Meinung

Ist "The Walking Dead" noch zu retten? Meine Einschätzung zur Lage

Aufstehen oder doch lieber am Boden bleiben, das ist hier die Frage ...
Aufstehen oder doch lieber am Boden bleiben, das ist hier die Frage ... (©Gene Page/AMC 2018)

Es ist wie verhext! In letzter Zeit scheint in Bezug auf "The Walking Dead" wirklich eine schlechte Nachricht die nächste zu jagen. Und die Fans quittieren es mit fallenden Quoten. Der Rest, der noch schaut, muss bald zudem auf mehrere Mitglieder des Kern-Casts verzichten. Da stellt sich mir die Frage: Kann das gut gehen? Wird "The Walking Dead" diese Einschnitte überleben? Oder hat sich die Serie mit Staffel 9 endgültig ausgeschlurft?

Achtung, Spoiler!
Der folgende Text enthält massig Spoiler zu Staffel 7, 8 und 9 von "The Walking Dead". Du liest also auf eigene Gefahr weiter.

Eigentlich müssten wir ja Kummer gewohnt sein ...

Zugegeben, über die Jahre mussten wir uns schon von vielen "The Walking Dead"-Figuren verabschieden. Sei es nun Shane, Sophia, Andrea, Lori, Hershel oder einer der vielen anderen Charaktere, die der Zombieapokalypse nach und nach zum Opfer fielen. Als Fans der Serie sollten wir es also eigentlich gewohnt sein, regelmäßig den Tod einer (mehr oder weniger) beliebten Figur verkraften zu müssen.

Doch irgendwie konnten wir bisher auch immer sicher sein, dass keine der wirklich wichtigen Figuren ins Gras beißen würde. Bis zu Beginn von Staffel 7 Fan-Liebling Glenn als erster echter Hauptcharakter den Serien-Tod sterben musste. Na gut, ich weiß natürlich, dass seine Figur auch in den Comics stirbt, also war ich damit noch halbwegs versöhnt. Aber dann sorgten die Macher von "TWD" in Staffel 8 für den Super-GAU – und ließen Carl sterben! Eine eigentlich unverzeihliche Abweichung von den Comics! Schlimmer geht es nicht mehr – dachte ich ...

Nun steht allerdings der (noch nicht offiziell bestätigte) Ausstieg von Andrew Lincoln und Lauren Cohan an. In Staffel 9 werden wir uns also wohl von Rick Grimes und Maggie Rhee verabschieden müssen. Vielleicht sogar von Michonne aka Danai Gurira, deren Vertrag ebenfalls bald zur Verhandlung steht. Mit so vielen (potenziellen) Abgängen, was bliebe da noch von der einst so beliebten Zombieserie übrig?

 Was bleibt nach diesem "The Walking Dead"-Super-GAU? fullscreen
Was bleibt nach diesem "The Walking Dead"-Super-GAU? (©Gene Page/AMC 2018)

Der Anfang vom Ende für "The Walking Dead"?

Die Fans nehmen es den Verantwortlichen offensichtlich übel. Nachdem "The Walking Dead" bereits seit einiger Zeit mit fallenden Quoten zu kämpfen hat, droht mit dem Abgang von Rick und Maggie nun ein weiterer großer Teil der Zuschauer wegzubrechen. Fast genauso viele wünschen sich das endgültige Serien-Aus nach Staffel 9.

Es scheint, als habe Daryl-Darsteller Norman Reedus den Fans aus der Seele gesprochen, als er nach dem Serien-Tod von Chandler Riggs' Figur Carl Grimes erklärte, "die Leute, die die Show von Anfang an getragen haben, sind für mich das Herz der Serie. Wenn man diese Schlüsselfiguren verliert, ist das ein schwerer Schlag für die Serie, die Fans und die verbleibenden Cast-Mitglieder."

Und tatsächlich zeigt die Erfahrung, dass es einer Serie selten gut bekommt, wenn wichtige Mitglieder des Kern-Casts, ja gar die zentralen Lead-Figuren, ausgetauscht werden. So war es bei "Scrubs", die nach dem Ausstieg von Hauptdarsteller Zach Braff nur eine weitere Staffel mehr schlecht als recht überdauerte. Und so war es bei "Akte X", die nach dem Abgang von David Duchovny ebenfalls dramatisch in der Gunst der Zuschauer abstürzte und 2002 schließlich abgesetzt wurde. (Bis das Revival mit David Duchovny um die Ecke kam.)

 Daryl-Darsteller Norman Reedus fand die Idee jedenfalls schon mal nicht gut. fullscreen
Daryl-Darsteller Norman Reedus fand die Idee jedenfalls schon mal nicht gut. (©Gene Page/AMC 2017)

... Oder doch eine neue Chance?

Die Erfahrung lehrt aber auch, dass es durchaus Serien gibt, bei denen der Cast-Wechsel wunderbar funktioniert hat. Man denke nur an "Charmed", die auch nach dem Weggang von Shannon Doherty noch für weitere fünf Staffeln erfolgreich weiterlief. Oder – das Paradebeispiel schlechthin – "Emergency Room". Die Serie überlebte sowohl den Ausstieg von Zuschauer-Liebling George Clooney als auch die Auswechslung sämtlicher Hauptfiguren der ersten Stunde – und schaffte es am Ende sogar auf beeindruckende 15 Staffeln!

