menu
Highlight

Ich bin zwar selbst spät dran, aber: Warum guckt niemand "Billions"?

"Billions" punktet mit zwei gigantischen Egos, viel Macht und noch mehr Geld: Aber warum kennt kaum jemand die Serie?

Ich habe kürzlich nach einer neuen Serie gesucht. Eine Serie mal abseits von Netflix. Fündig geworden bin ich auf Sky: Aus der Laune heraus habe ich mich an "Billions" gewagt. Im Netz ist mir nur immer wieder untergekommen, wie begeistert man in Amerika von der Serie ist. Die kurze Zusammenfassung klang interessant und mit Damian Lewis und Paul Giamatti hat "Billions" zudem zwei echte Hochkaräter an Bord. Warum der Show nicht also eine Chance geben?

Inzwischen habe ich die ersten drei Staffeln in kürzester Zeit weggebingt und habe nun ein Problem: Ich kann es kaum erwarten, bis es mit Staffel 4 weitergeht. Als ich den Kollegen begeistert von meinem neuen Fund berichtet habe, wurde ich aber nur mit imaginären Fragezeichen auf der Stirn angesehen. Von der Serie hatten sie zwar schon gehört, das war es dann aber auch schon. Schade eigentlich!

Doch das soll nicht so bleiben: Darum hier meine Gründe, warum "Billions" nicht mehr unter dem Radar laufen sollte, und ein Aufruf an die deutschen Free-TV-Sender, die Serie endlich ins Programm zu nehmen!

Worum geht's?

Auf den ersten Blick klingt die Story hinter "Billions" gar nicht so komplex: Charlie "Chuck" Rhoades (Paul Giamatti) ist Staatsanwalt des New Yorker Southern District. Sein Ziel ist es, die bösen Männer hinter Gitter zu bringen. Vor allem die aus der Finanzwelt, die ihr Geld mit illegalen Machenschaften verdienen.

Und genau aus dieser stammt Bobby "Axe" Axelrod (Damian Lewis). Er ist nach dem 11. September zu einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Hedgefond-Manager von New York aufgestiegen – und ist damit Rhoades ein Dorn im Auge.

Der Teufel steckt im Detail

Allerdings wäre es zu schön, um wahr zu sein, wenn die Handlung so eindeutig und klar wäre. Gut jagt Böse und am Ende gewinnt der Gute. Aber nix da! Denn zwischen den beiden steht Wendy Rhoades (Maggie Siff): Auf der einen Seite ist sie die Frau von Chuck, auf der anderen Seite ist sie aber auch Psychologin im Unternehmen und gute Freundin von Axe. Ein ausgeprägter Interessenkonflikt ist also unausweichlich und zwar an allen Fronten ... Und dann gibt es natürlich auch noch zahlreiche Nebendarsteller (Stichwort: Wags und Taylor Mason), die für Spannung(en) auf ganzer Linie sorgen und hohen Unterhaltungswert bieten.

Warum also einschalten?

Grund 1: Wer hat den längsten ... Atem?

Billions fullscreen
Nach "Homeland" brilliert Damian Lewis in einer weiteren Showtime-Serie.

Der erste und wichtigste Grund ist: Damian Lewis und Paul Giamatti spielen ihre Rollen einfach brillant. Ich habe Lewis jederzeit den smarten Hedgefond-Manager abgekauft, der nach außen den Wohltäter gibt und hinten herum krumme Geschäfte dreht. Und auch Giamatti lebt seine Rolle als gesetzestreuer, etwas steifer Paragrafenreiter, dem mehrfach sein großes Ego im Weg steht.

Beide wollen im Grunde nur das eine: Macht! Während Axe zeigen will, dass keiner an der Wall Street so smart ist wie er, und damit zu Recht jeden Cent seiner angehäuften Milliarden verdient hat, geht es Chuck um juristische Macht. Er will den illegalen Geschäften ein Ende bereiten und sieht in Axe den größten aller Fische. Wenn er ihm das Handwerk gelegt hat, so glaubt Rhoades, winkt ihm endlich der Posten als Generalstaatsanwalt! Dass er dabei selbst manchmal nicht ganz legal vorgeht, scheint ihn nicht zu stören ...

Billions fullscreen
Paul Giamatti ist die perfekte Besetzung für Chuck Rhoades.

Interessant ist, dass sich die beiden Streithähne, um die sich die Serie dreht, so gut wie nie gegenüberstehen. Es gibt beinahe keine Szene, in der beide zusammen zu sehen sind. Ihr Streit zeigt sich viel mehr durch die Taktiken, die sie an den Tag legen, um den jeweils anderen aus dem Verkehr zu ziehen.

Sätze wie "Wozu ist Fuck-You-Geld gut, wenn man es nie benutzt, um Fuck You zu sagen?" machen deutlich, wie der Hase in "Billions" läuft. Also kauft Axe sich und seiner Familie ein fettes Strandhaus! Einfach weil er's kann. Und selbst als es Rhodes gelingt, Axe endlich zu verklagen, und ihm so 1,9 Milliarden (!) Dollar aus den Rippen leiert, sagt der dazu nur unterkühlt: "Sie haben mich, Rhoades. 1,9 Milliarden, das tut weh.  Aber nicht wie eine Hai-Attacke. Eher wie ein Bienenstich. Und wir verdienen das zurück in acht Monaten, in sechs."

Grund 2: Die Macht der Frau

Billions fullscreen
Maggie Siff hat vor "Billions" unter anderem in "Sons of Anarchy" eine wichtige Rolle gespielt.

