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"Hellboy – Call of Darkness"-Kritik: Neu ist nicht zwingend besser

Mit "Hellboy – Call of Darkness" will Regisseur Neil Marshall dem Franchise neues Leben einhauchen.
Mit "Hellboy – Call of Darkness" will Regisseur Neil Marshall dem Franchise neues Leben einhauchen.

Big Red ist wieder zurück auf der großen Leinwand. Mit dem aktuellen "Hellboy"-Reboot, "Call of Darkness", feiert die kultige Comicfigur von Mike Mignola endlich ihr großes Comeback. Und soll sich dabei ausdrücklich von den Vorgängerfilmen unter der Federführung von Guillermo del Toro unterscheiden. Ob's funktioniert, liest Du in unserer Filmkritik.

Darum geht's in "Hellboy – Call of Darkness"

In "Hellboy – Call of Darkness" bekommt es Red mit seinem bisher wohl stärksten Gegner zu tun, denn Nimue, die Blutkönigin, wandelt wieder auf der Erde. Und ihr einziges Ziel ist es, die Menschheit auszulöschen. Für dieses wenig freundliche Unterfangen will sich die mächtige Hexe Hellboy ins Boot holen – was seine ganz eigenen Komplikationen mit sich bringt ...

Insgesamt stellt sich die Handlung des "Hellboy"-Reboots von Regisseur Neil Marshall ("Game of Thrones") als eine Mischung aus den Comic-Arcs "Darkness Calls", "The Wild Hunt" und "The Storm and the Fury" dar. Doch auch gewisse "kreative Freiheiten" ließen sich Marshall und sein Team nicht nehmen. Alles natürlich mit dem Segen von Comic-Schöpfer Mike Mignola.

Balanceakt auf dem schmalen Grat zwischen Horror ...

Herausgekommen ist dabei ein Film, der ganz offensichtlich versucht, auf einem schmalen Grat zwischen Horror und Comicverfilmung zu wandeln. So merkt man dem Reboot an diversen Stellen an, dass hier eigentlich gerade eine gruselige Szene versucht werden sollte. So etwa, wenn Hellboy sich mit Baba Jaga in ihrem hühnerbebeinten Hexenhaus anlegt und im Hintergrund die Kindersuppe köchelt. Oder selbst, wenn Medium Alice (Sasha Lane) die Seele eines Verstorbenen durch sich sprechen lässt (ein ziemlich unappetitlicher Anblick, nur mal so am Rande ...).

Zumindest Kinogängern mit einer gewissen Horroraffinität dürften die gezeigten Szenen allerdings eher ein müdes Lächeln entlocken. Wirklichen Schrecken verbreitet das "Hellboy"-Reboot nämlich nicht. Was allerdings auch der FSK-16-Freigabe geschuldet sein könnte, immerhin darf es für die jugendlichen Zuschauer nicht zu schlimm zur Sache gehen.

Auch der Gruagach hat mit Hellboy noch ein Hühnchen zu rupfen. fullscreen
Auch der Gruagach hat mit Hellboy noch ein Hühnchen zu rupfen.
Baba Jaga macht Hellboy ein eher fragwürdiges Angebot – mit Hintergedanken natürlich. fullscreen
Baba Jaga macht Hellboy ein eher fragwürdiges Angebot – mit Hintergedanken natürlich.
Mit Alice hat Hellboy eine alte Freundin an seiner Seite. fullscreen
Mit Alice hat Hellboy eine alte Freundin an seiner Seite.
Auch der Gruagach hat mit Hellboy noch ein Hühnchen zu rupfen.
Baba Jaga macht Hellboy ein eher fragwürdiges Angebot – mit Hintergedanken natürlich.
Mit Alice hat Hellboy eine alte Freundin an seiner Seite.

... und Comicverfilmung

Dann müsste es doch wenigstens mit den Comicanleihen geklappt haben, sollte man meinen? Auch hier enttäuscht "Call of Darkness" eher. Vor allem, weil es die Macher zu sehr übertreiben. Besonders schön zu illustrieren an Hellboys großem Idol, dem Nazi-Jäger Lobster Johnson – der seinen Opfern eine Hummerschere à la Mr. Krabs auf die Stirn brennt, damit "der Teufel weiß, wer sie geschickt hat"!

