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"Game of Thrones"-Review: Mit dem Rücken zur Wand

In Episode 3 der finalen Staffel kam es endlich zum Showdown mit dem Nachtkönig ... – und die Starks waren mittendrin!
In Episode 3 der finalen Staffel kam es endlich zum Showdown mit dem Nachtkönig ... – und die Starks waren mittendrin!

Winterfell liegt in Schutt und Asche. Viel ist von der einstigen Festung im hohen Norden von Westeros nicht übrig, die Weißen Wanderer haben ganze Arbeit geleistet. In der dritten "Game of Thrones"-Episode von Staffel 8 wurde wenig geredet und viel gekämpft. Was noch so passiert ist, erfährst Du in unserem Recap.

Achtung, Spoiler!
Der folgende Artikel ist voller Spoiler zu den bisherigen "Game of Thrones"-Folgen von Staffel 8 inklusive "Schlacht um Winterfell". Weiterlesen also auf eigene Gefahr.

Falls Du Dich fragst, wo das aktuelle "Game of Thrones"-Recap von Wolf bleibt: In dieser Woche werde ich meinen Kollegen vertreten, da er gerade in geheimer Mission für TURN ON in Amerika unterwegs ist. Was er dort tut? Lass Dich überraschen.

Jeder macht das, was er am besten kann

Viel Zeit der Ruhe gibt uns Regisseur Miguel Sapochnik nicht: Er wirft uns direkt ins Geschehen, mitten in die Vorbereitungen zur "Schlacht um Winterfell" (wie der Titel der Episode passenderweise heißt). Es werden Waffen verteilt, Plätze eingenommen – und mittendrin ist ein völlig verängstigter Samwell Tarly. I feel you, Bro! In seiner Haut möchte ich nicht stecken, immerhin ist er einer der wenigen, die wissen, wie es sich anfühlt, gegen einen Weißen Wanderer zu kämpfen.

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Sam (rechts) blickt der Schlacht um Winterfell ängstlich entgegen.

So nimmt also jeder seinen Platz ein: Einige Soldaten bemannen die Mauern von Winterfell, Tyrion ergibt sich seinem Schicksal und verdrückt sich mit reichlich Wein in die Krypta, Bran wird als Lockmittel von Theon in den Hain gebracht und Kämpfer wie Jaime Lannister, Brienne von Tarth, Sandor Clegane, Jorah Mormont und Co. stellen sich dem Feind direkt auf dem Feld. Bis ein ungebetener Gast  (zumindest, wenn es nach Arya und Ser Davos geht) ankommt ...

Lady in Red

Melisandre! Aus Richtung der Weißen Wanderer kommend steht sie plötzlich vor Ser Jorah Mormont und lässt ein bisschen Magie wirken. Mit Feuer kann sie ja gut, wie sie ein ums andere Mal in den bisherigen "Game of Thrones"-Staffeln unter Beweis gestellt hat. Und da die Eiszombies bekanntermaßen keine großen Befürworter von Hitze sind, setzt sie die Klingen der Dothraki in Flammen. Jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?

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Ready to rumble!

Das denken sich offenbar auch Jon Snow und Daenerys Targaryen, die gemeinsam mit ihren Drachen vom Berg aus das Geschehen überblicken. Ein bisschen wie Autokino, oder? Sichtlich stolz blickt die Drachenkönigin auf ihre Soldaten, die mit brennenden Klingen auf die Weißen Wanderer zustürmen. Der Stolz wechselt allerdings schnell in Entsetzen, als sie feststellen muss, dass sie ihre tapferen Krieger unter Führung von Ser Jorah in den sicheren Tod geschickt hat und nur wenige von ihnen nach kürzester Zeit wieder zurück nach Winterfell flüchten. Für die Motivation der übrigen Soldaten nicht sonderlich hilfreich ...

Und was macht Daenerys? Vor lauter Wut schnappt sie sich ihren Drachen und haut den eigentlichen Plan über den Haufen. Good job, Dany. Du wirst schon sehen, dass das keine gute Entscheidung war.

Action vom Feinsten

Filmisch lässt sich nichts anderes sagen, als dass die Episode "Schlacht um Winterfell" unglaublich gut umgesetzt wurde. Klar, der eine oder andere mag sagen, dass 80 Minuten reines Gemetzel zu viel des Guten und auf Dauer zu eintönig sind. Doch Regisseur Sapochnik ist es gelungen, eine äußerst kurzweilige Folge zu drehen – und das, ohne große Dialoge zu verwenden. In der gesamten Episode wird kaum ein Wort gesprochen. Ist auch besser so, davon gab es in den ersten beiden Folgen von Staffel 8 viel zu viel.

