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Game of Thrones Staffel 7 Episode 6 Review: Eis und Feuer

Der Traum eines jeden "Game of Thrones"-Fans: Drachen gegen Weiße Wanderer.
Der Traum eines jeden "Game of Thrones"-Fans: Drachen gegen Weiße Wanderer. (©HBO 2017)

Die vorletzte Folge einer jeden "Game of Thrones"-Staffel liefert immer die volle Packung Drama ab – und Episode 6 enttäuschte in dieser Hinsicht nicht. Dennoch: "Jenseits der Mauer" hinterlässt trotz großartiger Action-Szenen bei uns auch einen kleinen Nachgeschmack. Alles Wichtige zur Folge erfährst Du in unserem Recap.

Achtung, Spoiler! Wie immer warnen wir an dieser Stelle vor detaillierten Informationen zur aktuellen "Game of Thrones"-Folge von Staffel 7. Weiterlesen also auf eigene Gefahr.

Operation "Jenseits der Mauer"

Am Ende der vorherigen Folge "Ostwacht" machte sich die "Task Force Jon Snow" auf den Weg jenseits der Mauer. Die Gruppe bestehend aus Jon, Gendry, Jorah Mormont, Sandor "Bluthund" Clegane, Beric Dondarrion, Thoros von Myr und Tormund Riesentod mag zwar ein begnadeter Haufen Kämpfer sein, ganz grün sind sie sich allerdings auch nicht. Dass so mancher der "glorreichen Sieben" noch ein Hühnchen mit dem anderen zu rupfen hat, wird zum Auftakt der Folge "Jenseits der Mauer" aufgegriffen.

Gendry und die Bruderschaft ohne Banner, Jon Snow und Jorah Mormont, Tormund und der Bluthund, Jon und Beric Dondarrion: Die Reisegruppe nutzt die Wanderung ausführlich zum Plausch über lang gehegte Feindschaften und die Vergangenheit.

So interessant und witzig diese ganzen Gespräche auch sind, kam mir in der Folge doch zunehmend die Frage: Haben die Charaktere nichts Wichtigeres zu bereden?!? Vielleicht sollten sie lieber einmal die Schritte ihres verrückten Plans durchgehen, um einen Eis-Zombie zu fangen!

 Auf der Reise jenseits der Mauer ist jede Menge Zeit zum Quatschen. fullscreen
Auf der Reise jenseits der Mauer ist jede Menge Zeit zum Quatschen. (©Helen Sloan/HBO 2017)

Daenerys fragt "Dr. Sommer"

Auf Drachenstein finden sich unterdessen Daenerys und Tyrion zum gemütlichen Schnack am Kamin ein. Wer nun aber vielleicht erwartet hat, dass Tyrion seiner Königin mal die Leviten in Sachen übermäßigem Dracheneinsatz liest, dürfte überrascht sein. Stattdessen gibt die Mutter der Drachen verschämt zu verstehen, dass sie an Jon Snow wohl doch etwas mehr interessiert ist ... obwohl er natürlich "zu klein" für sie sei. Sorry "Game of Thrones", aber solche Teenie-Gespräche wirken dann doch etwas deplatziert, wenn parallel gerade gegen Weiße Wanderer gekämpft wird!

Immerhin kommt Tyrion dann doch noch zum Punkt und ermahnt Dany zu mehr Zurückhaltung in den kommenden Verhandlungen mit Cersei - was Khaleesi gar nicht gerne hört! Auch der Punkt eines möglichen Nachfolgers für Daenerys kommt bei ihr nicht besonders gut an. Vorsicht Tyrion, auch eine Hand der Königin kann schnell in Ungnade fallen!

