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Manege frei! Darum ist "Dumbo" der perfekte Film für Tim Burton

"Dumbo" wird bald zu einem Helden nach Tim-Burton-Manier.
"Dumbo" wird bald zu einem Helden nach Tim-Burton-Manier.

Nach fast 80 Jahren ist es so weit: Disneys Zeichentrickklassiker "Dumbo" kommt als Remake erneut in unsere Kinos geflogen. Dass gerade Tim Burton die Regie bei der Realverfilmung übernommen hat, ist meiner Meinung nach ein echter Glücksfall.

Die heile Welt von Disney und Tim Burtons morbide bis schaurige Filmfantasien scheinen auf den ersten Blick unvereinbar. Doch "Dumbo" ist tatsächlich nicht die erste Kooperation des Mäusekonzerns mit dem Filmvisionär mit der Vorliebe fürs Unheimliche. Und gerade die Geschichte rund um den kleinen Elefanten mit den übergroßen Ohren ist ein idealer Stoff für Burton.

Vorlage ist einer der tragischsten Zeichentrickfilme von Disney

"Dumbo" ist für einen Disneyfilm relativ düster geraten. Kaum wird der kleine Elefant vom Klapperstorch bei seiner Mutter im Zirkus abgesetzt, wird er sowohl von seinen Artgenossen als auch von den Menschen gehänselt. Besonders tragisch wird es, als die Elefantenmama weggesperrt wird, als sie versucht, ihren Nachwuchs vor den Nachstellungen der Zirkusbesucher zu beschützen. Als Kind war das für mich wirklich harter Tobak und das Ansehen des Disneyklassikers immer mit viel Tränen verbunden. Auch wenn das Happy End einen letztlich versöhnte.

In dieser Hinsicht ist "Dumbo" sehr viel tragischer angelegt als aktuelle Disneyabenteuer wie etwa "Vaiana" oder "Die Eiskönigin". Das ist vermutlich auch der Zeit geschuldet, zu der "Dumbo" erschienen ist. Er stammt aus dem Jahre 1941 und ist erst der vierte Zeichentricklangfilm von Walt Disney. Sich mit dem pädagogischen Wert der frühen Disneyfilme zu befassen, wäre sicherlich interessant, würde jedoch zu weit führen. Doch eine rauchende Krähe und einen volltrunkenen Kinderelefanten würde man in neueren Kinder-Animationsfilmen von Disney & Co. kaum noch finden. So viel ist sicher.

Tim-Burton-Motive, wohin das Auge reicht

Wo diese beiden Gestalten aber perfekt reinpassen würden, ist ein Tim-Burton-Film. Dumbo selbst bringt vieles mit, was Burtons düstere Antihelden ausmacht. Er ist aufgrund einer körperlichen Deformation ein Außenseiter wie beispielsweise Edward mit den Scherenhänden. Ihm fehlt nach der Trennung von seiner Mutter eine richtige Familie. Das erinnert an Willy Wonka in "Charlie und die Schokoladenfabrik", der von seinem Vater entfremdet ist. Und er fühlt sich von der Außenwelt ungeliebt und unverstanden wie eine ganze Riege von Burton-Figuren.

Johnny Depp Edward mit den Scherenhänden fullscreen
Dumbo ist genauso wie die Titelfigur in "Edward mit den Scherenhänden" anders.

Kuriose Gestalten, die in Tim-Burton-Filmen zum Inventar gehören, sind im Zirkus, der Dumbos Zuhause ist, en masse zu finden. "Dumbo" bedient auch die Vorliebe des Filmemachers, in die Jahre gekommene, klassische Stoffe neu aufzulegen und ihnen in seiner Neuinterpretation seinen ganz eigenen, unverkennbaren und vor allem düsteren Stempel aufzudrücken. So geschehen bei "Sleepy Hollow", der auf einer Erzählung Washington Irvings beruht, "Corpse Bride", das von einer russischen Sage inspiriert wurde, und natürlich "Alice im Wunderland" nach Lewis Carrolls Kinderbuchklassiker und Disneys Zeichentrickfilm von 1951.

Mit "Alice im Wunderland" setzte der Realverfilmungstrend ein ...

Burtons "Alice im Wunderland" von 2010 ist es vermutlich zu verdanken, dass Disney inzwischen fast allen seiner Zeichentrickklassiker Remakes verpasst. Die Inszenierung traf bei Kinogängern offenbar genau ins Schwarze und erspielte weltweit über eine Milliarde US-Dollar. Kein Wunder, dass Disney vermutlich die berechtigte Hoffnung hegt, diesen Erfolg mit "Dumbo" zu wiederholen. Und ich denke, dass dieses Remake noch besser werden könnte als "Alice im Wunderland".

