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Game of Thrones Staffel 7 Episode 3 Review: Die Luft wird dünner

Willkommen auf Drachenstein! In Episode 3 kommt Jon Snow bei Daenerys zu Besuch.
Willkommen auf Drachenstein! In Episode 3 kommt Jon Snow bei Daenerys zu Besuch. (©Macall B. Polay/HBO 2017)

Es ist wieder Zeit für eine neue Portion "Game of Thrones". War zuletzt noch unklar, auf wen sich der Titel von Episode 3, "Die Gerechtigkeit der Königin" bezieht, haben wir nun endlich die Antwort erhalten. Und nicht nur diese Frage wurde geklärt.

Achtung, Spoiler! Wie immer warnen wir an dieser Stelle vor detaillierten Informationen zur aktuellen "Game of Thrones"-Folge von Staffel 7. Weiterlesen also auf eigene Gefahr.

"Game of Thrones" gibt langsam Gas und fackelt nicht lang. Die Zeitsprünge, die in Episode 3 gemacht wurden, lassen uns das eh schon schwer zu fassende Zeitgefühl nun gänzlich aus den Fingern gleiten.

Was für ein Kindergarten

Endlich war es soweit. Sieben Staffeln mussten wir warten, aber Episode 3 brachte uns nun das lang ersehnte Zusammentreffen von Jon Snow und Daenerys Targaryen. Aber ich muss gestehen, ich hatte es mir irgendwie anders vorgestellt. Lockerer. Entspannter. Stattdessen lag so viel Spannung in der Luft, dass ich die ganze Zeit das Gefühl hatte: Gleich rastet einer der beiden aus. Wobei ich ehrlicherweise gestehen muss, dass ich eher damit gerechnet habe, dass Daenerys irgendeinen unvorhergesehenen Schritt macht und Jon Snow ins Gefängnis wirft. Angekratztes Ego und so ...

 Daenerys will, dass Jon Snow vor ihr kniet. Der findet die Idee aber nicht so prickelnd. fullscreen
Daenerys will, dass Jon Snow vor ihr kniet. Der findet die Idee aber nicht so prickelnd. (©HELEN SLOAN/HBO/Sky 2017)

Glücklicherweise kam es nicht dazu. Ganz im Gegenteil: Dank Tyrion Lannister hat am Ende sogar jeder bekommen, was ihm lieb ist. Jon Snow darf fleißig Drachenglas abbauen, Daenerys kann sich dafür seiner Unterstützung sicher sein. Und das, obwohl der König des Nordens alle Beteiligten am Krieg um den Eisernen Thron als Kindergartenkinder bezeichnet hat, die das Wesentliche aus den Augen verloren haben. Aber mal ehrlich: Sandkuchen backen oder den anderen ihre Förmchen klauen, ist auch einfach viel spannender als gegen irgendwelche ominösen weißen Sagengestalten aus dem Norden zu kämpfen ...

P.S.: Daenerys, wenn Du noch mal auf potenzielle Verbündete triffst, stell Dich einfach nur als Sturmtochter oder Mutter der Drachen vor. Was Missandei da alles runterleiern musste, war nicht gerade beeindruckend, sondern in erster Linie einschläfernd.

Ein Popstar kehrt zurück

Euron Graufreud scheint der Popstar von Westeros zu sein. Zumindest lässt er sich wie ein solcher feiern, als er von seiner Seeschlacht zurückkehrt – mit einigen Geiseln im Gepäck, die er wie räudige Hunde am Halsband hinter sich herschleift. Während er Cersei sein "Geschenk" überreicht, hat er nichts weiter als einen herablassenden Kommentar für Jaime übrig. Auch dieses Mal fackelt Euron nicht lange und fordert die Ehe mit seiner angebeteten Königin ein – die sie ihm auch in Aussicht stellt, allerdings erst nach dem Krieg. Am Ende lacht jedoch Jaime zuletzt, denn wer landet mit Cersei in der Kiste? Sorry, Euron!

 Wenn Euron Graufreud irgendetwas nicht hat, dann sind es Ego-Probleme. fullscreen
Wenn Euron Graufreud irgendetwas nicht hat, dann sind es Ego-Probleme. (©HELEN SLOAN/HBO/Sky 2017)

Nun bekommt auch die Königin der Sieben Königslande endlich ihre Rache und die folgt erneut und wenig überraschend dem Motto: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Denn so wie Ellaria Sand die Tochter von Cersei vergiftet hat, so tut sie es ihr gleich und tötet den letzten Sand-Spross vor den Augen ihrer Mutter. Also noch nicht, das wird noch ein paar Stunden oder Tage dauern. Aber typisch Cersei. Sie macht es wie die anderen, hat nur noch mal eine Schippe drauf gesetzt. Ja Cersei, Du bist böse und verletzt. Aber leg doch mal 'ne andere Platte auf ...

