"Avengers: Infinity War"-Filmkritik: Damit hat niemand gerechnet!

Ende April traten "Earth's Mightiest Heroes" auf der Leinwand gegen Thanos an, jetzt erobert der "Mad Titan" auch die Heimkino-Regale.
Ende April traten "Earth's Mightiest Heroes" auf der Leinwand gegen Thanos an, jetzt erobert der "Mad Titan" auch die Heimkino-Regale. (©Marvel Studios 2018)
Jutta Peters Wartet noch immer auf ihren Brief aus Hogwarts. Erwägt alternativ eine Laufbahn bei den Avengers.

"Avengers: Infinity War" ist der bis dato erfolgreichste Superhelden-Film aller Zeiten. Jetzt ist die Comicverfilmung, die den Höhepunkt von zehn Jahren Marvel Cinematic Universe (MCU) darstellen soll, auch in der Heimkino-Version erhältlich. Ob das Team-Abenteuer des Regie-Duos Joe und Anthony Russo tatsächlich hält, was die Macher so vollmundig versprochen haben, und ob das Bonusmaterial auf Blu-ray und DVD einen Blick wert ist, liest Du in unserer Kritik.

Unsere Filmkritik

Ein Hinweis vorweg
Wir versuchen, in unserer Kritik jegliche Art von Spoilern zur Handlung zu umschiffen. Dennoch gehen wir kurz auf Details zum Aufbau des Films und auf zuvor formulierte Fan-Theorien ein. Weiterlesen also auf eigene Gefahr.

Ein Handschuh, sie zu knechten

"Avengers: Infinity War" beginnt, wo "Thor 3: Tag der Entscheidung" aufgehört hat – und zwar genau da. Zur Erinnerung: In der Post-Credit-Szene des letzten "Thor"-Films sah sich der Marvel-Donnergott (Chris Hemsworth) plötzlich einem riesigen Raumschiff gegenüber. Dieses gehört, wie in "Infinity War" schnell klar wird, Thanos (Josh Brolin).

Der irre Weltraum-Titan tauchte bereits seit geraumer Zeit immer wieder als Strippenzieher des Bösen in den Marvel-Filmen auf und hing wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Helden. Nun hat sich der "Mad Titan" endlich selbst auf den Weg gemacht, um die legendären Infinity Steine für seinen mächtigen Infinity Handschuh zu sammeln und das Universum wieder "ins Gleichgewicht" zu bringen.

Es beginnt mit einem Knall

Der Boss der Marvel Studios, Kevin Feige, hat keinesfalls zu viel versprochen, als er die Fans vor Thanos Gewissenlosigkeit warnte. Schon in den ersten Minuten von "Avengers: Infinity War" beweist Thanos, dass er der bislang gnadenloseste Schurke des MCU ist. Ohne an dieser Stelle zu viel verraten zu wollen: Wir hören die Herzen zahlreicher Fan-Girls bereits brechen.

Thanos kommt! fullscreen
Thanos kommt! (©Disney 2018)
Und Iron Man und Co. stellen sich ihm mit vereinten Kräften entgegen. fullscreen
Und Iron Man und Co. stellen sich ihm mit vereinten Kräften entgegen. (©Disney 2018)
Sogar die Guardians of the Galaxy mischen mit. fullscreen
Sogar die Guardians of the Galaxy mischen mit. (©Disney 2018)
Und auch Team Cap bleibt nicht untätig. fullscreen
Und auch Team Cap bleibt nicht untätig. (©Marvel Studios 2018)
Thanos kommt!
Und Iron Man und Co. stellen sich ihm mit vereinten Kräften entgegen.
Sogar die Guardians of the Galaxy mischen mit.
Und auch Team Cap bleibt nicht untätig.

Von einem WTF-Moment und warum wir alle falsch lagen

Es soll nicht der einzige Schockmoment in dem rund zweieinhalbstündigen Actionspektakel bleiben. So kehrt mitten im Film ein alter Bekannter aus den Untiefen des MCU zurück, mit dem wohl wirklich niemand – und ich meine, niemand – gerechnet hat. Da kann einem schon einmal der Mund offen stehen bleiben.

