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"Godzilla 2: King of the Monsters"-Kritik: Echs' in the City

Wer hat schon wieder das Terrarium offen gelassen? Jetzt geht's in "Godzilla 2: King of the Monsters" rund!
Wer hat schon wieder das Terrarium offen gelassen? Jetzt geht's in "Godzilla 2: King of the Monsters" rund!

Ein Held ist immer nur so gut wie sein Gegenspieler – diese eherne Comic-Regel gilt auch für Monsterfilme. Heißt: Wenn Godzilla endlich wieder ins Kino stapft, braucht er ein paar ordentliche Gegner! Ob das Kaiju-Spektakel "Godzilla 2: King of the Monsters" ein monströs gutes Vergnügen für Fans der grünen Riesenechse ist, liest Du in unserer Kritik.

2014 erschien das großangelegte "Godzilla"-Reboot von Gareth Edwards, das Monsterfans aber größtenteils kalt ließ: Unsere Lieblings-Echse tauchte viel zu selten auf, die menschlichen Stars waren dröge, die Kämpfe zu schnell vorbei. Für das offizielle Sequel nahm "Krampus"-Regisseur Michael Dougherty auf dem Regiestuhl Platz und legte in allen Belangen eine Schippe drauf: mehr Action, mehr Monster, mehr Mythologie, mehr Krachbumm.

Die Rechnung ist aufgegangen: Mir gefällt das "Godzilla"-Sequel besser als der unrunde Erstling. Trotzdem bin ich alles andere als begeistert vom diesem Monster-Nachklapp, der deutlich mehr Schwung und Biss vertragen hätte. Aber hey – immerhin hat Godzilla jetzt ein paar alte Bekannte mitgebracht!

Godzilla 2 King of Monsters-Courtesy of Warner Bros. Pictures-4 fullscreen
Wenn die Lightshow auf Godzillas Rücken losgeht, sollten seine Gegner das Weite suchen...

Diesmal sind King Ghidorah, Mothra und Rodan am Start

Das dürfte auch der Hauptgrund für Godzilla-Fans sein, ins Kino zu strömen: Diesmal prügelt sich die Echse nicht mit blassen 0815-Viechern wie noch im Edwards-Film, sondern mit der A-Riege der Reihe. Die fiese Flugechse Rodan ist ebenso dabei wie die Kult-Motte Mothra und natürlich der König himself, King Ghidorah mit seinen drei Köpfen.

Was das Design, den Look und Feel der Kaijus angeht, muss ich direkt das erste große Lob aussprechen: Godzilla und seine Gegenspieler sind fantastisch getroffen. Da mögen Puristen über dezente Abänderungen hier und da meckern, diesem immerhin schon 35. (!) Film des "Godzilla"-Franchise gelingt das Kunststück, die Japano-Monster wunderbar originalgetreu und gleichzeitig frisch und unverbraucht zu inszenieren. Wenn Godzilla röhrt, Mothra ihre titanischen Schwingen ausbreitet und Ghidorahs drei Köpfe durchs Bild schlängeln, merkt man als Fan sofort, wie viel Liebe und Respekt das Filmteam "seinen" Monstern entgegenbrachte. Jede Einstellung mit Mothra ist ein kleines Kunstwerk.

DIESE Einstellung zum Beispiel.

Godzilla ist nun mal ein kulturelles Erbe, und das japanische Filmstudio Toho, das 1954 den ersten Film der Reihe in japanische Kinos brachte, wird nahezu kultisch verehrt. Statt aber in Ehrfurcht zu erstarren, passten die Macher von "King of the Monsters" ihre monströsen Stars sanft aktuellen Sehgewohnheiten an, ließen deren Wesenskern aber intakt. Heißt: Der außerirdische Superdrache King Ghidorah etwa orientiert sich eindeutig am japanischen Originaldesign, statt wie ein westlicher "Game of Thrones"-Klon daherzukommen. Alles perfekt also an der Monsterfront? Leider nicht ganz.

Wenn die Monster kommen, wird es dunkel

Lange währte meine Freude über das authentische Kaiju-Design nicht, denn auch der 2019er-"Godzilla" leidet an einem Symptom, an dem so viele aktuelle Filme kränkeln: Er ist einfach zu dunkel. Das mag anfangs nicht groß stören, vielleicht sogar nicht einmal auffallen. Schließlich haben wir uns daran gewöhnt, dass dank exzessivem Color Grading 97 Prozent aller Blockbuster heutzutage aussehen, als wären sie durch eine Sonnenbrille gefilmt worden.

Spätestens in der zweiten Filmhälfte aber geht es (wenig überraschend) nur noch um großangelegte Zerstörung, um tricktechnische Exzesse und CGI-Spektakel. Und dann nervt es mich einfach, wenn Details in dunkler Bildsoße untergehen. Ob Godzilla sich zum Kampf bereit macht, Ghidorah seinen donnernden Auftritt hat oder Rodan zuschnappt – auf der Leinwand wird's duster. Idee für ein Trinkspiel: Einfach mal zählen, wie oft "zufällig" ein Sturm aufzieht oder ein spontaner Wolkenbruch die Sicht verhagelt, wenn sich die Kaijus gegenseitig die Pixel aus den Schuppen prügeln!