Cersei ist im Blutrausch

Nicht zu vergessen das Zusammentreffen zwischen Cersei Lannister und Tycho Nestoris von der Eisernen Bank von Braavos. Wenn er auf der Matte steht, geht es nur um eines: Geld! Leider hat Cersei davon aktuell nicht besonders viel. Doch inzwischen kennen wir Cersei nur zu gut: Vom Erscheinen Tychos fühlt sie sich keineswegs gestört. Der nette Plausch der beiden bringt eine Lawine ins Rollen, die am Ende von Episode 3 mit einer gigantischen Explosion der Königin zurück ins Gesicht schlägt.

 Ein letztes Aufbäumen von Cersei? fullscreen
Ein letztes Aufbäumen von Cersei? (©HELEN SLOAN/HBO/Sky 2017)

Denn um an Geld zu kommen, schickt Cersei ihre Lannister-Armee nach Rosengarten, dem Sitz von Haus Tyrell. Sie waren die einstmals reichsten Verbündeten der Lannisters, die sich nun allerdings Daenerys Targaryen und somit dem Feind angeschlossen haben. Was gibt es also Besseres, als die Burg und mit ihr alles Hab und Gut von Olenna Tyrell einzunehmen? Und wenn das Heer gerade schon dabei ist, kann auch gleich Olenna ins Jenseits befördert werden.

Olenna Tyrell drops the Mic

Klar, geht es nach Cersei, gab es mehrere Szenarien für den Tod der alten Dame: Durch die Straßen peitschen und anschließend zu köpfen oder aber auch gehäutet an der Mauer von Königsmund aufzuhängen. Am Ende wurde es dann doch ganz unspektakulär Gift. Cersei hatte offenbar noch ein Fläschchen von der Sand-Tochter übrig ...

Brav trinkt Olenna Tyrell ihren vergifteten Rotwein aus und hofft auf einen humaneren Tod als den, den Joffrey einst heimsuchte. Nach einer ausführlichen und für Jaime quälenden Beschreibung lässt sie dann die Bombe platzen: "Sagt es Cersei! Sie soll wissen, dass ich es war!"

"Gib mir zehn gute Männer und ich besteige die Schlampe"

Letztendlich ist es der Überfall von Rosengarten, der den Unbefleckten das Tor zu Casterlystein öffnet – und dort in einen Hinterhalt rennen lässt. Denn über einen Geheimgang, den Tyrion einst bauen ließ, schleichen sich die Unbefleckten in die als uneinnehmbar geltende Festung und erledigen die Lannister-Soldaten.

Der Zugang wurde einst von Tyrion gebaut. Sein Vater betraute ihn mit dem Ausbau der Kanalisation – etwas, für das sich Tywin Lannister zu fein war und womit er seinen ungeliebten Sohn einmal mehr erniedrigen konnte. Also baute er die Gänge ganz nach seinen Vorlieben – und damit auch den Geheimgang, durch den er seine Prostituierten empfing. "Gib mir zehn gute Männer und ich besteige die Schlampe", erklärt Tyrion in Episode 3 von Staffel 7 und verweist damit auf seinen alten Freund Bronn, der den gleichen Satz zum Beginn der Serie brachte. In diesem Fall muss es allerdings als Metapher verstanden werden: Er will damit lediglich Daenerys sagen, dass es durch den Geheimgang nur wenige Soldaten braucht, um die Festung von Casterlystein einzunehmen.

Doch am Ende geht die Invasion überraschend schnell. Zu schnell. Während die weiteren Lannister-Soldaten fernab in Rosengarten kämpfen, wird die Flotte, mit der Grauer Wurm und seine Soldaten in Casterlystein ankamen, von Euron Graufreuds Schiffen überrascht. Für sie gibt es kein Zurück mehr.

 Tyrion hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen – weiß jedoch im entscheidenden Moment, worauf es ankommt. fullscreen
Tyrion hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen – weiß jedoch im entscheidenden Moment, worauf es ankommt. (©HELEN SLOAN/HBO/Sky 2017)

Es sieht also gar nicht gut aus für Daenerys Targaryen. Im Grunde ist sie inzwischen ihre gesamte Flotte los. Euron Graufreud hat nicht nur die Schiffe, die nach Dorne schipperten, zu Kleinholz verarbeitet. Auch die der Unbefleckten liegen nun in Einzelteilen vor der Küste von Casterlystein.