Und als wäre das nicht genug, steht das überraschende Comeback dieses Charakters auch noch in Verbindung mit dem letzten fehlenden Infinity Stein, dem Seelenstein, über dessen Verbleib die Fans bisher nur spekulieren konnten. Kurz gesagt: All die Fantheorien, die den Stein in Heimdalls Obhut oder in Wakanda wähnten, lagen vollkommen falsch.

Eine Heerschar an Helden als Stärke und Schwäche

Generell stellt sich allerdings vor allem eine Frage: Haben die Russos die zahlreichen Marvel-Helden gebührend vereint? Oder ertrinkt "Infinity War" in der schieren Masse an Charakteren? Schließlich ist es alles andere als einfach, über 20 Hauptfiguren in einem Film gerecht zu werden. Die Russo-Brüder haben diese Aufgabe dennoch mit Bravour gemeistert – so weit das eben möglich ist.

Klar, jeder Marvel-Fan hat seine Lieblinge und natürlich ertappt man sich zwischenzeitlich selbst dabei, wie man auf das Auftauchen von diesem oder jenem Helden wartet. Doch dieses kleine Manko ist in einem Team-Film wohl unvermeidlich, zumal sich die Rächer und ihre Verbündeten gleich über mehrere Planeten verstreuen.

Der gewaltige Showdown ... fullscreen
Der gewaltige Showdown ... (©Disney 2018)
... erstreckt sich quer durch das Universum. fullscreen
... erstreckt sich quer durch das Universum. (©Marvel Studios 2018)
Auch der Herrscher von Wakanda zieht in den Kampf. fullscreen
Auch der Herrscher von Wakanda zieht in den Kampf. (©Marvel Studios 2018)
Ebenso wie "die nette Spinne von nebenan". fullscreen
Ebenso wie "die nette Spinne von nebenan". (©Marvel Studios 2018)
Dennoch müssen die Helden erkennen ... fullscreen
Dennoch müssen die Helden erkennen ... (©Disney 2018)
... Thanos ist ihr bislang härtester Gegner. fullscreen
... Thanos ist ihr bislang härtester Gegner. (©Disney 2018)
Der gewaltige Showdown ...
... erstreckt sich quer durch das Universum.
Auch der Herrscher von Wakanda zieht in den Kampf.
Ebenso wie "die nette Spinne von nebenan".
Dennoch müssen die Helden erkennen ...
... Thanos ist ihr bislang härtester Gegner.

Keine Zeit für echte Charakterentwicklungen

Dennoch haben die Filmemacher jeder Figur ihren "Moment" eingeräumt. Sie alle haben annähernd gleich viel Screen-Time. Besonders die Dynamik zwischen Thor, Rocket und Groot sticht mit viel Witz und Charme hervor. Ein wenig zu kurz gekommen ist hingegen die lang erwartete Reunion des einstigen Fast-Traumpaars, Bruce Banner und Natasha Romanoff, und auch der große Konflikt aus "The First Avenger: Civil War" bleibt weitestgehend ungelöst.

An diesen Beispielen wird schnell deutlich: "Infinity War" legt den Schwerpunkt auf das Zusammentreffen der einzelnen Heldengruppen im MCU und deren Versuch, Thanos' Jagd nach den Steinen zu vereiteln. Für tief gehende Weiterentwicklungen einzelner Charaktere oder der Beziehungen zwischen den Figuren bleibt schlicht keine Zeit. Lieber werden witzige Punchlines ausgetauscht.

Und es sind doch "Infinity War Part 1" und "2"!

Mehr noch als all diese Aspekte dürfte die Fans jedoch der Schluss des Films in Aufruhr versetzen. Nach rund 150 Minuten, in denen vor lauter Action und Special Effects kaum Zeit zum Durchatmen bleibt, stürzen die Anhänger gemeinsam mit ihren Helden in absolute Fassungslosigkeit – und Ende. Die Russos bescheren der Marvel-Gemeinde einen gewaltigen und wirklich fiesen Cliffhanger.

Obwohl die Filmemacher angekündigt hatten, "Avengers: Infinity War" werde in sich abgeschlossen sein, fühlt es sich nun doch an, als hätten wir "Avengers: Infinity War Part 1" und "Part 2" geliefert bekommen. Denn das schockierende Finale des aktuellen Films wird für einen Aufschrei unter den Anhängern sorgen – vor allem unter den Nicht-Comiclesern – und verlangt geradezu nach einer Auflösung.

