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"Der König der Löwen"-Kritik: Kann es wirklich Liebe sein?

Ob Zeichentrick oder Live-Action-Remake: "Der König der Löwen" zieht in jeder Form die Zuschauer in seinen Bann.

Mit der "Der König der Löwen"-Realverfilmung hat sich Jon Favreau einer Mammutaufgabe gestellt: Das Original aus dem Jahr 1994 ist der kommerziell erfolgreichste Zeichentrickfilm überhaupt. Umso größer war bei mir die Skepsis, ob ein Live-Action-Remake der Vorlage gerecht werden kann. Unsere Kritik gibt Aufschluss.

Der ewige Kreis des Lebens

Auf keine Realverfilmung von Disney habe ich mich so sehr gefreut wie auf "Der König der Löwen". Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an Jon Favreaus Werk. Der erste Trailer stimmte mich optimistisch, er war sehr nah am Zeichentrickklassiker. Eine gewisse Skepsis blieb dennoch: Der Film von 1994 ist nur 88 Minuten lang. Favreau hingegen hat sein Live-Action-Remake auf 118 Minuten aufgeblasen.

Und was soll ich sagen: Jon Favreau hat einen verdammt guten Job gemacht! Dass er Realverfilmungen beherrscht, bewies er 2016 mit "The Jungle Book". Mit "Der König der Löwen" hat er sich noch einmal übertroffen.

Über die Story will ich nicht viele Worte verlieren. Schließlich kennt jeder die Geschichte vom kleinen Löwen Simba, der seinen Vater verliert, von seinem bösen Onkel Scar vertrieben wird und am Ende dennoch seinen angestammten Platz im ewigen Kreis des Lebens einnimmt.

Sweet: Der junge Simba wird von JD McCrary gesprochen, Shahadi Wright Joseph spricht die junge Nala. fullscreen
Sweet: Der junge Simba wird von JD McCrary gesprochen, Shahadi Wright Joseph spricht die junge Nala.
Donald Glover spricht den erwachsenen Löwen Simba. fullscreen
Donald Glover spricht den erwachsenen Löwen Simba.
Beyoncé spricht die erwachsene Löwin Nala. fullscreen
Beyoncé spricht die erwachsene Löwin Nala.
Keegan-Michael Key spricht Kamari, Florence Kasumba ist Shenzi und Eric André leiht Azizi seine Stimme. fullscreen
Keegan-Michael Key spricht Kamari, Florence Kasumba ist Shenzi und Eric André leiht Azizi seine Stimme.
Chiwetel Ejiofor synchronisiert den Bösewicht Scar. fullscreen
Chiwetel Ejiofor synchronisiert den Bösewicht Scar.
Alfre Woodard spricht Sarabi, Simbas Mutter. fullscreen
Alfre Woodard spricht Sarabi, Simbas Mutter.
Timon wird von Billy Eichner synchronisiert, Seth Rogen spricht Pumbaa und John Oliver leiht Zazu seine Stimme. fullscreen
Timon wird von Billy Eichner synchronisiert, Seth Rogen spricht Pumbaa und John Oliver leiht Zazu seine Stimme.
Sweet: Der junge Simba wird von JD McCrary gesprochen, Shahadi Wright Joseph spricht die junge Nala.
Donald Glover spricht den erwachsenen Löwen Simba.
Beyoncé spricht die erwachsene Löwin Nala.
Keegan-Michael Key spricht Kamari, Florence Kasumba ist Shenzi und Eric André leiht Azizi seine Stimme.
Chiwetel Ejiofor synchronisiert den Bösewicht Scar.
Alfre Woodard spricht Sarabi, Simbas Mutter.
Timon wird von Billy Eichner synchronisiert, Seth Rogen spricht Pumbaa und John Oliver leiht Zazu seine Stimme.

"Der König der Löwen" als beeindruckende Tierdoku

Der Regisseur hat den Begriff "Realverfilmung" ernst genommen. Wenn wir außen vor lassen, dass "Der König der Löwen" voller sprechender Tiere ist, hat Favreau alle fantastischen Elemente aus dem Zeichentrickfilm gestrichen. Immer wieder wirkt das Remake wie eine atemberaubende Tierdokumentation. Die herausragende und detaillierte Optik der Tiere trifft auf authentische Verhaltensweisen!

