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Warum sich der Kauf der "1917"-Blu-ray für mich mehr als gelohnt hat

1917
Vielen Proben und ein eingespieltes Team waren nötig: "1917" wirkt, als sei der Film am Stück gedreht worden.

Kein Film hat mich in diesem Jahr so beeindruckt wie Sam Mendes' Kriegsdrama "1917". Technisch ist der Film ein echtes Meisterwerk, weshalb ich den Heimkino-Release kaum abwarten konnte. Ich wollte unbedingt mehr über die Hintergründe zu den Dreharbeiten erfahren – und die Blu-ray erwies sich diesbezüglich als Offenbarung!

Über die Story des Films will ich nicht viele Worte verlieren. Dazu empfehle ich Dir einen Blick in meine Kritik, die ich Anfang Februar verfasst habe. Falls sie Dir zu lang ist, hier eine Zusammenfassung: Die beiden Soldaten Blake und Schofield erhalten im April 1917 den Auftrag, sich tief ins Gebiet des Feindes zu begeben, um die Kameraden an der Front vor einem Hinterhalt zu warnen. Die Leben von 1.600 Soldaten stehen auf dem Spiel, weshalb die beiden alles daransetzen, ihre Mission zu erfüllen. Blake hat auch ein persönliches Interesse: Die Einheit seines Bruders wäre von dem Hinterhalt ebenfalls betroffen.

In diesem Artikel geht es ausschließlich um das Bonusmaterial der Heimkino-Versionen, das mir mehr als deutlich gemacht hat: Es gibt gute Gründe, hin und wieder ganz oldschool zur physischen Disc zu greifen.

Roger Deakins und sein Team werden zu Tüftlern

Am stärksten hat mich das elf Minuten lange Featurette "Die Alliierten: Die Entstehung von '1917'" beeindruckt. Es zeigt ausführlich, wie es Regisseur Sam Mendes und seinem Kameramann Roger Deakins gelungen ist, den Film so wirken zu lassen, als sei er in einem Stück gedreht worden. Diese technische Meisterleistung hat mich bereits beim Ansehen des Films fasziniert. Nicht umsonst habe ich "1917" zweimal im Kino geschaut. Ich wollte herausfinden, wo sich Schnitte verstecken.

1917 Sam Mendesfullscreen
Einen Film wie "1917" zu drehen erfordert höchste Konzentration.

Umso beeindruckter bin ich, mit welchem Detailreichtum und mit wie viel Kreativität am Film gearbeitet wurde. Wie Deakins erklärt, haben sein Team und er ausgiebig getüftelt, um die Dreharbeiten zu erleichterten. Sie entwarfen eine besonders kompakte Steady-Cam, mit der die Kameramänner flexibler agieren und die Schauspieler in den engen Schützengräben besser aus der Nähe filmen konnten.

Die Szene, in der Schofield nachts durch Écoust hetzt, ist eine logistische Meisterleistung, denn dort greifen mehrere Systeme ineinander. Sam Mendes spricht vom "Tanz der Kamera": Sie schwebt zunächst an einem Kran, wird dann manuell getragen, später auf einem fahrenden Auto montiert und zwischendurch als Handkamera von einem Steady-Cam-Operator getragen.

Üben, üben, üben

Erinnerst Du Dich an die Szene am Ende, in der Schofield übers Feld rennt und um ihn herum alles explodiert? Möglich wurde dies durch perfektes Timing der Kameramänner. Das Video zeigt, dass die Kamera zunächst an einem Kran hängt, dann von zwei als Soldaten verkleideten Männern abgenommen und zu einem Auto getragen wird. Dort wird sie eingehängt, und George MacKay stürmt dem Auto hinterher.

Gewusst?
An einer Stelle prallt Schofield mit einem anderen Soldaten zusammen. Das war gar nicht geplant. Doch MacKay war so "im Tunnel", dass er einfach weiter rannte, wodurch die Szene noch mehr an Authentizität gewinnt.

Eine so ausgeklügelte Kamera-Choreografie erfordert hohe Konzentration und vor allem Übung. Im Vorfeld wurden unzählige Karten und Dokumente angefertigt, um durchzuspielen, wie sich die Kamera bewegen muss, um einen nahtlosen Übergang zu schaffen.

1917 Kameramann Roger Deakinsfullscreen
Ein Visionär bei seiner Arbeit: Roger Deakins gibt seinen Männern letzte Instruktionen.

Zufälle gibt es nicht

Was mir die Audiokommentare von Roger Deakins und Sam Mendes verraten, ist ebenfalls verblüffend: Das Set wurde dem Drehbuch angepasst, nicht andersherum. Nichts haben die Macher dem Zufall überlassen. Zunächst probten die Hauptdarsteller George MacKay und Dean-Charles Chapman ausgiebig, ihre Dialoge im Laufen zu sprechen. Dadurch konnten Deakins und Mendes ermitteln, wie groß sie die Schützengräben gestalten mussten. Perfektes Timing war also unerlässlich. Mehr dazu gibt es auch im Extra "Wiederaufleben der Geschichte".

Heimkino-Versionen im Überblick

"1917" ist nun in allen gängigen Heimkino-Versionen erhältlich: als DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray. Die Blu-ray gibt es auch als Steelbook, die 4K-Version ebenfalls als Steelbook und zusätzlich als Digibook samt informativem Booklet.

1917 Heimkino Versionenfullscreen
DVD, Blu-ray oder 4K UHD Blu-ray: Welche Version darf's sein?

Da nicht alle Extras auf allen Discs vorhanden sind, hier ein Überblick, was Du auf welcher Ausgabe findest:

DVD

  • Die Schwere der Welt: Sam Mendes (4:18 Minuten)
  • Die Alliierten: Die Entstehung von "1917" (11:30 Minuten)
  • Die Filmmusik von "1917" (3:43 Minuten)
  • Filmkommentar mit Regisseur/Autor Sam Mendes
  • Filmkommentar mit Kameramann Roger Deakins

Blu-ray

Die Extras entsprechen denen der DVD plus:

  • In den Schützengräben (6:59 Minuten)
  • Wiederaufleben der Geschichte (10:25 Minuten)

4K UHD Blu-ray 

Die Extras sind identisch mit denen der Blu-ray.

"1917" fürs Heimkino Mehr erfahren bei

Fazit: Für alle, die gerne hinter die Kulisse blicken

Bei "1917" lohnt es sich definitiv, in das Bonusmaterial hineinzuschauen und den Film samt Audiokommentar zu sehen. Wenn Du gern hinter die Kulissen blickst und erfahren möchtest, wie ein so aufwendig produzierter Film entstanden ist, ist mindestens die Blu-ray ein Must-have für Dein Heimkino-Regal.

Keine Frage, "1917" ist thematisch keine leichte Kost. Technisch ist der Film allerdings einsame Spitze, mich hat lange keine Produktion so nachhaltig beeindruckt.

Heimkino-Release
"1917" gibt's seit dem 28. Mai 2020 fürs Heimkino.
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