Die gibt es aber erst einmal nicht. In Sachen Gnadenlosigkeit halten die Russos beinahe mit Thanos mit und lassen auf den düsteren Cliffhanger nur einen tristen schwarz-weißen Abspann folgen. Eine gefühlte Ewigkeit starrt der Zuschauer nur auf die Namen unzähliger Hollywoodstars, die von einer düsteren Melodie untermalt werden.

Beinahe glaubt man schon nicht mehr an eine Post-Credit-Szene, aber dann kommt sie natürlich doch noch. Sie kündigt Verstärkung für die vereinten Helden an – ein kleiner Silberstreif am Horizont der erschütterten Marvel-Fans.

"Avengers: Infinity War": Fazit

Marvel hat es wieder geschafft. "Avengers: Infinity War" vereint geschickt (fast) alle Marvel-Helden der vergangenen zehn Jahre und sorgt gleich für mehrere Wendungen, mit denen die Kinogänger so wohl nicht gerechnet haben. Dank des großen Star-Auflaufs und bombastischer Action kommen hier alle Superhelden-Fans voll und ganz auf ihre Kosten – auch wenn natürlich jeder Marvel-Jünger der Meinung sein wird, dass sein persönlicher Favorit durchaus mehr Screen-Time hätte haben können.

TURN ON-Wertung: 4/5

"Avengers: Infinity War" fürs Heimkino: Infos & Bonusmaterial

"Avengers"-Fans assemble! Ab dem 6. September 2018 kann "Avengers: Infinity War" endlich auch hierzulande in die Heimkino-Sammlungen einziehen, nachdem die DVD und Blu-ray in den USA bereits seit dem 14. August erhältlich ist. Wir haben die Blu-ray vorab etwas genauer unter die Lupe genommen und uns das Bonusmaterial zu Gemüte geführt. Von dem gemunkelten Thanos-Extended-Cut fehlt jedoch jede Spur ...

Zunächst haben wir einmal die Zeit gestoppt und können bestätigen: "Avengers: Infinity War" wartet mit rund 46 Minuten Bonusmaterial auf – den Audiokommentar der Regisseure und Drehbuchautoren natürlich nicht mit eingerechnet. Wer also nach den satten 149 Filmminuten noch immer nicht genug von den Rächern und Weltraum-Titan Thanos hat, bekommt hier noch jede Menge Einblicke hinter die Kulissen und spektakuläre Fakten zur Produktion geboten.

