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Teeniepop 2.0: "Mike Singer – Karma" in der Albumkritik

Mike Singer_Warner Music
Mike Singer_Warner Music

Generation Snapchat, Insta-Story, Musical.ly – Wer hier nicht mithalten kann, hat jetzt die Gelegenheit einer Audio-Momentaufnahme mit "Karma", dem Debütalbum des gerade mal 17 Jahre alten Sängers und Songschreibers Mike Singer. Der Offenburger ist musikalischer Autodidakt und hat sich dem Pop verschrieben. Und das, seit er zwölf Jahre alt war. Die Vermutung liegt nahe: der nächste (deutsche) Justin Bieber?

Wer so raketenhaft aufsteigt wie Mike Singer, macht sich nicht nur Freunde. Denn einerseits flog er 2013 zwar bei der Castingshow "The Voice Kids" in der sogenannten Battle Round raus, ließ sich davon aber nicht unterkriegen. Jetzt ist der Teenager, so heißt es in der Pressemitteilung, "Influencer", hat eine Reichweite von 1,8 Millionen Fans auf allen Social-Media-Kanälen zusammen erreicht. Das reichte Mike Singer aber nicht, in Eigenregie nahm er 2015 eine EP auf, durch die das Major-Label Warner auf ihn aufmerksam wurde. Und Warner bringt jetzt auch sein erstes "richtiges" kommerzielles Debüt auf den Musikmarkt: "Karma".

Doch wo Erfolg ist, bleiben eben auch die Trolle nicht fern. Auf seinen diversen Social-Media-Kanälen artete der Ton gegen den Jungen schon mal aus, was er prompt auch zu einem Song auf seinem Album verarbeitete. "Dir passen meine Haare nicht/Die Art wie ich sie trage nicht/Egal/Die Klicks nicht/Das Blitzlicht/Mein Business/Doch das ist mir egal", heißt es in, richtig geraten, "Egal". Kann es wohl auch sein, denn seine Fans nennen sich "Mikinators" und sind zahlreich, in der Bewerbung des Albums heißt es stürmisch: "Ihn sollten alle Eltern kennen!" Damit ist die Zielgruppe abgesteckt, denn Musikhörer jenseits der gefühlten 18 Jahre werden sich inhaltlich wohl kaum in den Texten auf "Karma" wiederfinden.

Mutmach-Messages und lässige Posen

Es fällt schwer, als Musikkritiker über Mike Singers "Karma" zu sprechen und nicht wie ein alter Mann zu klingen. Ähnlich wie beim eingangs erwähnten Bieber-Phänomen, lässt sich aber schon ein Muster feststellen: Wie dessen Werke orientiert sich auch Singers Sound am Mainstreampop-Zeitgeist. Organische Instrumente sind selten auch nur zu erahnen, die Sounds kennt man alle bereits aus den anderen Popschmieden großer Stars wie Rihanna und Co. Inhaltlich feiert Singer ab, was das Netz hergibt, mit meist positiven Messages. So richtet sich das erwähnte "Egal" gegen Mobbing, wie er erklärt: "Es geht in dem Song darum, dass man einfach stark sein muss, zusammenhalten muss, egal wie man aussieht oder wo man herkommt, egal wer du bist. Wir dürfen uns nichts von Hatern sagen lassen oder denjenigen, die uns beleidigen."

Mike Singer
Mike Singer fullscreen
Mike Singer
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Mike Singer
Mike Singer
Mike Singer
Mike Singer

Und was ist das für 1 Life, das er auf "1Life" abfeiert? Natürlich eines mit seiner Crew, in dem man in den Tag hinein lebt, trotzdem seine Träume verfolgt, den Moment genießt, und in dem Moses das Wasser teilt und als Symbol für das Erreichen alles Unmöglichen steht – untermalt von Mitsing-Oh-Eh-Ohs. "Homies und Groupies" leiht sich wie es der Titel erahnen lässt stampfende R'n'B-Beats, zu denen Singer seine Sneaker feiert und meint, "Freestyle wird jetzt ganz neu erfunden". Das darf infrage gestellt werden, denn die Referenzen an amerikanische Szenegrößen wie Drake und Co. sind hier schwer zu überhören. Immerhin treffen die Messages, die er in dünner Stimme vorträgt, den Nerv der heutigen Jugend.

Fazit: Ein Album wie eine Snapchat-Story

In Sachen Zeitgeist kann man Mike Singers "Karma" wenig vormachen. Die bei den rund doppelt so alten Mainstreamkollegen und -kolleginnen geborgten Sounds sitzen, hier ist alles auf Hochglanz poliert. Das Rad wird zwar nicht neu erfunden, dafür aber mit deutschen Texten versehen, über die man jenseits der 20 schmunzeln mag – die Teenie-Zielgruppe aber durchaus feiern kann. So wie sich die meisten Social-Media-Stories aber nach 24 Stunden wieder von alleine löschen, ist die Prognose für Singers musikalische "Karma"-Halbwertszeit eher gering.

TURN ON-Albumwertung: 3/5

Mike Singer - Karma
Mike Singer - Karma
  • Datenblatt
  • Tracklist
  • Länge
    1:47:02 min
  • Songs
    18
  • Label
    Warner Music Germany
  • Singles
    "Karma", "Egal", "Bring mich zum Singen"
  • 24.02.2017
  • 1
    Intro
  • 2
    Karma
  • 3
    Flieh mit mir
  • 4
    Wenn all die Sorgen gehen
  • 5
    Herz für Dich
  • 6
    Jung und frei
  • 7
    Nein
  • 8
    Hilf mir
  • 9
    Egal
  • 10
    Alien
  • 11
    Alles nur gelogen
  • 12
    Weinst du
  • 13
    1Life
  • 14
    Homies und Groupies
  • 15
    Bring mich zum Singen
  • 16
    Fanpost
  • 17
    Nein (SSC Version)
  • 18
    Karma (Joshimixu Remix)
TURN ON Score:
3,0von 5
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