Nicht falsch verstehen, ich mag Burtons Version des Wunderlands und war besonders von den visuellen Schauwerten beeindruckt. Und ich habe auch wirklich nichts gegen die Modernisierung der Vorlage. Emanzipationsgeschichten kann es im Kino nie genug geben.

... überzeugte aber nicht auf ganzer Linie

Was ich allerdings schade finde, ist, dass der Film mich auf emotionaler Ebene nicht berühren konnte. Der Reiz der Buchvorlage und Disneys Zeichentrickklassiker liegt darin, dass man das Wunderland durch Alices Augen wahrnimmt. Ihre Naivität und kindliche Neugier machen den Ausflug durch den Kaninchenbau erst so interessant. In Burtons Version ist Alice erwachsen und trift die Bewohner des Wunderlands bereits zum zweiten Mal.

Alice im Wunderland Mia Wasikowska fullscreen
In "Alice im Wunderland" von 2010 kehrt eine erwachsene Alice (Mia Wasikowska) ins Wunderland zurück.

Diese begegnen ihr zudem mit Argwohn, da sie sie nicht für die richtige Alice halten. Und diese zu Beginn des Filmes gesäte Skepsis, konnte auch ich bis zum Ende des Filmes nicht abschütteln. "Inception" lässt grüßen ... Aber ganz im Ernst, die visuelle Wucht der Verfilmung ließ meiner Meinung nach nicht mehr viel Platz für ausgestaltete Charaktere oder bedeutsame Interaktionen. Die Figuren waren – sicherlich zum Teil auch gewollt – Karikaturen ihrer selbst. Dadurch ging jedoch das Zwischenmenschliche flöten. Mir ist bewusst, dass das aber Ansichts- und Geschmackssache ist.

Dumbos Zirkuswelt als ideale Vorlage für Burton?

Vielleicht, so mein Gedanke, war das einfach nicht der perfekte Stoff für Burton. Vielleicht ist Carrolls Romanvorlage mit seinem literarischen Nonsens schon so überdreht, dass ein Blick durch die Burton-Linse da einfach zu viel des Guten ist. Bei "Dumbo" liegt der Fall anders. In der Zeichentrickvorlage von 1941 gibt es nur ein – wenn man es überhaupt so bezeichnen kann – "magisches Element": einen kleinen Elefanten, der fliegen kann.

Ergänzt wird es durch den Mikrokosmos Zirkuswelt, in den Burton bereits in "Big Fish" einen Abstecher machte. (Übrigens ebenfalls mit Danny DeVito als Zirkusdirektor, doch das nur am Rande). Dieser ist geradezu bevölkert von kuriosen Figuren, wie sie etwa auch in Burtons "Die Insel der besonderen Kinder" zu finden sind. Und dass der Filmemacher ein Händchen für schräge Außenseiter hat, hat er inzwischen mehrfach bewiesen.

Die Zirkuswelt von Dumbo bekommt ein Burton-Make-Over.

Es wird vor allem spannend, zu sehen, wie Burton die Handlung des Originals ausbaut. Da der Zeichentrickfilm nur eine Länge von 64 Minuten hat, kann er gar nicht anders. Ein 1:1-Remake wie etwa bei "Die Schöne und das Biest" macht bei dem inzwischen arg verstaubten Original ohnehin keinen Sinn.

Die fast exakt doppelt so lange Laufzeit des Remakes bietet Burton nicht nur die Möglichkeit, einen (hoffentlich) runden Cast rund um den Babyelefanten und das kuriose Zirkusvolk zu liefern. Zudem wird es spannend zu sehen, wie der dubiose Unternehmer V.A. Vandevere (Michael Keaton) mit seinem Vergnügungspark Dreamland hier hineinspielt. Den hat es im Zeichentrickklassiker nämlich gar nicht gegeben.

Fazit: Burtons Dumbo auf Höhenflug?

Ich bin davon überzeugt, dass der Burton-Disney-Hybrid das Zeug zu einem echten Meisterwerk hat. Dem Trailer nach zu urteilen sind zwar typische Burton-Elemente dominant, doch es schimmert trotzdem die hoffnungsvolle Disneywelt durch. Der Starcast rund um Colin Farrell als Tierpfleger, Danny DeVito als Zirkusdirektor, Eva Green als Artistin und Michael Keaton als Unternehmer wirft zudem etwas von seinem Goldstaub auf die Produktion. Ob dieser jedoch tatsächlich reicht, um dem Elefanten zum Abheben zu verhelfen, wird sich am 28. März zeigen, wenn "Dumbo" in den Kinos startet.

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