Familientreffen

Sansa erweist sich in der Tat als gut organisierte Vertretung von Jon Snow in Winterfell. Sie kennt die Nöte und Schwierigkeiten, die auf das Volk im Norden zukommen, sollten die Weißen Wanderer die Mauer überwinden. Mitten in den Planungen bekommt Sansa allerdings Besuch und mir war klar: Eines ihrer Geschwister muss durchs Tor gekommen sein. Doch wer? Bran oder Arya? Immerhin waren beide auf ihrem Weg nach Winterfell. Am Ende war es Bran und Sansas Blick sprach Bände. Aus ihr brach all der Schmerz der vergangenen Jahre heraus und beinahe musste auch ich ein kleines Tränchen verdrücken ...

 Nach Jon Snow trifft Sansa in Winterfell auf ein weiteres Familienmitglied. fullscreen
Nach Jon Snow trifft Sansa in Winterfell auf ein weiteres Familienmitglied. (©HBO/Sky )

Was bedeutet es wohl für Sansa (und später auch Jon Snow), dass Bran mit neuen Fähigkeiten zurückgekehrt ist? Können sie sie für ihre kriegerischen Pläne nutzen? Gut, dass Bran sein Geheimnis über Jon Snow mit ihm teilen wird, wird wohl außer Frage stehen. Aber ändert das vielleicht etwas an seiner Sicht gegenüber Daenerys? Oder ändert es gar Daenerys' Sicht über Jon Snow? Wird er es ihr überhaupt sagen und wird sie ihm dann glauben? Fragen über Fragen ... und es sind nur noch vier Folgen!

Von was redest Du?

Überhaupt war Episode 3 geprägt von Aussagen, die keiner so recht verstehen wollte. Bran erklärt seiner Schwester Sansa, er sei der Dreiäugige Rabe. Allerdings versteht sie nur Bahnhof. Jon Snow hingegen redet etwas von gefährlichen Weißen Wanderern, was Daenerys Targaryen für Humbug hält, ihm aber trotzdem das Drachenglas zur Verfügung stellt. Und unsereins sitzt vor den Bildschirmen und denkt: "Aber es stimmt! Hilf ihm doch und bekämpft gemeinsam die Weißen Wanderer!" Nun ja, so haben wir als allwissende Zuschauer auch unser Päckchen zu tragen.

 Weiße Wanderer? Wat für ein Ding? fullscreen
Weiße Wanderer? Wat für ein Ding? (©HBO/Sky 2017)

Mein Fazit zur dritten "Game of Thrones"-Folge von Saffel 7

Man hat gemerkt, dass die "Game of Thrones"-Macher ein wenig unter Zeitdruck leiden. Zwar ging die Folge erneut "nur" 60 Minuten, doch die enormen Zeitsprünge zeigen, dass es langsam ernst wird. Allein schon die Schifffahrten dauern in und um Westeros nicht nur ein paar Stunden, sondern viel mehr Tage. Kein Wunder also, dass Jon Snow auf Drachenstein Hummeln im Hintern hat – die Weißen Wanderer klopfen schon fast an die Tore von Winterfell.

Außerdem wissen wir nun endlich, wer Joffrey vergiftet hat. Schade, dass Olenna Tyrell es nicht mehr erleben wird, aber es dürfte eine ganze Reihe Menschen geben, die ihr dafür zutiefst dankbar sind – mich eingeschlossen! Nun ist auch klar, was mit "Die Gerechtigkeit der Königin" gemeint war: Cersei ließ in ihren Augen Gerechtigkeit walten, indem sie Ellaria Sands Tochter vergiftete und damit ihre eigene Tochter rächte. Doch auch Daenerys zeigte Gerechtigkeit, indem sie eben nicht Jon Snow als Gefangenen hielt, sondern ihm stattdessen Hilfe in Form von Drachenglas bot.

Alles in allem war die jüngste "Game of Thrones"-Folge etwas spannender als die beiden vorherigen. Dennoch hat mir das gewisse Etwas gefehlt: Warum wurden die kämpferischen Auseinandersetzungen in Rosengarten oder Casterlystein nicht ausführlicher gezeigt? Zwar gab es einige Morde der Unbefleckten zu sehen, aber sorry, das war gar nichts im Vergleich zu dem, was "Game of Thrones" sonst zu bieten hat.

Ich erhoffe mir viel von der vierten Episode von Staffel 7, da sich die Schlinge um Daenerys nach dieser Episode doch beträchtlich zuzuziehen scheint. Viele ihrer Verbündeten sind tot oder in Gefangenschaft. Vielleicht ein guter Ausgangspunkt für ein Bündnis zwischen Jon Snow und der Mutter der Drachen?

TURN ON-Score: 4/5

Die neueste "Game of Thrones"-Episode von Staffel 7 läuft jeden Montag um 20:15 Uhr auf Sky Atlantic oder steht via Sky Ticket jederzeit zum Abruf bereit.

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