Der eigentliche Star der Serie ist aber nicht einer der männlichen Protagonisten, sondern vielmehr Wendy Rhoades. Sie fügt dem bestehenden Spannungsverhältnis zwischen Axe und Chuck die alles entscheidende Würze hinzu.

Im Hause Rhoades gibt es gleich zwei Gründe, die für Konfliktpotenzial sorgen: An Chuck nagt es zum einen, dass seine Frau das ganz große Geld mit nach Hause bringt. Zum anderen gibt es einen eindeutigen Interessenkonflikt, dem sich Wendy stellen muss. Nicht umsonst bittet Chuck seine Frau, ihren Job bei Axe aufzugeben.

Billions fullscreen
Wendy Rhoades ist die eigentliche Strippenzieherin, wenn es um den Machtkampf zwischen Axe und Chuck geht.

Natürlich geht auch an Wendy der Konflikt zwischen ihrem Mann und ihrem Chef (mit dem sie auch eine enge Freundschaft pflegt) nicht spurlos vorbei. Sie unterstützt Chuck in dem, was er tut, ohne allerdings zu viele Details erfahren zu wollen. Doch die Verbissenheit und Sturheit, mit der Chuck Axe verfolgt, treibt sie zugleich in den Wahnsinn. Auch Axelrod gegenüber ist sie loyal. So ist sie auch die Einzige, die dem Hedgefond-Manager die Leviten lesen kann. Von niemandem sonst würde sich der sonst so selbstsichere Axe auf diese Art behandeln lassen.

Grund 3: Nach realen Vorbildern

Ich finde es überraschend, dass "Billions" in Deutschland kaum eine Rolle spielt. Und das trotz einer Rotten-Tomatoes-Wertung von 86 Prozent und 8,5 Sternen auf IMDb. Die ersten drei Staffeln sind derzeit ausschließlich auf Sky zu finden. Im Free-TV lief die Serie mit Paul Giamatti und Damian Lewis bisher noch gar nicht. Sehr schade, wie ich finde, denn Serienfans, die Dramen im Finanzwesen mögen, hätten an "Billions" ihre helle Freude.

Mit Brian Koppelman, David Levien und Andrew Ross Sorkin haben sich nämlich drei echte Finanzprofis gefunden, die für "Billions" verantwortlich zeichnen. Die ersten beiden kennen sich ziemlich gut mit Zockern aus, immerhin waren sie die Produzenten der Filme "Rounders" und "Ocean's Thirteen". Sorkin hingegen schreibt seit vielen Jahren als Wirtschaftsjournalist für die New York Times über Finanzen und verfasste 2009 den Bestseller "Too Big to Fail: The Inside Story of How Wall Street and Washington Fought to Save the Financial System – and Themselves" (dt. "Die Unfehlbaren – Wie Dealer und Politiker nach der Lehman-Pleite darum kämpften, das Finanzsystem zu retten").

Mike "Wags" Wagner (David Costabile) ist die rechte Hand von Axe. fullscreen
Mike "Wags" Wagner (David Costabile) ist die rechte Hand von Axe.
Wags ist auch da, um "Probleme" aus dem Weg zu schaffen. fullscreen
Wags ist auch da, um "Probleme" aus dem Weg zu schaffen.
Taylor Mason (Asia Kate Dillon) ist zunächst nur eine Praktikantin bei Axe Capital. fullscreen
Taylor Mason (Asia Kate Dillon) ist zunächst nur eine Praktikantin bei Axe Capital.
Doch ihr brillanter Verstand und schnelle Auffassungsgabe lässt sie die Karriereleiter schnell emporsteigen. fullscreen
Doch ihr brillanter Verstand und schnelle Auffassungsgabe lässt sie die Karriereleiter schnell emporsteigen.
Mike "Wags" Wagner (David Costabile) ist die rechte Hand von Axe.
Wags ist auch da, um "Probleme" aus dem Weg zu schaffen.
Taylor Mason (Asia Kate Dillon) ist zunächst nur eine Praktikantin bei Axe Capital.
Doch ihr brillanter Verstand und schnelle Auffassungsgabe lässt sie die Karriereleiter schnell emporsteigen.

Laut dem Wall Street Journal soll zumindest der Charakter von Chuck Rhoades auf den Handlungen des echten New Yorker Staatsanwalts Preet Bharara beruhen, der im Big Apple auch als "der Kreuzritter" bekannt ist.

Los jetzt, einschalten!

Für mich heißt es nun also warten, denn Staffel 4 geht erst Mitte März weiter. Eine ganz schön lange Zeit, wenn man bedenkt, wie Staffel 3 endet und wenn man sich den kürzlich erschienenen Trailer zur nächsten Season ansieht. Denn wie es scheint, dürften sich bald ganz neue Allianzen bilden ...

Schade nur, dass "Billions" ausschließlich über Sky zu empfangen ist. Im Free-TV hat die Serie bisher keinen Platz gefunden, was überraschend ist. Immerhin ist US-Sender Showtime bekannt für Qualität wie etwa die Serie "Homeland" (ebenfalls mit Damian Lewis) – und die gab es immerhin auf Sat.1 zu sehen. Also liebe Sender: Gebt "Billions" eine Chance! Bald!

Sendehinweis
Weiter geht's mit Staffel 4 ab 17. März auf dem US-Sender Showtime bzw. einen Tag später auf Sky Atlantic HD. Die ersten drei Staffeln stehen zudem via Sky Go, Sky Ticket und Sky On Demand zum Abruf bereit.

Kommentar schreiben
Relevante Themen:

Neueste Artikel zum Thema Drama

close
Bitte Suchbegriff eingeben