Zudem hat der Regisseur für Abwechslung gesorgt, indem er die Schlacht nicht nur draußen auf dem weiten Feld stattfinden lässt, sondern die Kämpfe auch ins Innere von Winterfell verlagert. Besonders die Verfolgungsjagd von Arya im Inneren der Gemäuer fand ich äußerst beklemmend. Auf der einen Seite bin ich mir natürlich bewusst, dass sie ihr einstiges Zuhause in- und auswendig kennt und genau weiß, wie und wohin sie am besten flüchten kann. Doch das schützt sie nicht vor plötzlich durch die Türen brechende Weiße Wanderer.

Arya im Alleingang

Überhaupt hat mir die Storyline von Arya in der "Schlacht um Winterfell" ziemlich gut gefallen. Sorry Wolf, aber Deine Abneigung gegenüber Arya kann ich nicht teilen. Ich hatte großen Spaß, ihr dabei zuzusehen, wie sie zunächst ihre Skills gegen die Weißen Wanderer einsetzt, was selbst Ser Davos zum Staunen bringt. Und ausgerechnet sie ist es, die den resignierten Sandor Clegane wieder dazu bewegt, um sein und das Leben aller zu kämpfen. Ich wusste schon seit der gemeinsamen Reise der beiden, dass sie sich eigentlich ziemlich gut leiden können, nur nicht über ihren Schatten springen können. So hechtet Sandor direkt zu Arya, als ihr die Weißen Wanderer auf den Fersen sind. Hegt da jemand Vatergefühle?

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer fullscreen
Sie können nicht mit, aber auch nicht ohne einander: Sandor Clegane und Arya Stark.

Am Ende ist es allerdings Melisandre, die Arya dazu veranlasst, sich auf ihr Können zu verlassen. "Was sagen wir dem Gott des Todes?", fragt Melisandre die junge Stark-Tochter. "Nicht heute", erwidert diese und macht sich auf den Weg. Wohin? Wir werden es schon bald sehen ...

"Die letzten Jedi" lassen grüßen

Jetzt mal Butter bei die Fische: Dachte Dany wirklich, dass sich der Nachtkönig mit ein bisschen Drachenfeuer töten lässt? Als sie ihn zu Asche zu verarbeiten versucht , war mir direkt klar, dass das nichts werden kann. Hat sie nicht "Star Wars: Die letzten Jedi" gesehen? Auch Kylo Ren hat so etwas bei Luke Skywalker probiert – und ist kläglich gescheitert. Ja, die Gegebenheiten waren andere, aber dass das nichts werden würde, war doch von Anfang an klar. Es ist der Nachtkönig! Hallo?! Einmal mit Profis ...

Game of Thrones Nachtkönig Hartheim fullscreen
Mich mit Feuer töten? Ich denke nicht ...

Peek-a-boo! Ja, wer bist denn Du?

Zum Ende von Episode 3 wissen wir auch, wohin Arya gerannt ist: Zu ihrem Bruder Bran, der noch immer im Hain sitzt. Inzwischen aber von Angesicht zu Angesicht mit dem Nachtkönig. Und während der im Begriff ist, Bran mit seinem Schwert zu erledigen, kommt Arya mit einem absoluten Bitchmove um die Ecke und stürzt sich auf den Nachtkönig. Der riecht zwar zunächst den Braten und fängt Arya im Flug ab. Doch am Ende hat er das Nachsehen ...

Fazit: Endlich knallt's!

Wer in den vergangenen Wochen die fehlende Action bemängelt hat, bekam sie nun doppelt und dreifach um die Ohren gehauen. Zuvor war es buchstäblich die Ruhe vor dem Eissturm, wie mein Kollege Wolf vergangene Woche ganz richtig geschrieben hat.

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer fullscreen
Winterfell ist wieder sicher ... vorerst!

