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"Mortal Engines"-Kritik: Steampunk-Spektakel mit Hindernissen

Mampf, mampf: London hat Hunger!
Mampf, mampf: London hat Hunger!
Christin Ehlers Würde ein "König der Löwen"-Remake mit Benedict Cumberbatch notfalls aus eigener Tasche zahlen.

Gigantische Städte auf Rädern, die sich auf der Suche nach Ressourcen gegenseitig verspeisen – das klingt nach einer ziemlich abgefahrenen Science-Fiction-Story in Steampunk-Optik. Ob das dem Streifen "Mortal Engines: Krieg der Städte" mit der Unterstützung von Peter Jackson gelungen ist? Du erfährst es in unserer Filmkritik.

Keep rollin', rollin', rollin': Die Story

Die Welt, wie wir sie kennen, gibt es schon lange nicht mehr. Der sogenannte 60-Minuten-Krieg hat die Menschheit nahezu ausgelöscht, ganze Kontinente verändert und die Überlebenden dazu gezwungen, sich auf gigantischen rollenden Städten durch die Welt zu bewegen. Wie fleißige kleine Bienen sind sie bemüht, Ressourcen zu sammeln, um über die Runden zu kommen. Doch es gibt immer eine Stadt, die größer als die andere ist – und sich das zunutze macht. Eine davon ist London, die an Größe und Macht kaum zu übertreffen ist.

Mitten in diesem Krieg der Städte findet sich die junge Hester Shaw (Hera Hilmar) wieder, die mit dem heimlichen Anführer Londons, Thaddeus Valentine (Hugo Weaving), noch eine Rechnung zu begleichen hat. Der verfolgt, neben der Eliminierung von Hester Shaw, allerdings noch ein ganz anderes Ziel: Er will die Weltherrschaft an sich reißen und baut dafür heimlich an einer Superwaffe.

Detailverliebtheit bis zur kleinsten Schraube

Peter Jackson, der als Produzent und Drehbuchautor an "Mortal Engines: Krieg der Städte" beteiligt war, meldet sich mit einer weiteren opulenten und sehr detailreichen Romanverfilmung zurück. Hatte er mit der "Herr der Ringe"-Trilogie für Staunen und viel positive Kritik gesorgt, waren die Stimmen rund zehn Jahre später, als er die "Hobbit"-Trilogie herausbrachte, eher verhalten. Mit "Mortal Engines" hat sich Peter Jackson einen neuen Roman vorgeknöpft, den er nun auf die große Leinwand bringt.

Das ist ihm auch absolut gelungen, allerdings nur auf visueller Ebene – denn inhaltlich kann der Film leider nicht überzeugen. Aber dazu später mehr. Was die Special Effects angeht, kann man "Mortal Engines: Krieg der Städte" nichts ankreiden: Peter Jackson und sein Team legen eine unglaubliche Detailverliebtheit an den Tag. Das wird nicht nur in den Panorama-Aufnahmen deutlich, sondern auch bei dem Design der rollenden Städte, das bis zur kleinsten Schraube hin ausgearbeitet ist. Mehrfach fühlte ich mich an die "Cloud Atlas"-Verfilmung der Wachowskis erinnert.

London als rollender Koloss ... fullscreen
London als rollender Koloss ...
... dem man sich besser nicht in den Weg stellen sollte. fullscreen
... dem man sich besser nicht in den Weg stellen sollte.
Doch irgendeiner weiß es immer besser und versucht sein Glück. Rebellisch ... fullscreen
Doch irgendeiner weiß es immer besser und versucht sein Glück. Rebellisch ...
Die Welten, die "Mortal Engines" erschafft, haben enorme Schauwerte. fullscreen
Die Welten, die "Mortal Engines" erschafft, haben enorme Schauwerte.
London als rollender Koloss ...
... dem man sich besser nicht in den Weg stellen sollte.
Doch irgendeiner weiß es immer besser und versucht sein Glück. Rebellisch ...
Die Welten, die "Mortal Engines" erschafft, haben enorme Schauwerte.

