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Serien-Tipp

Comedy-Geheimtipp: "Spaced" ist alles, was "Big Bang Theory" NICHT ist

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Tim und Daisy aus "Spaced" sind eines der ganz großen, unbekannten Popkultur-Pärchen.

Na? Im Hausarrest jede Serie gestreamt, jeden Film geglotzt, jedes Game gezockt? Du brauchst dringend Nachschub? Dann habe ich heute einen Geheimtipp für Dich – eine englische Sitcom, die schon vor 20 Jahren bewiesen hat, wie Nerd-Humor richtig geht.  Ein Liebesbrief an eine der lustigsten, cleversten und frischesten Comedy-Serien, die je gemacht wurden: "Spaced".

Von Nerds, über Nerds, für Nerds

Leute, ich könnte es mir jetzt sehr einfach machen und Euch einen gut gemeinten Rat – nein, eigentlich eine regelrechte Aufforderung – hierlassen: Tut Euch selbst einen Gefallen und guckt "Spaced". Ich werde aber noch mehr tun: Ich werde Euch auch sagen, warum Ihr diesem Rat folgen solltet.

"Spaced" ist eine Sitcom aus UK. Sie begründete die Weltkarrieren von Simon Pegg, Nick Frost und Edgar Wright. Sie hat nur zwei Staffeln – und bis heute gibt es keine andere Show mit so vielen cleveren Gags und Anspielungen auf alle möglichen Filme, Serien und Games. "Mythic Quest" nicht, "Community" nicht und wehe, irgendjemand faselt jetzt was von "The Big Bang Theory". "Spaced" verhält sich zu "The Big Bang Theory" wie etwas Bedeutsames zu Nichts.

Die komplette Serie zum absoluten Schnäppchenpreis gibt's bei SATURN.

Ich muss mich jetzt wirklich zusammenreißen, hier keinen Roman über "Spaced" zu verfassen. Denn das würde ich am liebsten tun, weil ich diese verdammte Serie so sehr liebe. Mir fallen spontan eine Million Zitate und Situationen ein, so viele geniale Gags, so viele herzerwärmende Momente. Allein die "Resident Evil"-Folge ... Aber fangen wir vielleicht ganz vorne an: Was ist "Spaced" eigentlich?

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Nach zwei Staffeln "Spaced" hast Du zwei neue beste Serien-Freunde.

Die Generation X hat's nicht leicht

"Spaced" bekommt gerne das Label "Nerd-Humor" aufgedrückt. Und das ist auch nicht falsch, aber eigentlich ein bisschen zu oberflächlich betrachtet. Die Komik erschöpft sich nicht darin, mit dem Finger auf sozial ungelenke Mittzwanziger zu zeigen und sie auszulachen, weil sie am liebsten vor der Konsole hängen. Zunächst mal ist "Spaced" eine sehr authentische Geschichte von ein paar jungen Leuten, die endgültig – und nur widerwillig – in der Erwachsenenwelt angekommen sind.

Tim (Simon Pegg, der schon mit dieser frühen Rolle sein unnachahmliches komödiantisches Talent beweist) rollt immer noch auf seinem Skateboard herum, ist riesiger "Star Wars"-Fan und will als Comiczeichner den großen Durchbruch schaffen. Daisy (Jessica Hynes) ist eine aufstrebende Journalistin, aber leider chronisch faul, zweifelt an sich selbst und schießt sich bei Bewerbungsgesprächen mit einem völlig unpassenden "Girl Power!" selbst ins Aus. Sie sind kein Paar. Aber sie tun so, um eine supergünstige Wohnung zu kriegen, in der sie fortan als WG leben.

Gemeinsam mit ihrer Vermieterin Marsha, dem verschrobenen Künstler Brian und noch ein paar anderen Bekloppten bilden sie einen liebenswert durchgeknallten Mikrokosmos, in dem es um Videospiele geht, um Clubnächte, nicht bezahlte Telefonrechnungen, Gras, zu viel Wein und die telepathische Verbindung zwischen Männern. Unter anderem.

Weißt Du was? Guck Dir am besten einfach diesen Zusammenschnitt auf YouTube an, zumindest die ersten zwei Minuten. Da werden Dir alle Figuren vorgestellt, große Spoiler gibt es aber nicht. Und wenn Dir gefällt, was Du siehst, kommen direkt im Anschluss ein paar hervorragende Gags aus den beiden Staffeln .

Wer alle Insider-Gags erkennt, kriegt 'nen Lolli!

