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Hintergrund

Früher wie heute: Es leben die Special Effects!

Große Teile der "Guardians of the Galaxy"-Filme wurden vor einem Bluescreen gedreht. Ein Greenscreen wäre in diesem Fall auch suboptimal gewesen ...
Große Teile der "Guardians of the Galaxy"-Filme wurden vor einem Bluescreen gedreht. Ein Greenscreen wäre in diesem Fall auch suboptimal gewesen ...

Filme und Serien begeistern uns nicht nur mit ihren Geschichten, sondern auch mit Spezialeffekten, aufwendigen Kulissen und dem Set Design. Das war schon zu Zeiten von Fritz Langs "Metropolis" so und das gilt genauso für aktuelle Produktionen wie "The Mandalorian". Technisch hat sich allerdings eine ganze Menge getan. Lust auf eine kleine Zeitreise?

Vorweg: Ich liefere hier lediglich einen groben Abriss der historischen Entwicklung von Special Effects und ihren Einfluss auf die Kulissen. Alles im Detail zu besprechen, bedarf einer wissenschaftlichen Arbeit, die hier nicht geleistet werden kann. Ich beschränke mich daher auf wichtige Eckpfeiler. Es geht um "Matte Painting", den "Schüfftan-Prozess", die Verwendung von "Blue- bzw. Greenscreen", bestimmte Projektionsarten sowie der Einsatz der "Unreal Engine". Du verstehst nur Bahnhof? Macht nichts. Am Ende weißt Du mehr. Versprochen.

Kunstvolle Glasmalerei: Matte Painting

Was ist das denn? Das englische Wort "matte" bedeutet so viel wie "Maske" oder "Passepartout". Matte Painting beschreibt die Technik, mit der Kulissenelemente auf eine Leinwand oder Glas gemalt und dann abgefilmt werden. Während es früher reine Handarbeit war, geschieht heutzutage alles digital am Computer.

Erste Matte-Formen wurden schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet – zum Beispiel in "The Great Train Robbery" aus dem Jahr 1904 von Sigmund Lubin. Zwar gab es noch keine Malerei, sondern hier wurde durch clever gesetzte Cut-Outs (also Bereiche, die gewissermaßen "ausgeschnitten" wurden) Platz für einen zweiten Film geschaffen. Man spricht in diesem Fall von einem "In-Camera Matte Shot". Gut zu erkennen in der Anfangssequenz des Westernfilms:

Ein weiteres Beispiel von frühem, klassischem Matte Painting ist "King Kong und die weiße Frau" von 1933. Damals wurden zwei Glasplatten genutzt, um einen Dschungel mit viel Tiefe zu erschaffen. Auf der vorderen Glasplatte wurden detailliert Lianen, Bäume, Moosbüsche und mehr aufgemalt. Auf der hinteren Glasplatte wurde ein eher diffuser Hintergrund gemalt. Dazwischen wurde ein Modell des King Kong im Miniaturformat hin und her bewegt. Vor der gesamten Konstruktion befand sich die Kamera, die dann das Gesamtbild aufnahm. So war es den Filmemachern möglich, mit wenig Budget großartige Kulissen zu erschaffen.

Das auch als "Glasaufnahme" bekannte Matte Painting konnte also aufwendige Außendrehs ersetzen und war für Studios eine praktikable Technik, um Geld zu sparen. Es waren jedoch versierte Künstler nötig, die per Hand direkt auf die Glasscheibe malten.

Bis in die 1950er-Jahre machten viele Studios aber ein kleines Geheimnis aus dieser Technik, und nannten ihre Matte-Painting-Künstler z.B. nicht im Abspann. Niemand sollte mitbekommen, dass sie auf diese Technik zurückgegriffen haben, um Geld einzusparen.

Fun Fact
Das erste Matte Painting in "Star Wars" war klitzeklein. So klein, dass es zunächst für Dreck auf einer Scheibe gehalten wurde. Doch es war viel mehr ein Sandkriecher der Jawa am Horizont, dem C-3PO zuwinkt.

Zu den bekanntesten Matte-Painting-Künstlern zählt Peter Ellenshaw (1913-2007), der viermal für den Oscar nominiert war und den Award 1964 für "Mary Poppins" sogar erhalten hat. Sein Sohn Harrison (geb. 1945) ist ebenfalls Matte-Painter und arbeitete unter anderem an "Elliot, das Schmunzelmonster" sowie der originalen "Star Wars"-Trilogie mit.

Ein weiterer sehr bekannter Name ist Matthew Yuricich (1923-2012). Sein Schaffen ist in Filmen wie "Der unsichtbare Dritte" (1959), "Flucht ins 23. Jahrhundert" (1976), "Unheimliche Begegnung der dritten Art" (1977) oder auch "Blade Runner" (1982) zu bewundern.

Matte Painting wird in aktuellen Filmen noch immer angewendet, allerdings malen Künstler nicht mehr auf Glasscheiben. Inzwischen ist dieser Prozess digitalisiert und wird mithilfe von Computerprogrammen erstellt. Einer der letzten großen Filme, in dem klassisches Matte Painting auf einer Glasscheibe genutzt wurde, war "Titanic" (1997).