Städte-Darwinismus als Überlebensform

Gleich zu Beginn wirft einen der Film mitten ins Geschehen: Mehrere Städte sind miteinander verbunden und treiben Handel mit ihren Ressourcen – bis London anrollt und alle anderen das Weite suchen. Die anschließende Verfolgungsjagd ist spektakulär und spannend inszeniert. London wirkt wie ein Haifisch, der hinter einer kleinen Makrele herjagt, die wiederum um ihr Leben schwimmt. Mit dröhnenden und donnernden Panzerketten rollt die gigantische Metropole hinter dem kleinen Städtchen her, dass die Kinositze nur so wackeln. Als Städte-Darwinismus wird die Einverleibung der "Kleinen" im Film treffend bezeichnet.

Hugo Weaving, bekannt aus "Matrix" und "Der Herr der Ringe", spielt in "Mortal Engines" den mächtigen Thaddeus Valentine. fullscreen
Hugo Weaving, bekannt aus "Matrix" und "Der Herr der Ringe", spielt in "Mortal Engines" den mächtigen Thaddeus Valentine.
Das wahre Gesicht des ehemaligen Historikers zeigt sich erst im Laufe des Films. fullscreen
Das wahre Gesicht des ehemaligen Historikers zeigt sich erst im Laufe des Films.
Hester Shaw lässt sich von Thaddeus nicht blenden ... fullscreen
Hester Shaw lässt sich von Thaddeus nicht blenden ...
Sie verfolgt ihr Ziel – koste es, was es wolle. fullscreen
Sie verfolgt ihr Ziel – koste es, was es wolle.
Hester Shaw hat eine tragische Vergangenheit. fullscreen
Hester Shaw hat eine tragische Vergangenheit.
Hugo Weaving, bekannt aus "Matrix" und "Der Herr der Ringe", spielt in "Mortal Engines" den mächtigen Thaddeus Valentine.
Das wahre Gesicht des ehemaligen Historikers zeigt sich erst im Laufe des Films.
Hester Shaw lässt sich von Thaddeus nicht blenden ...
Sie verfolgt ihr Ziel – koste es, was es wolle.
Hester Shaw hat eine tragische Vergangenheit.

Zu viele Charaktere, die es nicht braucht

All die Schauwerte können allerdings die inhaltlichen und inszenatorischen Schwächen nicht aufwiegen. Man wird bei "Mortal Engines" das Gefühl nicht los, dass Peter Jackson und Regisseur Christian Rivers versucht haben, so viel wie möglich aus der Buchreihe in 128 Minuten hinein zu pressen. Das führt dazu, dass es viel zu viele Charaktere gibt, die nach und nach vorgestellt werden, die aber keine Relevanz für den Film haben.

Wer hat Angst vorm grünäugigen Mann? Hester Shaw zumindest nicht! fullscreen
Wer hat Angst vorm grünäugigen Mann? Hester Shaw zumindest nicht!
Und wenn er kommt? Dann läuft sie – und zwar schnell! fullscreen
Und wenn er kommt? Dann läuft sie – und zwar schnell!
Tom (links) und Katherine (rechts) fullscreen
Tom (links) und Katherine (rechts)
Völlig unnötig: Die Charaktere Katherine und Bevis. fullscreen
Völlig unnötig: Die Charaktere Katherine und Bevis.
Wer hat Angst vorm grünäugigen Mann? Hester Shaw zumindest nicht!
Und wenn er kommt? Dann läuft sie – und zwar schnell!
Tom (links) und Katherine (rechts)
Völlig unnötig: Die Charaktere Katherine und Bevis.

Wie zum Beispiel Hesters Ziehvater Shrike (Stephen Lang). Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, aber mit ihm wird ein (Pseudo-)Antagonist eingeführt, den es nicht gebraucht hätte. Oder auch Katherine Valentine (Leila George), die Tochter von Thaddeus. Zusammen mit Bevis Pod (Ronan Raftery) geht sie den Machenschaften ihres Vaters auf die Grund, doch "Mortal Engines: Krieg der Städte" hätte auch ohne ihre Storyline bestens funktioniert. Vor allem, weil es zwischen den beiden von Anfang an einen Konflikt zu geben scheint – der jedoch nie weiter thematisiert wird.

