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Kritik

"Emily in Paris" ist kein "Sex and the City" – aber trotzdem fabelhaft

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Ist sie eine zweite Carrie? Emily (Lily Collins) stürzt sich ins französische Großstadtleben. Bild: © CAROLE BETHUEL/NETFLIX 2020

Erinnerst Du Dich noch an die Zeit, als Carrie aus "Sex and the City" in Paris war? Ungefähr so fühlt sich die neue Netflix-Serie "Emily in Paris" an. Kein Wunder, immerhin ist "SATC"-Serienschöpfer Darren Star als Produzent beteiligt. Ich will die Serie deshalb allen ans Herz legen, die bereit sind, sich in ein Paris zu verlieben, wie es nur die Amerikaner inszenieren können. Und allen, die ein bisschen in alten "Sex and the City"-Erinnerungen schwelgen möchten.

Statt einer Frauenclique steht diesmal allerdings nur eine junge Frau im Mittelpunkt: US-Amerikanerin Emily, die es beruflich nach Paris verschlägt. Im Gepäck hat sie einen exzentrischen Modestil wie Carrie, einen Ehrgeiz wie Miranda und einen Optimismus wie Charlotte. Ganz so umtriebig wie Samantha ist sie zwar nicht, aber dafür liegt ganz viel l'amour in der Pariser Luft.

Eine Amerikanerin in Paris: die Story

Marketingmanagerin Emily (Lily Collins) kann sich auf eine Beförderung freuen, da ihre Chefin Madeline (Kate Walsh) einen begehrten Posten in Paris übernimmt. Doch als diese schwanger wird, muss Emily spontan einspringen – obwohl sie kein Wort Französisch spricht.

Für Emily geht mit der Reise nach Paris zwar ein Traum in Erfüllung, doch ihre französischen Kollegen begegnen der Amerikanerin zunächst mit Ablehnung. Bis sie sich den Respekt ihrer Chefin verdient hat, ist es ein langer Weg – und dieser ist natürlich mit zahlreichen Fettnäpfchen und amourösen Verwicklungen gepflastert. Vor allem die schönen Seiten ihres Abenteuers dokumentiert Emily auf ihrem Instagram-Account "Emily in Paris".

Geschichte nach Schema F – aber mit viel Charme

Die Story hat man so oder so ähnlich schon einige Male gesehen oder gelesen. Vollkommen vorhersehbar, gar keine Frage. Klar, dass Emily über kurz oder lang alle mit ihrer reizenden Art um den Finger wickelt. Klar, dass sie was mit ihrem attraktiven Nachbarn anfängt und ihr Pariser Abenteuer mit Bravour meistert. Um überrascht zu werden, guckt man eine Serie wie "Emily in Paris" auch nicht. Wenn es nach der Handlung ginge, müsste ich mir keine einzige Liebeskomödie mehr zu Gemüte führen. (Auch wenn ich ehrlich gesagt, nichts gegen etwas mehr Kreativität in dem Genre hätte.)

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Emily verschlägt es in die Stadt der Liebe. Bild: © COURTESY OF NETFLIX 2020
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Ihre Pariser Wohnung hat einen traumhaften Ausblick. Bild: © STEPHANIE BRANCHU/NETFLIX 2020
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Und auch der charmante Nachbar Gabriel gefällt der Amerikanerin. Bild: © STEPHANIE BRANCHU/NETFLIX 2020
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Ich gucke "Emily in Paris" für das Gesamtpaket. Dafür, dass Paris so wunderschön inszeniert wird, so wie wir die französische Hauptstadt aus US-Produktionen wie "Midnight in Paris" oder "Ratatouille" kennen. Kein Scherz: Emily vergleicht die Stadt tatsächlich an ihrem ersten Tag mit dem Animationsfilm mit der kochenden Ratte. Und dieser Vergleich liegt nahe, denn wir befinden uns mit "Emily in Paris" gefühlt in einem Disney-Märchen.

Das Abenteuer ruft unsere Heldin (nach Paris), es gibt (bei der Arbeit) Bewährungsproben zu bestehen und ein (vorläufiges) Happy End. Und das ist so schön anzusehen, da der "Midnight in Paris"-Produktionsdesigner auch bei "Emily in Paris" für das gewisse Etwas gesorgt hat.

Vive la France – Hübsch verpackte Vorurteile

Natürlich ist der Film auch die ideale Plattform, um die französische und amerikanische Lebensart in Form von Klischees aufeinanderprallen zu lassen. Der Arbeitstag vieler Franzosen beginnt erst nach zehn Uhr, die Mittagspausen gehen ewig und eine Affäre mit einem verheirateten Kunden ist nicht ungewöhnlich. Und natürlich sind die Pariser unglaublich unfreundlich. All diese Vorurteile werden auch in "Emily in Paris" abgespult und dem Enthusiasmus und der Überkorrektheit der jungen Amerikanerin gegenübergestellt.

