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"Baby Driver"-Filmkritik: Yeah, Baby!

Baby (Ansel Elgort) hat definitiv Benzin im Blut.
Baby (Ansel Elgort) hat definitiv Benzin im Blut.

Der Name "Baby Driver" klingt vielleicht harmlos, aber was dahintersteckt, ist alles andere als das. Warum der neue Film von Kultregisseur Edgar Wright ("Cornetto"-Trilogie) ein echter Überraschungs-Knaller geworden ist, liest Du in unserer Filmkritik.

Ein letzter Job, dann ist Schluss: Die Story

Baby (Ansel Elgort) ist ein Typ, den man leicht unterschätzt: Mit seinem jugendlichen Aussehen, seiner schweigsamen Art und schrägen Marotten wie einem pink glitzernden iPod wird er von vielen seiner Gangsterkollegen zunächst argwöhnisch betrachtet. Bis sie erleben, wie Baby Auto fährt. Dass es keinen besseren Fluchtwagenfahrer als dieses Wunderkind in der Stadt gibt, weiß auch sein Boss Doc (Kevin Spacey).

Dementsprechend gering fällt seine Begeisterung aus, als Baby sich in Kellnerin Deborah (Lily James) verliebt und seinen Ausstieg verkündet. Baby hat keine andere Wahl, als einen letzten Job zu machen. Er und Deborah planen, sich mit dem Geld aus dem Raubüberfall für immer aus dem Staub zu machen. Doch wie es mit letzten Jobs nun mal so ist, gehen sie selten gut aus ...

Rhythmus ist alles

In manchen Filmen ist der Soundtrack das sprichwörtliche Sahnehäubchen. "Baby Driver" geht weit darüber hinaus: Die Musik ist das zentrale Element, das alles vorantreibt und den Rhythmus vorgibt. Und zwar im buchstäblichen Sinne. In mehr als einer Szene richtet sich das Geschehen, der Schnitt, die Kameraführung, ja sogar das Pistolen- und Gewehrfeuer so perfekt nach dem wirklich großartigen Soundtrack, dass "Baby Driver" fast wie ein Musikvideo wirkt. Das Resultat ist eine nahezu perfekte Choreografie, die mitreißt.

Ein gutes Gefühl für die musikalische Ästhetik in "Baby Driver" gibt dieses Video des YouTube-Remixers Mike Relm:

Mashup-Orgie par excellence

Doch nicht nur das macht "Baby Driver" zu einem einzigartigen Film: Regisseur Edgar Wrights fünfter Film ist ein wilder Genremix aus Car-Chase-Thriller, Heist-Movie, Gangsterkomödie, Lovestory und Musical, der verdammt viel Spaß macht. Dabei schafft es der Mann, der mit der "Cornetto"-Trilogie ("Shaun of the Dead" (2004), "Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis" (2007) und "The World's End" (2013)) bereits einen Platz in der Filmnerd-Hall-of-Fame sicher hat, auf erstaunliche Weise, keinen der teilweise widersprüchlichen Bestandteile zu vernachlässigen.

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Gegen die auf den Punkt getakteten Verfolgungsjagden sehen die "Fast & Furious"-Filme ziemlich alt aus. Die Lovestory ist hinreißend inszeniert. Die Gags sind originell und pointiert. Dialoge, Figuren und Produktionsdesign wirken, als hätten Guy Ritchie und Quentin Tarantino die Realverfilmung von "Grand Theft Auto" gedreht. Und Hauptdarsteller Ansel Elgort ("Die Bestimmung – Allegiant") bewegt sich mit einem Flow und einer Coolness durch den Film, die manchmal an James Dean, manchmal an Fred Astaire erinnert.

Ein Cast wie eine Supergroup

Dabei ist "Baby Driver" keineswegs ein Solosong: Besonders Kevin Spacey merkt man deutlich die diebische Freude über seine Rolle als Gangsterboss an, die er nicht ohne ein gewisses Augenzwinkern spielt. "Mad Men"-Star Jon Hamm alias Don Draper blüht mit fortschreitender Story immer mehr zum waschechten Psychokiller auf. Und Jamie Foxx gibt den jähzornigen und unberechenbaren Profigangster, als wäre Scarface höchstpersönlich in ihn gefahren.

Zur Supergroup macht die Truppe allerdings Love-Interest Deborah, gespielt von Lily James ("Cinderella"). Die grandiose Chemie zwischen ihr und Baby sorgt für das nötige Bühnenfeuerwerk und bringt den Glamour in die Show.

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Ende mit Hindernissen

"Baby Driver" ist also ohne Frage ein Hit – aber leider nicht perfekt. Ausgerechnet zum so wichtigen Ende tritt der Film auf die Bremse und lässt die ansonsten tadellose Kompromisslosigkeit vermissen. Die Auflösung der Story wirkt arg kitschig und etwas ängstlich. Ob hier eventuell die Furcht der Studiobosse vor einem allzu fatalen Finale über die kreative Freiheit gesiegt hat, lässt sich nur vermuten. Aber eines ist sicher: Auch ein verhauener Schlussakkord kann einen richtig guten Song nicht ruinieren.

"Baby Driver": Fazit

"Baby Driver" ist ein ungewöhnlicher, kreativer und einzigartiger Film, der richtig gute Laune macht. Ein bombiger Soundtrack, viel Witz, schräge Figuren und jede Menge Coolness machen den nahezu perfekt choreografierten Genremix zu einer berauschenden Vollgasfahrt, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

TURN ON-Wertung 4,5/5

Baby Driver
Baby Driver
  • Datenblatt
  • Originaltitel
    Baby Driver
  • Produktionsland/-jahr
    USA 2017
  • Genre
    Action, Crime, Music
  • Besetzung
    Ansel Elgort, Lily James, Jon Hamm
  • Regie
    Edgar Wright
  • Kinostart (D)
    27.07.2017
TURN ON Score:
4,5von 5
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