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"Grey's Anatomy": Darum hat mich Staffel 15 wieder zum Fan gemacht

Gut gemacht, Meredith! Staffel 15 hat mir wieder gefallen – und bestimmt auch vielen anderen Fans.
Gut gemacht, Meredith! Staffel 15 hat mir wieder gefallen – und bestimmt auch vielen anderen Fans.

Als Studentin auf der Couch einer Freundin, mit jeder Menge Süßigkeiten – so habe ich die ersten Staffeln von "Grey's Anatomy" erlebt. Spätestens nach McDreamys Tod erreichte meine Leidenschaft jedoch die Nulllinie. Staffel 15 hat mein Fan-Herz aber wieder reanimiert!

Es geschah ungefähr zu der Zeit, als aus dem Seattle Grace das Grey Sloan Memorial Hospital wurde. Immer mehr lieb gewonnene Charaktere starben oder zogen weg. Irgendwann hatte sich auch das Liebesdrama zwischen Meredith Grey und Derek Shepherd auf Normalniveau eingependelt, statt Liebesgeflüster im Treppenhaus bestimmten Streitigkeiten über Karriere und Familienleben die Beziehung. Und dann starb in Staffel 11 auch noch "McDreamy"! Ich war inzwischen keine Studentin mehr, sondern berufstätig, und in Staffel 12 störten mich zunehmend an den Haaren herbeigezogene Wendungen des Plots.

Außerdem spielten einzelne Patientenschicksale kaum noch eine Rolle. Stattdessen ging es immer mehr darum, wer wann mit wem. Eine Krankheit, die viele lange laufenden Serien ereilt – und "Grey's Anatomy" befand sich im zehnten Jahr. Ich schaltete also zunehmend ab statt ein. Las zwar sporadisch, was in den Folgen so passierte, aber mein Fan-Herzschlag näherte sich dem Stillstand – und kein Defibrillator war in Sicht.

Und dann kam ...

Dass mich Staffel 15, von der in Deutschland gerade die letzte Folge lief, wieder packte, ließe sich als "medizinisches Wunder" bezeichnen. Es lag aber zunächst daran, dass ich überraschend viel Zeit hatte, von meiner Schwester einen Fire TV Stick geschenkt bekam und einen Streamingservice einen Monat lang testen konnte.

Ich stieg noch einmal bei Staffel 12 ein, skippte jedoch mehr durch die Folgen, als dass ich sie schaute. Das Gleiche galt für Staffel 13. Ich hatte das Gefühl, dass die Staffel das "Grey's Anatomy"-Standardprogramm abspult: Ein enges Familienmitglied erkrankt an Krebs – check. Eine Dreiecksbeziehung mit Meredith Grey – check. Großes Staffelfinale mit einem gefährlichen Straftäter und einem Brand im Krankenhaus – check. Erste Besserung stellte sich bei Staffel 14 ein.

Zwar gab es auch hier den obligatorischen Krebsfall, aber die neuen Anfänger brachten Schwung in die Folgen. Der Plot um Alex Karev, seine Partnerin Jo Wilson und deren potenziell gewalttätigen Noch-Ehemann war spannend, und im Staffelfinale wird mal nicht gestorben, sondern gleich dreifach geheiratet.

... Krista Vernoff

Warum sind die Folgen plötzlich wieder besser? Ein Blick in die Credits verrät, dass seit Staffel 14 Drehbuchautorin und Produzentin Krista Vernoff das kreative Team von "Grey's Anatomy" bereichert. Sie war für mehrere besonders populäre Folgen der Vergangenheit verantwortlich – wie zum Beispiel "Zugunglück" aus der zweiten Staffel, in der zwei Passagiere von einer Metallstange durchbohrt werden, aber bis zur Operation ansprechbar bleiben. Vernoff stieg allerdings 2011 nach der 7. Staffel aus der Serie aus. Ihre Rückkehr in das Autorenteam macht sich in Staffel 14 bemerkbar – und erst recht in Staffel 15, die mich persönlich überzeugte. Ereignisse haben nun endlich wieder Konsequenzen!

