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"Game of Thrones"-Review: Das Abschiedslied von Eis und Feuer

Verwüstung, wohin das Auge reicht.
Verwüstung, wohin das Auge reicht.

Schluss, aus, Ende im Gelände: Die "Game of Thrones"-Saga ist auserzählt – zumindest als TV-Serie. Der Kampf um den Eisernen Thron ist ausgefochten, das Fantasy-Epos beendet. Wir rekapitulieren noch einmal das große Finale und dröseln auf, was wir in Episode 6, "Der Eiserne Thron", gesehen haben.

Achtung, Spoiler!
Der folgende Text steckt natürlich voller Spoiler zur sechsten "Game of Thrones"-Episode, aber auch zur bisherigen Staffel 8. Du liest auf eigene Gefahr weiter.

Kollege Wolf ist für das finale Recap leider verhindert, weshalb ich noch einmal in die Tasten haue. Kleine Warnung vorweg: Ich versuche, mich kurz zu fassen. Allerdings handelt es sich ums "Game of Thrones"-Finale. Umso ausführlicher sollten wir diese Episode auseinandernehmen, oder?

Finale, ohoooo

Ein letztes Mal läuft das "Game of Thrones"-Intro, wieder in einer leicht abgeänderten Version. Die Kämpfe in Winterfell und Königsmund haben ihre Spuren hinterlassen, die Gemäuer sind zerstört, ebenso der Thronsaal. Das bunte Fenster, auf dem der Löwe, das Wappentier der Lannisters, brüllte, ist zerborsten. Schöne Details, doch ich muss feststellen, dass mich all das ziemlich kalt lässt. Mein einziger Gedanke: "Okay, ziehen wir es ein letztes Mal durch!" Ja, auch ich bin von Staffel 8 sehr enttäuscht, aber das Finale hatte immerhin einige gute Momente. Doch der Reihe nach.

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Fassungslosigkeit bei allen Beteiligten – allen voran Tyrion Lannister.

In Königsmund steht Tyrion, Ser Davos und Jon Snow das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Noch immer regnet Asche vom Himmel, verbrannte Leichen säumen die Straßen. Plötzlich steht Tyrion vor den verkohlten Überresten der Mutter und ihrem Kind, die Arya in der vorherigen Folge noch zu retten versuchte.

Wer suchet, der findet

Während Jon Snow mit Grauer Wurm über den Sinn und Zweck debattiert, besiegte Lannister-Soldaten zu töten, begibt sich Tyrion auf die Suche nach seinen Geschwistern. Als er sie findet, bin ich etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite zeigt sich das schauspielerische Talent von Peter Dinklage. Doch bevor ich mich von den Emotionen mitreißen lasse: Auf der anderen Seite störe ich mich daran, dass Jaime und Cersei nahezu unversehrt unter den Trümmern liegen. Die wurden von einem kompletten Deckengewölbe erschlagen und haben nur ein paar Kratzer? Das hat mir die Szene leider ein bisschen kaputt gemacht.

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"Ich bin im Recht!" –"Nein, ich!" –"Gar nicht wahr!" –"Wohl wahr!"

Brauchte das Pferd nur etwas Auslauf?

Auch Arya verweilt noch in Königsmund, und ich frage mich: Was zur Hölle sollte dann die Szene aus Episode 5, in der sie am Ende auf einem Schimmel aus der Stadt flieht? Nur, um sich kurz hinter den Mauern zu überlegen, dass sie wieder zurück will? Nun gut, einfach nicht weiter darüber nachdenken – haben D. B. Weiss und David Benioff ja offenbar auch nicht.

Die Mad Queen auf ihrem Höhepunkt

Die Versammlung vor der großen Treppe in Königsmund hatte dafür einige coole Momente. Es war zwar ein Wink mit dem Betonpfosten, aber als Daenerys Targaryen auf ihre Anhänger zugeht und im Hintergrund Drogon seine Flügel spannt, sieht das schon ziemlich beeindruckend aus. Dany ist nicht mehr nur die Mutter der Drachen, sie ist selbst zu einem geworden: Von Macht berauscht, zerstörerisch und alles andere als fertig mit dem Eroberungsfeldzug – die überdeutliche Nazi-Symbolik der ganzen Szene hämmert mir den Wandel zur Mad Queen mit einem weiteren Betonpfosten ein.

Die Unbefleckten und die Dothraki ... fullscreen
Die Unbefleckten und die Dothraki ...
... kleben ihrer Königin förmlich an den Lippen. fullscreen
... kleben ihrer Königin förmlich an den Lippen.
Die Unbefleckten und die Dothraki ...
... kleben ihrer Königin förmlich an den Lippen.

Dann allerdings unweigerlich die Frage: Woher kommen die vielen Dothraki? In Episode 3 hatte Daenerys nahezu das gesamte Volk an die Weißen Wanderer verfüttert, und nur wenige kamen zurück. Jetzt ist der halbe Platz voller Reiter. Hat sie noch ein paar Männer per Schiff kommen lassen, oder wo hat sie die hergezaubert?