Zwar gibt es die Figur tatsächlich auch in der von Mike Mignola geschaffenen Comic-Welt, die filmische Umsetzung zwingt einem als Zuschauer dann aber doch vor allem ein ungläubiges "Echt jetzt?!" auf. Sogar der Versuch, auf humoristische Weise die vierte Wand zu durchbrechen, wirkt eher gezwungen und ist vor allem eines nicht: lustig. Wenn Alice erklärt, man werde dafür sorgen, dass Nimue "im Sequel nicht dabei ist", möchte man fast schon mit den Augen rollen.

Komisch ist anders ... fullscreen
Komisch ist anders ...
... auch wenn die "Kostüme" des Osiris-Clubs tatsächlich wie ein (schlechter) Scherz anmuten. fullscreen
... auch wenn die "Kostüme" des Osiris-Clubs tatsächlich wie ein (schlechter) Scherz anmuten.
Selbst Nimue kann nicht überzeugen. fullscreen
Selbst Nimue kann nicht überzeugen.
Komisch ist anders ...
... auch wenn die "Kostüme" des Osiris-Clubs tatsächlich wie ein (schlechter) Scherz anmuten.
Selbst Nimue kann nicht überzeugen.

CGI wie aus den 90ern

Jetzt ist die Story aber natürlich nicht das Einzige, worauf man sich als Fan von Comicverfilmungen beim Kinobesuch freut. Sehenswerte CGI- und spektakuläre Action-Szenen können so manch fragwürdige Plot-Entscheidung hier durchaus ausgleichen. Die Betonung liegt auf "können".

Denn leider liefert "Hellboy – Call of Darkness" hier erneut nicht ab. Das Beste, was das Reboot zu bieten hat, war im Grunde bereits im zweiten Trailer zu sehen. Der Rest des Films kommt selbst an dieses Level nicht mehr heran. Die Computereffekte wirken aufgesetzt und enthalten zum Teil sogar derart große Fehler, dass es als das eigentlich Monströse an diesem Reboot eingestuft werden müsste. Zumindest ist mir nicht bekannt, dass man unbeschadet durch ein Breitschwert springen kann ...

In actionreichen (Kampf-)Szenen zeichnet sich die Kameraführung ihrerseits vor allem durch Wackeln und ruckartige Bewegungen aus. Ein ganz billiges "Stilmittel", um halbherzige Effekte zu verschleiern. Eine echte Enttäuschung. Mehr nicht.

Egal, ob beim Wrestling ... fullscreen
Egal, ob beim Wrestling ...
... dem rasanten Schusswechsel ... fullscreen
... dem rasanten Schusswechsel ...
... oder im Kampf mit dem Gruagach und Co. – die Technik des "Hellboy"-Reboots lässt eher zu Wünschen übrig. fullscreen
... oder im Kampf mit dem Gruagach und Co. – die Technik des "Hellboy"-Reboots lässt eher zu Wünschen übrig.
Da hilft auch keine Magie mehr. fullscreen
Da hilft auch keine Magie mehr.
Egal, ob beim Wrestling ...
... dem rasanten Schusswechsel ...
... oder im Kampf mit dem Gruagach und Co. – die Technik des "Hellboy"-Reboots lässt eher zu Wünschen übrig.
Da hilft auch keine Magie mehr.

Diese Darsteller versuchen im "Hellboy"-Reboot ihr Glück

Die letzte Hoffnung zur Ehrenrettung des lange erwarteten Reboots ruht somit auf den Darstellern. Und tatsächlich klingt das Kader der beteiligten Schauspieler im ersten Moment durchaus vielversprechend. Mit David Harbour haben die Verantwortlichen einen aktuell dank seines "Stranger Things"-Engagements sehr beliebten Schauspieler für die Rolle des Hellboy verpflichtet. Milla Jovovich wiederum hat dank ihrer Rolle im "Resident Evil"-Franchise ihrerseits längst einen gewissen Kultstatus und tritt im Reboot als Blutkönigin Nimue gegen Red an.

