Meinung

Game of Thrones Staffel 7 Episode 5 Review: Die Avengers von Westeros

Tyrion wandert nach dem Drachenangriff über das Schlachtfeld – und wirkt immer skeptischer, was Daenerys angeht.
Tyrion wandert nach dem Drachenangriff über das Schlachtfeld – und wirkt immer skeptischer, was Daenerys angeht. (©Macall B. Polay/HBO 2017)

Nach der hochexplosiven vierten Folge dreht "Game of Thrones" die Action in Episode 5 "Ostwacht" wieder deutlich zurück. Stattdessen wird ein verrückter Plan ausgeheckt – und nebenbei die Saat für neuen Zwist bei den Starks gelegt. Unser Recap.

Achtung, Spoiler! Wie immer warnen wir an dieser Stelle vor detaillierten Informationen zur aktuellen "Game of Thrones"-Folge von Staffel 7. Weiterlesen also auf eigene Gefahr.

Kollegin Christin ist im wohlverdienten Urlaub, aber die TURN-ON-Reviews zur aktuellsten Folge von "Game of Thrones" gehen natürlich weiter! Daher übernehme ich in den nächsten beiden Wochen das Zepter auf dem Eisernen Thron ...

Jaime und Bronn: Ein Cliffhanger, der keiner war

Was haben wir uns nicht alle nach Folge 4 "Kriegsbeute" gesorgt! Jaime und Bronn versinken nach einer halsbrecherischen Rettungsaktion im See – das kann doch eigentlich für mindestens einen der beiden nur den Tod bedeuten! Dass Jaime und Bronn gleich am Anfang von Episode 5 mehr oder weniger unbeschadet wieder aus den Fluten auftauchen, führt den fiesen Cliffhanger dann allerdings etwas ad absurdum. Und wie bitteschön soll Bronn den mit einer schweren Rüstung bekleideten Jaime ganz allein aus dem See gezogen haben? Sorry, liebe "Game of Thrones"-Macher, aber das war nichts!

Daenerys: Auf dem Weg zur Irren Königin

So langsam mache ich mir Sorgen, dass Daenerys doch noch ganz nach ihrem Vater Aerys II. kommt und sich bald zur Irren Königin entwickelt. Nicht umsonst sagt man dem Haus Targaryen nach, dass ihm der Wahnsinn im Blut liegt. Natürlich muss Dany Stärke zeigen und kann Randyll und Dickon Tarly nicht einfach laufen lassen, nachdem diese ihr die Gefolgschaft verweigern. Aber musste es denn gleich ein Drachen-Barbecue vor versammelter Mannschaft sein? So macht man sich in Westeros zwar Untertanen, aber ganz sicher keine Freunde. Zum Glück sehen das anscheinend auch Tyrion und Varys so.

 Tyrion zweifelt langsam an den Methoden von Daenerys Targaryen. fullscreen
Tyrion zweifelt langsam an den Methoden von Daenerys Targaryen. (©Macall B. Polay/HBO 2017)

Drachenzähmen leicht gemacht

Braucht nach der fünften Folge "Ostwacht" wirklich noch jemand einen weiteren Beweis, dass Jon Snow zur Hälfte ein Targaryen ist? Bereits im Finale von Staffel 6 gab es die Enthüllung, dass Jons Mutter in Wahrheit Lyanna Stark ist, die Schwester von Ned Stark. Die Frage nach seinem Vater blieb aber weiter offen. "Game of Thrones"-Fans wissen aber natürlich um die beliebte Theorie namens "R+L=J" und Episode 5 scheint diese einmal mehr zu bestätigen.

Jons Vater ist Rhaegar Targaryen. Das macht ihn nicht nur zum Neffen von Daenerys, sondern auch zum idealen Drachenreiter, wie Drogons Kuscheleinheit mit Jon in "Ostwacht" beweist. Bräuchten wir also nur noch einen dritten Drachenreiter, um die andere beliebte Theorie über den "dreiköpfigen Drachen" wahr werden zu lassen – Tyrion Lannister, übernehmen sie!

 Kommen sich beim Drachen-Streicheln näher: Daenerys Targaryen und Jon Snow. fullscreen
Kommen sich beim Drachen-Streicheln näher: Daenerys Targaryen und Jon Snow. (©Helen Sloan/HBO 2017)

Alle zusammen gegen die Weißen Wanderer?

Was soll man machen, wenn nicht einmal die Maester in der Zitadelle glauben, dass im Norden die Weißen Wanderer wirklich vor der sprichwörtlichen Tür stehen? Tyrions Plan scheint simpel: Einen einzelnen Toten einsacken, nach Königsmund bringen und Cersei bzw. ganz Westeros quasi mit einem "lebenden" Exemplar davon überzeugen, dass die Gefahr real ist und alle gemeinsam kämpfen sollten. Während Jon Snow und Ser Jorah Mormont jenseits der Mauer einen Eis-Zombie (vermutlich im McDrive) abholen wollen, soll Tyrion in Königsmund den Waffenstillstand zwischen Daenerys und Cersei im Gespräch mit Bruderherz Jaime vorbereiten.

Zwei Serien-Minuten (Schnellreise ftw!) später steht Tyrion auch schon vor Jaime, der von Bronn unter einem Vorwand in den Keller von Königsmund gelockt wurde. Im folgenden Dialog mit Nikolaj Coster-Waldau darf Peter Dinklage dann endlich mal wieder zeigen, was für ein toller Schauspieler in ihm steckt. Die anschließende Szene mit Ser Davos, Gendry (!), Tyrion und zwei allzu neugierigen Goldröcken war allerdings doch etwas zu slapstickhaft für meinen Geschmack.

