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"For All Mankind"-Kritik: Der etwas andere Wettlauf zum Mond

For All Mankind Joel Kinnaman
For All Mankind Joel Kinnaman

Die Idee hinter "For All Mankind" ist so einfach wie genial: Wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn nicht die US-Amerikaner, sondern die UdSSR den Wettlauf zum Mond gewonnen hätten? Das Ergebnis gibt es aktuell auf Apple TV+ zu sehen. Ist die Umsetzung der Idee auch gelungen?

Die 1950er- und 1960er-Jahren waren von einem Wettkampf gezeichnet, der sich im Weltall ausgetragen hat. Welches Land bringt zuerst einen Menschen auf den Mond – die USA oder die UdSSR?

Während in der Realität bekanntlich die NASA siegreich war, spielt "For All Mankind" das umgekehrte Szenario durch: In der neuen Science-Fiction-Serie auf Apple-TV+ haben die Russen das Rennen gewonnen, ein Kosmonaut ist auf dem Mond gelandet.

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Edward Baldwin kann nicht glauben, was er da gerade im Fernsehen mit ansehen muss.

Amerika in Schockstarre

Die Auswirkungen sind gravierend, in den sonst so stolzen Vereinigte Staaten von Amerika herrscht der Ausnahmezustand. Im Radio ist von "einem der schockierendsten Ereignisse" die Rede. Und: "Das stellt alles in unserem Land auf den Kopf, und eines sage ich ihnen: Nichts wird mehr so sein wie früher!"

Und in der Tat ist nichts mehr wie zuvor. Bereits die ersten Minuten von "For All Mankind" machen deutlich: Die Amerikaner sind regelrecht in Schockstarre verfallen, da nicht wie geplant Neil Armstrong und Buzz Aldrin den "riesigen Sprung für die Menschheit" getätigt haben.

Wessen Geschichte wird hier erzählt?

Drei Folgen von "For All Mankind" gibt es aktuell zu sehen. In den ersten beiden Episoden "Roter Mond" und "Saturn V – Der Architekt" geht es vor allem um die Nachwirkungen der Niederlage. Es werden die wichtigsten Charaktere eingeführt, was direkt zum ersten Kritikpunkt führt: Es wird nicht richtig ersichtlich, wessen Geschichte "For All Mankind" überhaupt erzählt. Zunächst steht Astronaut Edward Baldwin (Joel Kinnaman) im Fokus, in den ersten beiden Episoden geht es vor allem um seine Handlungen und Entscheidungen.

Mit Margo Madison (Wrenn Schmidt) gibt es allerdings eine weitere zentrale Figur, deren Geschichte es wert ist, erzählt zu werden. Die Ingenieurin ist einer der klügsten Köpfe der NASA, muss sich allerdings ihren Traum lange Zeit von der Ersatzbank aus ansehen. Ihre männlichen Kollegen nehmen ihre Einwürfe und Vorschläge nicht ernst. Madisons Weg in die Schaltzentrale der Apollo-Missionen ist steinig, doch sie beißt sich durch.

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Margo Madison ist smarter als die meisten ihrer männlichen Kollegen.
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Auf zum Mond! Aber erst mal müssen die Pilotinnen die Ausbildung absolvieren.
For All Mankind
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In Folge 3, "Nixons Frauen", nimmt die Apple TV+-Serie eine komplett neue Wendung. Plötzlich geht es darum, dass US-Präsident Nixon die erste Astronautin auf den Mond schicken will –denn auch hier waren die Russen wieder schneller. Ein spezielles Ausbildungsprogramm soll versierten Pilotinnen die Chance auf die Reise zum Mond eröffnen. Allerdings dürfen sie nicht zu alt sein. Und hübsch müssen die Kandidatinnen auch sein.

"For All Mankind" fängt den Zeitgeist der 60er ein

Eines muss man den Serienschöpfern Ronald D. Moore ("Battlestar Galactica", "Star Trek"), Ben Nedivi und Matt Wolpert (beide "Fargo", "The Umbrella Academy") lassen: Sie fangen den Zeitgeist der 1960er-Jahre wunderbar ein. Die Set-Designer und Kostümbildner haben bei "For All Mankind" ganze Arbeit geleistet.

Positiv ist zudem zu erwähnen, dass die Showrunner einen starken Fokus auf die Situation der Frauen in den Sechzigern legen. Auf der einen Seite gibt es die Hausfrauen, die sich tagtäglich um die Kinder kümmern und dafür sorgen, dass das Essen rechtzeitig auf dem Tisch steht. Doch es gibt auch Frauen, die Karriere machen wollen. Die es auf den Mond zieht. Oder die anderweitig bei der NASA Erfolg haben und ernst genommen werden wollen.

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Astronaut Gordo Stevens unterstützt seine Frau darin, zum Mond zu reisen.

Mix aus Fiktion und Realität

Moore, Nedivi und Wolpert vermischen gekonnt Realität mit Fiktion, indem sie immer wieder TV-Archivmaterial, authentische Fotos sowie Reden von Nixon einflechten. Hinzukommt, dass viele der Figuren wirklich existiert haben oder noch am Leben sind. Allen voran Buzz Aldrin, Neil Armstrong und der umstrittene deutsche Raketeningenieur Wernher von Braun, in der Serie gespielt von Colm Feore.

Was mir auch gefällt: Endlich wurde bei Szenen im Weltall beachtet, dass es sich um luftleeren Raum handelt. Bedeutet: Geräusche sind partout nicht zu hören. Ein kleines, aber feines Detail, das in vielen Filmen und Serien vernachlässigt wird.

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Während seiner Apollo-10-Mission wäre Baldwin beinahe selbst auf dem Mond gelandet.

Fazit: "For All Mankind" hat Luft nach oben

"For All Mankind" ist anzumerken, dass das Budget hoch war. Optisch lässt die Apple-TV+-Serie keine Wünsche übrig. Für die Story und Charaktere gilt das aber nicht: Die Serie führt zu viele Figuren ein, ohne einen klaren Fokus zu setzen. Zudem kommen die ersten beiden Episoden nicht richtig in Fahrt.

Mit der dritten Episode wird "For All Mankind" interessanter. Die Frage ist allerdings, ob die geplanten zehn Episoden die einzelnen Handlungsstränge der Figuren nachvollziehbar zusammenführen und ob die Serie zum Ende hin einen sinnvollen Bogen schlägt.

Sendehinweis
Die ersten drei Episoden "For All Mankind" stehen seit 1. November auf dem neuen Streamingdienst Apple TV+ zum Abruf bereit. Wöchentlich wird eine neue Folge veröffentlicht.

TURN ON-Score: 3/5

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