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Kritik zu "The Dead Don't Die": Der Hipster unter den Zombiekomödien

"The Dead Don't Die" startet am 14. Juni in den Kinos.
"The Dead Don't Die" startet am 14. Juni in den Kinos.

Bill Murray! Adam Driver! Chloë Sevigny! Tilda Swinton! Steve Buscemi! Für die Zombiekomödie "The Dead Don't Die" hat Regisseur Jim Jarmusch jede Menge Hollywoodstars verpflichtet – hat das geholfen? Warum "The Dead Don't Die" nicht für jedermann ist, sagen wir Dir in unserer Kritik.

"Lakonisch", so definiert es der Duden, bedeutet "kurz, einfach und ohne Erläuterung". Und so werden auch die meisten Filme von Jim Jarmusch beschrieben, die sich gängigen Hollywood-Regeln meist verweigern. Damit hat sich der weißhaarige Regie-Querkopf im Laufe seiner Karriere eine treue Fanschar erarbeitet, die eher im Indie-Segment zu Hause ist – mit "The Dead Don't Die" schielt Jarmusch jedoch ganz ungeniert in Richtung Mainstream. Der Elevator Pitch "Zombiekomödie mit Meta-Humor und vielen bekannten Stars" dürfte in der Tat Interesse wecken – leicht macht es Jarmusch dem Zuschauer aber auch diesmal nicht.

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Fans von "The Walking Dead" und "Game of Thrones" wissen: Zombiemädchen können nichts Gutes bedeuten.

Eher lästig als schockierend: Die Toten stehen wieder auf

Im verschlafenen Örtchen Centerville ist die Welt noch in Ordnung: Bill Murray und Adam "Kylo Ren" Driver sorgen als gemütliche Polizisten für Ruhe, die exzentrische Tilda Swinton (mit breitem schottischen Akzent) ist die örtliche Bestatterin und Samurai (nein, das ist kein Textfehler!), Steve Buscemi grummelt als latent rassistischer Landwirt in seinen Morgenkaffee, und Musikerlegende Tom Waits streift als zotteliger Landstreicher durchs Gebüsch – ein Mikrokosmos der seltsamen Typen. Wer in den 90ern die TV-Serie "Picket Fences" gesehen hat, wird sich sofort heimisch fühlen.

Mit der Beschaulichkeit ist es vorbei, als sich die Toten aus ihren Gräbern erheben. Durch zerstörerisches Fracking hat sich die Erdachse verschoben, und aus irgendeinem Grund ist das der direkte Auslöser für die Zombie-Apokalypse – nicht das einzige Element in der Story, das nicht erklärt wird und das man einfach so hinnehmen muss.

Überhaupt, hinnehmen: Langmut beweisen auch die Figuren im Film, denn statt angesichts des drohenden Weltuntergangs in Panik oder Hysterie zu verfallen, warten sie lieber ab und krempeln dann eher unwillig die Ärmel hoch, um der untoten Plage Herr zu werden. Das Landleben ist eben so schön unaufgeregt – und wegen ein paar läppischer Zombies lässt man sich ja nicht gleich verrückt machen.

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"Sollten wir schießen...?" – "Joa, jetzt warten wir erst mal ab. Vielleicht gibt sich das alles wieder."

Ist das schon Meta-Meta-Humor?

Eigentlich sollte ich nicht viel mehr über "The Dead Don't Die" verraten, die schönsten Momente resultieren aus der Unberechenbarkeit des Skripts. Ein Element der Geschichte verdient aber eine besondere Erwähnung: der Meta-Humor, der den eher locker-leichten Tonfall des Films prägt und gleichzeitig nahezu bedeutungslos ist – sowas schafft wohl nur Jim Jarmusch.

"Das wird nicht gut ausgehen", murmelt Adam Driver immer wieder im Film, bis seinem Kollegen und Vorgesetzten Bill Murray die Hutschnur platzt: Was soll dieses Gelaber? Woher nimmt der Jungspund eigentlich diese fatalistische Gewissheit? Adam Drivers überraschende Antwort: Er habe halt das Skript gelesen und wisse daher, was am Ende des Films passiert. Bill Murray ungläubig: Das darf doch wohl nicht wahr sein – ihm selbst habe Jim Jarmusch nur seine eigenen Szenen gegeben. Und das, nachdem der Regisseur und sein Star schon so viel gemeinsam erlebt haben!

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Steve Buscemi hat diesmal leider nur eine Nebenrolle.

Groteske Momente wie diese kommen fast aus dem Nichts und haben mir an "The Dead Don't Die" am besten gefallen – ich war mir bis zum Schluss nie ganz sicher, ob Jarmusch nicht noch ein paar durchgeknallte Ideen in der Hinterhand hat (Spoiler: Hat er). Wer jetzt eine plumpe Nummernrevue mit zeitgeistigen "Zwinker, zwinker"-Popkultur-Gags befürchtet, kann aufatmen: So bequem ist "The Dead Don't Die" nie. Weder erwähnen die Figuren im Minutentakt andere Zombiefilme noch streiten sie darüber, ob man die Zombies Zombies nennen darf. Im Grunde ist die Tatsache, dass die Charaktere im Film wissen, dass sie Schauspieler in einem Film sind, für den Verlauf der Geschichte ziemlich egal. Das ist dann wohl Meta-Meta-Humor.

Zum Schmunzeln? Ja. Aber auch zum Lachen?

Jarmusch liefert somit ein weiteres Mal einen Film ab, der schwer zu erklären ist, noch schwerer einzuordnen und das breite Publikum eher verwirrt zurücklassen wird. Es mischen sich liebgewonnene Klischees der guten, alten B-Filme mit einer fast schon nihilistischen "Bringt ja eh alles nix"-Attitüde, was für eine durchaus eigenwillige Reibung sorgt.

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Rosie Perez spielt "Posie Juarez" – selbst ein Feingeist wie Jim Jarmusch lacht halt auch mal über Stumpfsinn.

Ich fühlte mich von "The Dead Don't Die" gut unterhalten und musste ziemlich oft schmunzeln – zu einem richtigen Lachen hat's jedoch selten gereicht. Die Figuren sind allesamt charmant, und das Drehbuch ist originell, aber die Geschichte mäandert dann doch zu sehr vor sich hin. Und wenn mich jetzt jemand fragt, was das Ganze schlussendlich soll, habe ich keine rechte Antwort darauf.

Fazit: Der Hipster unter den Zombiekömodien

"The Dead Don't Die" wird sein Publikum, aber nur wenige Hardcore-Fans finden. Es ist natürlich erfrischend, wenn ein Regisseur sich so wenig um Publikumserwartungen und Sehgewohnheiten schert, kompromisslos sein Ding durchzieht und einen Film genau so abliefert, wie er ihn im Kopf gehabt hat. Das Resultat ist aber ein streckenweise unebener Beitrag irgendwo zwischen Hommage und Satire, dem ein wenig mehr Konzentration auf das Wesentliche gutgetan hätte.

Oder lass es mich so sagen: Wenn Du mit Kumpels mal wieder einen schön blutigen Partyfilm gucken willst, dann mach lieber nochmal "Shaun of the Dead" statt "The Dead Don't Die" an.

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Sonst gucken Deine Freunde schlimmstenfalls nämlich SO.

The Dead Don't Die
The Dead Don't Die
  • Datenblatt
  • Genre
    Horror, Komödie, Fantasy
  • Laufzeit
    1 Stunde 43 Minuten
  • Release
    14. Juni 2019
  • FSK
    ab 16
TURN ON Score:
3,0von 5
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