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Clan-Serie "Skylines" auf Netflix: Welcome to 069, Cho!

Skylines Netflix
Ab 27. September abrufbar: "Skylines", die vierte deutsche Eigenproduktion von Netflix.

Serien über Clan-Kriminalität in Deutschland sind angesagt. Nach "4 Blocks" und "Dogs of Berlin" gibt es nun "Skylines" auf Netflix. Ob der Ortswechsel von Berlin nach Frankfurt der Serie guttut oder der Streamingdienst erneut danebengegriffen hat, erfährst Du in unserer Kritik.

"Skylines" wird nach "Dark", "Dogs of Berlin" und "How to Sell Drugs Online (Fast)" die vierte deutsche Serie im Programm von Netflix sein. Im Vorfeld wurde die neue Serie mit "Dogs of Berlin" in Verbindung gebracht, auch "4 Blocks" wird immer wieder genannt. Beides Serien, die ich gesehen habe und über die mein Urteil nicht gegensätzlicher ausfallen könnte: Während ich "4 Blocks" über den Hamady-Clan sehr feiere, konnte das Berliner Ermittler-Team bei mir nicht zünden, trotz Fahri Yardim in einer der Hauptrollen.

Nun bin ich wahrlich keine Kennerin der Frankfurter Hip-Hop-Szene (eher das komplette Gegenteil), doch der "Skylines" -Trailer hat prompt mein Interesse geweckt. Und aus dieser musikalischen Laien-Perspektive habe ich mir die neue Serie vorab zu Gemüte geführt.

"In Frankfurt geht es immer ums Geschäft": Die Story

Jinn (Edin Hasanovic) will mit seiner Musik endlich groß rauskommen. Sein Traum scheint wahr zu werden, als er beim größten deutschen Hip-Hop-Label Skyline Records als Produzent unter Vertrag genommen wird. Das bedeutet für ihn aber zugleich, dass er sich zwischen seinem Traum sowie seinem besten Freund und musikalischen Partner entscheiden muss: Das Label will nur ihn und nicht seinen rappenden Kumpel. Spannungen auf privater Ebene sind unumgänglich.

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Jinn kann es kaum glauben: Er ist bei Deutschlands größtem Hip-Hop-Label unter Vertrag.

Beruflich läuft zunächst alles glatt: Jinns Beats kommen bei Studioboss und Rapper-Ikone Kalifa (Murathan Muslu) sehr gut an. Dann taucht dessen Bruder Ardan (Erdal Yildiz) aus der Versenkung auf und zieht im Keller des Labels einen Drogenhandel auf, von dem Kalifa zunächst nichts weiß. Die illegalen Geschäfte haben bald auch für Jinn Konsequenzen.

Der Drogenhandel ruft zudem Kriminalkommissarin Sara (Peri Baumeister) auf den Plan, die dem organisierten Verbrechen den Kampf angesagt hat und Frankfurt zu einem drogenfreien und sicheren Ort machen möchte. Dafür muss sie allerdings Opfer bringen: Sara ist kaum zu Hause und entfremdet sich mehr und mehr von ihrer Tochter. Derweil vergnügt sich ihr Mann mit einer anderen Frau.

Starker Cast aus Rappern und Schauspielern

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Bitte Lächeln!

Zugegeben, die Charaktere sind ziemlich stereotyp: die Polizistin mit Familienproblemen, der aufstrebende Künstler, der mit seiner Loyalität zu kämpfen hat, und der erfolgreiche Rapper, den die Vergangenheit einholt. Doch das verzeihe ich der Serie. Es gelingt ihr trotzdem, unglaublich authentisch zu wirken. Die Darsteller machen einen wirklich guten Job, und damit meine ich nicht nur die erfahrenen Schauspieler wie Edin Hasanovic ("Nur Gott kann mich richten"), Peri Baumeister ("The Last Kingdom") und Richy Müller ("Tatort").

Auch die Rapper, die in "Skylines" Rollen übernehmen, machen einen überraschend guten Job und verleihen der Serie damit eine gehörige Portion Glaubwürdigkeit. In meinen Augen ein Grund, weshalb die Serie so authentisch wirkt. Im Grunde spielen die Musiker sich selbst – wenn auch unter anderen Namen. In kleineren Rollen mischen unter anderem Azad, Olexesh, Nimo und Nura mit. Ja, ich gebe zu: Einige Namen musste ich googeln. Doch allein die Tatsache, dass ich ein ums andere Mal nicht unterscheiden konnte, wer Schauspielprofi und wer Musikerprofi ist, spricht für die Qualität der Darsteller.