Ziemlich cooler Move hingegen von Tyrion, der sich seiner Königin stellt und vor versammelter Mannschaft seinen Posten als Hand abgibt. Nachdem Dany ihn des Verrats beschuldigt, kontert er entschlossen mit dem Massenmord, den sie begangen hat. Statt ihn zu töten (was angesichts ihrer Stimmungslage angemessen erscheinen würde), nimmt sie ihn gefangen.

Ein Gespräch unter Männern

Eine der stärksten Szenen der finalen Episode findet zwischen Tyrion und Jon statt. Tyrion will Jon erneut davon überzeugen, dass Daenerys keine gute Königin ist und nur Tod und Verderben über die Menschen bringt. Aber keine Chance, Jon bleibt stur: "Meine Königin ... bla, bla, bla." Seine blinde und naive Loyalität geht mir in Staffel 8 zugegebenermaßen ein bisschen auf den Keks. Ja, Jon, Du willst den Thron nicht, aber dass Dany eine Tyrannin ist, solltest selbst Du inzwischen verstanden haben. Erst als Tyrion darauf hinweist, dass nun auch Sansa in Gefahr ist, scheint es bei Jon zu klicken.

Der alles entscheidende Moment

Als sich Jon auf den Weg zu Daenerys macht, wacht plötzlich Drogon unter einem gigantischen Schneeberg auf. Ich fand das Meme mit dem "Dark Souls"-Vergleich großartig, aber auch so war es ein starker Moment. Getreu dem Motto: "Ach, du bist es nur. Alles klar, geh rein." Ob Drogon geahnt hat, was passieren wird? Dazu später mehr ...

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Denn erst einmal spiegelte die Szene mit Daenerys im Thronsaal eine frühere Szene wider. Damals träumte die Mutter der Drachen davon, endlich den Thron zu besteigen. Bevor sie jedoch in die Nähe kam, erwachte sie. Dieses Mal gelingt es ihr, den Thron anzufassen.  (Nope, lasst mich mit der Maniküre-Debatte in Ruhe!) Ein erster Sitztest bleibt ihr jedoch verwehrt, Jon Snow betritt den Raum.

Und es kommt, wie es kommen muss: Jon Snow tötet Daenerys. Ehrlicher gesagt: Einen anderen Ausgang hätte es gar nicht geben können. Die Mad Queen ist tot, und ich kann nur sagen: endlich!

Drogon ist klüger als alle in Westeros

Allerdings hat Jon Snow die Rechnung ohne Drogon gemacht. Der scheint zu spüren, dass es im Thronsaal nicht mit rechten Dingen zugeht. Ein bisschen rührend ist es schon, als dieser gigantische Drache sanft seine "Mutter" anstupst, nur um zu erkennen, dass sie tot ist.

All seine Trauer, all seinen Frust (immerhin hat er schon seine beiden Geschwister verloren) kanalisiert er in einem Feuersturm, den er allerdings nicht gegen Jon, sondern gegen den Eisernen Thron richtet. Ein Moment, in dem mir der Gedanke durch den Kopf schoss, dass Drogon möglicherweise das klügste Wesen von "Game of Thrones" ist. Der Eiserne Thron hat von Anfang an nur das Schlimmste in den Menschen hervorgebracht. Das Streben nach Macht, die Gier nach Einfluss – all das dank eines langen Atemzugs ausgelöscht. Passend auch, dass der Thron einst mit dem Feuer des ersten Drachen geschmiedet wurde und nun durch das Feuer des letzten Drachens wieder zerstört wird.

Kollege Wolf hat also Recht behalten: Am Ende wird niemand auf dem Eisernen Thron landen!

Zeitsprung: Wie geht's jetzt weiter?

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Gut rausgeredet, Tyrion.

Mehrere Wochen hat Tyrion im Gefängnis verbracht und wird nun den Lords und Ladys von Westeros vorgeführt. Sie sollen entscheiden, was mit dem Verräter geschieht. Als Meister der Worte schafft er es, sich aus der Situation herauszureden, indem er die Machtfrage stellt: Wer darf darüber entscheiden, welche Strafe ihm widerfährt?

Am Ende einigen sich alle nach einem Hinweis von Tyrion, dass Bran der neue König sein sollte. Nun gut, alle bis auf eine: Sansa! Sie besteht weiterhin auf den unabhängigen Norden und akzeptiert ihren Bruder zwar als König – allerdings nicht was Winterfell betrifft.

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Lang lebe der König (der gar keiner sein will)!

Überraschenderweise wird das einfach so akzeptiert. Keine Diskussion, kein anderes Haus, das Bedenken äußert oder selbst auf Unabhängigkeit besteht. Außerdem schafft Tyrion auch mal eben das alte Erbkönigtum ab und führt ein, dass Monarchen fortan unabhängig von der Abstammung von den Lords und Ladys gewählt werden. Na, wenn das so einfach ist ...

