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Filmkritik

Kritik zu "Birds of Prey": Harley Quinn hat gut lachen

Birds of Prey Margot Robbie als Harley Quinn
"Joke's on you, boys!" Der neue DC-Film "Birds of Prey" setzt voll und ganz auf Frauenpower.

Ich gebe zu: Vor der Pressevorführung von "Birds of Prey" war ich skeptisch. Das Marketing für den neuen DC-Film drehte sich im Vorfeld beinahe ausschließlich um Joker-Gespielin Harley Quinn. Und tatsächlich: Mit der Comicvorlage rund um die titelgebenden Heldinnen hat die Verfilmung wenig zu tun. Warum mich "Birds of Prey" trotzdem positiv überrascht hat, verrät die Kritik.

"Birds of Prey"? Eher "Jagd auf Harley Quinn"

Wenn Comicleser an die Birds of Prey denken, fallen ihnen vor allem drei Namen ein: Barbara Gordon alias Batgirl aka Oracle, Dinah Lance alias Black Canary und Helena Bertinelli alias Huntress. Fällt Dir etwas auf? Genau, Harley Quinn hat zwar einen Vogel, ist aber keiner. In den Comics darf die Clown-Prinzessin des Verbrechens den Superheldinnen lediglich hin und wieder unter die Arme greifen.

Der Filmtitel "Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn" ist für mich deshalb irreführend. Der neue DC-Film erzählt kein Abenteuer der Birds of Prey, in dem Ms. Quinn am Rande mitmischt – der Actioner ist im Grunde der Harley-Quinn-Solofilm, auf den die Fans seit "Suicide Squad" (2016) gewartet haben. Die Birds of Prey? Harleys Sidekicks wider Willen – wenn auch verdammt coole.

Birds of Prey fullscreen
"Fünf Freunde" im Gotham-Style!

Harley ist solo!

Schon zu Beginn des Films ist klar: Hier geht's um Harley, die Story wird von der Antiheldin selbst erzählt und orientiert sich optisch, tonal und mit zahlreichen Easter Eggs stark an der Solo-Comicreihe "Harley Quinn" von Amanda Conner und Jimmy Palmiotti. Die Reihe ist für ihren wilden Mix an Zeichenstilen bekannt – ein Element, das auch die "Birds of Prey"-Verfilmung aufgreift.

Mit einem Cartoon-Prolog bringt Harley persönlich die Zuschauer auf den aktuellen Stand: Zwischen ihr und dem Joker ist es aus, die Clown-Prinzessin ist Single und ertränkt ihren Kummer abwechselnd in Alkohol und Sprühkäse. Blöd nur, dass Harley sich in der Vergangenheit eine Menge Feinde gemacht hat. Ohne den Schutz des Jokers, den selbst die fiesesten Schurken Gothams fürchten, ist Harley Quinn zum Abschuss freigegeben. Besonders der mächtige Mafiaboss Roman Sionis alias Black Mask ist nicht gut auf die chaotische Ex-Geliebte des Jokers zu sprechen. Zu Harleys Glück ist sie nicht die einzige, mit der Black Mask eine Rechnung offen hat.

Die Story ist im Grunde simpel, stellt sich aber nicht so dar. Denn: Die Clown-Prinzessin erzählt ihre Geschichte selbst, in typisch verdrehter Harley-Manier. Fröhlich hüpft die Antiheldin zwischen den Handlungssträngen hin und her, vergisst hier und dort ein paar wichtige Informationen, um sie später nachzuliefern. Szenen werden eingefroren und aus dem Off kommentiert, kunterbunte Texteinblendungen à la Harley liefern Charakterbeschreibungen. Der Aufbau des Films ist so wirr und herrlich wild wie Harleys Verstand – und das ist ... oh hey, ein Eichhörnchen!

Harley Quinn in Birds of Prey fullscreen
Harley hat heute keinen Clown gefrühstückt, sondern ein Sandwich. Darum ging es gerade nicht? Ach, was soll's.