Was sich allerdings nicht geändert hat: Der Künstler benötigt ein ausgeprägtes Verständnis von Perspektive, Komposition, der Malerei selbst und sollte zudem Kenntnisse von Fotografie und Film haben, damit das Ergebnis sich nahtlos in den Film oder die Serie einfügt.

Wie gut Matte Painting in "Blade Runner" oder "Titanic" umgesetzt wurde, kannst Du Dir selbst ansehen. Beide Filme bekommst Du bei SATURN.

Kurzer Exkurs: Der Schüfftan-Prozess

Der Schüfftan-Prozess wurde während der Dreharbeiten zu "Metropolis" (1927) vom Kameramann Eugen Schüfftan entwickelt. Auch wenn andere Filmemacher diese Methode schon vorher verwendet haben sollen, wird die Technik dem Deutschen zugeschrieben.

Mach Dir selbst ein Bild vom Schüfftan-Prozess. Erkennst Du, wo er zum Einsatz kam? "Metropolis" gibt's auf DVD und Blu-ray bei SATURN.

Beim Schüfftan-Prozess wird der Schauspieler mithilfe einer cleveren Spiegeltechnik mit der Kulisse kombiniert, die um einiges kleiner ist als er selbst. Auch diese Technik spielt den Studios in die Karten (oder Taschen), um Geld einzusparen. Statt große und aufwendig Kulissen zu bauen, brauchte lediglich ein Miniformat erstellt zu werden.

Der Spiegel steht in einem 45-Grad-Winkel zur Kamera und der Kulisse und verfügt über eine kleine Aussparung. Während die Kamera die Spiegelung der Kulisse aufnimmt, filmt sie gleichzeitig durch die Aussparung hindurch den Schauspieler. Dieses kleine Video verdeutlicht es ganz gut:

Blau, blau, blau sind alle meine Screens ...

Eine bis heute bewährte Technik ist die Verwendung eines Blue- beziehungsweise Greenscreens. Was nach einer halbwegs modernen Entwicklung klingt, hat seinen Ursprung schon in den 1930er-Jahren. Der erste Film, in dem ein Bluescreen umfassend genutzt wurde, war "Der Dieb von Bagdad" (1940). Für die Spezialeffekte erhielt der Film sogar einen Oscar.

Wurde die blaue Leinwand zunächst nur sporadisch eingesetzt, werden heute ganze Studiohallen damit ausgeschmückt. Das trägt ebenfalls dazu bei, dass aufwendige Außendrehs vermieden werden können. Stattdessen werden am Computer ganze Welten erschaffen und in den Film integriert. Es spart auch beim Kulissenbau, da diese nur noch teilweise erschaffen werden müssen. Viele Szenen aus "Der Herr der Ringe" oder der "Harry Potter"-Reihe wurden in einem Studio gedreht, mithilfe von Blue- oder Greenscreen und computergenerierten Bildern sieht es aber so aus, als haben sich die Schauspieler im Freien befunden.

Blau oder Grün: Was denn nun?
Zunächst haben Filmschaffende auf blaue Leinwände gesetzt. Inzwischen greifen jedoch immer mehr zu grün. Die Meinungen gehen auseinander, was die besseren Ergebnisse liefert, mehr Vorteile scheint allerdings der Greenscreen zu bieten. Unter anderem kommt Grün nicht auf der Hautfarbe vor (Gamora ist hier ausgenommen). Die menschliche Haut setzt sich vor allem aus roten Farbpigmenten und einigen wenigen blauen Pigmenten zusammen.

Zahlreiche Behind-the-Scenes-Videos zeigen die beeindruckende Transformation. Allerdings erfordert dies auch eine Menge an Vorstellungskraft von den Schauspielern. Standen sie früher in Filmen wie "Ben Hur" (1959) inmitten von imposanten Kulissen, sind es in modernen Blockbustern nur Studiohallen mit blauer Verkleidung.

Dialoge im Auto dank Rückprojektion

Gehört in jedes Heimkino-Regal eines Filmfans: "Der unsichtbare Dritte", als DVD und Blu-ray auch bei SATURN erhältlich.

Ebenfalls in den 1930er-Jahren ist die Rückprojektion (engl. back bzw. rear projection) entstanden. Früher wurde diese Technik vor allem für Autoszenen verwendet, bei denen der Fokus auf den Insassen liegt. Zunächst wurde der Hintergrund auf eine Leinwand gemalt und mithilfe von einem Rollensystem parallel zur imaginären Autofahrt gezeigt. Filmte man durch das Seitenfenster, entstand der Effekt, als würde das Auto sich tatsächlich fortbewegen.

Fährt das Auto frontal auf die Kamera zu, lief im Hintergrund meist ein vorab gedrehter Film, der eine Autofahrt simuliert. Vor allem Alfred Hitchcock bediente sich regelmäßig dieser Technik, wie zum Beispiel in "Familiengrab" (1976):

Das berühmteste Beispiel von Hitchcock ist wohl aus "Der unsichtbare Dritte", als Cary Grant mehrfach vor dem Flugzeug im Sinkflug in Deckung geht. Es ist ein gekonnter Mix aus Dreharbeiten im Freien und einer Rückprojektion.