Love Is In The Air ... wirklich!

Natürlich entwickelt sich im Laufe des Films eine Liebesgeschichte zwischen Hester Shaw und ihrem Begleiter wider Willen, Tom Natsworthy (Robert Sheehan). Wenn man 24 Stunden aufeinander hockt, passiert das bekanntermaßen sehr schnell ... Generell erwartet den Zuschauer ein echtes Wechselbad der Gefühle. Im Bruchteil einer Sekunde werden aus Freunden plötzlich Feinde – und umgekehrt.

Mortal Engines
Gemeinsam fliegen Hester und Tom der Sonne entgegen ... hach!

Tom wäre wohl gerne Han Solo

Hinzu kommen Entscheidungen bei den Kameraeinstellungen, bei denen ich mehrfach dachte: "Echt jetzt?!" Zum Beispiel, wenn Tom Natsworthy plötzlich eine Lederjacke anschmachtet und so hingebungsvoll wie verträumt mit den Fingern streichelt, weil offenbar nur sie seine Liebe zum Piloten-Dasein ausdrücken kann. Dass sich die Welt gerade kurz vor dem Abgrund befindet, spielt keine Rolle.

Genauso auch einige Einstellungen, in denen Anna Fang (Jihae), Hesters Retterin in der Not, gezeigt wird. Heroisch landet sie aus schwindelerregender Höhe wie eine Superheldin auf dem Boden und reißt mit etwas Verzögerung ihren Kopf dramatisch in die Höhe. Wow, wirklich kreativ ... so etwas hat es vorher ja noch nie gegeben ...

Tom Natsworthy ist Historiker mit Leib und Seele – aber auch ein leidenschaftlicher Pilot. fullscreen
Tom Natsworthy ist Historiker mit Leib und Seele – aber auch ein leidenschaftlicher Pilot.
Hester Shaw (Hera Hilmar) und ihr roboterartiges Alter Ego. fullscreen
Hester Shaw (Hera Hilmar) und ihr roboterartiges Alter Ego.
Tom Natsworthy ist Historiker mit Leib und Seele – aber auch ein leidenschaftlicher Pilot.
Hester Shaw (Hera Hilmar) und ihr roboterartiges Alter Ego.

Fazit: Verschenktes Potenzial

Es gibt einfach zu viele Entscheidungen in "Mortal Engines", die die berechtigte Frage aufkommen lassen: Was wollen uns Rivers und Jackson eigentlich mitteilen? Teilweise wirkt es wie eine harmlose Version von "Mad Max: Fury Road", doch es gibt auch Szenen, in denen man das Gefühl hat, plötzlich mitten in einem "Star Wars"-Film zu sitzen. Ich habe wirklich nur auf den Moment gewartet, in dem der Satz "Ich bin Dein Vater" fällt.

Das ist ziemlich schade, denn eigentlich bietet die Welt von "Mortal Engines: Krieg der Städte" extrem viel Potenzial – doch es wird einfach nicht genutzt. Statt sich auf wesentliche Handlungselemente zu fokussieren, werden viel zu viele (unnötige) Charaktere eingeführt, die keinen Mehrwert bieten. Was der Film definitiv ist: ein optisch aufgeblasenes CGI-Feuerwerk, das mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurde. Was der Film definitiv nicht ist: Ein Science-Fiction-Blockbuster mit packender Story und fesselnden Charakteren.

TURN ON-Wertung: 2/5

Mortal Engines: Krieg der Städte
Mortal Engines: Krieg der Städte
Mortal Engines: Krieg der Städte
  • Datenblatt
  • Originaltitel
    Mortal Engines
  • Kinostart (D)
    13.12.2018
  • Genre
    Fantasy
  • Besetzung
    Hera Hilmar, Hugo Weaving, Jihae
  • Regie
    Christian Rivers
  • Produktionsland/-jahr
    USA 2018
Turn-On Score:
2,0
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