Godzilla 2 King of Monsters-Courtesy of Warner Bros. Pictures-2 fullscreen
Und ja, mit ist klar, dass Feuer gegen einen Nachthimmel noch einmal so beeindruckend aussieht. Aber trotzdem.

Nein, so schlimm wie in der berüchtigten "Schlacht um Winterfell"-Folge der letzten Staffel "Game of Thrones" ist der Dunkelkammer-Look nicht. Und ich verstehe ja auch, dass ausufernde CGI-Sequenzen sehr aufwendig und teuer sind. Aber der Taschenspielertrick, etwaige Unzulänglichkeiten im Bild mit künstlicher Dunkelheit und einem "Ha, so sieht's keiner!" zu kaschieren, ist leicht zu durchschauen und nicht sonderlich geschickt.

Nennt mich verrückt, aber: Ich verzichte lieber auf die x-te Actionsequenz in einem Film, wenn ich im Gegenzug dafür ausmachen kann, was überhaupt auf der Leinwand passiert, und zwar jederzeit, glasklar und vielleicht, ganz vielleicht ab und zu sogar bei Tageslicht. Ich bin eben ein unverbesserlicher Träumer!

Reines Beiwerk: Die menschlichen Stars

Der neue "Godzilla" ist damit ... wie war das? Ich soll auch etwas zur Story sagen? Ach komm, als wenn die bei einem Kaiju-Film jemanden interessiert! Aber gut, fürs Protokoll:

Nachdem die Menschheit im 2014er-"Godzilla" Bekanntschaft mit der Riesenechse machte, werden wir diesmal von den Urviechern praktisch überrannt: Satte 17 (!) Titanen, so ihre offizielle Bezeichnung, erwachen überall auf dem Globus – sie folgen offenbar dem schrecklichen Ruf ihres Alphas King Ghidorah. Und mittendrin im Monster-Bash sind Vera Farmiga als ambitionierte Ökoterroristin, die eine Möglichkeit zur Kommunikation mit den Titanen sucht, der bereits aus Teil 1 bekannte Ken Watanabe und Neuzugang Millie Bobby Brown, deren Schauspielkarriere als Eleven im Netflix-Hit "Stranger Things" begann. Und viele andere. Aber glaub mir: Die menschlichen Stars sind nur Beiwerk.

Godzilla King of the Monsters-Daniel McFadden-Warner Bros Pictures 4 fullscreen
Zhang Ziyi spielt sogar Zwillinge! Das fällt aber auch nicht weiter auf.

Es ist eben so eine Sache mit den mittleren Filmen einer Trilogie: Sie dienen oftmals als Brücke zwischen Auftakt und großem Finale und lassen daher in Sachen Emotionalität und erzählerischem Geschick einiges vermissen. Moment, Trilogie? Aber ja: 2020 wird Godzilla auf King Kong treffen, und zwar in "Godzilla vs Kong". Und der Riesenaffe selber feierte ja schon 2017 in seinem eigenen Solofilm die Rückkehr auf die Leinwand. Im Grunde sind alle vorherigen Filme nur die Vorbereitung auf den ultimativen Fight Echse gegen Affe im nächsten Sommer.

Fazit: Japan kann's immer noch besser

"Godzilla 2: King of the Monsters" ist ein Film, der sein monströs großes Potenzial nie so recht ausschöpft. Er nimmt sich selbst zu ernst, um als knallig überzogener Trash durchzugehen (was übrigens KEINE Schande wäre – ein guter, stolzer Trash-Film kann etwas ganz Wunderbares sein!), seine Ökobotschaft ist gut gemeint, aber holzschnittartig grob, und nahezu alle Figuren waren mir während des ganzen Films herzlich egal.

Sicher, es knallt, röhrt, kracht und scheppert, aber wirklich ins Hirn gebrannt hat sich keine Szene. Zum Ende hin macht sich sogar eine gewisse Gleichförmigkeit breit – die nicht sein müsste, hätte sich das Skript zu mehr Schwung, Biss und Unberechenbarkeit hinreißen lassen.

So bekommt man mit diesem Film zwar die bislang beste US-Version von "Godzilla". Doch an Gojira kommt sie bei Weitem nicht heran.

Godzilla King of the Monsters-Courtesy of Warner Bros Pictures 5 fullscreen
Budget und Rechenpower sind eben doch nicht alles.

Godzilla 2: King of the Monsters
Godzilla 2: King of the Monsters
  • Datenblatt
  • Genre
    Action, Abenteuer, Fantasy
  • Laufzeit
    2 Stunden 12 Minuten
  • Release
    30. Mai 2019
  • FSK
    ab 12
TURN ON Score:
2,5von 5
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