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"Creed II"-Kritik: Nicht jeder Schlag sitzt

Michael B. Jordan kämpft als Adonis mit allen Mitteln. So richtig überzeugen konnte uns das "Creed"-Sequel trotzdem nicht.
Michael B. Jordan kämpft als Adonis mit allen Mitteln. So richtig überzeugen konnte uns das "Creed"-Sequel trotzdem nicht.

Knapp zwei Monate nach dem US-Release startet "Creed II" am 24. Januar 2019 endlich auch in den deutschen Kinos. Bleibt die Frage: Kann das Sequel an den Erfolg des ersten Teils anknüpfen? Oder geht Adonis schon in der zweiten Runde die Puste aus? Die Antwort gibt es in unserer Filmkritik.

Immer noch "Rocky's Legacy"

"Jetzt ist deine Zeit, Donnie", grummelt Sylvester Stallone als Rocky Balboa gegen Ende von "Creed II". "Zeit, dein eigenes Vermächtnis aufzubauen." Ironischerweise umschreibt dieses Zitat äußerst präzise das große Manko des aktuellen Sequels.

Denn: "Creed 2" schafft es nicht, sich aus dem Schatten der glorreichen Ära von Rocky Balboa herauszuboxen. Wo Ryan Cooglers geniales Original-Spin-off von 2015 noch den Balanceakt zwischen "Rocky"-Hommage und einer eigenständigen, neuen Geschichte mit sympathischen Charakteren schaffte, schwächelt die Fortsetzung merklich.

Regisseur Steven Caple Jr. ("The Land") scheint zu bemüht, dem Vorgänger und den "Rocky"-Filmen gerecht zu werden – ein eigenes "Vermächtnis" baut sich "Creed 2" auf diese Weise aber leider nicht auf.

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Adonis Creed wird nach Ryan Cooglers' Befreiungsschlag von 2015 zurück in Rockys Schatten gedrängt.

Runde 2 für Creed? Eher ein "Rocky"-Best-of

Das liegt in erster Linie an der Story, denn was der Zuschauer in "Creed II" zu sehen bekommt, ist im Grunde eine wieder aufgewärmte Mischung aus "Rocky II" und "Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts".

Adonis Creed (Michael B. Jordan) ist ganz oben. Er ist Heavyweight-Champion – wie einst schon sein Vater, Apollo Creed. Doch Rockys Schützling teilt eine weitere Gemeinsamkeit mit seinem Papa: Der Erfolg bringt ihm keine Zufriedenheit. Als er dann ausgerechnet von Viktor Drago (Florian Munteanu), dem Sohn des Mörders seines Vaters, zu einem Titelkampf herausgefordert wird, zögert er nicht lange. Rockys (Sylvester Stallone) Warnung vor dem "großen, schnellen, starken, unorthodoxen" Boxer ignoriert Adonis – und stürzt sich Hals über Kopf in den Kampf.

"Creed 2" bleibt durchweg vorhersehbar. Das liegt zum einen an den nur allzu offensichtlichen Parallelen zu Apollo Creeds tödlichem Kampf, der wieder und wieder und wieder erwähnt wird. Zum anderen aber auch an dem Kampf in Russland, der unweigerlich an "Rocky IV" erinnert. Auf eine überraschende Abweichung, um der Geschichte einen neuen Dreh zu geben, wartet der Zuschauer vergeblich.

Adonis Creed ist im Sequel Heavyweight-Champion. fullscreen
Adonis Creed ist im Sequel Heavyweight-Champion.
Glücklich ist er trotzdem nicht. fullscreen
Glücklich ist er trotzdem nicht.
Der nächste Kampf wartet schon ... – und zwar gegen Ivan Dragos Sohn Viktor! fullscreen
Der nächste Kampf wartet schon ... – und zwar gegen Ivan Dragos Sohn Viktor!
Ohne Mentor Rocky an seiner Seite wirkt Adonis oft verloren. fullscreen
Ohne Mentor Rocky an seiner Seite wirkt Adonis oft verloren.
Adonis Creed ist im Sequel Heavyweight-Champion.
Glücklich ist er trotzdem nicht.
Der nächste Kampf wartet schon ... – und zwar gegen Ivan Dragos Sohn Viktor!
Ohne Mentor Rocky an seiner Seite wirkt Adonis oft verloren.

Zu viel Drama, Baby!

Hinzukommt, dass der Film mit einer Laufzeit von satten 130 Minuten für ein Sportdrama schlicht zu lang geraten ist. Die Handlung kämpft sich in Teilen des Films nur schleppend voran.

