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Netflix-Serie "Bodyguard" beweist: Richard Madden wäre der ideale Bond

Richard Madden spielt in der BBC-Serie "Bodyguard" einen Personenschützer.
Richard Madden spielt in der BBC-Serie "Bodyguard" einen Personenschützer. (©Sophie Mutevelian/World Productions/Netflix 2018)

Nichts bewegt die Gemüter der Bond-Fans momentan so sehr, wie die Frage danach, wer das Agenten-Erbe von Daniel Craig antritt. Unzählige Stars werden immer wieder von der Presse ins Spiel gebracht, doch offiziell ist bislang noch nichts. Wir hätten mit Richard Madden schon den passenden 007 gefunden, denn in der Netflix-Serie "Bodyguard" zeigt er ganz klar seine Qualitäten im Dienste der Krone. 

Die Suche nach einem Bond-Nachfolger geht weiter

Daniel Craig hat seinen Dienst noch gar nicht endgültig quittiert, da wird schon mit Hochdruck nach einem Nachfolger gesucht. Vor allem Idris Elba galt einige Zeit als großer Favorit für den Part. Und auch Henry Cavill bekundete großes Interesse an dem Doppelnull-Status. Doch mit Richard Madden könnte sich jetzt tatsächlich ein Außenseiter den Part krallen. Den Afghanistan-Veteranen und Personenschützer spielt er in "Bodyguard" so überzeugend, dass einem unwillkürlich Vergleiche mit James Bond einfallen.

Richard Madden gibt in der Miniserie "Bodyguard" den Titelhelden, ... fullscreen
Richard Madden gibt in der Miniserie "Bodyguard" den Titelhelden, ... (©Netflix 2018)
... der die britische Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes) beschützt. fullscreen
... der die britische Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes) beschützt. (©World Productions/Netflix 2018)

Und das sehen die Macher der Koproduktion von BBC und Netflix offenbar genauso. Jed Mercurio, der Drehbuchautor und Serienschöpfer von "Bodyguard", ist laut Digital Spy überzeugt, dass es keinen besseren Kandidaten als Madden gäbe. Und auch James-Bond-Produzentin Barbara Broccoli ist offenbar schon auf den schottischen Darsteller aufmerksam geworden: Die Daily Mail will von einem unbekannten Insider erfahren haben, dass Madden "ganz oben auf Barbara [Broccolis] Liste" steht und sie ihm die Rolle bald anbieten könnte.

Richard Madden muss sich nach "Game of Thrones" beweisen

Natürlich sind solche Gerüchte immer mit Vorsicht zu genießen, doch sie haben mich neugierig gemacht. Also habe ich mir die ersten drei Episoden von "Bodyguard" angesehen, um mich selbst von Maddens Qualitäten zu überzeugen. Bislang war mir der Schotte vor allem als Robb Stark in "Game of Thrones" bekannt, in der er als kurzzeitiges Oberhaupt des Hauses Stark und König des Nordens eindeutig Starqualitäten bewies. Doch auch nach seinem tragischen Ausscheiden aus der HBO-Serie nach Staffel 3 habe ich seine Karriere mit Interesse verfolgt – und muss sagen, dass ich bezüglich seiner Schauspielkunst gemischte Gefühle hege.

Seit "Game of Thrones" war Richard Madden vor allem in TV-Produktionen zu sehen. (© 2013 HBO)

Den Prinzen in "Cinderella" hat er ohne Probleme aus dem Ärmel geschüttelt, doch in der Historienserie "Die Medici: Herrscher von Florenz" konnte ich ihm den Familienpatriarchen nicht wirklich abnehmen. Und auch die (zahme) Neuauflage von "Lady Chatterley's Lover", in der er den Wildhüter Oliver Mellors gibt, war für mich unausgegoren.

Zugegeben: Das lag wohl mehr am Drehbuch als an seiner Leistung. Interessanterweise wurde die Buchadaption von Jed Mercurio inszeniert, der "Bodyguard" erschuf und auch die Drehbücher zur sechsteiligen Miniserie lieferte. Im Vorwege las ich schon, dass der britischen Dramaserie mit 10,4 Millionen Zuschauern auf BBC der beste Serienstart seit über einem Jahrzehnt gelang.

"Bodyguard" zeigt einen selbstlosen Helden ...

Insofern war ich in doppelter Weise gespannt, was mir mit "Bodyguard" präsentiert wird. Mit gemischten Gefühlen begann ich also mit der ersten Folge – und alle meine Zweifel wurden schon innerhalb der ersten 20 Minuten weggewischt. Der Zuschauer wird mitten ins Geschehen geworfen und beobachtet einen Reisenden (Madden), der sich später als Bodyguard David Budd herausstellen wird, dabei, wie er einem Selbstmordattentat in einem Zug auf die Spur kommt. Obwohl gerade nicht im Einsatz, übernimmt er ganz selbstverständlich die Führung.

Sein angespannt aufmerksamer Blick, sein zielsicherer Gang: Alles scheint zu beweisen, dass er die Situation vollkommen unter Kontrolle hat. Dabei geht es ihm nicht nur darum, die anderen Zugreisenden zu retten oder "zu gewinnen". Ihm liegt auch etwas an der jungen muslimischen Frau, die offenbar von ihrem Mann zu dem Anschlag gedrängt wurde. Unter Einsatz seines eigenen Lebens schützt er sie vor dem schießwütigen, eintreffenden Rettungskommando.