 In einem Sturm müssen Jon Snow und Co. gegen einen Zombie-Eisbären antreten. fullscreen
In einem Sturm müssen Jon Snow und Co. gegen einen Zombie-Eisbären antreten. (©HBO 2017)

Der Sturm

Ab etwa der Hälfte von Episode 6 kommt dann endlich Schwung in die Reisegruppe rund um Jon Snow. Ein aufziehender Schneesturm beendet das lustige Tratschen und ein Zombie-Eisbär (dass ich das mal im Zusammenhang mit "Game of Thrones" schreiben darf!) sorgt für etwas Action. Nachdem der eisige Teddy zunächst ein paar Redshirt-Wildlinge beseitigen darf, setzen Beric und Thoros das Tierchen mit ihren Schwertern in Flammen. Der Bluthund ist darüber so gar nicht erfreut, hat er doch bekanntlich panische Angst vor Feuer. Allerdings übersteht Thoros den Angriff nicht ganz unbeschadet ...

Der folgende Überfall auf die Wiedergänger offenbart ein interessantes Detail: Nachdem Jon Snow den anführenden Weißen Wanderer (etwas zu simpel) tötet, zerfallen auch die restlichen Zombies zu einem Haufen Knochen. Sind die Weißen Wanderer etwa doch leichter zu besiegen als gedacht? Hier zeichnet sich bereits eine mögliche Taktik für den Endkampf ab – was auch Jorah später bemerkt: Töte den Weißen Wanderer, der die Untoten wiedererweckt hat, und alle Zombies folgen ihm ins Grab.

Nachdem ein Eis-Zombie im wahrsten Sinne des Wortes eingesackt wurde, wird Gendry (ohne Hammer!) zurück nach Ostwacht geschickt. Der Rest rettet sich vor der anrückenden Untoten-Armee zum letzten Gefecht auf einen Felsen in einem zugefrorenen See. Eine filmisch wirklich ziemlich beeindruckende Szene, in der Hunderte Wiedergänger schließlich im Eis einbrechen und versinken. Was folgt, ist eine eisige Belagerung über Nacht: Unsere Helden samt Eis-Zombie auf dem Felsen, eingekesselt von Tausenden Untoten – was der verletzte Thoros leider nicht überlebt.

Wilde Flucht vor der Armee der Toten. fullscreen
Wilde Flucht vor der Armee der Toten. (©HBO 2017)
Eingekesselt: Jon Snow und seine Mannen sitzen auf einem See aus Eis fest. fullscreen
Eingekesselt: Jon Snow und seine Mannen sitzen auf einem See aus Eis fest. (©HBO 2017)
Der Nachtkönig macht sich zum Angriff bereit. fullscreen
Der Nachtkönig macht sich zum Angriff bereit. (©HBO 2017)

Das Lied von Eis und Feuer

Gendry hat unterdessen in Lichtgeschwindigkeit die Mauer erreicht und von dort einen Raben zu Daenerys geschickt (der circa 5 Sekunden später ankommt), um ihr von Jons misslicher Lage hinter der Mauer zu berichten. Da die Mutter der Drachen offensichtlich in den König des Nordens verknallt ist, lässt sie sich auch von Tyrion nicht von einem Drachenritt in den Norden aufhalten. So cool die Szene mit den drei startenden Drachen auch sein mag, stellt sich mir hier doch die Frage: Hätte Dany nicht gleich von Anfang an in den Norden fliegen können, um per Drache einen Eis-Zombie einzufangen?

Team Jon Snow liefert sich unterdessen ein wahrhaft epischen Kampf mit den Untoten, der oftmals an die Serie "The Walking Dead" erinnert und definitiv zu den Highlights von Episode 6 gehört. Was "Game of Thrones" hier an Action-Choreografien, Special Effects und Von-der-Klinge-spring-Momenten (Tormund!) auffährt, hat man so zuletzt nur in der Schlacht der Bastarde gesehen.

Als schon fast alles verloren scheint, taucht schließlich Daenerys mit ihren drei Drachen auf. Was nun folgt, stellt in Sachen Pyrotechnik und Dramatik sogar Folge 4 "Kriegsbeute" mit seinem explosiven Finale in den Schatten und ist einer der Momente, auf die ich als "Game of Thrones"-Fan seit Jahren hingefiebert habe. Drachen vs. Weiße Wanderer, ein tödlich getroffener Viserion, der später zur Zombie-Echse gemacht wird, Benjen rettet Jon ... dieser Part hatte einfach alles!