Frankfurter Hip-Hop-Szene statt Berliner Kiez

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Kalifa hat seinem älteren Bruder Ardan viel zu verdanken.
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Ja, auch Azad gibt sich in "Skylines" die Ehre.
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Im Keller von Skyline Records werden ganz spezielle Geschäfte gemacht.
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Was mir an "Skylines" besonders gut gefallen hat, ist der Fokus auf die Musik. Die Serie zeigt die komplette Entstehungsgeschichte von Songs. Es fängt mit einem Beat an, der dann weiter ausgebaut und am Ende von den Lines der Künstler abgerundet wird. Es geht aber auch darum, wie Texte entstehen, was die Musiker bewegt und wie letztendlich die Symbiose der Sounds und Rhymes erfolgt.

Trotz geringer Hip-Hop-Affinität habe ich mich des Öfteren beim Mitnicken erwischt. Benjamin Bazzazian, der für die Musik in "Skylines" verantwortlich zeichnet, hat ganze Arbeit geleistet. Angesichts des Produzenten ist es auch kein Wunder, dass der Titelsong "069" vom Frankfurter Rapper Haftbefehl stammt: Den Track haben die beiden 2016 gemeinsam veröffentlicht, für die Serie hat ihn Haftbefehl noch einmal überarbeitet.

Keine gute Idee ...
... war es, aus Spaß in die englische Tonspur zu hören. Ich war überrascht, wie schlecht die Synchronisation ist. Es gibt keinerlei Räumlichkeit in den Stimmen, wodurch die Künstlichkeit der Tonspur umso präsenter wird. Wirklich schade. Und es könnte für die Serie im Ausland zum Knackpunkt werden.

Frankfurt: Oben hui, unten pfui

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Der ehemalige Rapper Murathan Muslu spielt den erfolgreichen Studioboss Kalifa.

Wenn eine Serie in Frankfurt am Main spielt, kann ein weiteres Thema neben Hip-Hop nicht ausgeklammert werden: die Finanzwelt. In einem Podcast-Interview erklärt Hauptdarsteller Edin Hasanovic treffend, dass "Frankfurt die Stadt der Börse und des Straßenraps ist. Oben wird mit Millionen gedealt und unten, im Schatten dieser Bankentürme, wird mit Drogen gehandelt, und Prostituierte verdienen ihr Geld."

Jinns Vater Raimund (Richy Müller) präsentiert das andere Extrem der Stadt. Der Immobilienmakler sieht im drohenden Brexit (hier ist die Serie überraschend aktuell) eine Chance und versucht, finanziell davon zu profitieren. Dabei schreckt er vor dubiosen Insidergeschäften nicht zurück.

Fazit: Hingucken oder wegsehen?

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Erkannt? Rapper Nimo mischt ebenfalls in "Skylines" mit.

Während "Dogs of Berlin" für mich überhaupt nicht funktioniert hat, überzeugt mich "Skylines" auf ganzer Linie. Netflix hat mit dieser deutschen Produktion alles richtig gemacht. Weder habe ich ein Faible für Hip-Hop, noch war ich jemals in Frankfurt. Trotzdem hat mich "Skylines" gefesselt, wunderbar unterhalten, begeistert und fasziniert. Das liegt auch an den Grundmotiven der Serie: Familie, Liebe, Freundschaft, Loyalität und das Streben nach Macht.

Die sechs Episoden von je 50 bis 60 Minuten habe ich in kürzester Zeit durchgeguckt – und kann es kaum erwarten, dass Staffel 2 kommt. Zum Glück ist das Ende der ersten Season klar auf eine Fortsetzung ausgelegt. Fazit: unbedingt hingucken!

Sendehinweis
"Skylines" steht ab dem 27. September bei Netflix zum Abruf bereit.

TURN ON-Wertung: 4/5

Das sagt Christin:
Da ich noch nie in Frankfurt war, würde mich interessieren, wie die Serie bei den Frankfurtern ankommt oder bei all jenen, die dort schon einmal zu Besuch waren. Gelungene Darstellung oder völlig überzogen? Her mit euren Kommentaren!
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