... mit schwerem emotionalen Gepäck

Dieses erste Drittel der Episode macht schon deutlich, dass wir es mit einem waschechten Helden zu tun haben. Und dieser Eindruck wird noch im weiteren Verlauf verstärkt. Wir erfahren, dass Budd als Soldat in Afghanistan und Irak diente, und nun im Personenschutz des Londoner Metropolitan Police Service tätig ist. Sein Verhalten gegenüber den Vorgesetzten ist einwandfrei, im Dienst ist er ein perfekter, fast überkorrekter Gentleman und strahlt in jeder Situation Professionalität aus.

Professionell durch und durch. fullscreen
Professionell durch und durch. (©Netflix 2018)
Richard Madden als Personenschützer David Budd. fullscreen
Richard Madden als Personenschützer David Budd. (©Sophie Mutevelian/World Productions/Netflix 2018)

Doch diese Fassade bröckelt zunehmend. Schon im Umgang mit der Attentäterin bricht kurzzeitig eine Hilflosigkeit und Angst aus ihm heraus, die er ansonsten sorgsam unter Verschluss hält. Denn Budd hat Narben aus dem Krieg mitgenommen, sowohl "physischer als auch psychischer Natur", wie Madden im Interview mit der BBC klarstellt. Auch aus diesem Grund lebt Budd getrennt von seiner Frau und den zwei gemeinsamen Kindern, was nicht seine eigene Entscheidung ist.

Der schottische Darsteller birgt klares Bond-Potential

Dass aus dem Bodyguard eine vielschichtige, dreidimensionale Figur wird, liegt neben dem guten Drehbuch vor allem an Richard Madden: Er spielt die Stärken des Charakters gekonnt aus, ohne Scheu davor zu haben, auch seine verletzliche Seite zu zeigen. Der ständige Konflikt Budds zwischen Rebellion und Pflichtgefühl gegenüber dem Establishment schwelt durch die ganze Serie hindurch. Letztlich ist der Bodyguard eine unglaublich tragische und einsame Figur, die sich gerade in den Dienst der Person –  Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes) – stellen muss, die vieles von dem verkörpert, dass er an der Regierung hasst: Kriegstreiberei, Panikmache und Machtgier.

Auch wenn er mit der Innenministerin nicht einer Meinung ist, ... fullscreen
Auch wenn er mit der Innenministerin nicht einer Meinung ist, ... (©Sophie Mutevelian/World Productions/Netflix 2018)
... schützt er sie mit seinem Leben. fullscreen
... schützt er sie mit seinem Leben. (©Netflix 2018)

Das sind alles ideale Voraussetzungen für Madden, um James Bond zu verkörpern, denn auch der Geheimagent Ihrer Majestät kommt im neuen Jahrtausend nicht ohne eigenen Ballast aus. So ist gerade Daniel Craigs 007 ein Getriebener, eine Waise, die vor ihrer Vergangenheit flüchtet, und nicht zur Ruhe zu kommen scheint. Und auch mit Autoritäten hat der Agent Ihrer Majestät so seine Probleme und setzt sich wiederholt direkten Befehlen von M entgegen. Interessanterweise hat es auch Budd fast ausschließlich mit weiblichen Vorgesetzten zu tun, deren Anordnungen er jedoch zunehmend hinterfragt.

Auf den Spuren von Sean Connery ...

Nicht zuletzt wäre es fast eine Verbeugung vor dem ersten James-Bond-Darsteller Sean Connery, wenn Richard Madden als 007 gecastet würde. Denn wie dieser ist der "Game of Thrones"-Star Schotte, auch wenn er den Akzent für die meisten Rollen – jedoch nicht in "Bodyguard" – verbergen muss. Seit Connery schlüpften ein Australier, ein Ire und drei Briten in die Rolle des legendären MI6-Agenten. Und ebenso wie diese bringt Madden nicht zuletzt die passende Physis mit, um den Agent Ihrer Majestät zu spielen.

Daniel Craig ist erst der sechste Bond-Darsteller in der über 50-jährigen Geschichte des Franchise. (© 2017 20th Century Fox Home Entertainment)

Nicht nur, dass der Anzug wie angegossen sitzt, auch in nervenaufreibende Actionsequenzen in "Bodyguard" beweist der Darsteller sein Faible fürs Blockbusterkino. Zudem ist Madden mit Anfang 30 noch jung genug, um mehrere Bond-Abenteuer zu bestreiten. Die Größe des Franchise dürfte ihn nicht verschrecken, hat er doch mit "Game of Thrones" in jungen Jahren große Erfolge gefeiert. Der Weg ist also frei ...

Fazit: Richard Madden hat es drauf

Ganz klar, Richard Madden bringt alles mit, um James Bond in die 2020er zu überführen. Schauspieltalent, Action-Affinität und nicht zuletzt die passende Nationalität. Wer sich davon selbst überzeugen möchte, sollte einen Blick in "Bodyguard" werfen. Die Koproduktion, die bereits sehr erfolgreich in Großbritannien ausgestrahlt wurde, ist ab dem 24.10. auf Netflix abrufbar.

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