Der Vorteil dieser Technik: Sie ist günstig. Der Nachteil ist, dass sie sofort erkannt wird, da die Darstellung unnatürlich wirkt.

Inzwischen wird die Rückprojektion nur noch selten verwendet. Quentin Tarantino nutzte sie zum Beispiel noch in einer "Pulp Fiction"-Szene. Allerdings nicht, um Geld zu sparen. Bei ihm war es ein bewusst gewählter Effekt, der als Hommage an alte Regiemeister wie Hitchcock gedacht war.

Mit wilden Tieren spielen: Die Aufprojektion

Etwas später als die Rückprojektion entstand die Frontprojektion. Hierbei werden ein Projektor und eine Leinwand im 90-Grad-Winkel zueinander aufgestellt. Zwischen ihnen befindet sich ein halbtransparenter Spiegel, der mit jeweils 45 Grad zum Projektor und zur Leinwand steht. Frontal auf die Leinwand gerichtet steht die Kamera.

Der Projektor projiziert ein Bild auf den Spiegel, die Kamera filmt durch den halbtransparenten Spiegel hindurch die Leinwand. Diese ist aber keine gewöhnliche Leinwand sondern sie besteht aus einem Material, das aus Millionen von Glasperlen besteht: Scotchlite.

Der Trick: Das Bild, das vom Projektor kommt, ist nicht kräftig genug, um auf dem Schauspieler oder dem gezeigten Objekt abgebildet zu werden. Der Sctotchlite-Hintergrund reflektiert das Bild allerdings umso stärker. Der Vorteil gegenüber der Rückprojektion: Die Gefahr der ungewollten Schattenentstehung ist reduziert, der Aufbau benötigt weniger Platz und die Bilder sind schärfer und kontrastreicher.

Vor allem Regisseur Stanley Kubrick hat diese Technik 1968 massentauglich gemacht, als er sie in "2001: Odyssee im Weltraum" einsetzte. Er projizierte zu Beginn des Films echte Wildtiere aus Afrika neben die Schauspieler, die in Affenkostümen steckten.

Rund zehn Jahre später nutzte Richard Donner die Technik, um Christopher Reeve als Superman durch die Lüfte fliegen zu lassen. Nach wie vor gilt die Frontprojektion als eine der am häufigsten genutzten Special Effects in Hollywood. Regisseur Joseph Kosinski griff 2013 für "Oblivion" ebenfalls darauf zurück – allerdings in inzwischen digitaler Form.

Ob "2001" oder "Oblivion": Wer die Unterschiede der Frontprojektion in Perfektion sehen will, sollte beide Filme sein Eigen nennen. Gibt's beide auch bei SATURN.

Wie geht's weiter? Die Gaming-Industrie hilft

Die technische Entwicklung geht immer weiter. Inzwischen machen sich die Filmemacher eine weitere Technologie zunutze: Sie verwenden die Unreal Engine, die 1998 von Spieleentwickler Epic Games veröffentlicht wurde und sich seither stetig entwickelt.

Die aktuelle Version, die Unreal Engine 4, wurde jüngst in "The Mandalorian" verwendet. Dabei wird der Hintergrund auf eine riesige LED-Leinwand projiziert, der von leistungsstarken Computern berechnet wird. Das bedeutet: Der Hintergrund kann sich automatisch gemeinsam mit der Kamera ändern. Schwenkt diese in eine Richtung oder fährt um den Darsteller herum, passt sich auch der Hintergrund an – sowohl von der Farbdarstellung als auch von der Perspektive.

Dadurch wirkt auch das Licht viel natürlicher und alles realistischer. Reflexionen von spiegelnden Gegenständen, die bisher für Schwierigkeiten bei Dreharbeiten sorgten, gehören der Vergangenheit an. Fehlerquellen werden minimiert. Und auch mit der Unreal Engine geht ein sehr geringer Kostenfaktor einher. Im Idealfall muss nur ein einziges Set gebaut werden, der Hintergrund wird einfach per Computer angepasst. Setwechsel laufen auf diese Weise viel schneller ab, wie das Behind-the-Scenes-Video zu "The Mandalorian" sehr schön verdeutlicht.

Club der Visionäre

Dieser kleine Abriss der Entwicklung der Special Effects zeigt, dass beim Film nicht eine Technologie die nächste ersetzt, sondern einige Techniken ineinander greifen und so neue Entwicklungen entstehen. Die Technologisierung macht auch vor dem Filmgeschäft nicht Halt, wodurch die Filme immer realistischer und natürlicher wirken, obwohl die Dreharbeiten in immer kleinere Räumen wandern und durch digitale Tricktechnik ergänzt werden. Vorangetrieben wird dies immer durch Visionäre, die Neues ausprobieren, die Kraft der Technik nutzen und über den Tellerrand hinausblicken. So wie es Fritz Lang, Alfred Hitchcock, Stanley Kubrick, James Cameron und all die anderen Visionäre getan haben.

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