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"Kingdom" und Co.: Südkoreanische Zombies erobern den Westen

Ist der Westen ein gefundenes Fressen für südkoreanische Zombies?
Ist der Westen ein gefundenes Fressen für südkoreanische Zombies?

Zombies gehören so untrennbar zum Horrorgenre wie Vampire, Dämonen und Co. Doch meist kommen ihre filmischen Ableger nach wie vor aus Hollywood. Mit "Kingdom" hat sich das zumindest auf Netflix geändert. Und zwar auf ziemlich eindrucksvolle Weise. Da fragt man sich: Können südkoreanische Zombies vielleicht sogar Serien-Hits wie "The Walking Dead" und Blockbustern wie "World War Z" Konkurrenz machen?

Gute Zombiefilme gibt's nur aus Hollywood? Da lag ich ganz schön falsch!

Wer einen guten Zombiefilm sehen will, der muss sich an Hollywood halten. So dachte ich früher zumindest, immerhin wurde die moderne Version unseres klassischen wandelnden Untoten einst von George A. Romero in Hollywood aus der Taufe gehoben. Und in Sachen Serie geht für mich in dieser Hinsicht ohnehin schon seit Jahren nicht viel über "The Walking Dead".

Doch in letzter Zeit musste ich feststellen, dass es immer öfter ziemlich vielversprechenden Nachschub aus ganz anderer Richtung gibt: Südkorea. Und das, obwohl Zombiefilme und -serien dort traditionell nicht zu den festverankerten Filmgenres gehören. Als auf Netflix mit der Zombieserie "Kingdom" die erste südkoreanische Produktion an den Start ging, war ich zunächst ein bisschen skeptisch – und hätte damit wohl kaum stärker daneben liegen können. Inzwischen geht die Serie sogar schon in die zweite Runde.

Ist "Kingdom" besser als "The Walking Dead"?

Wie ich nämlich ziemlich schnell feststellte, hat "Kingdom" wirklich so einiges zu bieten. Die Serie spielt im mittelalterlichen Südkorea, entsprechend prunkvoll und beeindruckend fällt das gesamte Setting aus. Zumindest wenn es sich um Szenen in Zusammenhang mit der herrschenden Klasse dreht.

Denn obwohl in "Kingdom" ganz klar die Zombies im Mittelpunkt stehen, sind es doch vor allem die sozialkritischen Momente, die alles zusammenhalten. Immerhin ist die Ursache für den Ausbruch der Zombie-Seuche im Machthunger und den Intrigen der Adeligen am königlichen Hof zu suchen.

"Kingdom" setzt auf traumhafte Landschaften ... fullscreen
"Kingdom" setzt auf traumhafte Landschaften ...
... und prunkvolle Sets. fullscreen
... und prunkvolle Sets.
Auch die Kostüme der Darsteller fallen ziemlich beeindruckend aus. fullscreen
Auch die Kostüme der Darsteller fallen ziemlich beeindruckend aus.
"Kingdom" setzt auf traumhafte Landschaften ...
... und prunkvolle Sets.
Auch die Kostüme der Darsteller fallen ziemlich beeindruckend aus.

Zombieserie setzt auf sozialkritische Töne

Dem gegenüber steht der echte Hunger der armen Bevölkerung – und die Gier der nachtaktiven (!) Zombies. Wo "The Walking Dead" in Sachen Sozialkritik durchaus hier und da einen austeilt, stürzt sich "Kingdom" sozusagen kopfüber ganz tief rein in die unschönen Aspekte der Gesellschaft.

Kombiniert wird das mit einer kinowürdigen Produktion und spektakulär-rasanten Kampfszenen (die Zombies halten es in Sachen Geschwindigkeit eher mit "World War Z"). Dazu kommt ein hoffnungsvoller Grundton:Die mythische Auferstehungsblume verspricht eine potenzielle Heilung der Seuche – den es so in "TWD" dank der omnipräsenten Beißer-Seuche nicht gibt.

Wer den Zombies in "Kingdom" entkommen möchte, muss ziemlich gut zu Fuß sein. fullscreen
Wer den Zombies in "Kingdom" entkommen möchte, muss ziemlich gut zu Fuß sein.
Selbst die blutigen Szenen fallen in der südkoreanischen Zombie-Serie gleich ein bisschen sehenswerter aus. fullscreen
Selbst die blutigen Szenen fallen in der südkoreanischen Zombie-Serie gleich ein bisschen sehenswerter aus.
Die Kostüme der "normalo" Figuren sind gleich deutlich unspektakulärer. fullscreen
Die Kostüme der "normalo" Figuren sind gleich deutlich unspektakulärer.
Wer den Zombies in "Kingdom" entkommen möchte, muss ziemlich gut zu Fuß sein.
Selbst die blutigen Szenen fallen in der südkoreanischen Zombie-Serie gleich ein bisschen sehenswerter aus.
Die Kostüme der "normalo" Figuren sind gleich deutlich unspektakulärer.

"Kingdom" ist nicht das einzige Zombie-Highlight aus Südkorea

Grund genug für mich, dem Ganzen mal etwas genauer nachzugehen. Zumal eine Rotten-Tomatoes-Wertung von immerhin 86 Prozent beweist, dass ich nicht die Einzige bin, die sich von den südkoreanischen Zombies angesprochen fühlt.

