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Phänomen The Rock: Was macht Dwayne Johnson zu Hollywoods Goldesel?

Alle lieben Dwayne Johnson – aber warum eigentlich?
Alle lieben Dwayne Johnson – aber warum eigentlich? (©REUTERS/MARIO ANZUONI - stock.adobe.com 2018)

WWE-Champion, Sexiest Man Alive, bestverdienender Hollywoodstar und ausgezeichnet mit einem Stern auf dem Walk of Fame: Dwayne Johnson reitet auf einer absoluten Erfolgswelle. Oder um es im Jugendsprech zu sagen: #LäuftBeiIhm! Doch was ist es, das den Hünen so beliebt macht und sich Filmstudios regelrecht um ihn reißen? Ich bin auf Spurensuche gegangen.

Keine Frage, es gibt derzeit wohl keinen anderen Schauspieler, der sich einer so breiten Fanbase sicher sein kann wie Dwayne Johnson. Mehr noch: Sogar Filmstudios, Filmschaffende und Kritiker liegen dem fast zwei Meter großen Kalifornier regelrecht zu Füßen.

Der Retter für ganze Filmuniversen

Dabei wäre noch vor rund 15 Jahren jeder in schallendes Gelächter ausgebrochen, wenn jemand erzählt hätte, dass WWE-Champion "The Rock" zum "Red Bull für ganze Filmuniversen" werden würde. Doch genau das ist heute der Fall: Wo Dwayne Johnson mitspielt, klingeln die (Kino-)Kassen. "Jumanji: Willkommen im Dschungel" wurde in erster Linie wegen Dwayne Johnson zu einem der erfolgreichsten Filme des vergangenen Jahres und bescherte Filmstudio Sony Pictures einen wahren Geldregen.

Noch während seiner Wrestling-Zeit interessierte er sich immer mehr für Film- und Fernsehrollen, bis er 2001 in "Die Mumie kehrt zurück" einen größeren Part übernahm und offenbar bleibenden Eindruck hinterließ: "Dieser Kerl hat alles. Er ist einfach der geborene Actionheld", soll Stephen Summers, Regisseur des Mumien-Sequels, über Dwayne gesagt haben. Kein Wunder, The Rock verzichtete weitestgehend auf Stuntdoubles und drehte die Actionszenen kurzerhand selbst. Schnell folgten Stimmen, die Dwayne Johnson als Nachfolger für Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone bezeichneten.

"Fast & Furious"-Franchise bringt die Wende

Es folgten immer mehr Hollywoodfilme und The Rock verlagerte seinen Schwerpunkt zunehmend vom Wrestling zur Schauspielerei – bis er 2013 seine Wrestling-Büx ganz an den Nagel hängte. Der Wandel zum Fan- und Hollywoodliebling zeichnete sich aber schon seit 2011 ab. Damals wurde er Teil des erfolgreichen "Fast & Furious"-Franchise, das jedoch langsam aber sicher einzustauben drohte.

Mit dem fünften Teil nahm die Actionreihe allerdings noch mal an Fahrt auf, und zwar nicht zuletzt wegen des wandelnden Muskelbergs. Coole Punchlines und Neckereien mit Shaw im Film und ein sympathischer Darsteller in der Öffentlichkeit schienen ein Erfolgsrezept zu sein. Dass Dwayne in weiteren Teilen zu sehen sein und sogar ein Spin-off bekommen würde, war nach seiner Rolle als schlagfertiger Hobbs eigentlich unausweichlich bzw. wenig überraschend.

 Hobbs gegen Shaw: Das Spin-off ist bereits in Arbeit. fullscreen
Hobbs gegen Shaw: Das Spin-off ist bereits in Arbeit. (©Universal Pictures 2017)

Clevere Marketing-Masche?

Trotz des Erfolgs, den Dwayne Johnson auf der Leinwand feiert, bleibt er abseits davon auf dem Boden. Sein Motto: "Es ist nett, wichtig zu sein, aber es ist wichtiger, nett zu sein." Und genau diese Einstellung spiegelt er Tag für Tag in den sozialen Medien wider, wo er inzwischen über 10,5 Millionen Follower aufweisen kann – und das nur auf Instagram.

Dort präsentiert er sich als bodenständiger Typ, der ein Herz aus Gold besitzt. Statt protziger Karren oder dicker Klunker postet The Rock lieber Fotos mit seiner Französischen Bulldogge oder teilt mit seinen Fans sein ganz privates Familienglück (er ist gerade erst zum dritten Mal Vater geworden).