Schon im Zeichentrickfilm wirkt das Verhalten der Löwen, Hyänen und anderen Tiere mehr oder weniger real. Die Realverfilmung geht einen großen Schritt weiter und weist dokumentarische Züge auf. Während Simba und Nala beispielsweise "I Just Can't Wait to be King" schmettern, rennen sie zwischen den Beinen der Herdentiere hin und her. Auf kunterbunte Tierpyramiden und Hüpftiraden über Giraffenköpfe hinweg wie im Zeichentrickfilm verzichtet Favreau zugunsten realistischer Szenerien.

So auch später, als Simba gemeinsam mit Nala, Timon und Pumbaa am Königsfelsen ankommt. Timon legt keinen Hula-Tanz zur Ablenkung der Hyänen hin, er posiert lediglich mit seinem besten Freund vor den gefräßigen Feinden – und stimmt "Sei hier Gast" aus "Die Schöne und das Biest" an. Ein Verweis auf die bisher erfolgreichste Realverfilmung der Disney-Filme.

Neu ist nicht immer besser: Die Musik

Ein zentrales Element war im Original der Soundtrack – das ist auch im Live-Action-Remake so. Erst die Musik trägt den Film, weshalb ich umso gespannter auf die Lieder war. Im Vorfeld wurde bekannt, dass Elton John, Hans Zimmer und Tim Rice wieder mitmischen. "Sie brauchen einen neuen Song für den Abspann", erklärte Elton John Ende 2018. Diesen Song hat er mit "Never Too Late" geliefert – und mich damit echt enttäuscht. Das Lied hat mich überhaupt nicht abgeholt und wirkt deplatziert. An "Can You Feel the Love Tonight" reicht der Song nicht ansatzweise heran. Schade eigentlich, denn wenn einer ein Hitgarant ist, dann Sir Elton John.

Besser kam Beyoncés neuer Song "Spirit" bei mir an. Er ist innerhalb des Films nur kurz zu hören, fügt sich aber besser in die Szenerie ein. Allerdings werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die Filmemacher gedacht haben: "Oh, Beyoncé ist im Cast. Schreiben wir ihr doch einen Song." In meinen Augen hätte sie auch "Halo" singen können. "Spirit" ist kein schlechter Song, ganz im Gegenteil. Aber er ist halt auch ein typischer Beyoncé-Song.

Zum Glück gibt es auch die Songs des Originals zu hören. "Circle of Life" sorgte gleich zu Beginn für Gänsehaut pur. "Be Prepared" hat mir auch sehr gut gefallen, obwohl der Song neu interpretiert worden ist. Nur hier und da blitzt das ursprüngliche Lied durch. Ich möchte aber fast behaupten, dass ich die neue Version besser finde als die von 1994. Bei "I Just Can't Wait to Be King" fehlt mir ein bisschen der Pep. Auf mich wirkt der Song ein wenig lahm. Zu guter Letzt gibt es natürlich auch "Can You Feel the Love Tonight" zu hören – und ich muss gestehen, dass mir die typischen Beyoncé-Schnörkel im Gesang ziemlich auf den Keks gegangen sind. Aber das ist eindeutig Geschmackssache.

Die wahren Stars in "Der König der Löwen"

Timon und Pumbaa habe ich bereits im Zeichentrickfilm sehr gefeiert. Im Remake ist das ungleiche Duo sogar noch lustiger. Die beiden sind dank der beiden Synchronsprecher Seth Rogen (Pumbaa) und Billy Eichner (Timon) die heimlichen Stars des Films –zumindest in der Originalfassung. Viele Zeilen sind fast eins zu eins aus dem Original übernommen und manchmal nur um einige Wörter ergänzt. Das reicht allerdings aus, um die Sprüche und Kommentare der beiden noch unterhaltsamer werden zu lassen.

Während ich Timon und Pumbaa beobachtete, habe ich mir gewünscht, dass Jon Favreau als Nächstes unbedingt "Der König der Löwen 3: Hakuna Matata" adaptiert. Der dritte Teil ist tausendmal besser als das direkte Sequel "Simbas Königreich".

