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Review zu "See" auf Apple TV+: Nicht perfekt, aber sehenswert

Hera Hilmar und Jason Momoa in der Apple-Serie "See"
Die Apple-Serie "See": schön, aber nicht makellos.

Der Startschuss für Apple TV+ ist gefallen. Eine der ersten Originalserien auf dem neuen Streamingdienst ist die Sci-Fi-Produktion "See – Reich der Blinden" mit Jason Momoa. Pro Folge investierte Apple ein Budget in Millionenhöhe  – und das sieht man der Serie an! Trotzdem gibt es in den ersten drei Episoden neben Licht auch etwas Schatten.

"See", optisch ein Hingucker!

Eines kann man "See" nicht absprechen: Visuell ist die Sci-Fi-Show ein echtes Spektakel. Passend zum Titel scheint es beinahe so, als wollten die Serienmacher von Apple sagen: "Sieh her, was wir alles können!"

Das beginnt schon beim wunderschönen Intro: Der Zuschauer wird in völlige Dunkelheit getaucht, nur durchbrochen von aufblitzenden Schemen. Eine direkte Brücke zur Handlung, denn "See" spielt in einer Zukunft, in der der Rest der Menschheit durch einen Virus erblindet ist. Sehkraft ist nur noch ein Mythos.

Weiter geht's mit ausladenden Kamerafahrten durch malerische Berg- und Seenlandschaften, bevor Serienschöpfer Steven Knight ("Peaky Blinders") und Regisseur Francis Lawrence (diverse "Tribute von Panem"-Filme) den Zuschauer ohne Vorwarnung ins actionreiche Kampfgetümmel werfen.

Knallharte Action trifft auf detaillierten Weltenbau

Während seine Frau Maghra (Hera Hilmar) in den Wehen liegt, verteidigt der blinde Krieger Baba Voss ("Aquaman"-Star Jason Momoa) sein Dorf gegen Hexenjäger. Eine Kampfsequenz, in der die Naturgewalt Momoa einmal mehr beweisen kann, dass er für schnelle, blutige Actionszenen wie gemacht ist. Dabei ist diese anfängliche Schlacht nur ein Vorgeschmack auf das brutale Action-Ballett, das Momoa in Episode 3 zum Besten gibt ...

Kampfszene aus der Apple-Serie "See" mit Jason Momoa fullscreen
Baba Voss (oben) lauert auf seine Feinde – bin ich eigentlich die einzige, die bei diesem Namen an Mineralwasser denken muss?

Untermalt wird das kinotaugliche Gemetzel von einem perfekt durchdachten Sound-Design und einem beeindruckenden Soundtrack von Filmkomponist Bear McCreary. Schließlich kommt es in einer Welt voller blinder Menschen auf jedes noch so kleine Geräusch an.

Am bemerkenswertesten ist jedoch, wie viel wir in wenigen Minuten über die Welt von "See" lernen. Vom alltäglichen Leben der blinden Bevölkerung in perfekt symmetrischen angeordneten Behausungen, über die Kriegsstrategien der unterschiedlichen Clans und ihre Kommunikation bis hin zur verbreiteten Religion werden diverse spannende Weltenbau-Elemente beiläufig eingestreut. Besonders interessant sind auch die "Sniffler", Menschen, die ihre Feinde über weite Entfernungen hinweg "erschnuppern" können.

Und genau diese neue Welt scheint nun durch die Zwillinge von Baba Voss und seiner Frau bedroht – zumindest lautet so das Urteil von Queen Kane (Sylvia Hoeks) und ihren Hexenjägern. Denn die Kinder besitzen die "Macht des Lichtes" – sie können sehen.

Der größte Schwachpunkt? Die Charaktere.

Leider haben sich das kreative Team rund um Knight und Lawrence nicht bei allem solche Mühe gegeben, wie bei der Inszenierung ihrer dystopischen Welt. Vor allem die Charakterentwicklung bleibt in weiten Teilen oberflächlich. Selbst nach der dritten Folge könnte ich keinen Charakter benennen, der das Zeug zum Fanliebling hat – mal abgesehen von Momoas Baba Voss, der allein heraussticht, weil seine gesamte Art so sehr der von Momoa selbst entspricht: ein muskelbepackter Hüne mit einem Herz aus Gold.

Geradezu blass erscheinen hingegen die isländische Schauspielerin Hera Hilmar ("Mortal Engines") als Maghra und Golden-Globe-Preisträgerin Alfre Woodard ("Miss Evers' Boys – Die Gerechtigkeit siegt") als Paris. Bislang erschließt sich mir nicht, was die beiden Hollywoodstars zu diesen langweiligen Charakteren hingezogen hat. Vielleicht wäre es für die Glaubwürdigkeit der Figuren besser gewesen, zwei tatsächliche blinde Darstellerinnen zu besetzen?

Deutlich positiver sehe ich die Performance von Sylvia Hoeks ("Blade Runner 2049") als Königin Kane. Ihre Figur strahlt immerhin eine intensive, bedrohliche Anspannung aus, die einer Antagonistin würdig ist. Bleibt zu hoffen, dass die gnadenlose Queen künftig noch aktiver in die Handlung angreift, statt immer nur auf den nächsten Zug ihrer Gegner zu warten und zu "beten".

Fazit: Kein "Game of Thrones", aber einen Blick wert

Schon vor ihrem Start wurde die Serie "See" oft als "Apples 'Game of Thrones'" bezeichnet. Trotz des hohen Budgets und Khal-Drogo-Darsteller Jason Momoa reicht das Sci-Fi-Spektakel in den ersten Folgen allerdings nicht an die HBO-Hitserie heran. "See" fehlen die unerwarteten Twists und die mitreißenden Charaktere, die "GoT" zu Beginn so fesselnd machten.

Aber was nicht ist, kann ja auf lange Sicht (haha!) noch werden. Schließlich war die dritte Folge von "See" für mich die bislang stärkste. Ich werde also dran bleiben – und auf etwas mehr Charakterentwicklung und spannende Storylines hoffen.

Offene Fragen nach 3 Episoden "See"

  • Ob die Gesellschaft wirklich so schnell zusammenbrechen und sich völlig neu ordnen würde, nur weil die Sehkraft verloren geht?
  • Tolles Kostümdesign hin oder her: Weshalb legen die Menschen eigentlich so viel wert auf dekorativen Kopfschmuck, Ketten und ähnliches, wenn diese Deko sowieso niemand sehen kann?

TURN ON-Score: 3,5/5

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