menu

Kritik zu "Shazam!": DC-Film mal anders

Die "Shazam!"-Familie: Der neue DC-Held kommt nicht allein.
Die "Shazam!"-Familie: Der neue DC-Held kommt nicht allein.

In Deutschland ist der Held Shazam kaum einem Kinogänger ein Begriff. Sollte er aber! Warum der neue DC-Film ganz anders ist als seine Vorgänger und wer mit der Comicverfilmung wirklich auf seine Kosten kommt, liest Du in unserer Filmkritik.

"Shazam!" macht einfach Spaß

Wenn im Vorfeld von "Shazam!" gesprochen wurde, fiel vor allem ein Wort: "Spaß" – und das absolut zurecht. Der neue DC-Film ist schlicht leichtherziger und bodenständiger als die bisherigen bierernsten, düsteren Blockbuster des DC Extended Universe, allen voran "Batman v Superman: Dawn of Justice". Selbst "Aquaman" kam zuletzt trotz viel Humor nicht ohne eine gewichtige "Rette die Welt"-Mission und gigantische CGI-Schlachten aus.

"Shazam!" hingegen ist voll und ganz auf seine Charaktere fokussiert und dabei herrlich albern und bunt. In Sachen Tonalität ähnelt der neue DC-Film noch am ehesten dem Marvel-Film "Ant-Man" oder gar einer jugendfreien Version von "Deadpool". Ein Gag folgt im Sekundentakt auf den anderen. Dabei nimmt Regisseur David Sandberg auch gern das Superhelden-Genre selbst mit einem Augenzwinkern aufs Korn (ich sage nur: der obligatorische Bösewicht-Monolog).

Schon die grundlegende Handlung von "Shazam!" gibt der typischen Comichelden-Story einen ganz neuen Anstrich:

Held werden ist nicht schwer, Held sein dagegen sehr

Teenager Billy Batson (Asher Angel) ist eigentlich alles andere als ein Held. Der Waisenjunge ist ein Ausreißer, der bereits diverse Pflegefamilien hinter sich ließ, immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gerät und niemandem über den Weg traut. Sein Leben ändert sich jedoch schlagartig, als ein mysteriöser Zauberer ihm übermenschliche Kräfte verleiht.

Mit nur einem magischen Wort kann sich der halbstarke Billy fortan in den (körperlich) erwachsenen Helden Shazam (Zachary Levi) verwandeln. Dieser besitzt dem Namen nach die Weisheit Salomons, die Stärke von Herkules, die Ausdauer von Atlas, die Macht von Zeus, den Mut des Achilles und die Geschwindigkeit des Merkur. Doch Superkräfte hin oder her: Im Inneren bleibt Billy der selbst bezogene Teenager, der er vorher war. In die Heldenrolle muss er im wahrsten Sinne des Wortes erst hineinwachsen.

Mit nur einem Wort verwandelt sich Billy Batson ... fullscreen
Mit nur einem Wort verwandelt sich Billy Batson ...
... in Shazam! fullscreen
... in Shazam!
Mit nur einem Wort verwandelt sich Billy Batson ...
... in Shazam!

Origin-Story im Doppelpack

Nun könnte man meinen, "Shazam! wäre nur ein witziges Fantasy-Spektakel. Trotz der "magischen" Handlung ist der neue DC-Film aber viel mehr ein Familiendrama mit einem ordentlichen Schuss Komödie. Das "Superhelden"-Thema steht nur an zweiter Stelle – und das in doppelter Hinsicht. Denn in "Shazam" werden gleich zwei Origin-Geschichten erzählt, die des Titelhelden und die des Schurken Doctor Sivana (Mark Strong) – und beide werden in erster Linie von ihrem familiären Background geprägt.

So steigt Regisseur David Sandberg gar mit der düsteren Hintergrundgeschichte des neuen DC-Bösewichts in seinen Film ein und inszeniert dessen Origin-Story so, dass der Zuschauer problemlos nachfühlen kann, warum Dr. Thaddeus Sivana zum Antagonisten wurde. Vor allem zu Beginn sympathisiert der Kinogänger geradezu mit dem zurückgewiesenen, vom eigenen Vater verachteten "Thad". Später macht Sivana leider keine echte Entwicklung durch: Er bleibt das missverstandene, zornige Kind.

Shazam gegenüber steht Doctor Sivana. fullscreen
Shazam gegenüber steht Doctor Sivana.
"Thad" (links im Bild) ist ein waschechtes Problemkind. fullscreen
"Thad" (links im Bild) ist ein waschechtes Problemkind.
Shazam gegenüber steht Doctor Sivana.
"Thad" (links im Bild) ist ein waschechtes Problemkind.