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Chefin Sylvie macht aus ihrer Abneigung gegenüber Emily kein Geheimnis. Bild: © CAROLE BETHUEL/NETFLIX 2020
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Auch die anderen Kollegen beäugen Emilys Arbeit kritisch. Bild: © STEPHANIE BRANCHU/NETFLIX 2020
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Außenseiterin: Emily muss die französischen Kollegen erst von sich überzeugen. Bild: © CAROLE BETHUEL/NETFLIX 2020
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Das geschieht jedoch immer mit einem Augenzwinkern. Serienschöpfer Darren Star hat vor einigen Jahren selbst in Paris gelebt, um die volle Paris-Erfahrung zu machen. Die kulturellen Unterschiede, die in der Netflix-Serie für Amüsement sorgen, dürfte der Produzent demnach teilweise selbst erlebt haben.

Hauptdarstellerin Lily Collins wickelt mit ihrem Charme nicht nur ihre Kollegen, sondern auch den Zuschauer ein. Von Anfang an fühlen wir mit ihr mit, haben Mitleid und freuen uns über ihre Erfolge. Dabei hilft auch, dass Collins mit ihren über 30 Jahren noch aussieht wie Anfang 20, was zumindest bei mir den Beschützerinstinkt weckt.

Kein "Sex and the City", aber ein guter Lückenfüller

Doch ist "Emily in Paris" ein gelungener "Sex and the City"-Ersatz? Jein. Bettgeschichten sind nur Nebensache, das Zentrum des Geschehens ist keine Clique, auch wenn Emily mit der Zeit natürlich Freunde findet. Erwähnenswert ist vor allem die Bekanntschaft mit der quirligen Mindy (Ashley Park), die das millionenschwere Erbe ihres Vaters ausschlägt, um als Nanny in Paris zu leben. Doch sind wir mal ehrlich, Carries Paris-Abenteuer in den finalen Episoden der HBO-Serie gehören zu den deprimierendsten Folgen der ganzen Serie.

Die Kolumnistin begleitet ihren Partner in die Stadt der Liebe, fühlte sich aber trotz all des Luxus und Genusses ohne ihre Freundinnen verloren. Und auch wenn es Emily auf den ersten Blick schwerer zu haben scheint als Carrie, da sie sich beruflich beweisen muss, ist ihre Geschichte positiver. Die ganze Inszenierung wird mit einer Leichtigkeit erzählt, die sie zur idealen Alltagsflucht macht.

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Emily findet Freunde in der Französin Camille (Camille Razat) ... Bild: © CAROLE BETHUEL/NETFLIX 2020
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... und der Chinesin Mindy Chen (Ashley Park). Bild: © STEPHANIE BRANCHU/NETFLIX 2020
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Das wiederum hat auch "SATC" seinerzeit bei mir bewirkt. Aber während sich "Sex and the City" mit zunehmender Laufzeit auch mit ernsteren Themen befasst, ist "Emily in Paris" gefühlt noch in der Frisch-verliebt-Phase. Alles wird durch die rosarote Brille gesehen. Das Schlimmste, das passieren kann, ist, dass unsere Heldin mal das falsche Accessoire trägt.

Apropos: Der Kleidungsstil von Emily erinnert sehr an die mutigen Looks aus "Sex and the City". Kein Wunder, Darren Star hat Patricia Field als Kostümdesignerin engagiert. Ja, genau, die Patricia Field, die den unnachahmlichen Carrie-Look geprägt hat. Und allein Emilys Looks zu bestaunen, die für mich eine Mischung aus Charlotte und Carrie sind, macht einfach Spaß.

Fazit: Gute-Laune-Serie

Für Hardcore-Fans von "Sex and the City" wird kein Format an ihre Lieblingsserie heranreichen. Und "Emily in Paris" soll auch keine platte Kopie der Hitserie sein. Doch Serienschöpfer Darren Star nutzt natürlich ein bisschen von dem Feenstaub, der "SATC" umgibt, um auch seine neue Serie aufzuwerten. Sei es mit Kostümen, die an Carries Looks erinnern, seinem Paris-Bild oder der positiven Grundeinstellung. Alle, die gerne "Sex and the City", "Der Teufel trägt Prada", "Midnight in Paris" und nicht zu vergessen "Ratatouille" geguckt haben, werden auch bei "Emily in Paris" auf ihre Kosten kommen.

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"Emily in Paris" sorgt für blendende Stimmung. Bild: © CAROLE BETHUEL/NETFLIX 2020

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