Dabei fiel mir auf, dass der stille Siegeszug der "neuen" Zombies tatsächlich schon 2016 mit "Train to Busan" begonnen hat. Ein Zombie-Horrorfilm, den ich zwar natürlich gesehen und für ziemlich gut befunden, dessen Reichweite ich aber eindeutig unterschätzt hatte. Und das, obwohl der Film tatsächlich mit einer überraschenden Schlagkraft und Qualität aufwartet, die wohl kaum jemand ausgerechnet von einem südkoreanischen Zombie-Film erwartet hätte.

"Train to Busan" haucht 0815-Handlung überraschend neues Leben ein

Umso mehr, als auch die Handlung von "Train to Busan" auf den ersten Blick eher nach einem klassischen 0815-Zombie-Streifen klingt: Ein Virus verbreitet sich und verwandelt seine Opfer in Zombies. Die (noch) Überlebenden kämpfen darum, nicht zur nächsten Mahlzeit der wandelnden Untoten zu werden. So weit, so altbekannt.

Doch dann überrascht der Film von Regisseur Yeon Sang-ho ("The Fake") nicht nur mit echter Charakterentwicklung und Sozialkritik(!), sondern auch mit einigen wirklich sehenswerten Twists in der Handlung und gekonnten Effekten. Selbst für seine Untoten hatte der Filmemacher eine ziemlich originelle Idee – die ich an dieser Stelle nicht spoilern möchte!

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Remake bereits in Arbeit – von James Wan

Auf Rotten Tomatoes hält "Train to Busan" derzeit daher verdient ein 95-Prozent-Fresh-Rating. Bei einem geschätzten Budget von umgerechnet rund 7,5 Millionen US-Dollar spielte der Film ganze 87,5 Millionen US-Dollar an den weltweiten Kinokassen ein. Und: US-Horror-Goldkind James Wan arbeitet schon an einem Remake!

Rückblickend betrachtet sieht es also ganz so aus, als wäre mit dem Überraschungshit seinerzeit wirklich der sinnbildliche Knoten in Sachen Zombie-Filme in Südkorea geplatzt. Schon 2018 folgte die nächste groß angelegte Veröffentlichung: "Rampant".

"Rampant" setzt den Trend vielversprechend fort

Zwar konnte mich Regisseur Kim Sung-hoons ("Confidental Assignment") Angriff auf das Zombie-Genre nicht ansatzweise so sehr überzeugen wie "Train to Busan" oder "Kingdom". Doch es lässt sich nicht übersehen, dass es der Filmemacher so richtig wissen wollte. Grundsätzlich zumindest.

Immerhin glänzt der Film dank seiner ins mittelalterliche Südkorea versetzten Handlung mit durchaus beeindruckenden Set-Aufnahmen. Nur in Sachen Charakterentwicklung und Plot kann es der prunkvoll ausgestattete Zombie-Historienfilm nicht mit seinem berühmten Vorgänger (und vielversprechenden Nachfolger) aufnehmen. Wieso es bei der Rotten-Tomatoes-Wertung vermutlich auch "nur" für ein 64-Prozent-Rating reicht.

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Warum sollten Zombies eigentlich ein Phänomen der Neuzeit sein?

Was "Rampant" aber genau wie "Kingdom" trotzdem eindrucksvoll beweist: Zombies und historisches Setting passen überraschend gut zusammen! Während die allermeisten westlichen Zombie-Filme zumindest in mehr oder weniger modernem Umfeld spielen, scheuen sich die asiatischen Filmemacher hinter "Kingdom" und Co. nicht, zu zeigen, dass wandelnde Untote absolut kein reines Phänomen der Neuzeit sein müssen.

Unter anderem dadurch eröffnen sich neue kreative Möglichkeiten, die (bisher) zu wirklich sehenswerten Ergebnissen geführt haben. Das für viele Westler auch heute noch immer exotisch anmutenden Setting in asiatischer Umgebung sorgt für den zusätzlichen Reiz. Und das ebenfalls durchaus unterschiedlich funktionierende Gesellschaftssystem liefert die Basis für neue Blickwinkel auf die eigentlich längst bekannte Figur des Film-Zombies. Das Ergebnis: Geschichten, die die ausgetretenen Pfade von Hollywood verlassen und dem Genre damit frischen Wind einhauchen.

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Ein historisches Setting verträgt sich überraschend gut mit dem Zombie-Genre.

Fazit: Frischer Wind für ein (un)totes Film-Genre

Insgesamt lässt sich sagen, dass die aktuell aus Südkorea zu uns kommenden Zombie-Produktionen mehr als vielversprechend sind. Durch ungewöhnliche Ideen, ein für Westler exotisch anmutendes asiatisches Setting und Co. fordern die Filmemacher unsere Sehgewohnheiten in Sachen Zombies heraus. Und sorgen damit zugleich für frischen Wind in dem aus Hollywood eigentlich ziemlich altbekannten Genre. Ich zumindest bin sehr gespannt, was da noch kommen kann.

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