Übrigens sind auch die beiden Hyänen Kamari und Azizi (im Original hießen sie noch Banzai und Ed) überraschend unterhaltsam. Azizi ist nicht mehr nur das sabbernde dritte Rad am Wagen, das kein Wort hervorbringt. Die Chemie zwischen den beiden ist großartig. Schade, dass sie nur so wenig Screen Time bekommen haben.

Käfer sollen bald für Simba zum Gaumenschmaus werden.
Zazu begleitet die beiden Löwenkinder überall hin. fullscreen
Zazu begleitet die beiden Löwenkinder überall hin.
Nächstes Mal sollten die beiden besser auf Mufasa hören ... fullscreen
Nächstes Mal sollten die beiden besser auf Mufasa hören ...
Scar ernennt sich nach Mufasas Tod kurzerhand selbst zum König der Löwen. fullscreen
Scar ernennt sich nach Mufasas Tod kurzerhand selbst zum König der Löwen.
Unterdessen chillt Simba mit Timon und Pumbaa im Dschungel. fullscreen
Unterdessen chillt Simba mit Timon und Pumbaa im Dschungel.
Käfer sollen bald für Simba zum Gaumenschmaus werden.
Zazu begleitet die beiden Löwenkinder überall hin.
Nächstes Mal sollten die beiden besser auf Mufasa hören ...
Scar ernennt sich nach Mufasas Tod kurzerhand selbst zum König der Löwen.
Unterdessen chillt Simba mit Timon und Pumbaa im Dschungel.

Fazit: Es kommt auf den Blickwinkel an

Ich muss gestehen, dass ich zwiegespalten bin, was mein endgültiges Urteil angeht. Mit einem neutraleren Blick ist das "Der König der Löwen"-Remake ein grandioser Film, der großen und kleinen Kinogängern gefallen wird. Es darf gelacht und geweint, mitgewippt und sich vor Spannung in den Kinosessel gekrallt werden. Optisch ist die Realverfilmung der absolute Wahnsinn und zeigt sehr deutlich, was per Computer alles möglich ist. In diesem Fall hätte der Film durchaus seine 4,5 von 5 Punkten verdient.

Aus Sicht des totalen "König der Löwen"-Fangirls mit übergroßer Nostalgie-Brille ist das Remake "nur" eine gelungene Neuverfilmung. Mir gefiel, dass Jon Favreau so nah am eh schon großartigen Drehbuch geblieben ist. Bei der Vorlage konnte er nicht viel falsch machen.

Die heimlichen Stars: Timon und Pumbaa. fullscreen
Die heimlichen Stars: Timon und Pumbaa.
Auch Anpirschen soll gelernt sein. Zazu muss als Testobjekt herhalten. fullscreen
Auch Anpirschen soll gelernt sein. Zazu muss als Testobjekt herhalten.
Mufasa zeigt seinem Sohn das Geweihte Land. fullscreen
Mufasa zeigt seinem Sohn das Geweihte Land.
Gleich erwartet Simba eine ordentliche Standpauke. fullscreen
Gleich erwartet Simba eine ordentliche Standpauke.
Die heimlichen Stars: Timon und Pumbaa.
Auch Anpirschen soll gelernt sein. Zazu muss als Testobjekt herhalten.
Mufasa zeigt seinem Sohn das Geweihte Land.
Gleich erwartet Simba eine ordentliche Standpauke.

Weniger gefallen hat mir, dass Favreau seine "Der König der Löwen"-Version unnötig in die Länge gezogen hat. Zudem haben die musikalischen Einspieler nicht immer gezündet. Ob das Remake überhaupt nötig ist, sei dahingestellt. Ohne Frage, der Film ist absolut sehenswert, und ich kann nur sagen: Geht ins Kino! Wer das Original aber so sehr liebt wie ich und auswendig mitsprechen kann, sollte seine Erwartungshaltung ein wenig herunterschrauben. Der emotionale Funke wollte zumindest bei mir nicht so recht überspringen ...

Kinostart
"Der König der Löwen" läuft ab dem 17. Juli in den deutschen Kinos.

Der König der Löwen
Der König der Löwen
  • Datenblatt
  • Genre
    Animation, Abenteuer, Drama
  • Laufzeit
    1 Stunde 58 Minuten
  • Release
    17. Juli 2019
  • FSK
    ab 6
TURN ON Score:
3,0von 5
Kommentare anzeigen (7)
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