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Schallplatten digitalisieren: So wird's gemacht!

Schwarzes Gold: Vinyl auf dem Plattenteller sieht schick aus und klingt gut. Nur unterwegs taugt das Format nicht viel.
Schwarzes Gold: Vinyl auf dem Plattenteller sieht schick aus und klingt gut. Nur unterwegs taugt das Format nicht viel. (©Flickr/Torsten Scholz 2016)

Schallplatten sind eine feine Sache für Sammler und den Musikgenuss im Wohnzimmer. Wer seine Musik aber auch unterwegs hören oder vor dem Verfall bewahren möchte, muss seine Vinylschätze digitalisieren. Wir zeigen Dir, wie Du Deine Schallplatten in praktische Dateien umwandelst.

Vorweg: Schallplatten sind analoge Speichermedien. Während eine CD in wenigen Minuten in mehrere MP3-Dateien umgewandelt ist, muss eine Schallplatte hingegen komplett abgespielt und dabei aufgenommen werden. Anschließend müssen die einzelnen Songs mit einer entsprechenden Software auseinander geschnitten werden. Das Digitalisieren von Schallplatten nimmt deshalb eine Menge Zeit in Anspruch und sollte entsprechend sorgfältig in Angriff genommen werden – schließlich soll am Ende ein qualitativ gutes Ergebnis stehen.

1. Hardware und Vorbereitung

Um Deine Schallplatten zu digitalisieren, musst Du zunächst Deinen Plattenspieler mit Deinem Computer verbinden. Hierfür benötigst Du ein Kabel, das den Cinch-Ausgang des Plattenspielers auf 3,5-Millimeter-Stereoklinke adaptiert und zwischen den Plattenspieler und den Line-In-Eingang der Soundkarte gestöpselt wird. Alternativ kannst Du einen USB-Audio-Adapter verwenden, der den Cinch-Ausgang des Plattenspielers direkt auf USB umwandelt. Achte hier beim Kauf darauf, dass ein Vorverstärker im Kabel integriert ist – das erhöht die Aufnahmequalität. Eine dritte Möglichkeit sind Komplettsysteme wie USB-Plattenspieler mit eingebauter Digitalisierungsfunktion, die ab etwa 100 Euro erhältlich sind. Die Anschaffung lohnt sich aber nur, wenn Du noch keinen Plattenspieler besitzt. Ansonsten reichen die vorhandenen Geräte völlig aus und sind qualitativ oft sogar besser.

2. Software und Aufnahme

Sind Plattenspieler und Computer miteinander verbunden, muss die Software für die Aufnahme vorbereitet werden. Als leistungsstarke Lösung zum Digitalisieren von Schallplatten eignet sich zum Beispiel die leicht zu bedienende Freeware Audacity. Installiere und starte das Programm und wähle als Audioinput den Line-In-Eingang Deiner Soundkarte oder (bei Verwendung eines USB-Adapters) den korrekten USB-Eingang aus. Die Aufnahme sollte auf Stereo und CD-Qualität eingestellt sein. Klicke auf den "Aufnahme"-Button und starte dann die Wiedergabe der Schallplatte. Um Übersteuerungen zu vermeiden, solltest Du mit der Aufnahme einer besonders lauten Stelle kurz testen, ob der Pegel korrekt eingestellt ist. Anschließend musst Du die Schallplatte nur einmal komplett abspielen (Umdrehen nicht vergessen!). Wichtig: Alle Störgeräusche, die während der Digitalisierung durch Trittschall, Kratzer oder Staub auf der Platte auftreten, sind am Schluss auch auf der Aufnahme zu hören. Achte daher auf eine ruhige Umgebung und säubere die Platte idealerweise vor der Digitalisierung.

3. Speichern und Nachbearbeiten

Als Endergebnis der Digitalisierung erhältst Du eine lange Audiodatei, die die komplette Schallplatte enthält. Mithilfe der in Audacity integrierten Effekte kannst Du die Klangqualität der Aufnahme nachträglich verbessern oder leichte Störgeräusche beseitigen. Mit den Schnittwerkzeugen des Programms kannst Du die Datei beliebig zurechtschneiden und zum Beispiel alle Songs eines Albums einzeln exportieren. Für den Export wählst Du idealerweise das Format FLAC (Free Lossless Audio Codec) aus. Mit diesem kostenlosen Codec bleibt der komplette, unkomprimierte Klang der Aufnahme erhalten. Zudem lässt sich das Format im Nachhinein unkompliziert in Audioformate wie MP3 umwandeln. Die verhältnismäßig hohe Dateigröße von FLAC-Dateien ist in Zeiten immer größerer Festplattenkapazitäten kein echter Nachteil mehr.

4. Alternativen: Audiorecorder und Digitalisierung vom Profi

Statt an die Soundkarte Deines Computers kannst Du Deinen Plattenspieler auch an den Audioeingang eines tragbaren digitalen Audiorecorders (zum Beispiel von Olympus, Tascam oder Zoom) anschließen und die integrierte Aufnahmefunktion des Geräts nutzen. Der Vorteil dieser Methode: Wenn Du jemanden kennst, der einen besseren Plattenspieler als Du besitzt, kannst Du Deine Schallplatten auch dort digitalisieren und möglicherweise eine höhere Aufnahmequalität erreichen. Nachbearbeitung und Schnitt nimmst Du später allerdings trotzdem am PC vor. Audiophile, die größten Wert auf eine makellose Klangqualität des Ergebnisses legen, sollten aber ohnehin darüber nachdenken, ihre Schätze professionell digitalisieren zu lassen. Bei verschiedenen Anbietern kannst Du Deine Schallplatten abgeben, um sie dann mitsamt der digitalen Aufnahme auf CD zurückzuerhalten.

Zusammenfassung

  1. Verbinde Deinen Plattenspieler per Adapterkabel mit Deinem Computer oder einem anderen Aufnahmegerät.
  2. Starte Dein Programm zur Audioaufnahme, zum Beispiel mit Audacity, und wähle den richtigen Audioeingang und die gewünschte Qualität aus. Starte die Wiedergabe der Platte und klicke auf Aufnahme. Achte auf störungsfreie Wiedergabe.
  3. Bearbeite und schneide die Aufnahme nach Wunsch. Exportiere sie am besten im FLAC-Format.
  4. Das Ergebnis sollte für die meisten Musikfans völlig zufriedenstellend klingen. Für bestmögliche Qualität der Digitalisierung empfiehlt sich der Gang zum Profi.

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