Ob Dwayne Johnson einfach nur einen äußerst smarten Marketing-Berater hat oder nicht – eines ist sicher: The Rock weiß die Massen zu begeistern. Und zwar durch ein buntes Potpourri unterschiedlicher Eindrücke aus seinem Leben und dem Spagat, den er zwischen Beruf, Sport und Familie hinlegt.

Dwayne Johnson als absoluter Sympathieträger

Für die Filmstudios ist Dwayne Johnson in doppelter Hinsicht eine echte Goldgrube: Nicht nur, dass seine Filme die Massen in die Kinos ziehen, er nutzt seine Social-Media-Accounts auch dazu, um für seine Filme zu werben. So postet er Schnappschüsse oder kurze Videos direkt von den Dreharbeiten oder wenn er über rote Teppiche schlendert. Bei den Fans kommt das gut an: Sie fühlen sich in das Geschehen integriert und haben anschließend noch mehr Lust den neuesten Film mit The Rock zu sehen. Ding! Ding! Ding! Schon klingeln die Kassen.

Während andere Stars hinter ihren Filmrollen verschwinden, ist Dwayne selbst meist präsenter als sein filmisches Alter Ego. Irgendwie hat man immer das Gefühl, dass er sich selbst spielt. Stets mit einer gewissen Portion Humor und Selbstironie. Er liebt das, was er tut und er steht hinter den Blockbustern, die er dreht. Doch ihm scheint es in erster Linie darum zu gehen, eine super Zeit am Set zu haben, ein sehenswertes Ergebnis für die Kinos zu liefern und seine Fans auf allen Ebenen zu unterhalten.

2016 war das Jahr für The Rock

Nicht umsonst wurde er 2016 vom TIME-Magazin zu einem der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres gekürt. Schon Peter Berg, Verfasser des kurzen Berichts über Dwayne, schrieb damals: "Im Vergleich zu anderen Schauspielern kann Dwayne über sich selbst lachen [...]. Er hat bewiesen, dass er die seltene Kombination besitzt, liebenswert, kreativ und talentiert zu sein – und er ist ein solider Geschäftsmann."

Weil das aber noch nicht genug des Lobes ist, wurde er im gleichen Jahr noch zum Sexiest Man Alive gekürt und von Forbes zum am besten bezahlten Schauspieler ernannt.

 Rettungsschwimmer mit Leib und Seele: Mitch Buchannon (l., Dwayne Johnson) und Matt Brody (r., Zac Efron). fullscreen
Rettungsschwimmer mit Leib und Seele: Mitch Buchannon (l., Dwayne Johnson) und Matt Brody (r., Zac Efron). (©Frank Masi/Paramount Pictures 2017)

Ende 2017 war sogar im Gespräch, dass Dwayne Johnson irgendwann (okay, 2024) für den Posten als US-Präsident kandidieren könne. Auch hier stimmt Peter Berg in seinem TIMES-Artikel zu – nur hat er diese Idee schon im April 2016 geäußert! "Mein Masterplan: Dwayne wird in acht Jahren Gouverneur von Florida, Präsident in zwölf Jahren und dann wäre er der beste Präsident, den wir seit Ronald Reagan hätten."

Mein Fazit: Ja, ich bin ein kleines Fan-Girl

Dwayne Johnson zeigt eindrucksvoll, dass es sie noch gibt: skandalfreie Hollywoodstars, die den Boden unter den Füßen noch nicht verloren haben. Die ihren Job über alles lieben, über sich selbst und mögliche Kassenflops lachen können und mit einer gehörigen Portion Selbstironie und Charisma durchs Leben gehen.

Ich muss gestehen, dass ich früher ebenfalls zu jenen gehört habe, die Dwayne Johnson belächelt haben. Doch ich habe meine Meinung grundlegend geändert. Ob seine Filme jetzt das Gelbe vom Ei sind, sei dahingestellt, doch ich gucke The Rock gerne zu und ja, ich folge ihm auch auf Instagram. Für mich ist Dwayne Johnson ein Typ, bei dem es mich nicht wundern würde, wenn er plötzlich ins Nachbarhaus ziehen und zur entspannten Gartenparty einladen würde.

Und genau das macht ihn zu einem der begehrtesten Stars in ganz Hollywood. Er ist charismatisch, humorvoll, selbstironisch, verschont seine Arbeitgeber vor Skandalen und ist einfach ein (scheinbar) echt netter Typ! Also Dwayne, mein Nachbarhaus wäre frei ...

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