Ganz anders sieht es beim Titelhelden aus. Der "verlorene Junge" Billy Batson sehnt sich im Grunde nur nach seiner leiblichen Mutter und setzt alles daran, sie wiederzufinden. Als er im Bilderbuch-Zuhause der Pflegeeltern Rosa und Victor (Marta Milans und Cooper Andrews) landet, die bereits fünf weitere Pflegekinder bei sich aufgenommen haben, bleibt er deshalb abweisend. Nach und nach erkennt Billy jedoch, was eine Familie wirklich ausmacht – anders als Sivana löst er sich von seiner Verbitterung und macht eine deutliche Charakterentwicklung durch.

Der heimliche Star

Dass Billys Entwicklung so überzeugend wirkt, ist dabei vor allem der starken Besetzung zu verdanken. So schafft Hauptdarsteller Zachary Levi mühelos den Spagat zwischen muskulösem Superman-Verschnitt außen und rebellischem Teenager innen. Überdeutlich wird dieser gelungene Mix in der Kräfte-Test-Montage, in der Levis Held verschmitzt grinsend seine verschiedenen Fähigkeiten auf YouTube zur Schau stellt. Was sonst würde ein Teenie schließlich heute mit Superkräften tun, als Likes zu sammeln?!

Zachary Levi und Jack Dylan Grazer in Shazam fullscreen
"Guck mal, was ich kann!": Superheld goes Social-Media-Star!

Einer stiehlt allerdings sogar Zachary "Shazam" Levi die Show: Jack Dylan Grazer als Billys Pflegebruder und Superhelden-Fan Freddy Freeman. Mit viel Witz und Charme brilliert der "Es"-Star sowohl im Zusammenspiel mit Asher Angels Billy als auch mit Levis Shazam. Auf diese Weise trägt die Figur von Freddy maßgeblich zu dem Eindruck bei, dass Billy und Shazam tatsächlich ein und dieselbe Person sind.

Ein Hoch auf Freddy (rechts im Bild)! fullscreen
Ein Hoch auf Freddy (rechts im Bild)!
Freddy-Darsteller Jack Dylan Grazer überzeugt auf ganzer Linie. fullscreen
Freddy-Darsteller Jack Dylan Grazer überzeugt auf ganzer Linie.
Ein Hoch auf Freddy (rechts im Bild)!
Freddy-Darsteller Jack Dylan Grazer überzeugt auf ganzer Linie.

Überhaupt können sich die jungen Darsteller sehen lassen, auch wenn die teils liebenswerten, teils schrulligen Charaktere Darla, Mary, Eugene und Pedro für meinen Geschmack etwas zu kurz kamen. Falls es ein Sequel geben sollte, lautet mein Wunsch deshalb: mehr von der Shazam-Familie, bitte!

Fazit

(Fast) alles richtig gemacht, DC! Mit "Shazam!" kehrt die kindliche Freude am Superhelden-Genre auf die Leinwand zurück. Welcher junge (oder jung gebliebene) Fan hat sich schließlich nicht schon einmal gewünscht, Superkräfte zu haben?

Sogar an die erwachsenen Anhänger hat Sandberg gedacht: Zwar ist der gewollt kitschige Oldschool-Look des Helden – in Anlehnung an dessen Ursprung in den 1940er-Jahren – sicher nicht jedermanns Geschmack. Dafür gibt es in "Shazam!" jede Menge geschickt versteckte Anspielungen auf das restliche DC Extended Universe zu entdecken.

Und auch wer diese nicht versteht, wird an dem neuen Blockbuster seine Freude haben. Denn im Gegensatz zu diversen anderen DCEU-Filmen, setzt "Shazam!" keinerlei Vorkenntnisse voraus. Das Debüt von "Captain Sparkle Fingers" versteht sich selbst mehr als Standalone- statt als Franchise-Film und läutet genau damit einen willkommenen Kurswechsel bei DC ein.

Shazam!
Shazam!
  • Datenblatt
  • Genre
    Comicverfilmung, Action
  • Laufzeit
    2 Stunden 12 Minuten
  • Release
    4. April 2019
  • FSK
    ab 12
TURN ON Score:
4,0von 5
Kommentar schreiben
Relevante Themen:

Neueste Artikel zum Thema Shazam!

close
Bitte Suchbegriff eingeben