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"Atomic Blonde"-Kritik: Charlize Theron ballert sich durch Berlin

In "Atomic Blonde" überzeugt Charlize Theron als schlagkräftige Spionin.
In "Atomic Blonde" überzeugt Charlize Theron als schlagkräftige Spionin.

"Atomic Blonde" – voller kann ein Filmtitel den Mund fast nicht nehmen. Wie "John Wick"- und "Deadpool 2"-Regisseur David Leitch den großen Worten knallharte Taten folgen lässt, liest Du in unserer Filmkritik.

Spione unter sich: Die Story

Wir schreiben das Jahr 1989. Ronald Reagan fordert von Michail Gorbatschow den Fall der Berliner Mauer. Doch in "Atomic Blonde" verläuft die Geschichte etwas anders, als wir sie kennen. Der Kalte Krieg ist hier noch lange nicht zu Ende: Russen, Amerikaner, Briten und Franzosen kämpfen um die Vorherrschaft im immer noch geteilten Berlin, das auf beiden Seiten von Tumulten erschüttert wird.

Mittendrin im Getümmel: Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron). Sie muss für den britischen Geheimdienst eine gestohlene Liste mit sensiblen Informationen wiederbeschaffen. Helfen soll ihr dabei Spionagekollege David Percival (James McAvoy). Doch der KGB hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Und wie es Spione nun mal so an sich haben, spielen sie nicht immer mit offenen Karten …

"Atomic Blonde" macht seinem Namen alle Ehre. fullscreen
"Atomic Blonde" macht seinem Namen alle Ehre.
Charlize Theron spielt die coole Titelheldin. fullscreen
Charlize Theron spielt die coole Titelheldin.
Ebenfalls als Spion unterwegs: "Split"-Star James McAvoy. fullscreen
Ebenfalls als Spion unterwegs: "Split"-Star James McAvoy.
"Atomic Blonde" macht seinem Namen alle Ehre.
Charlize Theron spielt die coole Titelheldin.
Ebenfalls als Spion unterwegs: "Split"-Star James McAvoy.

"Mein Name ist Blonde. Atomic Blonde."

Auch wenn der Titel "Atomic Blonde" vielleicht etwas überambitioniert klingt – der Film knallt tatsächlich. Und zwar gleich aus mehreren Gründen. Zuallererst ist da eine unglaubliche Charlize Theron. Sie spielt die Titelheldin mit einer abgefuckten Coolness, die an Tarantino-Heldinnen wie Uma Thurman aka "Die Braut" aus Kill Bill erinnert.

Dabei ist Lorraine Broughton weit mehr als nur ein billiger Abklatsch. Auch wenn sie ihren Gegnern reihenweise den Allerwertesten vermöbelt, ist sie alles andere als unfehlbar. Sie selbst muss ebenfalls ordentlich Prügel einstecken. Als sie gleich zu Beginn des Films ihre blauen Flecken und Wunden in einem Eisbad versorgt, bekommen wir bereits eine Ahnung, was da auf uns (und vor allem sie) zukommt. Gerade diese mit Härte gepaarte Verletzlichkeit macht die außergewöhnliche Killerblondine zu einer äußerst spannenden Figur.

Action mit Applaus

Dass Regisseur David Leitch weiß, wie Action funktioniert, hat der Stuntexperte bereits in Filmen wie "John Wick" (2014) bewiesen. Mit einer zentralen Szene in "Atomic Blonde" hat er sich und seine Hauptdarstellerin jedoch in die Hall of Fame katapultiert. Die minutenlange Sequenz, in der sich Lorraine (ohne erkennbaren Schnitt) durch ein Mietshaus und diverse russische Agenten prügelt, zählt zu dem besten, was das Actionkino in den letzten Jahren zu bieten hatte. Selten wurde die Intensität eines Kampfes auf Leben und Tod so beeindruckend eingefangen – ohne dabei den Sinn für derben Humor zu verlieren. Spontanen Szenenapplaus gibt es im Kino nicht oft. Aber dieser ist ganz sicher hochverdient.

Charlize Theron teilt als Agentin ordentlich aus... fullscreen
Charlize Theron teilt als Agentin ordentlich aus...
... bleibt dabei aber immer menschlich. fullscreen
... bleibt dabei aber immer menschlich.
Auch John Goodman mischt in "Atomic Blonde" mit. fullscreen
Auch John Goodman mischt in "Atomic Blonde" mit.
Charlize Theron teilt als Agentin ordentlich aus...
... bleibt dabei aber immer menschlich.
Auch John Goodman mischt in "Atomic Blonde" mit.

Ohren- und Augenschmaus

Diese Szene allein macht den Kauf des Kinotickets schon bezahlt. Als Belohnung gibt es obendrauf noch ein schickes Produktionsdesign, das ein wenig wie ein in Neon getunktes "Sin City" wirkt. Der 1980er-Jahre-Soundtrack rundet das Ganze wundervoll ab und macht richtig Laune. Dabei ist nicht nur die Songauswahl bemerkenswert stimmig, sondern auch das immer wieder überraschende Sounddesign, das Örtlichkeiten, Handlung und unmittelbare Umgebung der Figuren geschickt einbindet.

James McAvoy soll der Titelheldin als David beistehen. fullscreen
James McAvoy soll der Titelheldin als David beistehen.
Doch kann sie ihm wirklich trauen? fullscreen
Doch kann sie ihm wirklich trauen?
James McAvoy soll der Titelheldin als David beistehen.
Doch kann sie ihm wirklich trauen?

Verzeihbare Schwächen in der Kür

Punktabzug gibt es hingegen für die recht einfallslose Story: Auch wenn uns am Ende mehrere Twists erwarten, ist es doch ziemlich klar, worauf alles hinausläuft. Die Nebenfiguren wirken, bis auf einen starken James McAvoy, teilweise sehr beliebig, in einigen Fällen sogar lächerlich klischeehaft und damit wenig glaubwürdig. Das könnte man besser machen, muss man aber nicht. Der höllische Spaß, den "Atomic Blonde" beim Zuschauen macht, ist davon allenfalls am Rande betroffen. Die Actionpflicht erfüllt der Film nahezu mit Bestnote.

"Atomic Blonde": Fazit

"Atomic Blonde" hält, was der Titel verspricht: Charlize Theron zerstört alles, was ihr in den Weg kommt. Dass sie dabei selbst ordentlich einstecken muss, lässt ihre Menschlichkeit nicht vergessen. Das beschert uns eine der besten Actionszenen der letzten Jahre. Zusammen mit dem atmosphärischen Produktionsdesign und dem knalligen 1980er-Soundtrack tröstet die Action sogar über Schwächen wie eine wenig originelle Story und austauschbare Nebenfiguren hinweg.

TURN ON-Wertung: 3,5/5

Bis zum offiziellen "Atomic Blonde"-Kinostart müssen sich Action-Freunde noch eine Weile gedulden. Der Blockbuster startet am 24. August 2017 in den deutschen Kinos.

Atomic Blonde
Atomic Blonde
  • Datenblatt
  • Originaltitel
    Atomic Blonde
  • Produktionsland/-jahr
    USA 2017
  • Genre
    Action, Thriller
  • Besetzung
    Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman
  • Regie
    David Leitch
  • Kinostart (D)
    24.08.2017
TURN ON Score:
3,5von 5
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