Doch auch "in der zweiten Reihe" muss sich beim Cast niemand verstecken. Ian McShane ("John Wick"-Reihe, "Game of Thrones") ist als Professor Bruttenholm/Broom am Start, Daniel Dae Kim ("Lost") übernahm nach einigem Hin und Her als Ben Daimio. Und Alistair Petrie ("Rogue One: A Star Wars Story", "The Terror") hat als Lord Adam Glaren, ein hochrangiges Mitglied des Osiris-Clubs, ebenfalls einen Part in der filminternen Entwicklung von Hellboy zu spielen.

Ian McShane ist als Hellboys Ziehvater Professor Broom am Start. fullscreen
Ian McShane ist als Hellboys Ziehvater Professor Broom am Start.
David Harbour tritt das "Hellboy"-Erbe von Ron Perlman an. fullscreen
David Harbour tritt das "Hellboy"-Erbe von Ron Perlman an.
Daniel Dae Kim schlägt sich als Ben Daimio durch das Reboot. fullscreen
Daniel Dae Kim schlägt sich als Ben Daimio durch das Reboot.
Ian McShane ist als Hellboys Ziehvater Professor Broom am Start.
David Harbour tritt das "Hellboy"-Erbe von Ron Perlman an.
Daniel Dae Kim schlägt sich als Ben Daimio durch das Reboot.

Sie alle werfen sich also auf die eine oder andere Art zusammen mit dem Rest des Casts in den großen Kampf um den Untergang der Menschheit. Überzeugen kann aber eigentlich keiner von ihnen so recht. So schafft Ian McShane es etwa zu kaum einem Zeitpunkt, sein sonst so charmantes Charisma spielen zu lassen. Milla Jovovich, die ihrerseits eigentlich eine zuerst zerstückelte und dann über Jahrhunderte weggesperrte Zauberin darstellen soll, könnte mit ihrer aufgesetzten Wut vermutlich kaum ein Kindergartenkind erschrecken.

David Harbour wiederum merkt man die Begeisterung über seiner Comic-Rolle tatsächlich ein Stück weit an. Zwar unterscheidet sich die Herangehensweise des Schauspielers an die Rolle des Hellboy deutlich von Ron Perlmans Ansatz. Das hatte Harbour aber schon lange vorher angekündigt. Und "anders" bedeutet zumindest in diesem Fall nicht unbedingt (durchgängig) auch schlechter. Es ist aber eben doch so gewöhnungsbedürftig, dass es definitiv einer Menge Fans sauer aufstoßen dürfte.

Weder Milla Jovovich ... fullscreen
Weder Milla Jovovich ...
... noch Ian McShane ... fullscreen
... noch Ian McShane ...
... oder der Rest des Casts kann so recht überzeugen. fullscreen
... oder der Rest des Casts kann so recht überzeugen.
Weder Milla Jovovich ...
... noch Ian McShane ...
... oder der Rest des Casts kann so recht überzeugen.

Fazit: Hätten sie es mal gelassen ...

Mit dem Reboot der "Hellboy"-Reihe hat sich Regisseur Neil Marshall eine ambitionierte Aufgabe gestellt. Nicht nur, weil die zugrunde liegenden Comics von Mike Mignola sich einer überaus großen Fan-Base erfreuen. Auch die früheren Filme von Guillermo del Toro haben der Figur eine breite Anhängerschaft beschert, die das Projekt von Anfang an mit Argusaugen begutachtete.

Nun waren die bisherigen Teile der "Hellboy"-Reihe trotzdem zugegebenermaßen nie wirklich das, was man als Oscar-Kandidaten bezeichnen würde. Doch sie trugen ihren B-Movie-Charme überzeugend zur Schau und bestachen mit einer vergleichsweise gekonnten Umsetzung. Das ist mehr, als man vom aktuellen Reboot behaupten kann. Weder die Handlung, noch die Schauspieler können wirklich punkten. Von der verwendeten CGI und Kameratechnik ganz zu schweigen. Chance vertan – schade eigentlich.

Hellboy: Call of Darkness
Hellboy: Call of Darkness
  • Datenblatt
  • Genre
    Action, Adventure, Fantasy
  • Laufzeit
    2 Stunden
  • Release
    11. April 2019
  • FSK
    16
TURN ON Score:
1,5von 5
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