Der Sturm erreichte nun Winterfell – und traf den Norden mit voller Wucht! Beric Dondarrion, Ser Jorah Mormont, Lyanna Mormont, Melisandre, Theon Graufreud, Edd und der Nachtkönig haben die "Schlacht um Winterfell" nicht überlebt. Herbe Verluste, keine Frage. Allerdings hat es wieder keine der Hauptfiguren getroffen. Nicht, dass ich es ihnen wünsche, und ich gebe zu: Der Tod von Tyrion, Sansa, Arya, Jon oder Daenerys würde mich schwer treffen. Doch das war es immer, was "Game of Thrones" ausgemacht hat. Überraschende Tode von Figuren, von denen man es nicht erwartet hätte. Die sieben Verluste sind schwer, waren aber auch abzusehen.

Ich bin wirklich gespannt, was in den kommenden drei Episoden passieren wird. Eigentlich dachte ich, dass der Nachtkönig die größte Gefahr für Westeros darstellt. Für mich war der Kampf auch zu einfach. So lange wurde auf die Auseinandersetzung mit dem Nachtkönig hingearbeitet, so viele Menschen sind gestorben ... Und dann kommt Arya, springt ihn an, trickst ihn aus, tötet ihn, und alles zerfällt zu Eiskristallen? Echt jetzt?

Nun ist es also Cersei, die das größte Übel darstellt ... Nun gut. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll . Also harren wir der Dinge, die da kommen mögen.

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer fullscreen
Auf nach Königsmund!

Ich hätte da noch ein paar Fragen ...

Alles schön und gut – wären da nicht ein paar Ungereimtheiten, die mir etwas sauer aufgestoßen sind. Rein filmisch und was die Effekte betrifft, ist "Schlacht um Winterfell" locker eine 4,5/5. Doch die Folge warf auch einige Fragen auf bzw. weckte Fassungslosigkeit in mir.

Zunächst einmal die Frage: Warum werden die Dothraki als Minenfutter vorweg geschickt? Sind sie Daenerys so wenig wert, dass sie diese regelrecht opfert? Oder dachte sie ernsthaft, dass die paar Soldaten die Weißen Wanderer im Alleingang umlegen?

Und warum zum Henker haben sich Daenerys und Jon so lange Zeit gelassen, um sich auf ihre Drachen zu schwingen? Als sie das Schlachtfeld erreicht haben, haben sie doch gezeigt, dass sie einen Großteil der Weißen Wanderer per Feueratem zu Asche verarbeiten können. Warum also so lange warten und Soldaten opfern? Ich verstehe es einfach nicht ...

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Drogon und Rhaegal haben ganz schön einstecken müssen ...

Dann die Sache mit Arya in Winterfell: Sie schleicht sich in der Halle von A nach B, und keinem fällt es auf. Okay, sie hat gelernt, im Stillen zu agieren. Aber selbst die leisesten Schritte können die Weißen Wanderer nicht hören, dafür aber, wenn ein kleines bisschen Blut von Arya auf den Boden tropft? Das ergibt einfach keinen Sinn ...

Und apropos Arya: Ja, sie ist super leise und eine astreine Kämpferin. Aber wie bitte kam sie unbemerkt an den Weißen Wanderern im Hain vorbei, sodass sie von oben auf den Nachtkönig springen konnte? Aryas Skills in allen Ehren ... Aber das?!

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Wollte er nur die Aussicht genießen?

Was ging eigentlich mit Bran ab? Zu Beginn der Folge verwandelte er sich zum Raben, um herauszufinden, wo der Nachtkönig weilt. Doch was dann?! Er hat doch mit Sicherheit herausgefunden, wo er sich aufhält. Wieso hat er seine Vision nicht abgebrochen und Theon oder gar Jon Snow verraten, wie nah der Nachtkönig ist? Oder hat er noch irgendwas gesehen, was wir erst in den nächsten Episoden erfahren?

Wo ist Geist? Er rannte mit Ser Jorah und den Dothraki zu den Weißen Wanderern. Im Gegensatz zu einigen wenigen anderen kehrte er jedoch nicht mehr zurück ...

Hat Rhaegal überlebt? Der Drachenkampf sah ziemlich übel aus, und nach der Bruchlandung könnte es ein böses Ende für ihn gegeben haben. Der Kampf zwischen Rhaegal, Viserion und Drogon war aber extrem cool!

TURN ON-Wertung: 4/5

Sendehinweis
Sky zeigt die achte Staffel von "Game of Thrones" ab dem 15. April parallel zur US-Ausstrahlung. Die letzte Season hat sechs Folgen in Spielfilmlänge.

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