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"Der Junge, der den Wind einfing" ist anders – und das ist gut so!

Visuell ist "Der Junge, der den Wind einfing" trotz – oder gerade wegen – seiner schlichten Settings wunderschön.
Visuell ist "Der Junge, der den Wind einfing" trotz – oder gerade wegen – seiner schlichten Settings wunderschön.

Bislang trat Chiwetel Ejiofor eher vor der Kamera in Erscheinung. Als Hauptdarsteller in "12 Years a Slave" war er 2014 sogar für den Oscar nominiert. Mit der Romanverfilmung "Der Junge, der den Wind einfing" steht nun das Regiedebüt des Briten auf Netflix zum Abruf bereit. Unsere Kritik verrät Dir, warum das inspirierende Drama im März unbedingt auf Deine Watchlist gehört.

Der vollständige deutsche Titel der Buchvorlage lautet: "Der Junge, der den Wind einfing: Eine afrikanische Heldengeschichte" – und das trifft es tatsächlich ziemlich genau. Roman wie Film erzählen die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des heutigen Ingenieurs William Kamkwamba, der einst als Teenager sein Dorf Wimbe im südostafrikanischen Staat Malawi vor dem Hungertod bewahrte – mithilfe eines Buches.

Eine Geschichte, wie sie das Leben schrieb

William (Newcomer Maxwell Simba) ist der Sohn des Farmers Trywell (Ejiofor). Letzterer ist selbst weitestgehend ungebildet, schickt seinen wissbegierigen Sprössling aber lieber in die Schule, statt ihn für die Feldarbeit einzuspannen. Ziemlich modern, findet Trywell.

Nachdem starke Regenfälle und Dürren die Ernte zunichtemachen, kann sich die Familie das Schulgeld für William jedoch nicht mehr leisten. Als dann auch noch das Essen knapp wird, nimmt der 13-Jährige sowohl seine Bildung als auch die Rettung seines Dorfs kurzum selbst in die Hand. Papa Trywell ist von den "Hirngespinsten" seines Sohnes in solch einer Notlage allerdings erst einmal gar nicht begeistert ...

"Der Junge, der den Wind einfing"-Szenenbild fullscreen
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Hier weht ein anderer Wind

Angesichts dieses modernen Märchens könnte man nun rührseliges Blockbuster-Kino à la Hollywood erwarten. Doch genau das liefert Chiwetel Ejiofor mit seiner Verfilmung eben nicht. Stattdessen bemüht sich der Schauspieler und Regisseur, das Leben der "einfachen Leute" in Malawi Anfang der 2000er so authentisch wie möglich nachzuzeichnen.

Wie in der Buchvorlage streift Ejiofor scheinbar beiläufig Themen wie Gesellschaftsstrukturen und Traditionen, Tabakkonzerne vs. kleine Farmer, korrupte Politiker ... – und das alles lässt die Taten eines einzelnen Jungen letztlich nur umso beeindruckender wirken.

Ebenfalls auffällig: In Ejiofors "Der Junge, der den Wind einfing" taucht kein einziger Weißer auf. Kein Entwicklungshelfer, kein mitfühlender Promi mit einer Spendengala eilt zur Rettung des afrikanischen Dorfes herbei oder liefert die Lösung für die Krise auf einem Silbertablett. Nein, ein junger Einheimischer nimmt das Problem mit seiner guten Schulbildung selbst in die Hand. "Wir müssen uns selbst helfen, William!", stellt Papa Trywell im Laufe des Films fest. Und genau darum geht's.

Maxwell Simba, Lily Banda, Chiwetel Ejiofor und Aïssa Maïga in Der Junge der den Wind einfing fullscreen
Auf Hilfe von der Regierung kann hier niemand hoffen.

Wenn Bildung Leben rettet

"Der Junge, der den Wind einfing" erinnert – manchmal beinahe etwas zu sehr mit dem mahnend erhobenen Zeigefinger – daran, wie wichtig eine gute Schuldbildung und ein fester Wille sein kann, um seine Träume zu verwirklichen.

Im Film kann die Bildung gar Leben retten – und dennoch gilt sie in Williams Familie als Luxus. Spätestens wenn der Teenie abends kein Kerosin zum Lernen mehr "verschwenden" darf oder seine Schwester Annie aus Geldmangel nicht studieren gehen kann, bereut man als Zuschauer doch die eine oder andere Beschwerde, die man in der eigenen Schulzeit von sich gegeben hat.

Die Message der Lebensgeschichte Williams geht letztlich ganz im Einklang mit Konfuzius: "Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann, zu fischen, und du ernährst ihn für sein Leben." Oder eben: Gib einem Jungen eine grundlegende Bildung und Bücher und er wird zum Helden für sein ganzes Dorf.

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Ejiofor überzeugt vor und hinter der Kamera

Trotz dieser "Moral von der Geschicht" verliert "Der Junge, der den Wind einfing" nie seine größte Stärke: seine Glaubwürdigkeit.

Die hat das Drama zum einen dem starken Cast zu verdanken. Allen voran natürlich Chiwetel Ejiofor selbst, der als an Traditionen festhaltender Vater einmal mehr eine großartige Performance hinlegt. Aber auch Aïssa Maïga als Williams Mutter Agnes und Hauptdarsteller Maxwell Simba, der zum ersten Mal vor der Kamera steht, liefern eine durch und durch nahbare Darbietung ab.

Zum anderen lebt der neue Netflix-Film von seinen reduzierten Settings, den kahlen Räumen und weiten Landschaften, die nie vom eigentlichen Geschehen ablenken. Eine ebenso weise Entscheidung des Regie-Neulings Ejiofor wie der häufige Sprachwechsel in den Dialogen. Ich durfte den Film vorab in der Original-Vertonung sehen und der Wechsel zwischen gesprochenem Englisch und der Nationalsprache Malawis, Chichewa (mit Untertiteln), verdeutlichen noch einmal, wie ernst es Ejiofor damit war, das "echte" Malawi widerzuspiegeln.

Fazit: Frischer Wind auf Netflix

"Der Junge, der den Wind einfing" fällt sicherlich nicht unbedingt in die Kategorie "seichte Unterhaltung". Gerade zu Beginn lässt sich Chiwetel Ejiofor (zu) viel Zeit damit, die Lebensumstände der Farmer in Malawi zu beleuchten und das Thema "Bildung zur Selbsthilfe" zieht sich durch den ganzen Film.

Dennoch ist der Film eine willkommene Abwechslung vom klassischen Blockbuster-Kino im Hollywoodstil und trumpft mit einem starken Cast und einer absolut authentischen Inszenierung auf. Für mich in diesem Monat ein klares Must-see auf Netflix!

TURN ON-Wertung: 3,5/5

Der Junge, der den Wind einfing
Der Junge, der den Wind einfing
  • Datenblatt
  • Genre
    Drama, biografischer Film
  • Laufzeit
    1 Stunde 53 Minuten
  • Release
    1. März 2019
  • FSK
    12
Turn-On Score:
3,5
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