Das liegt auch daran, dass das Drama außerhalb des Rings mit zahlreichen Plots und Nebenplots immer mehr überhandnimmt. Die aufstrebende und zugleich bedrohte Musikkarriere von Bianca (Tessa Thompson), Baby-Creed, Rockys Beziehung zu seinem entfremdeten Sohn und Adonis, der selbst nicht genau zu wissen scheint, wofür er eigentlich kämpft ... – das Boxen wird bei all diesem Familiendrama schnell zur Nebensache degradiert.

Die Dragos

Apropos Familiendrama: Auch in der anderen Ring-Ecke dreht sich alles um Verwandtschaft und Verlust. Ivan Drago (Dolph Lundgren) wurde nach seiner Niederlage gegen Rocky geächtet und von seiner Frau verlassen. Seinen Sohn Viktor erzog er deshalb nur mit einem einzigen Ziel: Rache und Rehabilitierung. So weit, so gut.

Leider gesteht "Creed 2" dem zurückgekehrten Schurken keinerlei Charakterentwicklung zu. Drago Senior zeigt sich den gesamten Film über absolut kalkuliert, gefühlskalt und gnadenlos – selbst seinem eigenen Sohn gegenüber. Umso überstürzter erscheint ein dramatischer Moment gegen Ende des Films, in dem von dem Zuschauer plötzlich verlangt wird, mit dem Schurken mitzufühlen. Ein emotionaler Schlag, der sein Ziel völlig verfehlt.

Ähnlich verhält es sich mit Drago Junior. "Creed 2" gesteht Florian Munteanus Viktor kaum eine eigene Identität zu. Alles, was er tut, tut er, weil sein Vater es so verlangt. Bis auf ein paar wütend geknurrte Sätze wird dem bösen Spiegelbild von Adonis Creed nicht einmal Dialog zugestanden. Dabei zeigt Viktor in dem kurzen Moment, in dem er die Ziele seines Vaters hinterfragt, durchaus Potenzial für einen wirklich guten Gegenspieler. Schade!

Mit Ivan und Viktor Drago hätten sich die Drehbuchautoren ruhig etwas mehr Mühe geben dürfen. fullscreen
Mit Ivan und Viktor Drago hätten sich die Drehbuchautoren ruhig etwas mehr Mühe geben dürfen.
Dabei hätte Viktor Drago einen wirklich guten Gegner abgeben können. fullscreen
Dabei hätte Viktor Drago einen wirklich guten Gegner abgeben können.
Mit Ivan und Viktor Drago hätten sich die Drehbuchautoren ruhig etwas mehr Mühe geben dürfen.
Dabei hätte Viktor Drago einen wirklich guten Gegner abgeben können.

Rocky und Donnie retten "Creed II" vor dem Knockout

Im krassen Gegensatz zu dem wenig ausgearbeiteten Schurken-Duo stehen Sylvester Stallone und Michael B. Jordan als Rocky und Adonis. Jordan schafft es, seinen Titelhelden sogar dann noch sympathisch und nahbar erscheinen zu lassen, wenn dieser egoistische Entscheidungen trifft und aufbrausend Freunde und Familie vor den Kopf stößt. Stallone wiederum macht als Vaterersatz für Adonis einmal mehr eine gute Figur. Am Ende sind es ihre Interaktionen, die den Film durch seine weniger starken Parts tragen.

Ein weiteres Plus: der Soundtrack. Die gewählten Tracks passen buchstäblich wie die Faust aufs Auge. Wenn die ausgeklügelten Bewegungen der Kampf- und Trainingssequenzen im Takt der Musik erfolgen, kann man sich als Zuschauer ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ein absolutes Highlight ist die Trainingsszene à la Rocky in der Wüste, die perfekt musikalisch untermalt und choreografiert ist.

Fazit: Kein Volltreffer, aber ...

"Creed II" ist mit seiner durch und durch bekannten Handlung, dem überladenen Geschehen außerhalb des Rings und dem verschenkten Potenzial der Gegenspieler nicht unbedingt ein Kino-Highlight. Aber – vor allem dank der Performance von Michael B. Jordan und Sylvester Stallone – auch kein völliger Fehlschlag. Zumindest eingefleischte "Rocky"-Fans kommen mittels vieler Referenzen auf die Original-Reihe auf ihre Kosten.

TURN ON-Wertung: 2,5/5

Creed 2
Creed 2
  • Datenblatt
  • Originaltitel
    Creed II
  • Kinostart (D)
    24.01.2019
  • Genre
    Sportdrama, Action
  • Besetzung
    Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Dolph Lundgren
  • Regie
    Sylvester Stallone
  • Produktionsland/-jahr
    USA 2018
Turn-On Score:
2,5
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