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"Die irre Heldentour des Billy Lynn" in der TURN ON-Filmkritik

Gemischte Gefühle: Billy Lyn (Joe Alwyn) weiß nicht so recht, wie ihm auf seiner Heldentour geschieht.
Gemischte Gefühle: Billy Lyn (Joe Alwyn) weiß nicht so recht, wie ihm auf seiner Heldentour geschieht. Bild: © Sony Pictures Releasing GmbH 2017

Der mehrfache Oscarpreisträger Ang Lee hat sich für seinen aktuellen Film kein einfaches Thema ausgesucht: In "Die irre Heldentour des Billy Lynn" geht es um einen jungen Soldaten, der unter posttraumatischen Belastungsstörungen leidet. Ob dem Regisseur auch mit diesem Film wieder das Kunststück geglückt ist, die Massen mit einem anspruchsvollen Werk zu begeistern, liest Du in unserer Filmkritik.

Held wider Willen: Die "Billy Lynn"-Story

Der 19-jährige US-Soldat Billy Lynn (Debüt für Joe Alwyn) ist ein Held – oder zumindest machen Medien und Politik ihn zu einem. Sein tapferer Einsatz bei einem Feuergefecht im Irakkrieg, der zufällig gefilmt wurde, beschert Billy mehr Aufmerksamkeit, als ihm lieb ist. So findet er sich nach seiner Rückkehr in die Heimat auf einer skurrilen Siegestour durch die Footballstadien des Landes wieder, in der er und seine Kameraden wie patriotische Tanzbären zu Propagandazwecken vorgeführt werden.

Während die Menschen um ihn herum versuchen, die Gunst der Stunde zu ihren eigenen Zwecken zu nutzen, kommen Billy Zweifel an seinem zukünftigen Lebensweg. Er muss sich entscheiden: Wird er weiterhin sein Leben für das Vaterland riskieren oder wird er seine Kameraden im Stich lassen …?

Kleine Lichtblicke in einem Meer voller Ratlosigkeit

Fans wissen: Wenn Regisseur Ang Lee einen Film macht, wird es auch immer ein wenig arthousig. Das hat bei den "Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger" (2012) oder "Brokeback Mountain" (2005) wunderbar funktioniert – nicht umsonst bekam der in Taiwan geborene Lee für beide Filme den Regieoscar. In einer von Superhelden und Popcornaction dominierten Kinowelt ist ein Filmemacher, der sich gerne abseits von ausgetretenen Pfaden bewegt, eine erfrischende Abwechslung. Problematisch wird es aber dann, wenn die Kunst das Geschichtenerzählen blockiert – und genau das ist Ang Lee bei der Romanverfilmung "Die irre Heldentour des Billy Lynn" ein wenig passiert.

Szenenbild "Die irre Heldentour des Billy Lynn" fullscreen
Szenenbild "Die irre Heldentour des Billy Lynn" Bild: © Sony Pictures Releasing GmbH 2017
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Szenenbild "Die irre Heldentour des Billy Lynn" Bild: © Sony Pictures Releasing GmbH 2017
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Szenenbild "Die irre Heldentour des Billy Lynn" Bild: © Sony Pictures Releasing GmbH 2017
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Szenenbild "Die irre Heldentour des Billy Lynn" Bild: © Sony Pictures Releasing GmbH 2017
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Szenenbild "Die irre Heldentour des Billy Lynn" Bild: © Sony Pictures Releasing GmbH 2017
Die irre Heldentour des Billy Lynn _ Joe Alwyn fullscreen
Bild: © Sony Pictures Releasing GmbH 2017
Szenenbild "Die irre Heldentour des Billy Lynn"
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Die irre Heldentour des Billy Lynn _ Joe Alwyn

Ja, der Film hat ein paar starke Ang-Lee-Momente, die dank ihrer visuellen und emotionalen Intensität echte Eisbrecher sind. Aber wie es Eisbrecher nun mal so an sich haben, navigieren sie die meiste Zeit durch eher trostlose Meere. Das Drehbuch bleibt bei allen Ambitionen leider unter dem ewigen Eis des künstlerischen Anspruchs gefangen. Und es ist nicht einmal so, dass man nicht versteht, worauf Lee hinauswill. "Ich sage nicht, dass es richtig ist, aber es ist auch nicht falsch. Es ist einfach nur", sagt Billy Lynn gegen Ende des Films über das Soldatsein. Das klingt natürlich wunderbar nach einem Spruch aus dem Zenmeisterhandbuch. Genau diese Schicksalsergebenheit ist es aber, an der der Film krankt. Bei einem Themenkomplex wie posttraumatischen Belastungsstörungen, Krieg und Heldenverehrung, der gerade in der heutigen Zeit aktueller ist denn je, wäre wenigstens ein Fünkchen Haltung wünschenswert gewesen. Stattdessen lässt Ang Lee den Zuschauer ratlos zurück.

Vielseitige Schauspieler in einseitigen Rollen

Auch die hochkarätige Besetzung der Nebenrollen – unter anderem mit Kristen Stewart, Vin Diesel und Steve Martin – vermag nicht mehr als ein anerkennendes Nicken beim Zuschauer auszulösen. Zu stereotyp wirken ihre Rollen (besorgte Schwester, weiser Anführer, skrupelloser Geschäftsmann), zu eindimensional ihre Funktion in der Story. So bleibt "Die irre Heldentour des Billy Lynn" ein Film mit rechtschaffenen Motiven, aber wenig Durchschlagskraft, der allenfalls bei eingefleischten Ang-Lee-Fans Anflüge von Begeisterung auslösen wird.

"Die irre Heldentour des Billy Lynn": Fazit

"Die irre Heldentour des Billy Lynn" ist ein Film, der das Herz am rechten Fleck hat. Leider lässt er aber zu oft echte Haltung vermissen, sodass die offensichtlich gewollte Gesellschaftskritik schon im Ansatz verpufft. Arthousefans, denen philosophische Gedankenspiele wichtiger sind als eine gut erzählte Geschichte, mögen ihre Freude an dem Film haben. Alle anderen sollten ihre Erwartungen an den neuen Ang Lee besser nicht zu hoch hängen.

TURN ON-Filmwertung: 3/5

 

Die irre Heldentour des Billy Lynn
Die irre Heldentour des Billy Lynn
  • Datenblatt
  • ORIGINALTITEL
    Billy Lynn's Long Halftime Walk
  • PRODUKTIONSLAND/-JAHR
    USA/GB/CHN 2016
  • GENRE
    Drama, Kriegsfilm
  • BESETZUNG
    Joe Alwyn, Garrett Hedlund, Arturo Castro, Kristen Stewart, Vin Diesel, Steve Martin
  • REGIE
    Ang Lee
  • KINOSTART (D)
    02.02.2017
TURN ON Score:
3,0von 5
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