Interessant finde ich auch den Sinneswandel von Grauer Wurm: Erst will er am liebsten selbst dafür sorgen, dass Tyrion seine gerechte Strafe erhält, immerhin haben er und die Unbefleckten das Sagen in Königsmund. Dann wird Bran zum König ernannt, und er hat keinerlei Einwände?!

Ähnlich wie Tyrion fristet auch Jon Snow sein Dasein im Gefängnis. Der Mörder der Königin wurde noch nicht hingerichtet, wartet auf sein Urteil. Da Tyrion zur Hand des Königs ernannt wurde ("Strafe" muss sein!), konnte er einen Kompromiss aushandeln: Jon muss zurück zur Nachtwache. Ja, es gibt sie noch. Bastarde brauchen schließlich nach wie vor einen Platz zum Leben, wie Tyrion anmerkt.

Mittelerde lässt grüßen

Am Ende heißt es für Jon also: ab nach Norden. Interessant zu sehen, dass seine Rückkehr mit einer Änderung seines Äußeren einhergeht. Wie früher trägt er sein Haar wieder offen. Zufall?

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Zurück zur Nachtwache, zurück zum alten Look.

Doch zunächst der Abschied von seiner Familie: Für Sansa geht es zurück nach Winterfell, während Bran als König in Königsmund bleibt. Und Arya? Die Einladung von Jon, sie an der Mauer besuchen zu kommen, schlägt sie aus. Sie hat andere Pläne, will in den Westen reisen und erkunden, was jenseits der kartografierten Ländereien liegt.

Die Unbefleckten reisen, wie von Grauer Wurm zuvor versprochen, nach dem Ende des Kriegs nach Naath, in die Heimat von Missandei.

Inception in Königsmund

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Brienne beendet die Geschichte von Ser Jaime – etwas heroischer als sie war.

Tyrion bastelt sich seinen eigenen Rat, der zu Beginn aus Bronn, Ser Davos, Brienne und Sam besteht. Letzterer hat die Geschichte des Eisernen Throns zu Ende geschrieben und legt sie der Hand des Königs vor: "Das Lied von Eis und Feuer" steht auf dem Buch.

An der Mauer trifft unterdessen Jon Snow ein, und es gibt nicht nur ein Wiedersehen mit Tormund, sondern auch mit Geist! Fanservice pur, aber mich hat's gefreut. Den lieblosen Abschied zuvor hätte ich partout nicht akzeptiert!

Ich weiß nicht, wem es noch aufgefallen ist, aber ich fand es spannend, dass "Game of Thrones" mit der gleichen Szene endet, mit der die Serie angefangen hat: mit Männern der Nachtwache an der Mauer. Damit ist die Wacht beendet. Endgültig.

Fazit zum "Game of Thrones"-Finale

Keine Frage, von einer starken achten Staffel kann nicht die Rede sein. Benioff und Weiss liefern zwar gute Ansätze, lassen sich aber viel zu wenig Zeit. Allein das große Finale hätte sich locker über eine komplette Staffel erstrecken können. So wirken viele Entscheidungen und Handlungen überstürzt und willkürlich.

Abseits all der negativen Kritik sowie der akribischen Fehlersuche nach Kaffeebechern, Wasserflaschen und möglichen Terminen zur Maniküre habe ich "Der Eiserne Thron" als akzeptables Ende empfunden. Natürlich gab es diverse Momente, in denen ich die Stirn runzeln musste, natürlich hat die Episode zahlreiche Fragen aufgeworfen. Doch mit vielen Entscheidungen kann ich leben – und das ist mehr, als ich über viele andere Folgen von Staffel 8 sagen könnte.

Noch ein paar allerletzte Gedanken

  • Die Starks haben ihren Platz gefunden, die Unbefleckten reisen nach Naath – und was machen die Dothraki? Nach der Rede von Daenerys werden die tapferen Reiter mit keiner Silbe mehr erwähnt.
  • Wie Sansa Edmure Tully abgewatscht hat, habe ich ziemlich gefeiert! Die Wurst.
  • Bran der Fuchs wusste natürlich um sein königliches Schicksal.
  • Podric ist endlich ein Ritter.
  • Wo ist Drogon? Und überhaupt: Wie klug sind Drachen? Haben sie einen Gerechtigkeitssinn? Hat Drogon das Spiel von Anfang an durchschaut? Das schreit nach einem Spin-off ... just sayin'.
  • Warum genau saßen eigentlich Ser Davos und Sam in der illustren Tribunal-Runde am Ende?
  • Kann ich bitte die Nummer von Daenerys Friseur bekommen? Der dürfte jetzt ein paar Termine frei haben.
  • Bronn als Meister der Münze? Ernsthaft? Königsmund hat offenbar Geld zu verschenken ...

TURN ON-Wertung: 2,5/5

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