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"Aquaman"-Kritik: Erhebt sich der neue König des DCEU?

"Aquaman" kann sich sehen lassen!
"Aquaman" kann sich sehen lassen!

Schon bei ersten Test-Screenings in den USA wurde "Aquaman" mit dem Kinohit schlechthin aus dem DC Extended Universe (DCEU) verglichen: "Wonder Woman". Da Gal Gadots Diana Prince für mich die unangefochtene Königin des DCEU ist, war ich umso gespannter (und etwas skeptisch): Kann James Wans Comicverfilmung diesem hohen Maß tatsächlich gerecht werden? Die Antwort gibt's in der folgenden Filmkritik.

Meer ist mehr!

Die grundlegende Abenteuer-Geschichte ist ein Mix aus "Indiana Jones" und der Artussage: Arthur Curry alias Aquaman alias "Fischmann. Es heißt Fischmann" macht sich gemeinsam mit Atlantis' Prinzessin Mera auf die Suche nach einem legendären, verschollenen Dreizack, dessen würdiger Träger die sieben Weltmeere und all ihre Bewohner beherrscht. Mit ihm will Arthur seinen Halbbruder Orm stoppen und den Frieden im Meer und an Land wahren.

Aber das ist nicht alles, denn James Wan konnte sich offenbar nicht für eine einzige Storyline aus der umfangreichen Comicvorlage der Figur entscheiden. Deshalb hat der Regisseur einfach zig weitere Geschichten in seinem Film untergebracht: die Liebesgeschichte von Aquamans Eltern und Arthurs Origin-Story, Black Mantas Origin-Story, die obligatorische Romanze zwischen Mera und Arthur, den drohenden Krieg zwischen Meeresbewohnern und der Oberfläche rund um den Oceanmaster und, und, und ...

Der Haken an diesem Tohuwabohu: Mit fast zweieinhalb Stunden ist "Aquaman" – typisch Comicverfilmung – für meinen Geschmack mal wieder zu lang geraten und wirkt nicht selten überladen. Von diversen kleinen Plot-Holes will ich gar nicht erst anfangen. Trotzdem macht das Abtauchen ins DCEU mit "Aquaman" vor allem eines: Spaß! Und das ist in erster Linie dem zentralen Cast zu verdanken.

Lang lebe König Momoa!

Jason Momoa in Aquaman fullscreen
Jason Momoa hat sichtlich Spaß an seinem Job als Aquaman.

Allen voran: Jason Momoa. Der gebürtige Hawaiianer spielt seinen Titelhelden wie schon in "Justice League" als augenzwinkerndes Raubein, außen muskelbepackt, zottelig und tätowiert, aber mit weichem Kern.

Zugegeben, dass auch sein Arthur Curry – wie schon Batman und Superman – ein Mami-Problem hat, ist wenig kreativ. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass der einstige "Game of Thrones"-Star mal wieder in vielen Szenen nur als nicht besonders helles Muskelpaket dargestellt wird. Kein Wunder, dass viele US-Kritiker ihn bereits mit Marvels Thor vergleichen.

Dennoch erwischt man sich mehr als einmal beim Schmunzeln, wenn Momoa seine Punchlines ("Habe ich die Erlaubnis, an Bord zu kommen?") erneut mit einem schiefen Grinsen herausposaunt. Der Schauspieler nimmt sich selbst nicht so ernst und hatte spürbar Spaß an seinem ersten DC-Solofilm – und das ist ansteckend.

Atlantis trumpft mit starken Frauen auf

Ein weiteres klares Plus: Arthur Curry stehen zwei starke Frauenfiguren zur Seite. Ausgerechnet Amber Heard als Mera und Nicole Kidman als Atlanna konnten mich nämlich als toughe, smarte Kriegerinnen überzeugen. Im Vergleich zu ihnen wirken Patrick Wilson als König Orm und Dolph Lundgren als König Nereus blass, verbissen und gehen schlichtweg unter.

Amber Heard als Mera ... fullscreen
Amber Heard als Mera ...
... und Nicole Kidman als Atlanna stechen positiv hervor. fullscreen
... und Nicole Kidman als Atlanna stechen positiv hervor.
Amber Heard als Mera ...
... und Nicole Kidman als Atlanna stechen positiv hervor.

Angesichts der guten Performance von Heard und Kidman stellt sich dann jedoch prompt die Frage: Warum darf Kidmans Atlanna im Film eigentlich nicht altern? Hat die Königin von Atlantis den Jungbrunnen entdeckt? Selbst auf "alt" getrimmt – mit grauem Haar, aber absolut faltenfrei – sieht sie beinahe jünger aus als ihr Filmsohn Jason Momoa. Atlannas große Liebe, Aquamans Vater Tom, altert derweil merklich.