Das Spiel der Gesichter

Ooohh Kleinfinger, dein Plan mit dem platzierten Brief für Arya hat wunderbar funktioniert! In Winterfell bricht der Zwist zwischen den beiden Stark-Geschwistern nach dem Fund ungehemmt los. Arya bezichtigt Sansa, in Staffel 1 "dumm und feige" gewesen zu sein, als sie ihre Familie im Brief an Robb verriet ... was nicht von der Hand zu weisen ist. Sansas Antwort: "Du warst bei seiner [Ned Starks] Hinrichtung dabei und hast auch nichts unternommen" – womit Sansa ebenfalls nicht ganz Unrecht hat. Sansa: "Du hättest niemals überstanden, was ich überstehen musste." Arya: "Das werden wir wohl nie erfahren." Harter Tobak!

Auftritt Petyr Baelish, der natürlich sofort diese Lücke ausnutzt und der besorgten Sansa einen Floh ins Ohr setzt: Brienne soll sie beschützen, falls Arya einen Anschlag plant! Da logische Zusammenhänge aber nicht mehr unbedingt zu den Stärken von Staffel 7 von "Game of Thrones" gehören, wird Brienne von Sansa schon in der nächsten Szene ziemlich unfreundlich nach Königsmund geschickt, um dort auf Einladung von Cersei die Interessen von Sansa zu vertreten. Ob das nach Aryas diabolischem "Spiel der Gesichter" so eine gute Idee war?

Wie schon in Folge 5 hat dieser Part in Episode 6 aber ein grundsätzliches Problem: Die Wandlung von Arya zur Sansa-hassenden Psychopathin kommt einfach zu schnell und überraschend, um wirklich logisch zu erscheinen. Ein Fakt, über den man als "Game of Thrones"-Fan wohl inzwischen leider einfach hinwegsehen muss.

 Die Wandlung von Arya kommt leider etwas gehetzt und plötzlich. fullscreen
Die Wandlung von Arya kommt leider etwas gehetzt und plötzlich. (©Helen Sloan/HBO 2017)

Mein Fazit zur sechsten "Game of Thrones"-Folge von Staffel 7

Satte 40 Minuten habe ich gewartet, bis in Folge 6 endlich Schwung in die Bude kam. In den letzten 25 Minuten lieferte "Jenseits der Mauer" dann aber einen Kracher nach dem anderen ... und der untote Drache Viserion dürfte dem Kampf gegen die Weißen Wanderer ein völlig neue Wendung geben.

Mit dem gehetzten Erzähltempo von Staffel 7 und den großen Logiklöchern habe ich allerdings immer mehr Probleme. Vor allem bei der Arya-Sansa-Story wirkt sich die gekürzte Staffel immer deutlicher aus ... wirklich schade, denn zwei bis drei Folgen mehr hätten hier vieles organischer erscheinen lassen.

Gedanken, die mir nach Episode 6 noch im Kopf herumschwirren

  • Tormunds Weisheiten aus dem Norden: "Laufen ist gut, kämpfen ist besser, f*** ist am besten."
  • Jon, wieso willst du Langklaue an Jorah zurückgeben?!? Schon vergessen, dass man mit dem Schwert Weiße Wanderer töten kann?!?
  • Wurde der Flammenschwert-Trick von Beric und Thoros irgendwann schon einmal genauer erklärt???
  • Der Bluthund bewirft einen Untoten mit einem Stein, schlägt dem ungerührten Zombie den Kiefer weg und kommentiert trocken: "Verdammtes A***loch". Großartig!
  • Wie viele Menschen passen eigentlich auf einen durchschnittlichen Drachen?
  • Aryas Gesichter liegen also einfach wie Halloween-Masken in einer Tasche? Das hatte ich mir irgendwie spektakulärer vorgestellt ...
  • Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich Daenerys zum letzten Mal habe weinen sehen.
  • Kann ein Eis-Zombie-Drache immer noch Feuer spucken?

TURN ON-Score: 4.5/5

Die neueste "Game of Thrones"-Episode von Staffel 7 läuft jeden Montag um 20:15 Uhr auf Sky Atlantic oder steht via Sky Ticket jederzeit zum Abruf bereit.

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