Das Bonusmaterial im Überblick

  • "Neue Teams"-Featurette: Klar, das Aufeinandertreffen der unterschiedlichsten Helden aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) war einer der Gründe, warum der Hype um die Comicverfilmung im Vorwege so enorm war. In diesem Kapitel werden deshalb noch einmal die witzigsten Zusammenstöße zwischen den Figuren beleuchtet. Zudem erklären die Regisseure Joe und Anthony Russo, Marvel-Studios-Boss Kevin Feige und Stars wie Chris Pratt, warum solche Charakter-Momente im MCU so wichtig sind und welche Überlegungen zu den finalen "Tag Teams" führten. Ein Lieblingsmoment der Macher: der gemeinsame Kampf der Powerfrauen Scarlet Witch, Okoye und Black Widow gegen Proxima Midnight.
  • "Der wahnsinnige Titan"-Featurette: Dieser Clip widmet sich ganz dem Schurken, "der seit 10 Jahren in den Schatten des MCU lauert": Thanos. "Helden sind nur so gut wie ihre Schurken", erklärt Co-Regisseur Joe Russo, während Chris Pratt schlicht festhält, das MCU werde nach Thanos' Schnipser nie wieder dasselbe sein. Vor allem wird in diesem Featurette deutlich, wie viel Computertechnik nötig war, um Darsteller Josh Brolin in Thanos zu verwandeln. Insgesamt soll der Film ganze 2.900 VFX-Shots umfassen – wahrlich Wahnsinn!
  • "Über die Schlacht auf Titan"-Featurette: Ein einziges großes CGI-Fest war auch das Titan-Set. Thanos, die Umgebung, Waffen und Anzüge der Helden – alles wurde zunächst monatelang penibel geplant und anschließend am Computer animiert. Umso witziger sind in diesem Bonuskapitel die Behind-the-Scenes-Momente: So sehen wir diverse Helden wie Star-Lord und Spider-Man an Drähten durch die Luft segeln und einen mit Pünktchen übersäten Josh Brolin, der einen Papp-Thanos-Kopf auf dem Haupt trägt, damit seine Co-Stars wissen, wo später das Gesicht des "Mad Titan" sitzen soll. Zudem gibt es die Antwort auf die Frage, weshalb Spidey sein Schicksal gegen Ende des Films als einziger im Voraus spürt.
  • "Über die Schlacht in Wakanda"-Featurette: Mit rund elf Minuten ist der "Wakanda"-Clip das längste der vier Featurettes. Dabei wird die Entstehung der gigantischen Schlacht-Szene in den Fokus gerückt und wir müssen feststellen: Wakanda liegt in Wahrheit auf einer Ranch im amerikanischen Georgia! Dort wurden extra riesige Greenscreens aufgestellt und sogar ein künstlicher Fluss angelegt. Wie viele Stuntmen und Statisten waren notwendig, wie viele außerirdische CGI-Kreaturen griffen die Helden eigentlich an und wieso war das Wetter letztlich der wahre Feind? All diese Fragen werden hier beantwortet.
  • Zusätzliche Szenen: Neben den Featurettes gibt es auf der "Avengers: Infinity War"-Blu-ray auch vier Szenen zu sehen, die es gar nicht oder nur in gekürzter Version in den finalen Film geschafft haben. So sehen wir unter anderem Tony Starks Sicherheitschef und Kumpel Happy Hogan (Jon Favreau) bei der Jagd nach Paparazzi wieder, Vision und Scarlet Witch verstecken sich vor der Black Order, Star-Lord zofft sich mit Drax wegen seines "Grooves" und Thanos erinnert Gamora an ihr einst blutrünstiges jugendliches Ich. Einziger Wermutstropfen: Die Computereffekte sind in diesen Sequenzen nicht fertiggestellt worden und so wirkt einiges wie aus einem Game entsprungen – aber wie aus einem Spiel, das wir nur zu gerne zocken würden.
  • Pannen vom Dreh: Auch wenn sie teils übermenschliche Helden spielen, der Cast von "Avengers: Infinity War" besteht aus ganz normalen Menschen – und denen unterlaufen Fehler. In diesem herrlich albernen Gag-Reel zieht der Cast Grimassen, Robert Downey Jr. mutiert zur singenden Mary Poppins (und wir dachten, das wäre Yondu!), Scarlett Johansson macht spontan Werbung für Shampoo und "Black Panther" Chadwick Boseman hat mit echten Zicken zu kämpfen ...
  • Audiokommentar: Zu guter Letzt kannst Du "Infinity War" natürlich auch samt Anmerkungen, Anekdoten und Erklärungen von den Regisseuren Joe und Anthony Russo sowie den Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely anschauen. Letztere neigten ja zuletzt dazu, bereits erste Details zu "Avengers 4" auszuplaudern ...

Ab dem 6. September gibt es "Avengers: Infinity War" als DVD, Blu-ray (auch als Limited Steelbook Edition), Blu-ray 3D (auch als Limited Steelbook Edition) und 4K UHD-Blu-ray (auch als Limited Steelbook Edition) zu kaufen. Aber aufgepasst: Das Bonusmaterial findet sich nur auf den Blu-ray-Varianten! Käufer der DVD gehen, was die Extras betrifft, leer aus.

Avengers: Infinity War
Avengers: Infinity War
  • Datenblatt
  • Originaltitel
    Avengers: Infinity War
  • Kinostart (D)
    26.04.2018
  • Genre
    Action, Fantasy, Comicverfilmung
  • Besetzung
    Robert Downey Jr., Chris Pratt, Josh Brolin
  • Regie
    Anthony und Joe Russo
  • Produktionsland/-jahr
    USA 2017
Turn-On Score:
4,0
Kommentar schreiben
Relevante Themen:

Beliebteste Artikel bei Primetime

  • Letzte 7 Tage
  • Letzte 30 Tage
  • Alle
close
Bitte Suchbegriff eingeben