gegen den Wind, aber wenn die Sonnenbänke zuklappen und die Haut der Mädels Blasen wirft, zieht man trotzdem scharf die Luft ein.

Hier ist jetzt Achterbahn bei SATURN – mit Teil 3 auf Blu-ray.

"Final Destination 4"

Teil 4 von 2009 heißt im Original schlicht "The Final Destination" – wahrscheinlich hatten die Produzenten Angst vor der hohen Ziffer im Titel, denn dritte, vierte und fünfte Teile sind nur ganz, ganz selten gut. Die Sorge war berechtigt, denn "Final Destination 4" ist mit Abstand der schwächste Teil der Reihe, bei dem nicht mal die Todesszenen Spaß machen.

Die sind nämlich uninspiriert wie selten (Typ bleibt im Pool-Abfluss stecken! Typ hat 'nen Autounfall!). Die völlig überflüssigen Vorahnungs-Traumszenen fügen der Geschichte nichts Substanzielles hinzu und das gewisse Element des Mysteriums, das in den vorigen Teilen zumindest ansatzweise vorhanden war, fehlt hier völlig. Und dass der finale Massen-Kill die Splatterei hinter mauen CGI-Skelettanimationen versteckt, ist einfach nur lame.

Bester Kill: Hm, so wirklich geil ist hier keiner. Aber die kurze Sequenz, in der eines der Mädels langsam in die Zahnräder einer Rolltreppe gezogen wird, lässt zumindest kurz mal den guten alten "Final Destination"-Spirit aufleben.

Komplettisten brauchen natürlich auch diesen Film in der Sammlung, den es auch bei SATURN gibt.

"Final Destination 5"

Der bislang letzte Film der Reihe spielt – huch, Spoiler! – zeitlich vor Teil 1 – was aber erst ganz am Ende klar wird. Bis dahin kehrt "Final Destination 5" zumindest ansatzweise zu den Stärken der Reihe zurück und fährt das gehetzte Tempo des vierten Teils runter. Und die Einstiegsszene auf der einstürzenden Brücke ist nichts weniger als spektakulär.

Klar, auch Teil 5 ist nur die x-te Variation der immer gleichen Idee, aber diesmal wieder so kompetent in Szene gesetzt, wie es die letzten Episoden vermissen ließen. Und da auch Tony Todd wieder vorbeischaut, nachdem er in Teil 3 nur mit seiner Stimme und in Teil 4 gar nicht dabei war, sind Horrorfans am Ende dann doch noch versöhnt.

Bester Kill: Natürlich die Laser-Behandlung am offenen Auge. Augenverletzungen gehören ohnehin zum Fiesesten, was man in Filmen sehen kann – da zuckt wohl jeder zusammen. Gepaart mit dem "Final Destination"-typischen Sadismus inklusive enervierend langsamem Spannungsaufbau ergibt das eine Britzel-Szene, die man so schnell nicht vergisst. Plus Ekel-Lacher ganz am Ende.

Die Zukunft: Wie geht's weiter mit "Final Destination"?

"Final Destination 5" erschien 2011, seitdem ist es recht ruhig um die Reihe. Gerüchte über ein Sequel oder ein Reboot flackern immer wieder mal auf, bislang gibt es aber keine handfesten Details oder gar eine offizielle Bestätigung. Produzent Craig Perry hat aber schon eine Vorstellung davon, von wem der nächste "Final-Destination"-Film handeln soll, wenn er denn mal gedreht wird: von Ersthelfern an Unfallstellen, also etwa Polizisten, Feuerwehrmännern und Notfallsanitätern.

"Diese Leute sind jeden Tag an der Front und mit dem Tod konfrontiert. Ihre Entscheidungen bestimmen darüber, ob Leute leben oder sterben", so Perry im Gespräch mit Digital Spy. "Wir vertrauen auf ihre professionelle Einschätzung, Expertise und auf ihr ruhiges Auftreten. Warum also nicht diese Leute in die albtraumhafte Situation bringen, in der jede Handlung über Leben und Tod entscheidet – aber diesmal für sie selbst?"

Das klingt prickelnd, aber verlangt auch ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl. Klar, in den bisherigen Filmen ging es auch derbe zur Sache. Aber die extreme Unglaubwürdigkeit der haarsträubend komplexen "Versuchsanordnungen" des Sensenmannes haben das Massensterben doch sehr deutlich ins Irreale, gewissermaßen Schmerzlose überführt.

Was in den "Final Destination"-Filmen passiert, passiert nicht im echten Leben – oder zumindest ist es kosmisch so unwahrscheinlich, dass man über die blutigen Todesszenen unwillkürlich lachen muss. Im Alltag eines Notfallsanitäters gibt es aber sehr reale Schmerzen und Trauer. Da muss man aufpassen, dass man nicht schnell pietät- und geschmacklos wird.

Aber wie gesagt: Das ist alles Zukunftsmusik. Ob und wie es mit "Final Destination" weitergeht, weiß momentan wohl nur Gevatter Tod himself. Ich wäre bei einem sechsten Film auf jeden Fall wieder dabei. Dafür hat mir das Franchise im Ganzen zu viel Spaß gemacht, um eine Neuauflage zu ignorieren. Aber vorher werde ich mir ganz genau einprägen, wo im Kinosaal die Notausgänge sind ...

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