Könnte "The Walking Dead" ein ähnliches Kunststück gelingen? Das hängt meiner Meinung nach von mehreren Faktoren ab. Da wäre zum einen die Frage nach dem "Lückenfüller". Wenn Rick Grimes fällt, wer übernimmt dann die Führung in Alexandria und bei den vereinten Communitys? Wenn Maggie nicht mehr da ist, wer leitet dann das Hilltop? Hier einen passenden "Ersatz" zu finden, wäre eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein Überleben der Serie.

Aktuell sieht es ganz danach aus, als hätten sich die Macher bereits für Norman Reedus' Figur Daryl als Nachfolger von Rick entschieden. Findige Fans wollen allerdings in einer Szene aus Staffel 7 einen Hinweis dafür entdeckt haben, dass stattdessen vielmehr Michonne zur neuen Anführerin avancieren könnte (vorausgesetzt natürlich, Darstellerin Danai Gurira verlängert ihren Vertrag, wenn es so weit ist).

 Michonne hat durchaus die passenden Führungsqualitäten zu bieten. fullscreen
Michonne hat durchaus die passenden Führungsqualitäten zu bieten. (©Gene Page/AMC 2018)

Rettet er den Tag?

Eine etwas weiter hergeholte Möglichkeit: Die Serie könnte den Fokus einmal mehr auf Negan legen. Schließlich avanciert die Figur auch in den Comics im Verlauf der späteren Hefte zu einer Art "Antihelden" und Verbündeten der Communitys im Kampf gegen die Whisperers. Zudem forderten ohnehin schon zahlreiche Fans (und Jeffrey Dean Morgan selbst) ein Spin-off über den ehemaligen Anführer der Saviors. Darauf ließe sich möglicherweise aufbauen.

All das wären durchaus brauchbare (wenn auch mehr oder weniger wahrscheinliche) Optionen, denn während Daryl eindeutig den nötigen Fan-Rückhalt genießt, bringt Michonne die entsprechenden Führungsqualitäten mit. Zudem haben beide Figuren eine ausreichend enge Verbindung zur Familie Grimes, um die Fackel glaubhaft übernehmen zu können. Darsteller Jeffrey Dean Morgan wiederum hat bereits bewiesen, dass er durchaus in der Lage ist, die Bühne zu dominieren.

Am Ende hängt jedoch alles davon ab, ob die Drehbuchautoren gute Arbeit leisten und uns einen glatten Übergang ermöglichen. Womit wir bei der zweiten Voraussetzung wären. Denn eines ist klar: Nach dem Serien-Tod von Carl und spätestens, wenn wir uns tatsächlich auch von Rick und Maggie verabschieden müssen, können die Comics von Robert Kirkman unmöglich weiterhin als Grundlage für die Serie dienen. Zu viel der weiteren Comic-Handlung steht und fällt mit diesen drei Figuren und es scheint zumindest aktuell keine realistische Möglichkeit zu geben, die wichtigsten Handlungsstränge auf die verbleibenden Figuren zu übertragen.

 In Staffel 9 müssen viele "The Walking Dead"-Fans wohl ziemlich stark sein. fullscreen
In Staffel 9 müssen viele "The Walking Dead"-Fans wohl ziemlich stark sein. (©Gene Page/AMC 2018)

Ein Silberstreifen am Horizont? Mein Fazit

Es liegt also bei den Drehbuchautoren der AMC-Serie, die Geschichte ab Staffel 9 (endgültig komplett) auf die eigenen Schultern zu nehmen, und zwar getreu der Originalstimmung, aber eben doch losgelöst von den Comics, weiterzuerzählen.

Etwas in dieser Richtung scheint Neu-Showrunnerin Angela Kang tatsächlich geplant zu haben, immerhin versprach sie uns zuletzt einen frischen und neuen Look für Staffel 9. Und einen Fokus auf die Ladys von "The Walking Dead". Michonne und Carol sollen demnach noch stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Auch für Maggie plant Kang offenbar ein paar spektakuläre letzte Episoden, bevor sich die Figur aus der Serie verabschieden muss.

Das könnte sich als schlauer Schachzug erweisen. Anstatt Rick und Maggie aus der Serie zu streichen und uns dann einen Ersatz zu präsentieren, wäre es tatsächlich sinnvoller (und erfolgversprechender), schon vorab den Shift einzuleiten und uns auf dem Weg hin zur (langsamen) Neufokussierung an die Hand zu nehmen.

Richtig umgesetzt könnte das die Serie vielleicht sogar wirklich retten. Immerhin verlor "The Walking Dead" zuletzt vor allem zahlreiche Zuschauer, weil die Handlung als "zu langweilig" und zu "abgegriffen" abgekanzelt wurde, wie es aus diversen Ecken zu vernehmen war. Ein Neustart in Staffel 9 wäre da möglicherweise wirklich genau die richtige Medizin. Einfach einen Cut setzen, Staffeln 1 bis 8 als das stehen lassen, wofür die bisherigen Fans der Zombieapokalypse die Show geliebt haben – und ab Staffel 9 einen frischen Start deklarieren.

 Gibt es einen Silberstreifen am Horizont von Staffel 9? fullscreen
Gibt es einen Silberstreifen am Horizont von Staffel 9? (©Gene Page/AMC 2018)

Zwar würden dabei vermutlich einige Zuschauer auf der Strecke bleiben, doch die Chance ist groß, dass genauso viele (wenn nicht mehr) neu hinzukämen. Ich jedenfalls gebe die Hoffnung so schnell noch nicht auf.

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