Ein Manko, das bezeichnend für Hollywood ist: Männer dürfen im Film optisch altern, Frauen hingegen müssen immer jung bleiben. Ich warte noch immer auf einen Mainstream-Blockbuster, der es wagt, mit diesem Klischee zu brechen.

"Aquaman" taucht ab in spektakuläre Welten

Abgesehen von diesem kleinen optischen Makel ist "Aquaman" visuell schlichtweg spektakulär: Die bunten Unterwasserwelten rufen prompt "Avatar"-Assoziationen hervor. Ginge es nach mir, wäre die Comicverfilmung noch deutlich weiter in das Leben in Atlantis eingetaucht, anstatt nur kurz im Vorbeischwimmen einige Gebäudefassaden zu zeigen.

Deutlich mehr Screentime gab James Wan seinen unzähligen bissigen CGI-Seemonstern, die uns daran erinnern, dass der Filmemacher eigentlich im Horror-Genre zu Hause ist. Dabei fällt jedoch auf, dass kaum Blut fließt. Nicht einmal, wenn Krokodil- und Hai-Monster in einer gewaltigen "Herr der Ringe"-Schlachtszene aufeinandertreffen. FSK-12-Altersfreigabe sei dank – oder eben auch nicht.

Aquaman Szenenbild fullscreen
Bissig, aber nicht gefährlich?

Absolut nichts zu bemängeln gibt es hingegen bei den beeindruckenden Kamerafahrten, mit denen James Wan nicht gegeizt hat. Die Verfolgungsjagd über den Dächern Siziliens, die schon im Trailer angedeutet wurde, ist ein echtes Highlight des Films und sorgt dafür, dass man als Zuschauer am liebsten ganz im Momoa-Stil "Badass!" brüllen würde.

"Aquaman" macht plötzlich ernst

Ein kleiner Wermutstropfen angesichts des ganzen visuellen Spektakels ist der Ton. Der coole Humor Aquamans aus "Justice League" ist nämlich irgendwo zwischen den Filmen verloren gegangen. Generell gibt es wenig zu lachen und wenn, dann setzt der Film auf Gags, die so flach sind, dass der Kahn in diesen Momenten beinahe auf Grund läuft.

Jason Momoa schafft es zwar meist noch, diesen Humor augenzwinkernd und charmant zu verpacken. In Szenen ohne den charismatischen Hauptdarsteller führen diese Art von Witzchen aber eher dazu, dass der Zuschauer irritiert die Stirn runzelt, anstatt zu lachen. So hätte Wan die alberne Klo-Szene besser selbst runtergespült.

Jason Momoa als Aquaman fullscreen
"Ein Klo-Witz? Ernsthaft?" Humor ist eben auch Geschmackssache.

Hingehört! Oder besser nicht?

Auch beim Soundtrack zum Film griff der Regisseur einige Male daneben. Filme wie "Guardians of the Galaxy" und "Ready Player One" haben gezeigt, wie sehr ein gut gewählter Soundtrack zur Atmosphäre einer neuen Filmwelt beitragen kann. In "Aquaman" ist leider das genaue Gegenteil der Fall: Die wild gemischte Hintergrundmusik wirkt manchmal völlig deplatziert. So untermalt Wan eine Sequenz mit Momoa und Heard lieber mit Hip-Hop-Beats von Pitbull anstatt mit rockigen Klängen, die zu Aquamans wildem Look wesentlich besser gepasst hätten. Kann man mögen, muss man aber nicht.

Fazit: Königin Diana > König Arthur

Die Antwort auf meine Frage, ob "Aquaman" an "Wonder Woman" heranreicht, lautet somit: Jein. "Aquaman" schwimmt zwar mit bunten, wunderschönen Settings und einem heiteren Grundgefühl gegen den Strom der üblichen düsteren DCEU-Ableger, lässt sich aber dennoch leicht von den typischen Fehlern des Franchise in die Tiefe ziehen.

Doch von einem überladenden Drehbuch und teils zu kitschigen Gags lässt sich ein echter Held natürlich nicht vollkommen bremsen – besser als seine männlichen Kollegen schlägt sich "Aquaman" allemal. Somit steht für mich fest: Wonder Woman ist vielleicht die Königin, aber Arthur Curry ist für mich der König – nicht nur von Atlantis, sondern im gesamten DCEU.

TURN ON-Wertung: 4/5

Aquaman
Aquaman
  • Datenblatt
  • Originaltitel
    Aquaman
  • Kinostart (D)
    20. Dezember 2018
  • Genre
    Comicverfilmung, Action
  • Besetzung
    Jason Momoa, Amber Heard, Nicole Kidman
  • Regie
    James Wan
  • Produktionsland/-jahr
    USA 2018
Turn-On Score:
4,0
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