Goldy lässt die Bombe platzen

Samwell Tarly – und vielleicht auch vielen Zuschauern – ist es gar nicht aufgefallen, aber Goldy lässt in dieser Folge eine echte Bombe platzen. Beim Lesen in einem Buch enthüllt sie quasi in einem Nebensatz, dass ein Hoher Septon namens Maynard die Ehe von Prinz Rhaegar annullierte und ihn in einer geheimen Zeremonie in Dorne erneut vermählte. Sam unterbricht Goldy genervt, und so erfahren wir nicht mehr, wen Rhaegar heiratete. Allerdings kann es eigentlich nur Lyanna Stark gewesen sein. Ob Sam die Bedeutung dieser Info auf seiner Reise (wohin auch immer) noch bewusst wird?

Diese Enthüllung ist gleichbedeutend mit einer politischen Atombombe für Westeros. Somit wäre Jon Snow nämlich kein Bastard, sondern der legitime Sohn von Rhaegar und Lyanna – und stünde in der Thronfolge noch vor Daenerys! Boom! Ich freue mich schon auf die Folge, in der Jon Snow erfährt, dass Dany seine Tante ist und er der Sohn von Rhaegar und Lyanna – und zugleich der rechtmäßige König von Westeros ...

 In Altsass entdeckt Goldy einen wichtigen Hinweis in alten Aufzeichnungen. fullscreen
In Altsass entdeckt Goldy einen wichtigen Hinweis in alten Aufzeichnungen. (©Helen Sloan/HBO 2017)

Arya tappt in die Falle

Bereits im ersten längeren Gespräch mit ihrer Schwester Sansa in Episode 5 zeigt Arya, dass sie keine Lust auf ein Friede-Freude-Eierkuchen-Familienleben in Winterfell hat. Ihr Vorwurf, dass Nordthron-Warmhalterin Sansa wohl am liebsten selbst herrschen würde, mag etwas unfair sein, trifft bei ihrer Schwester aber anscheinend einen Nerv. Und dass Arya Kleinfinger im Auge hat, war bereits in der vergangenen Folge ersichtlich. Nach ausführlicher Beobachtung von Petyr Baelish bei seinen üblichen halbseidenen Aktionen in Winterfell bricht Arya daher kurzerhand in seine Gemächer ein und findet einen alten Brief von Sansa an Robb ... den Petyr Baelish natürlich mit Absicht platziert hat!

Den Brief schrieb Sansa noch in Staffel 1 unter dem Druck von Cersei an ihren Bruder, um diesen zum Kniefall zu bewegen. Das weiß Arya natürlich nicht, und der gefundene Brief dürfte nicht gerade zur Geschwisterliebe beitragen. Nach langer Untätigkeit endlich mal wieder Kleinfinger at his best!

Die Avengers von Westeros

Am Ende von Episode 5 hat schließlich auch noch die titelgebende Burg Ostwacht einen Auftritt. Jon Snow, Davos Seewert, Jorah Mormont und Gendry sind offenbar mit Lichtgeschwindigkeit dorthin gereist (an diese Schnellreisen werde ich mich wohl nicht mehr gewöhnen) und erklären dem wie immer grandios zynischen Tormund Riesentod ihren Plan. Da Sandor "Der Bluthund" Clegane, Thoros von Myr und Beric Dondarrion praktischerweise auch gerade in Ostwacht im Gefängnis herumhängen (immer diese Zufälle!), hätten wir somit schnell unsere ganz persönlichen Avengers von Westeros zusammen (Davos bleibt allerdings zurück), die sich auf den Weg nördlich der Mauer machen. Mein Tipp: Nicht alle werden zurückkommen.

Mein Fazit zur fünften "Game of Thrones"-Folge von Staffel 7

Nach der actiongeladenen vierten  Folge war mir eigentlich schon klar, dass es Episode 5 etwas gemächlicher angehen wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass "Ostwacht" langweilig war. Stattdessen verlegte sich die Serie darauf, mit einem wahrhaft überraschenden und fast verrückten Plan die Bühne für Folge 6 vorzubereiten. Und wir wissen doch alle, dass die vorletzte Folge einer jeden "Game of Thrones"-Staffel immer ein absoluter Kracher ist ... Etwas sauer stößt mir nur die geradezu halsbrecherische Geschwindigkeit auf, die "Game of Thrones" inzwischen hat. Reisen über den ganzen Kontinent und zurück werden innerhalb von 20 Minuten abgehandelt. Hier merkt man deutlich, dass der Serie langsam die Zeit wegläuft.

Gedanken, die mir nach Episode 5 noch im Kopf herumschwirren

  • Bilde ich mir das nur ein, oder wirkte Dany etwas eifersüchtig, als Jon auf Tuchfühlung mit Drogon ging?
  • Daenerys' Blick, als Jon seinen Zombie-nach-Königsmund-bringen-Plan offenbarte, kann doch eigentlich nur eins heißen: Da hat sich jemand schwer in den König des Nordens verguckt!
  • "Köpfe abschlagen"? Sorry Arya, aber in Sachen Realpolitik musst du noch eine Menge lernen! #TeamSansa
  • Gendry!!! #enoughsaid
  • Davos zu Gendry: "Ich dachte, du ruderst immer noch ... " Eine großartige Anspielung der Showrunner auf die ganzen Gendry-Memes
  • Ein weiteres Kind für Cersei und Jaime ... das klingt doch nach einer glücklichen kleinen Familie – nicht.

TURN ON-Score: 4/5

Die neueste "Game of Thrones"-Episode von Staffel 7 läuft jeden Montag um 20:15 Uhr auf Sky Atlantic oder steht via Sky Ticket jederzeit zum Abruf bereit.

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