Aus dieser gar nicht mal so spektakulären Ausgangslage machen Simon Pegg und Jessica Hynes als Autoren ein so wahnwitziges Dauerfeuer an Insider-Gags, Referenzen und Anspielungen auf so ziemlich alles, was in der Popkultur jemals relevant war oder ist, dass selbst Quentin Tarantino vor dieser Zitate-Flut kapituliert hätte. Beweis gefällig? Auf der DVD ("Spaced" gibt's leider noch nicht auf Blu-ray) kannst Du den "Hommage-O-Meter" anwählen – eine Untertitelspur, die alle Referenzen in einer Episode auflistet.

Simon Pegg und Jessica Hynes sind nicht nur die Hauptdarsteller, sie haben "Spaced" auch komplett selbst geschrieben. Als Regisseur hat sich ein junger Edgar Wright seine Sporen verdient, der ein paar Jahre später mit Filmen wie "Shaun of the Dead" Kinogeschichte geschrieben hat. Peggs bester Freund in der Serie, der bebrillte Militär-Fanatiker Mike, wird gespielt von Nick Frost – auch im wahren Leben der BFF von Simon Pegg und mittlerweile selbst ein Comedy-Star. Wenn "Spaced" sich in jeder Folge so wunderbar herzlich und aufrichtig anfühlt, dann, weil diese Serie für alle Beteiligten ein absolutes Herzblut-Projekt war. Und das merkt man in jedem Frame.

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Beste Freunde im echten Leben und vor der Kamera: Nick Frost und Simon Pegg machen ALLES besser.

Genauso lebt die Serie von den unendlich vielen Gags, den großen und den kleinen. "Star Wars" wird in so ziemlich jeder Folge mindestens einmal zitiert, ein Streit zwischen Tim und Daisy wird mit Prügel-Szenen aus "Tekken 2" gegengeschnitten und in der schon angesprochenen "Resident Evil"-Folge spricht Tim 1:1 einen Original-Text aus dem Spiel, aber in einem völlig anderen Kontext. Und es passt perfekt. Man möchte Beifall klatschen.

Das Best-of der Popkultur

Und jetzt muss ich doch noch mal den Vergleich ziehen zu der Serie, die nicht genannt werden darf. Du weißt schon, diese andere da mit den Nerds. In der bestehen die "Gags" nämlich daraus, dass jemand "Bazinga!" brüllt. Und das Publikum nässt sich fast ein vor Lachen, weil sich das auf irgendwas aus der Popkultur bezieht, ohne Kontext oder Cleverness, es ist einfach nur plumpstes Namedropping.

"Spaced" dagegen hat so viele filigran konstruierte Anspielungen, dass selbst die offizielle Auflistung aus Folge 1 nur einen Bruchteil aufführt. Und das Beste: Jede Folge funktioniert auch dann, wenn man nicht über enzyklopädisches Nerd-Wissen verfügt. Die Insider-Gags geben der Serie aber mehr Tiefe und Kunstfertigkeit und belohnen doppeltes Gucken. Oder dreifaches. Oder 30-faches.

Du merkst es schon: Ich liebe "Spaced" heiß und innig. In meinem Herzen wird dieses Sitcom-Juwel immer einen Logenplatz haben. Die Serie war zu ihrem Start im Jahr 1999 wegweisend: der nerdige Humor. Meta-Gags. Surreale Einschübe. Plötzliche Zeichentrick-Sequenzen. Eine Paintball-Folge. Alles Dinge, die man heutzutage in jeder zweiten Show findet. Doch was heute oftmals nur noch Masche und Anbiederung beim Zeitgeist ist, war damals innovativ und überraschend. Und ist es heute noch.

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"You got red on you."

Lass Dich vom unscharfen SD-Look und dem augenscheinlich niedrigen Budget nicht abschrecken und gib "Spaced" eine Chance. Gut möglich, dass Du Dich ebenso schockverliebst wie ich. Wenn ich auch nur einen von Euch zum "Spaced"-Fan machen kann, habe ich meine Aufgabe hier erfüllt.

Und zum Abschluss einer meiner Lieblings-Mini-Gags, der in dem ganzen herrlichen Irrsinn fast untergeht:

"I heard Tim and you arguing last night. 'You can't shoot straight, you big-titted bitch' ... something about a key ..."
"Oh no, that was Lara Croft."
"Hm. Sounded like Tim."

"Spaced" ist einfach der Endboss der Nerd-Sitcoms.

Aber jetzt hast Du Lust auf "Spaced" bekommen, oder? Gibt's immer noch bei SATURN.
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