Oh Puddin', das R-Rating ist sowas von verdient

Harley-Darstellerin Margot Robbie hat "Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn" im Vorfeld als "Girlgang-Film mit R-Rating" beschrieben. In Deutschland geht der Film mit einer Altersfreigabe von 16 Jahren an den Start – die hat sich die Comicverfilmung wahrlich verdient. Knochen splittern, Blut spritzt, Drogen und Alkohol werden massenweise konsumiert. Und es wird geflucht, als gäbe es kein Morgen. Dass das bei den Fans gut ankommt, haben Kinohits wie "Deadpool", "Logan – The Wolverine" und zuletzt "Joker" gezeigt.

Regisseurin Cathy Yan neigt in "Birds of Prey" allerdings etwas weniger zu Brutalität und schrägem Humor, dafür mehr zur perfekt choreografierter Action. Es ist nicht zu übersehen, dass "John Wick"-Macher und Stunt-Experte Chad Stahelski seine Finger im Spiel hatte: Harley Quinns Kampfszenen sind laut, bunt, akrobatisch und völlig irrwitzig. In dem einem Moment stürmt sie ein Polizeirevier mit einer Glitzer-Kanone, um kurz darauf einen Gegner mit einem gezielten Wurf eines Baseballschlägers auszuknocken, der anschließend wie ein Bumerang im hohen Bogen zu ihr zurückkehrt. Realitätsnah? Nicht mit Harley!

Harley Quinn und John Wick fullscreen
Tanzen beide gern im Regen: Harley Quinn und John Wick.

Mädchen gegen Jungs

Ich hätte gern mehr von den eigentlichen "Birds" Jurnee Smollett als Black Canary und Mary Elizabeth Winstead als "Crossbow-Killer" alias Huntress gesehen. "Du bist so cool", sagt Harley zu Huntress. Stimmt. Dieser Coolness hätte allerdings mehr Screentime verdient gehabt, "Birds of Prey" degradiert ausgerechnet seine Titelheldinnen zu Nebenfiguren.

Mehr Gerechtigkeit lässt der Film gegenüber Black Mask walten. Einen besseren Darsteller als Ewan McGregor hätte ich mir für den sadistischen, unberechenbaren Unterweltbaron nicht wünschen können. Wer selbst beim Facelifting im Morgenmantel noch bedrohlich wirkt, hat den Titel Superschurke wirklich verdient.

Birds of Prey Ewan McGregor Black Mask fullscreen
"Christopher Robin" kann auch böse: Ewan McGregor ist Black Mask!

Apropos Schurke: In diesem "Mädchen gegen Jungs"-Kampf à la DC gibt es keinen einzigen Mann – und ich meine, wirklich keinen – der kein Ar***loch, Feigling oder Verräter ist. Oder alles auf einmal. Das mag trotz der feministischen Ausrichtung des Films auf den ersten Blick etwas drastisch wirken, auf den zweiten Blick macht es durchaus Sinn – schließlich ist Gotham nicht unbedingt die Hauptstadt der edlen Ritter.

Fazit: Friede, Freude, Eiersandwich.

Keine Frage, visuell ist "Birds of Prey" ein kunterbuntes Knallbonbon. Als Harley-Quinn-Solofilm macht das neue Kapitel im DC Extended Universe viel Spaß, als "Birds of Prey"-Adaption weniger. Was den derben Humor betrifft, hätte sich der Film noch mehr trauen dürfen. Die beste, Harley-Quinn-esque Szene? Ein romantisches Intermezzo mit einem Eiersandwich.

Besser als David Ayers "Suicide Squad" ist "Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn" allemal. Was sagst du, Bernie? Das ist nicht schwer? Stimmt auch wieder. Trotzdem hat "Birds of Prey" für mich die Messlatte für einen möglichen "Gotham City Sirens"-Film höher gelegt.

Birds of Prey
Birds of Prey
  • Datenblatt
  • Genre
    Action, Crime, Comicverfilmung
  • Laufzeit
    1 Stunde 49 Minuten
  • Release
    06.Februar 2020
  • FSK
    ab 16 Jahren
TURN ON Score:
3,5von 5
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