Auch Staffel 15 kommt nicht ohne den tragischen Krebsfall in der Familie aus, aber diesmal ist es mit der unausweichlichen OP nicht getan. Die betroffene Person – in diesem Fall Catherine – hat daran zu knabbern, dass die Krankheit sie ereilt hat. Ihr Krebs ist nicht nur für zwei Folgen relevant und wird dann zur Anekdote degradiert, die bei Gelegenheit wieder rausgeholt wird. Das Gleiche gilt für die Familienprobleme von Jo Wilson. Die wird auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter damit konfrontiert, dass diese sie nicht vermisst hat, wie Jo gehofft hatte – ganz im Gegenteil. Als Resultat geht es Jo über mehrere Folgen schlecht, und im Staffelfinale entscheidet sie sich sogar, in eine geschlossene therapeutische Einrichtung zu gehen.

Realistischer und bunter

Staffel 15 greift zudem immer wieder reale Konflikte auf. Aktuelle Themen wie die Opioidkrise in den USA und die Zwangstrennung von einwandernden Familien an der US-mexikanischen Grenze werden angesprochen und glaubhaft – natürlich auch mit einer gehörigen Prise "Grey's Anatomy"-Dramatik – in den Plot eingebaut. Und das nicht jeweils nur in einer Folge, sondern konsequent bis zum Staffelfinale.

Besonders eindrucksvoll fand ich die Folge "Stumme Schreie", in der eine Frau, die Opfer einer Vergewaltigung wurde, im Krankenhaus behandelt wird. Die Episode visualisiert das Trauma der Betroffenen nachvollziehbar und spricht gesellschaftliche Fragen an, die auch die #metoo-Debatte bewegen. Davon abgesehen sind mit den neuen Anfängern ein schwules Paar, ein Transgendermann und eine muslimische Ärztin Teil des Hauptcast. So viel Diversität gab es bei "Grey's Anatomy" noch nie!

Mehr Spaß

Auch unabhängig von diesen gesellschaftlichen Themen hatte ich Spaß an der neuen Staffel. Mit Teddy Altmann kehrt ein bekanntes Gesicht aus früheren Staffeln dauerhaft zurück, und das Liebesdreieck zwischen ihr, Owen Hunt und Amelia Shepherd ist endlich beendet. Außerdem darf Sturkopf Alex Karev zwischenzeitlich Miranda Baileys Job als Chefärztin übernehmen, was für einiges Durcheinander und viel Unterhaltung sorgt.

Darüber hinaus gibt es in Staffel 15 endlich wieder Patienten, die einem ans Herz wachsen und die einen Verlust darstellen, wenn sie gehen müssen wie Kupplerin Cece. Zugegeben, die Beziehung von Meredith Grey und Andrew DeLuca wirkt auf mich auch nach der letzten Folge der Staffel noch sehr gewollt, aber vielleicht werde ich ja in Staffel 16 überzeugt.

Positiv überrascht hat mich das Staffelfinale, das zwar Drama und Action bietet, aber insgesamt weiniger aufgeregt ist und das Krankenhaus mal nicht in Feuer, sondern in Nebel hüllt. Was ausnahmsweise für keinen bekannten Charakter den Tod bedeutet! Stattdessen geizt das Finale nicht mit Cliffhangern, die das Potenzial haben, das Leben mehrerer zentraler Charaktere in der nächsten Staffel auf den Kopf zu stellen.

Ich jedenfalls bin nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder gespannt, wie es weitergeht. Vor allem, weil in Staffel 16 Krista Vernoff weiterhin dabei ist.

Grey's Anatomy Staffel 16
Staffel 16 startet in den USA am 26. September bei ABC und einen Tag später bei Hulu. In Deutschland werden die neuen Folgen wahrscheinlich im Frühjahr 2020 zu sehen sein.

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